"Bin schon lange von Kleins Abgang ausgegangen“

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Austrias AG-Vorstand Thomas Parits hat derzeit alle Hände voll zu tun.

Anfang der Woche die Aufarbeitung der indiskutablen Leistung gegen Kapfenberg, Mitte der Woche das Beantworten von kritischen Fragen beim violetten Mitgliederfest, Ende der Woche das Match gegen Wacker Innsbruck.

Dazwischen Vertragsverhandlungen mit Spielern des aktuellen Kaders und Gespräche mit potenziellen Neuverpflichtungen.

Für LAOLA1 nimmt sich der Burgenländer dennoch Zeit und spricht über die aktuelle Situation der Veilchen, Trainer Ivica Vastic und den fixen Abgang von Florian Klein.

LOALA1: Die Spieler wirkten nach dem Kapfenberg-Match ratlos. Haben Sie eine Erklärung, warum es offensiv im Frühjahr einfach nicht laufen will?

Thomas Parits: Wahrscheinlich ist es eine Kopfsache. Wir verteidigen derzeit mit zehn Mann, greifen aber nicht mit zehn Spielern an. Es fehlt scheinbar der Wille nach vorne zu spielen. Die Stürmer bekommen kaum Unterstützung. Wir haben in Kapfenberg in 90 Minuten kein einziges Mal aufs Tor geschossen. Das darf nicht passieren. Die Mannschaft ist jetzt gefordert.

LAOLA1: Wieviele Niederlagen darf sich Trainer Ivica Vastic noch leisten? Oder anders gefragt: Ist er bei einer Niederlage gegen Wacker Innsbruck Geschichte?

Parits: Nein. Wir werden nicht die Nerven verlieren. Ivica hat einen Vertrag bis Saisonende, der sich beim Erreichen eines internationalen Bewerbs automatisch verlängert. Wir haben noch in der Meisterschaft und im Cup die Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen. Und ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird.

LAOLA1: Wenn der Worst-Case eintritt, steht die Austria aber mit Saisonende ohne Trainer da. Ist man dafür gerüstet? Gibt es im Hintergrund schon Gespräche mit potenziellen Trainer-Kandidaten?

Parits: Nein, denn ich bin optimistisch, dass wir einen Europacup-Startplatz erreichen. Wir haben keinen Plan B. Die Mannschaft hat genug Qualität, das hat sie auch in den letzten Heimspielen gegen Sturm und Salzburg gezeigt.

LAOLA1: Wenn sie gewusst hätten wie sich die Situation im Frühjahr entwickelt: War es ein Fehler, Karl Daxbacher im Dezember zu beurlauben?

Parits: Nein, denn wir haben in den letzten neun Spielen im Herbst nur fünf Punkte gemacht. Ivica Vastic hat in genauso vielen Partien im Frühjahr 13 Zähler geholt.  Wir haben also von der Punktezahl besser abgeschnitten. Unser derzeitiges Übel ist, dass wir unnötig Punkte hergeschenkt haben. Man darf gegen Kapfenberg einfach nicht zweimal verlieren. Dazu die späten Gegentore gegen Salzburg und Sturm. Wir haben uns selber aus dem Meisterrennen genommen - nicht aber, weil die Gegner so stark waren, sondern weil wir eben dumme Fehler gemacht haben.

LAOLA1: Einerseits werden Erfolge, andererseits eine gewisse Spielkultur gefordert. Ist Vastic diesem Druck nicht gewachsen?

Parits: Jeder Trainer, der bei der Austria arbeitet, weiß, dass das Ziel die Qualifikation für einen europäischen Bewerb ist. Das ist keine Belastung. Es sind halt sehr viele junge Spieler, die Zeit brauchen, in die Mannschaft gekommen. Das größte Manko liegt – wie bereits mehrfach erwähnt – in unserem Offensivspiel. Unser Torverhältnis in 13 Spielen im Frühjahr lautet 10:8. Defensiv passt es also, aber offensiv ist das einfach viel zu wenig.

LAOLA1: Man ist in den letzten Jahren in Wien-Favoriten sowohl spielerisch, als auch tabellentechnisch sehr verwöhnt worden. Ist die Erwartungshaltung momentan zu groß?

Parits: Wir haben einfach gute Leistungen erbracht. Man darf aber niemals vergessen, dass wir in den letzten zwei Jahren den Meistertitel nicht erst in der letzten Runde, sondern schon früher verloren haben. Und zwar immer in den Duellen gegen die Kleinen. Ich erinnere mich an Wr. Neustadt, Kapfenberg oder Mattersburg. Dort haben wir wichtige Punkte liegen gelassen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahre.

LAOLA1: Einige Verträge laufen mit Saisonende aus, bzw. Optionen müssen gezogen werden. Gibt es Neuigkeiten?

Parits: Wir führen Gespräche und werden speziell bei den Jungen auch die Optionen ziehen. Es geht aber nicht nur darum, Optionen zu ziehen, sondern Verträge zu verlängern. Auch bei diesen Spielern laufen die Gespräche. Wenn wir keine Einigung erzielen, werden wir eben nur die Option ziehen. Dann haben wir wieder ein Jahr Zeit, um zu verhandeln.

LAOLA1: Florian Klein wird die Austria verlassen. Sind Sie darüber enttäuscht?

Parits: Ich bin davon ausgegangen. Er ist im Sommer kostenlos frei und nützt diese Situation. Wir haben eine Deadline vereinbart. Doch es kam keine Antwort. Er hat im Endeffekt die ganze Zeit nicht wirklich mit uns verhandelt. Sein Spielerberater Max Hagmayr hat mir auch mitgeteilt, dass Flo weggehen wird. Er will in die Deutsche Bundesliga. Ich habe eine Vermutung, wo er hingehen wird und glaube, dass er dort bereits seit längerer Zeit unterschrieben hat.

LAOLA1: Etwa bei Red Bull Salzburg…

Parits (lacht): Das haben Sie jetzt gesagt.

LAOLA1: Man kann davon ausgehen, dass im Sommer neue Spieler zur Austria kommen. Erschwert die aktuelle Situation die Verhandlungen, schließlich konnte man früher damit argumentieren, dass die Austria für „Spaß-Fußball“ steht?

Parits: Das spielt sicher eine Rolle. Wir haben kreative Spieler verloren, wollen deswegen auch kreative Leute holen. Und wir sind auch mit einigen Akteuren in guten Verhandlungen. Es wäre daher wichtig, nächstes Jahr international vertreten zu sein. Das wäre dann auch ein gutes Argument für den Betroffenen, um bei uns zu unterschreiben.  Es gab in den letzten Wochen gute Gespräche, aber noch ist es zu keinem Abschluss gekommen.

LAOLA1: Auf welchen Positionen will man sich verstärken?

Parits: Im offensiven Bereich. Wir müssen offensiv stärker werden. Das zeigt schon die schwache Bilanz im Frühjahr. Zwar ist unser Mittelfeld derzeit gut aufgestellt, aber das kann mit Saisonende auch ganz anders aussehen.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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