"Eine absolute Persönlichkeit!"

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"Roger ist eine absolute Persönlichkeit!"

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Das Erstaunen war groß, die Überraschung gelungen.

Mit Roger Schmidt als neuen Salzburg-Trainer hätten nicht einmal die größten Insider gerechnet.

Der 45-Jährige ist in Österreich ein nahezu unbeschriebenes Blatt, viele RBS-Fans hätten lieber einen großen Namen gehabt.

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In seiner Heimat ist der Deutsche dagegen längst kein Nobody mehr, genießt nicht zuletzt dank der vergangenen Saison einen hervorragenden Ruf.

Mit erfrischendem Offensiv-Fußball mischte er die zweite deutsche Bundesliga auf und kämpfte mit Paderborn sogar bis zum Ende um den Aufstieg. Letztlich wurde es der starke fünfte Rang.

Doch wie tickt Schmidt? Welchen Fußball lässt er spielen? Und ist er für die große Fußball-Welt geeignet?

LAOLA1 sprach mit Paderborn-Manager Michael Born, der Schmidt schon seit vielen Jahren kennt.

LAOLA1: Herr Born, Ihr Trainer Roger Schmidt ist seit Sonntag neuer Chefcoach von Red Bull Salzburg. Für uns in Österreich kam diese Meldung überraschend. Seit wann wussten Sie es?

Michael Born: Mich hat Roger am Samstag informiert, dass er Gespräche mit Salzburg führt.

LAOLA1: Also hat Salzburg auch erst vor kurzem bei Ihnen wegen Schmidt angeklopft?

Born: Ja.

Paderborn-Manager Born kennt Schmidt schon lange

LAOLA1: Paderborn hat mit Platz fünf wohl alle überrascht, oder?

Born: So ist es. Vor der Saison haben über 50 Prozent Paderborn als Abstiegskandidat Nummer eins getippt. Wir haben das kleinste Budget in der zweiten deutschen Bundesliga und trotzdem bis zum Schluss um den Aufstieg gekämpft. Da muss man nicht mehr viel zur Leistung des Trainers sagen.

LAOLA1: Sie haben gesagt, er hätte einen besonders guten Draht zu den Spielern. Ist er mehr der Kumpeltyp?

Born: Als Kumpeltyp würde ich ihn nicht bezeichnen. Er legt schon großen Wert darauf, dass die Spieler eine gewisse Mentalität und Respekt an den Tag legen.

LAOLA1: Auf welche Spielweise muss man sich in Salzburg einstellen?

Born: Wir haben in der abgelaufenen Saison den attraktivsten Fußball gespielt, den ich in den vergangenen 15 Jahren in Paderborn gesehen habe. Wenn man sich gewisse Spiele ansieht, ist das schon beeindruckend. Wir haben Eintracht Frankfurt mit spielerischen Mitteln beherrscht und mit 4:2 aus dem Stadion geschossen. Dann haben wir Düsseldorf, das zuvor 25 Heimspiele in Folge nicht verloren hat, an die Wand gespielt und mit 3:2 gewonnen. Das war über weite Strecken der Saison richtig attraktiver Offensiv-Fußball.

LAOLA1: Auf was legt Schmidt dabei wert?

Born: Zum Beispiel auf schnelles Umschalten und schnelles Gegenpressing. Aber ihn nur auf diese zwei Dinge zu reduzieren, wäre zu wenig.

LAOLA1: Waren Sie überrascht, als das Angebot kam?

Born: Natürlich ist man schockiert, wenn der Trainer kommt und dir von so einem Angebot erzählt. Vor allem, da er in der abgelaufenen Saison fantastische Arbeit geleistet hat. Wenn man sich aber diese hervorragende Arbeit ansieht, ist es wenig überraschend, dass Angebote von hochklassigen Vereinen kommen.

LAOLA1: Gibt es eine Verbindung zwischen Rangnick und Schmidt oder hat sich das Angebot einfach so ergeben?

Born: Also ich wüsste nicht, dass es da eine nähere Verbindung gibt. Aber die Fußball-Lehrer kennen sich natürlich allesamt untereinander.

LAOLA1: Wollte oder konnte Paderborn mit dem Angebot der Salzburger nicht mithalten?

Born: Wenn ein Verein einem Trainer die Champions League oder zumindest die Qualifikation anbieten kann, dann hat man als Klub wie Paderborn die schlechteren Karten. Aber wir sind stolz, dass es möglich ist, als Paderborn-Trainer in den europäischen Spitzen-Fußball vorzudringen. Da wollten wir Roger keine Steine in den Weg legen.

LAOLA1: Roger Schmidt ist in Österreich ein eher unbeschriebenes Blatt. Was ist er für ein Typ? Was zeichnet ihn aus?

Born: Ich kenne Roger schon sehr, sehr lange, weil er auch schon als Spieler in Paderborn tätig war. Er ist eine absolute Persönlichkeit, die sehr klare Vorstellungen und einen sehr konkreten Plan hat. Was ihn besonders auszeichnet, ist sein super Umgang mit den Spielern. Er hat einen absolut tollen Draht zu den Jungs und gestaltet ein hervorragendes Training. Die Erfolge in der abgelaufenen Saison sprechen eine deutliche Sprache.

LAOLA1: Red Bull ist ein großer Konzern, dementsprechend viel Medienrummel gibt es. Könnte das für ihn in Salzburg zum Problem werden?

Born: Das kann Roger mit Sicherheit handlen. Außerdem ist die zweite deutsche Bundesliga auch nicht arm an Präsenz, vor allem dann nicht, wenn man so erfolgreich ist. Wenn du als kleiner Verein so eine Sensation schaffst, hast du jede Woche zwei Fernsehstationen da. Dazu kommen zig überregionale Printmedien. Roger hat sich hochprofessionell verkauft und den Verein hervorragend vertreten.

LAOLA1: Glauben Sie, dass die Zusammenarbeit mit Ralf Rangnick funktionieren kann?

Born: Ich kenne Ralf Rangnick nicht, darum kann ich mir da auch kein Urteil erlauben. Aber Ralf Rangnick ist als absoluter Fußball-Fachmann bekannt – er wird ja nicht umsonst „Professor“ genannt - deswegen denke ich, dass er sich im Vorfeld genau überlegt hat, wen er mit dieser Aufgabe betreut.

LAOLA1: Trauen Sie Schmidt zu, in Salzburg langfristig etwas aufzubauen? Kontinuität wurde in den vergangenen Jahren ja nicht unbedingt groß geschrieben.

Born: Absolut. Roger ist jemand, der sehr strategisch denkt und plant. Ich traue ihm diese Aufgabe in Salzburg ohne weiteres zu.

LAOLA1: Viele Salzburg-Fans hätten sich lieber einen großen Namen gewünscht. Wie kann Schmidt sie überzeugen?

Born: Wie immer im Fußball mit Siegen und vielen Toren. Für uns ist es nicht leicht, dass Roger geht. Gerade nach so einer Saison fällt der Abschied schwer. Leider können wir ihn nicht klonen.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

 

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