"Momentan herrscht Funkstille!"

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"Das stimmt mich schon sehr nachdenklich!"

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Eigentlich gäbe es derzeit bei Wacker allen Grund zur Freude.

Rapid 2:1 besiegt, als einziges Team in der 27. Runde gewonnen, nur mehr vier Punkte Rückstand auf einen Europacup-Platz und die Erteilung der Lizenz sollte in diesem Jahr auch reibungslos über die Bühne gehen.

Doch die Tiroler machen sich das Leben wieder einmal selbst schwer.

Allen voran Obmann Kaspar Plattner, der kürzlich in einem Interview mit der "TT" aufhorchen ließ.

Der Kader hätte das Potenzial, um noch weiter vorne zu stehen. Er sei mit der sportlichen Situation nicht ganz zufrieden.

Dabei verfügt Wacker mitunter über den billigsten Kader, was schon den Klassenerhalt als Erfolg werten ließe.

LAOLA1 hat Sportdirektor Oliver Prudlo mit den "Querschlägern" seines Chefs konfrontiert und ihn zu seiner ungewissen Zukunft befragt.

LAOLA1: Herr Prudlo, 2:1 gegen Rapid, Wacker als Sieger der Runde – nach so einem Wochenende schläft es sich vermutlich sehr gut, oder?

Oliver Prudlo: Ja, auf jeden Fall. Ein Sieg gegen Rapid ist immer etwas Tolles. Vor allem war es ein attraktives Spiel mit vielen Torchancen auf beiden Seiten. Letztlich hatten wir das bessere Ende, wobei ich finde, dass wir verdient gewonnen haben. Nur eine Sache hat meine Freude etwas getrübt.

LAOLA1: Die Spielunterbrechung aufgrund der Ausschreitungen.

Prudlo: Genau. So etwas hat beim Fußball einfach nichts verloren. Das nimmt mir immer ein bisschen die Freude.

LAOLA1: Wie haben Sie diese Situation erlebt?

Prudlo: Die Rapid-Fans haben mehrmals Feuerwerkskörper geschossen, woraufhin einige Wacker-Fans geglaubt haben, sie müssen zum Gästesektor rennen. Leider sind sie erst spät von unseren Klubmanagement-Mitarbeitern aufgehalten worden. Ich weiß nicht, ob die Polizei und Ordner das Ganze zu spät gesehen haben. Jedenfalls hätte man das früher unterbinden müssen.

LAOLA1: Dann bleiben wir lieber beim Sportlichen. Wacker hat überfallsartig begonnen, Rapid kaum Luft zum Atmen gelassen. Hat Sie das überrascht?

Prudlo: Bei unserer Mannschaft ist immer alles möglich, man weiß nie, was passiert. Wir sind eigentlich gegen niemanden der erklärte Favorit, können aber gegen jede Mannschaft in der Liga gewinnen. Das zieht sich aber durch die ganze Meisterschaft durch. Es ist alles offen.

LAOLA1: Wacker liegt nur mehr vier Punkte hinter Platz drei. Wohin könnte der Weg heuer noch führen?

Prudlo: Das fragen sich derzeit sechs, sieben Mannschaften. Ich werfe jetzt auch gerne zwei Euro ins Phrasenschwein, aber wir müssen wirklich von Spiel zu Spiel denken. Am Schluss wird abgerechnet, dann werden wir sehen, wo wir landen.

LAOLA1: Kommendes Wochenende könnte Wacker noch näher an die Spitze rücken. Ein Sieg gegen Schlusslicht Kapfenberg ist fast Pflicht, während sich die restlichen Teams wieder gegenseitig Punkte wegnehmen.

Prudlo: Zum Einplanen ist in dieser Saison gar nichts. Gegen Kapfenberg erwartet uns ein ganz schwieriges Spiel. Es ist aus meiner Sicht sogar schwieriger als jenes gegen Rapid. Wir befinden uns jetzt aber in der entscheidenden Phase, wo jeder Punkt noch wichtiger ist.

LAOLA1: Zuletzt gab es in Innsbruck wieder Unruhe aus den eigenen Reihen, da Obmann Plattner in der „TT“ gesagt hat, dass Wacker mit diesem Potenzial eigentlich noch weiter vorne stehen müsste. Wie sehen Sie solche Aussagen?

Prudlo: Der Obmann ist der Chef und der kann sagen, was er will. Tatsache ist, dass wir vergangenen Sommer ein gemeinsames Ziel abgesteckt haben und das lautete: Klassenerhalt. Wir wollten uns möglichst früh von den unteren Rängen verabschieden, was auch gelungen ist. Wir sind also im Soll. Das ist alles, was ich dazu sagen kann.

LAOLA1: Wackers Etat beträgt gerade einmal sieben Millionen Euro, wovon nur drei Millionen in die Profispieler-Abteilung fließen. Das ist die niedrigste Quote der Liga. Muss man angesichts dieses „Low-Budget-Teams“ nicht froh sein, überhaupt so nah oben dran zu sein?

Prudlo: Ich denke schon, dass wir aus den vorhandenen Möglichkeiten sehr viel herausholen. Der Trainer leistet mit seinem Stab eine hervorragende Arbeit, das Team hat einen guten Charakter. Wenn ich mir unsere Budgetzahlen im Vergleich zum Rest der Liga ansehe, stehen wir nicht so schlecht da.

LAOLA1: Ist die hohe Erwartungshaltung bei einem Traditionsverein wie Wacker schon fast kontraproduktiv?

Prudlo: Natürlich herrscht in Innsbruck eine höhere Erwartungshaltung als bei den anderen Vereinen, die mit uns vergleichbar sind. Die Geduld der Fans, der Medien und des gesamten Umfeldes ist bei uns wesentlich geringer.

LAOLA1: Für die nächste Saison sollen angeblich noch einmal 300.000 Euro eingespart werden. Wie schwierig gestaltet sich für Sie die Kaderplanung?

Prudlo: Wenn man bisher nicht zu den Liga-Krösussen gehört hat und jetzt wieder einsparen soll, dann stimmt mich das schon sehr nachdenklich.

LAOLA1: Stimmt es Sie auch nachdenklich, dass Ihre eigene Zukunft noch gar nicht geklärt ist? Ihr Vertrag läuft ja mit Ende Juni aus.

Prudlo: Das ist richtig, mein Vertrag läuft Ende Juni aus. Es ist momentan eine ungeklärte Situation, aber das habe ich zu akzeptieren.

LAOLA1: Woran hakt es noch?

Prudlo: Es hat erst ein Gespräch gegeben. Momentan herrscht Funkstille.

LAOLA1: Finden Sie es nicht etwas eigenartig, wie das Ganze gehandhabt wird?

Prudlo: Diese Einschätzung überlasse ich jetzt Ihnen.

LAOLA1: Die letzten zwei Jahre sind überwiegend positiv verlaufen. Fast jeder Spieler, den Sie geholt haben, hat eingeschlagen, dazu wurde ein Transferüberschuss durch diverse Verkäufe erwirtschaftet. Ist es da nicht fahrlässig, dass man mit so einem Sportdirektor – egal wie er heißt – noch nicht verlängert hat?

Prudlo: Ich tu‘ mir schwer, meine eigene Arbeit zu bewerten. Aber ich würde schon sagen, dass die Dinge, die Sie eben genannt haben, stimmen. Jetzt dürfen Sie das gerne bewerten (schmunzelt).

LAOLA1: Sind Sie nicht auch ein wenig stolz darauf, dass die vergangenen zwei Jahre relativ gut verlaufen sind?

Prudlo: Die Ziele, die uns gesteckt worden sind, haben wir eigentlich alle erfüllt. Vor zwei Jahren war der Aufstieg das Ziel, danach die Etablierung in der Bundesliga. Beides ist gelungen, wir sind auf einem guten Weg.

LAOLA1: Wie kommen Sie eigentlich auf Spieler wie Abraham, Burgic oder Merino?

Prudlo: Ich beschäftige mich das ganze Jahr über mit Spielern. Wir versuchen möglichst früh herauszufiltern, wer zu uns passen könnte. Können wir ihn uns finanziell leisten? Passt er als Mensch zur Mannschaft? Welche Ziele verfolgt er noch? Wir wollen den Spieler zumindest ein Mal vorher in einem persönlichen Gespräch „abklopfen“.

LAOLA1: Im Sommer laufen zahlreiche Verträge aus, es gibt auf viele Spieler Optionen. Bis wann wollen bzw. müssen Sie eine Entscheidung treffen?

Prudlo: Noch ist bei keinem Spieler eine Entscheidung getroffen. Wir müssen bis Ende April die Optionen ziehen, das heißt, wir haben noch etwas Zeit.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

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