Der gelebte Surrealismus

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Palla: "Zurzeit ist das die Realität"

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Stephan Palla war nicht gerade vom Glück verfolgt, bevor er im Sommer beim Überaschungsteam WAC anheuerte.

Fehlendes Vertrauen bei Rapid, unglückliche Verletzungen und der eine oder andere Fehler zogen sich wie ein roter Faden durch das verkorkste Jahr.

Bis der Anruf von Dietmar Kühbauer kam, den er bereits aus seiner Zeit bei der Admira kannte. Seit dem vergangenen Wochenende lebt der 25-jährige Außenverteidiger mit den Wolfsbergern den Traum des Tabellenführers.

Aus seinen Fehlern hat der Mauerbacher gelernt, aktuell genießt er den Moment, als Spitzenreiter zu seiner alten Liebe Rapid zurückzukehren.

Im LAOLA1-Interview spricht Palla über den Wolfsberger Schlüssel zum Erfolg, den surrealen Blick auf die Tabelle sowie seinen eigenen Reifeprozess.

LAOLA1: Der WAC reist als Tabellenführer zu Rapid. Wie gut hört sich das an?

Stephan Palla (lacht): Zurzeit ist das die Realität. Es ist ja nicht so, dass wir uns denken: Das gibt es doch nicht! Das haben wir uns erarbeitet und das passt schon so. Natürlich hätte sich das vor der Saison keiner gedacht, aber wir sind froh, dass es jetzt so ist.

LAOLA1: Ist es doch irgendwie surreal oder gewöhnungsbedürftig, wenn man sich bei einem Blick auf die Tabelle kneifen muss?

Palla: Schon ein bisschen. Wir haben uns das verdient und werden jetzt schauen, dass wir die Position so lange wie möglich halten. Nicht unbedingt den ersten Platz, aber wir wollen uns unbedingt weiter oben festsetzen. Es ist auch klar, dass Rapid und Austria mit der Zeit aufholen werden. Aber die Partie am Samstag wird richtig heiß.

LAOLA1: Trotzdem ist fast ein Viertel der Meisterschaft gespielt, in acht Spielen habt ihr sieben Siege geholt. Wo siehst du selbst den Schlüssel zum Erfolg?

Palla: Sicherlich in der Effizienz vor dem Tor, wir benötigen nicht sehr viel Chancen. Ich hoffe, dass wir es weiter beibehalten können, dass wir aus wenig viel machen können. Aber auch die Kompaktheit der Mannschaft ist entscheidend, wie zuletzt gegen Salzburg. Die Defensivarbeit war optimal, da arbeitet jeder mit. Wenn jeder für jeden rennt und alles gibt, werden wir auch weiterhin erfolgreich bleiben.

LAOLA1: In der Defensive leistest auch du deinen Anteil, in den letzten Jahren war das oft die Achillesferse des WAC. Welche Bedeutung kommt dieser Stabilität in der Abwehr zu?

Palla: Das ist nicht nur wegen der Neuzugänge so. Wir rufen im Moment hinten einfach Top-Leistungen ab. Ich glaube nicht, dass der Trainer jetzt andere Sachen verlangt als davor. Es ist einfach so, dass jetzt jeder seine Aufgaben zu hundert Prozent erfüllt. Das ist einfach der Schlüssel.

LAOLA1: Der Sieg gegen Salzburg war aber mit Sicherheit bisher das Höchste der Gefühle.

Palla: Ja, das hätte sich wieder niemand gedacht, auch wenn es alle gehofft haben. Aber in unserer Liga wird Salzburg in jeder Partie der klare Favorit sein, so war es auch gegen uns. Deswegen ist es umso schöner für uns. Es wird wahrscheinlich nicht mehr allzu oft passieren, dass eine Mannschaft gegen Salzburg gewinnen wird. Aber vielleicht können wir das noch einmal wiederholen.

LAOLA1: Besteht irgendwie die Gefahr, dass die Mannschaft abhebt oder ist die Truppe so gefestigt und weiß damit umzugehen?

Palla: Dass wir diese Form über die ganze Saison so halten werden, wird wahrscheinlich nicht der Fall sein. Es wird jede Mannschaft einmal einen Einbruch haben, aber wir versuchen, diese Form zu halten. Wir werden unsere Spielart und Einstellung zum Spiel nicht ändern. Im Moment ist es aber auch so, dass wir Rückstände gut wegstecken können und durch den Erfolg auch im Kopf wesentlich stärker sind. Aktuell genießen wir den Moment.

LAOLA1: Dafür, dass ihr nicht abhebt, wird auch Dietmar Kühbauer sorgen. Welchen Anteil hat er an diesem Erfolgskonstrukt?

Palla: Der Trainer hat einen großen Anteil an diesen Erfolgen und Ergebnissen für den Verein, zusammen mit den Spielern. Aber er hat uns erst gesagt, dass es ihm momentan leidtut, wenn er Spieler nicht in den Kader nehmen kann oder auf die Bank setzen muss, da die Qualität der Mannschaft im Training und im Spiel so hoch ist, dass er es sich aussuchen könnte. Dass der Konkurrenzkampf ständig vorhanden ist, ist sicher auch ein Grund für den Erfolg.

LAOLA1: Der Trainer polarisiert, verscherzt es sich mit vielen Leuten und lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. Ist das für die Mannschaft aber vielleicht gar nicht so schlecht, da sie dadurch im Hintergrund in Ruhe arbeiten kann?

Palla: Ein gutes Beispiel war das Spiel gegen Salzburg. Da ist eigentlich nur mehr über ihn und Martin Hinteregger geredet worden, unsere Leistung wurde im ersten Moment nicht richtig berücksichtigt. Ich weiß nicht, wie es bei den anderen ist, mir persönlich ist es egal. Aber anderen Spielern spielt es vielleicht in die Karten, dass die Situation so ist.

LAOLA1: Du kennst Kühbauer schon von der Admira. Inwieweit hat das im Sommer deine Entscheidung beeinflusst, beim WAC anzuheuern?

Palla: Es ist immer ein Unterschied, ob dich ein Trainer haben will oder ob du dich wo aufdrängst, obwohl du nicht in der Planung eines Vereins aufscheinst. Der entscheidende Faktor war sicher, dass mich der Trainer angesprochen hat, ob ich nicht Lust hätte, zum WAC zu kommen.

LAOLA1: Hier bist du gesetzt, hast maßgeblichen Anteil am Erfolgslauf. Wie sehr genießt du selbst diese Phase nach doch durchwachsenen Jahren?

Palla: Natürlich ist es schön, wenn man erfolgreich Fußball spielt und den Beruf ausüben kann. Ich freue mich sehr über die Situation, trainiere täglich und gebe immer alles. Ich habe nicht geglaubt, dass ich mir so schnell einen Stammplatz  erarbeiten kann. Es ist schon ein Unterschied, ob du von einem Verein kommst, wo du viel gespielt hast oder wie ich verletzt warst und beim alten Verein keine Rolle mehr gespielt hast. Der Trainer hat mir auch klar und deutlich gesagt, dass er mich gerne haben würde, ich aber keinen Freibrief habe. Ich bin gekommen, um den Konkurrenzkampf anzukurbeln, aber wenn ich meine Leistung nicht bringe, wird Dario Baldauf spielen.

LAOLA1: Du hattest es nicht immer leicht. Warum funktioniert es beim WAC? Fühlst du dich fitter als sonst oder bist du in irgendeiner Art und Weise auch gereift?

Palla: Ich traue mich schon zu sagen, dass ich fitter bin, denn in der Vorbereitung wird der Grundstein gelegt. Bei Rapid habe ich verletzungsbedingt keine einzige Vorbereitung mitmachen können. Im Sommer habe ich Probleme mit dem Knöchel gehabt, im Winter hatte ich einen Schlüsselbeinbruch. Aktuell fühle ich mich fitter und mit den Erfolgen fühlt man sich einfach besser.

LAOLA1: Würdest du sagen, du hast in der Vergangenheit auch Fehler gemacht, die es jetzt zu vermeiden gilt?

Palla (lacht): Skifahren werde ich nicht mehr gehen, dabei habe ich mir bei Rapid den Schlüsselbeinbruch zugezogen. Andere machen es sicher trotzdem, aber ich habe daraus gelernt. Ich gehe maximal nur mehr Bobfahren.

LAOLA1: Nicht zu unterschätzen ist sicher das dir entgegengebrachte Vertrauen, dass dir in deiner Zeit bei Rapid lange Zeit gefehlt hat.

Palla: Es ist damals so gewesen, dass ich mit Thomas Schrammel und Lukas Denner um einen Platz gekämpft habe. Schrammel spielt heute noch immer alle Spiele, da war es nicht so leicht, ihn rauszuspielen. In den Spielen, wo ich zum Einsatz gekommen bin, kann ich mir nichts vorwerfen. Ich habe immer alles gegeben. Aber es ist nun einmal so, dass ich bei Rapid nicht hundertprozentig das Vertrauen gespürt habe.

LAOLA1: Am Samstag kommt es für dich trotzdem zu einer Rückkehr nach Wien und dem Wiedersehen mit vielen Bekannten. Wird Rapid trotz allem immer ein Teil von dir bleiben?

Palla: Absolut, das ist immer mein Herzensverein gewesen. Dort bin ich groß geworden und habe es bis in die Kampfmannschaft geschafft. Ich würde mich jetzt nicht österreichischer Meister nennen, aber am Papier bin ich es aufgrund eines Kurzeinsatzes. Deswegen wird mich immer etwas mit Rapid verbinden, auch wenn es schade ist, dass es im zweiten Versuch nicht so gut gelaufen ist. Aber ich weine dem nicht nach. Umso schöner ist es, alle wiederzusehen.

LAOLA1: Beide Teams sind gut drauf, auch Rapid hat zuletzt zurück in die Spur gefunden. Zoran Barisic schiebt dem WAC sogar die Favoritenrolle zu. Übertrieben?

Palla: Ob es übertrieben ist, weiß ich nicht. Man kann es so, aber auch anders sehen. Es ist sehr ausgeglichen. Meiner Meinung nach ist Rapid trotz des Tabellenplatzes Favorit, auch wenn es sich komisch anhört. Es ist immer noch Rapid, sie spielen daheim. Wie die Vergangenheit zeigt, sind wir in diesen Duellen im Vorteil. Wir wollen nicht daran denken, dass wir verlieren könnten, aber es wäre nicht der Weltuntergang, wenn man auswärts bei Rapid verliert.

LAOLA1: Du hast schon angesprochen, dass euer Lauf wohl nicht die ganze Saison halten wird. Wie lange kann oder will der WAC diesen Traum aber noch leben?

Palla: Den ersten Platz werden wir früher oder später abgeben müssen. Einen kleinen Polster haben wir natürlich auf die Vereine ab Platz drei. Aber dahinter ist es auch schon sehr eng. Vor der Saison ist klar angesprochen werden, dass das Saisonziel das gefestigte obere Mittelfeld ist. Das wäre auch die Voraussetzung, dass wir einen europäischen Startplatz hätten. Aber das ist noch in weiter Ferne.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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