Erfahrener und unerschütterlich

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Erfahrener und unerschütterlich

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Mittlerweile macht Heimo Pfeifenberger einen entspannten Eindruck.

Dem war in diesem Sommer nicht immer so. Denn der geschaffte Klassenerhalt ist ihm doch einige Zeit nachgehangen: „Ich habe im Urlaub bis zum letzten Tag gebraucht, um von diesen Emotionen runterzukommen.“

Doch das ist schon wieder Vergangenheit. Für den kurioserweise dienstältesten Bundesliga-Trainer steht die zweite, schwere Saison in Wiener Neustadt an.

Es ist zu erwarten, dass erneut der Kampf um den Klassenerhalt im Vordergrund steht. „Für mich ist das noch viel schwieriger, als um den Titel mitzuspielen“, meint der 46-Jährige.

Im LAOLA1-Interview spricht der Coach zudem über die wertvolle Erfahrung, die seine Jungs gemacht haben, Ruhepol Peter Hlinka und die öffentliche Wahrnehmung seines Arbeitgebers.

LAOLA1: Da hat sich ja wieder einiges getan in Wiener Neustadt. Zehn Zugänge, elf Abgänge – war das so geplant?

Heimo Pfeifenberger: Nein, nicht alle. In einigen Fällen wollten wir eine Veränderung. Uns haben aber auch ein paar Schlüsselspieler verlassen – das war nicht gewollt, für uns aber finanziell nicht machbar. Darum haben wir auch zwei, drei Spieler mehr als gewünscht holen müssen.

LAOLA1: Wie schwer wird sich die Mannschaft tun? Von den 13 Spielern mit den meisten Einsatzminuten sind sechs weg. Ist das ein verkraftbarer Prozentsatz?

Pfeifenberger: Jetzt haben die Nächsten die Chance, sich zu zeigen. Das ist für die Neuen eine tolle Plattform. Ich bin überzeugt, dass wir wieder eine schlagkräftige Mannschaft beieinander haben.

LAOLA1: Thomas Pichlmann wurde geholt. Was sagen Sie dazu?

Pfeifenberger: Wenn es möglich ist, einen so starken und dermaßen auslandserfahrenen Spieler zu bekommen, kannst du als Team und Trainer natürlich nur glücklich sein.

LAOLA1: Mit David Witteveen ist ein weiterer Stürmer gekommen. Er geht in seine erste Bundesliga-Saison. Was erwarten Sie von ihm?

Pfeifenberger: Er ist ein bisschen ein Spätstarter (lacht). Er hat bewiesen, dass er in der zweiten Liga Tore machen kann. Wenn er fit bleibt und in einem körperlich guten Zustand ist, ist er in der Box sehr gefährlich. Er ist genau der Spielertyp, den wir gesucht haben. Er kann den Ball halten und verteilen. Gegenüber der zweiten Liga muss er zulegen, aber ich traue ihm das auf jeden Fall zu.

LAOLA1: Mit 32 geschossenen Toren war die Offensive in der Vorsaison ja der Schwachpunkt…

Pfeifenberger: Klar. Unser Offensivspiel war vergangene Saison nicht das beste. Zumindest was das Verwerten der Torchancen angeht. Wir hatten eine Phase, in der wir zwar viele Möglichkeiten hatten, aber kaum getroffen haben. Letztendlich haben wir unser Ziel über die Defensive erreicht. Und, weil wir in den entscheidenden Spielen dann doch ein, zwei Mal zuschlagen konnten. Wir wollen uns offensiv verbessern.

LAOLA1: Sie haben auch diesmal größtenteils junge Spieler geholt. Merken Sie, dass es leichter ist, Kicker zu bekommen, weil sich Wiener Neustadt mittlerweile als Plattform etabliert hat?

Pfeifenberger: Auf alle Fälle. Diesbezüglich war vor allem die vergangene Saison sehr wichtig. Da hatten uns schon vor der Saison alle abgeschrieben und dann sind wir mit unserem super Finish Siebenter geworden. Generell denke ich, dass uns die Zuschauer – nicht nur in Wiener Neustadt, sondern in ganz Österreich – wahrgenommen haben und gemerkt haben, dass sich da etwas tut. Zwar in kleinen Schritten, aber es ist ja wichtig, mal anzufangen. Ich finde es einfach cool, dass sich jeden Tag etwas tut. Teilweise fallen diese Dinge der breiten Öffentlichkeit gar nicht auf, intern bekommen wir das aber mit.

"Ich will von den Spielern gleich von Anfang an mehr einfordern"

LAOLA1: Apropos Erfahrung: Wie wichtig war es, dass Peter Hlinka beim Verein geblieben ist?

Pfeifenberger: Sehr wichtig. Er war unser Ruhepol. An ihm kann sich die Mannschaft anhalten. In gewissen Phasen des Spiels und auch, wenn es zwei, drei Wochen lang mal nicht so läuft. Er ist aufgrund seines Alters ein sehr wertvoller Spieler. Trotzdem ist er noch immer topfit.

LAOLA1: Die Frage nach dem Saisonziel beantworte ich mal selbst: Klassenerhalt. Oder haben Sie sich doch ein höheres Ziel gesteckt?

Pfeifenberger: (lacht) Darüber möchte ich nichts sagen. Im Ernst: Natürlich ist es das Allerwichtigste, in der Liga zu bleiben. Trotzdem wollen wir uns auch konstanter präsentieren. Vergangene Saison hatten wir am Anfang und zwischendrin Hänger, waren sehr inkonstant. Oft hatte das gar nicht so mit den Ergebnissen, sondern vielmehr mit den Leistungen zu tun.

LAOLA1: Wir haben viel über die Mannschaft gesprochen. Man darf aber nicht vergessen, dass auch Sie Ihr erstes Jahr als Bundesliga-Trainer hinter sich haben. Wie war’s?

Pfeifenberger: Ich muss sagen, dass ich in der Sommerpause sehr lange gebraucht habe, um mich zu erholen. Während der Meisterschaft habe ich das gar nicht so mitbekommen, weil ich da so drinnen war. Erst danach ist mir so richtig bewusst geworden, worum es in den letzten drei, vier Runden wirklich gegangen ist. Ich habe im Urlaub bis zum letzten Tag gebraucht, um von diesen Emotionen runterzukommen.

LAOLA1: Welche Lehren haben Sie aus dieser Saison gezogen? Was wollen Sie anders machen?

Pfeifenberger: Ich will von den Spielern gleich von Anfang an mehr einfordern. Das hat letztes Jahr nicht so gut funktioniert. Da bin ich neu gekommen und war ein bisschen vorsichtiger. Ich glaube, dass ich aber bewiesen habe, mit meiner Art und Weise eine Mannschaft führen zu können. Ich habe in schwierigen Situationen die Ruhe bewahrt. Nun muss ich gewisse Dinge von den Spielern noch präziser einfordern.


Das Gespräch führte Harald Prantl

LAOLA1: Wie ordnen Sie die öffentliche Wahrnehmung des Klubs ein. Sehen wieder alle Wiener Neustadt als Fixabsteiger?

Pfeifenberger: Ich denke schon. Für viele ist das einfach so. Einige andere werden aber auch sagen, dass wir nun schon zwei Jahre in Folge bewiesen haben, dass man mit bescheidenen Mitteln einiges erreichen kann. Bei Wiener Neustadt werden die Meinungen immer auseinandergehen. Aber uns hat das nicht zu interessieren, wir müssen auf uns schauen.

LAOLA1: Viele Kaderspieler haben die erste Bundesliga-Saison hinter sich gebracht und Erfahrung gesammelt.

Pfeifenberger: Eine wertvolle Erfahrung! Sie haben Woche für Woche um die Existenz des Vereins gespielt und das dann auch noch positiv beendet. Das ist eine Riesenerfahrung für diese jungen Spieler. Das kann ihnen keiner mehr nehmen. Für mich ist das noch viel schwieriger, als um den Titel mitzuspielen – dort hast du nämlich viele Erfolgserlebnisse, hinten musst du aber immer raufen. Es war für die Persönlichkeitsentwicklung dieser Jungs sehr wichtig. Was soll die noch erschüttern? Wenn einmal einer pfeift im Stadion? Um Gottes Willen! Wenn du vom Kopf her den Abstiegskampf durchgestanden hast, können dich Pfiffe auch nicht mehr erschüttern.

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