Die "Pfeif drauf"-Mentalität

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"Wir haben nichts zu verlieren"

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Unverhofft, kommt bekanntlich oft.

Seit 31. Mai 2012 ist Heimo Pfeifenberger Trainer von SC Wiener Neustadt.

Die Bestellung zum neuen Chefcoach kam plötzlich. Nach einem Anruf von Präsident Manfred Rottensteiner im Urlaub in Griechenland war der Deal besiegelt. Der 45-Jährige musste nicht lange überlegen, sagte sofort zu.

 Beim Tabellenneunten der abgelaufenen Saison wartet viel Arbeit auf den Nachfolger von Peter Stöger, der zur Austria übersiedelte.

Wieder einmal kann von einem Neustart in Neustadt gesprochen werden. Sage und schreibe 16 (!) Spieler haben den Klub im Sommer verlassen, 13 neue sind gekommen.

Wie der Salzburger mit dieser Situation umgeht und was der 40-fache Teamspieler bei seiner ersten Bundesliga-Station plant, verrät er im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Heimo Pfeifenberger, willkommen in der Bundesliga. Ein schönes Gefühl?

Heimo Pfeifenberger: Ich freue mich. Es wird spannend und ist eine große Herausforderung. Es war mein Traum bzw. mein Ziel einmal in der höchsten Spielklasse zu arbeiten. Jetzt habe ich die Gelegenheit dazu.

LAOLA1: Welche Eindrücke konnten sie bisher von der Mannschaft sammeln?

Pfeifenberger: Es sind sehr viele neue Spieler hier, zum Teil auch sehr unerfahrene Spieler. Die Truppe ist aber total willig. Sie nehmen die Dinge an, die man mit ihnen bespricht. Es macht wirklich Spaß, mit den Jungs zu arbeiten. Ich hoffe, dass wir positive Fortschritte machen, damit wir einen guten Start in der Liga hinlegen.

LAOLA1: Jeder Trainer verfolgt seine eigene Philosophie. Wie sieht ihre aus?

Pfeifenberger: Die Mannschaft muss flexibel sein. Meine Spieler müssen am Platz selber Entscheidungen treffen. Ich will mich auch auf kein System festlegen. Es kommt natürlich auch ein bisschen auf den Gegner an und wer im Endeffekt in der Startelf stehen wird. Wir wollen uns aber auf keinen Fall nur hinten reinstellen.

LAOLA1: Das Wort Taktik ist im modernen Fußball allgegenwärtig. Für sie auch?

Pfeifenberger: Die Basics braucht man eben. Das gilt für jeden Einzelnen und für die Mannschaft. Wenn man die Grundlagen nicht mehr oft trainieren muss, ist die Mannschaft schon sehr weit – dann kann man ins Detail gehen. Ohne Taktik geht gar nichts, man sollte sie aber auch nicht überbewerten.

LAOLA1: Letzte Saison hat es in Neustadt ein bisschen mit dem Torschießen gehapert. Was macht sie zuversichtlich, dass es heuer besser wird?

Pfeifenberger: Schwer zu sagen, weil hier praktisch eine komplett neu Mannschaft am Werken ist. Viele Spieler aus dem letzten Jahr sind nicht mehr da. Daher kann man kaum einen Vergleich ziehen. Wir müssen jedenfalls sowohl defensiv, als auch offensiv hart arbeiten. Die Balance muss einfach stimmen. Die Elf muss in beiden Richtungen aktiv sein.

LAOLA1: Sie waren ein sehr erfolgreicher Fußballer. Wie kann man diese Erfahrung den jungen Spielern weitergeben?

Pfeifenberger: Ich hoffe, dass es mir gelingt. Ich habe von klein auf sehr viele Situationen im Profi-Fußball miterlebt. Da waren Formkrisen dabei, oder auch Angst vor manchen Spielen. So etwas hast du öfters erlebt. Die Kunst ist es, es den Spielern so zu vermitteln, dass es auch verständlich ist. Ich versuche, meinen Spielern den Druck zu nehmen und die positiven Dinge in den Vordergrund zu rücken. Wenn es gar nicht klappt, wird auch das Negative angesprochen. Sie müssen einfach reifen und wachsen.

LAOLA1: In Neustadt hat es im Sommer einen totalen Umbruch gegeben. Ist es für sie als Trainer auch angenehmer bei Null anzufangen, oder wären sie gerne in ein funktionierendes System eingestiegen?

Pfeifenberger: Man muss es sowieso nehmen, wie es ist. Es ist aber für mich leichter, gemeinsam mit einer neuen Mannschaft anzufangen. Die Zeit wird zeigen, ob es funktioniert, oder nicht. Manchmal geht es schnell, manchmal dauert es länger. Wichtig ist, dass man selber weiß, was man will und diesen Willen der Mannschaft vermittelt. Ich versuche immer ein positives Vorbild zu sein. Im Fußball ist es wichtig, sich etwas zuzutrauen. Nur dann kann ich bestehen.   

LAOLA1: Die Kaderplanung für eine neue Saison beginnt meistens schon im Frühjahr. Wieviel Peter Stöger steckt noch in Wr. Neustadt?

Pfeifenberger: Es ist sehr viel im Vorfeld erledigt worden. Schließlich war der Wechsel von Peter Stöger zur Austria sehr kurzfristig. Peter hat alles super hinterlassen. Wir sind ein einfacher Verein ohne große finanzielle Mittel. Wichtig ist die Einstellung der Spieler. Wenn diese passt, können wir in der Saison 2012/13 nur überraschen.

LAOLA1: Ist der Kader komplett?

Pfeifenberger: Der Kader steht, es sollten keine Veränderungen mehr passieren. Ich gehe auch davon aus, dass Christian Ramsebner bleibt. Er ist ein wirklich guter Spieler, der auch bei einigen Vereinen gefragt war. Sein Pech war die gerissene Achillessehne. Daher war einigen das Risiko einer Verpflichtung zu groß. Ich bin überzeugt, dass er schnell fit und uns mit seiner Routine sicher helfen wird.

LAOLA1: Ihr seid eine sehr junge Mannschaft. Wie wichtig ist es, gestandene Profis wie Hlinka, Mimm, Wolf, Klapf oder Friesenbichler im Team zu haben?

Pfeifenberger: Die Mischung muss passen. Heutzutage kann aber auch schon ein 24-Jähriger die Mannschaft führen. Grundsätzlich ist es aber ganz wichtig, routinierte Spieler in den eigenen Reihen zu haben. Das habe ich bereits gesehen. Die „Alten“ können ihre Erfahrungen weitergeben, die Jungen lenken. Mir wäre es aber auch recht, dass die Jungen so viel Druck auf die Alten ausüben, dass sie sie aus der Mannschaft spielen. Das muss ihr Ziel sein. Dann sind sie auf einem guten Weg.

LAOLA1: Neustadt wird als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt. Was entgegnen sie diesen Kritikern?

Pfeifenberger: Mich freut es, dass viele sagen: Wir steigen sowieso ab. In der Mannschaft steckt viel drinnen. Wir müssen es nur abrufen. Wenn du von Beginn an abgeschrieben wirst, hast du nichts mehr zu verlieren. Dann ist Fußballspielen total lässig, denn du kannst befreit aufspielen.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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