Novota: Aus der Perspektive einer Nummer 1

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„Was Neuer macht, ist schon extrem. Das ist manchmal schon zu viel. Es ist immer gut, wenn der Tormann mitspielt. Das versuche ich auch, aber ich gehe kein unnötiges Risiko ein.“

Jan Novota bewundert den deutschen Keeper in Diensten des FC Bayern München zwar, dessen Spielweise ist jedoch nicht seine Welt.

Der 30-jährige Slowake glänzt bei Rapid viel mehr als Ruhepol und hat sich den Nummer-1-Status in über drei Jahren in Wien hart erarbeitet.

Viel Ballbesitz und Dominanz der Hütteldorfer haben auch sein Spiel verändert und erschwert. Während er von hinten den besten Überblick hat und genau weiß, was Rapid im Spiel nach vorne fehlt, steht für ihn bei den wenigen Gegenangriffen Konzentration an oberster Stelle.

Im LAOLA1-Interview spricht Novota über die Anforderungen an einen Torhüter in der heutigen Zeit, seinen Wandel bei Rapid und Eindrücke aus der Perspektive einer Nummer 1.

LAOLA1: Hast du 2011, als du bei Rapid angeheuert hast, damit gerechnet, dass du dich durchsetzen und so lange halten kannst?

Jan Novota: Zu diesem Zeitpunkt war ich einfach froh, dass ich zu Rapid gekommen bin. Ich habe immer positiv in die Zukunft geschaut. Ich konnte aber natürlich nicht wissen, dass ich so lange bei Rapid sein werde. Ich schätze das aber und bin sehr froh, dass ich spielen kann.

LAOLA1: Du bist drei Jahre hier und hast noch Vertrag bis 2016. Würdest du so weit gehen, dass du erst bei Rapid zu einem sehr guten Torhüter gemacht wurdest?

Novota: Ob ich einer bin, das muss der Trainer entscheiden. Aber ich spüre auf jeden Fall, dass ich Schritte nach vorne gemacht und mich weiterentwickelt habe. In meiner Karriere macht Rapid einen großen Teil aus, hier habe ich die größten Schritte gemacht. Ich weiß aber natürlich auch, dass ich mich noch immer weiterentwickeln kann. Da gibt es keine Pause, es geht immer weiter. Jeder Tag ist für mich eine Möglichkeit, besser zu werden.

LAOLA1: Waren die professionellen Strukturen und vor allem das Torwarttraining für dich entscheidend, um hier die größten Fortschritte zu machen?

Novota: Natürlich, das ist keine Frage. Rapid ist ein super Verein, hier kann man sehen, wie in einem Top-Profi-Klub gearbeitet wird. Ich bin sehr zufrieden hier, was sehr wichtig für einen Fußballer ist, wenn man einen freien Kopf hat. Ich genieße diese Zeit wirklich und bin glücklich, hier in Wien zu sein.

LAOLA1: Du hast über Rapid auch den Sprung ins slowakische Nationalteam geschafft. War das für dich bisher die größte Belohnung?

Novota: Das war für mich eine Überraschung! Ich genieße jeden Moment bei der Nationalmannschaft. Bisher war ich drei Mal einberufen und habe einmal gespielt. Ich habe schon einige Spieler gekannt. Die Stimmung ist super, wir haben ein richtig gutes, junges Kollektiv und große Ziele vor uns. Mit neun Punkten aus drei Spielen schaut es derzeit sehr gut für uns aus. Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich hoffe, wir können uns mit den stärksten Teams bei der Europameisterschaft messen.

LAOLA1: Bei Rapid war die Nummer 1 lange Zeit umkämpft, nun bist du schon länger unumstritten. Kannst du unter diesen Voraussetzungen ruhiger arbeiten?

Novota: Ruhe muss von innen kommen. Wenn ich in jedem Training mein Bestes gebe, bin ich auch ruhig, weil ich weiß, dass ich alles dafür gegeben habe, um zu spielen. Aber Ruhe ist nicht immer gut, wenn man eh weiß, dass man immer spielt. Es ist immer gut, Druck zu haben. Den größten Druck mache ich mir aber selber. Für mich gibt es keine Pausen oder dass ich nach einem Spiel einmal sage, dass ich im Training nicht Vollgas gebe. Das geht einfach nicht. Ich mache das für mich und den Verein.

LAOLA1: Tiefstehende Gegner spielen meist auf Konter, du kommst aber nicht so weit aus dem Tor, wie etwa Manuel Neuer. Ist das die Zukunft der Torhüter?

Novota: Was Neuer macht, ist schon extrem. Es ist immer gut, wenn der Tormann mitspielt. Das versuche ich auch, aber ich gehe kein unnötiges Risiko ein. Es gibt schon Aktionen, wo ich einfach aus dem Tor kommen muss. Das ist sicher die Zukunft, keine Frage. Aber was Neuer da macht, ist manchmal schon zu viel. Da geht es um Zehntelsekunden. Ich sage nicht, dass es schlecht ist, aber er ist mit diesem Spiel aufgewachsen. Ich hatte eine andere Schule. Man kann sagen, dass ich die Fußballtechnik fast erst hier bei Rapid mit 27 Jahren gelernt habe.

LAOLA1: Ziehst du andere Torhüter eher als Vorbild für deine Spielweise heran und schaust dir das eine oder andere ab?

Novota: Edwin van der Sar hat mich sehr geprägt, auch Gianluigi Buffon. Früher war Peter Schmeichel ein absoluter Klassiker bei den Torhütern. Aber ich schaue mir heutzutage auch die vielen jungen Torhüter an, wie sie spielen und welche Unterschiede es von der Fußballtechnik her gibt. Das ist enorm wichtig in Zeiten wie diesen.

LAOLA1: Verändert sich das Tormannspiel deiner Meinung nach Jahr für Jahr oder gibt es nur Kleinigkeiten zu verändern, wenn man einmal die Grundausbildung genossen hat?

Novota: Es gibt immer etwas Neues, auch aufgrund der Regeln. Da muss man für alles bereit sein. Die Fußballtechnik wird sicher noch wichtiger für einen Tormann. Noch dazu werden die Flanken mit der Zeit noch schärfer und vermehrt in den Strafraum reingeschossen. Es wird immer schwieriger, auch mit den Bällen, die immer mehr flattern. Es ist für einen Tormann also nicht einfach, aber deswegen sind wir hier.

LAOLA1: Abschließende Frage: Viele vermissen den großen Heimvorteil im Hanappi-Stadion. Wie schwer ist es wirklich, im großen Happel-Stadion zu spielen?

Novota: Für mich war das Hanappi schon etwas Unglaubliches. Das Stadion hat alles gehabt und die Fans haben unglaubliche Stimmung gemacht. Das war für uns ein großer Vorteil. Ich glaube, wir spielen auch im Happel-Stadion nicht schlecht und es kommen immer mehr Zuschauer. Sie unterstützen uns immer, das ist super. Aber es ist schon anders, weil die Tribünen nicht so nahe am Spielfeld sind, das ist ein kleines Minus. Ich vermisse das alte Hanappi, aber es wäre eine große Ehre für mich, im neuen Stadion spielen zu dürfen.


Das Gespräch führte Alexander Karper

LAOLA1: Dieses Vertrauen und das Wissen, auch einmal einen Fehler machen zu dürfen, tun aber auf jeden Fall gut.

Novota: Ja, natürlich. Der Trainer sagt mir auch immer, dass es nicht so schlimm ist, wenn ich einmal einen Fehler machen sollte. Ich antworte ihm aber jedes Mal, dass ich keine Fehler machen soll und auch keine machen will. Ich versuche, mich immer konzentriert zu halten. Ich glaube, es läuft ganz gut, aber er muss wissen, ob es klappt oder nicht.

LAOLA1: Während du geblieben bist, sind in den letzten Jahren viele Spieler gegangen und viele gekommen, auch vor dieser Saison. Wie bewertest du diese ständigen Veränderungen?

Novota: Es ist immer ein bisschen traurig, wenn ein guter Freund oder Mitspieler weggeht. Aber so ist das Leben, so ist der Fußball. Auch heuer sind wieder viele neue, junge Spieler gekommen. Es hat ein bisschen gedauert, bis die Mannschaft zusammengefunden hat, aber die Stimmung in der Kabine ist sehr gut. Ich glaube auch, dass wir uns fußballerisch weiterentwickelt haben. Wir haben noch eine sehr schöne Zeit vor uns.

LAOLA1: Als Torhüter hast du den besten Überblick, da sich alles vor dir abspielt. Wie zufrieden bist du momentan mit dem gezeigten Spiel deiner Mannschaft?

Novota: Von hinten kann man natürlich alles sehen. Positiv ist, dass wir in 90 Prozent der Spiele dominant sind, das ist unser Ziel. Negativ anmerken kann man, dass wir manchmal nicht so effektiv sind und trotz der vielen Chancen die Tore nicht machen. Das ist schade, aber in so einer unerfahrenen Mannschaft auch normal. Wir haben auch schon Spiele gehabt, in denen wir nicht so gut gespielt haben und dafür 1:0 oder 2:0 gewonnen haben. Prinzipiell habe ich schon einen guten Eindruck von unserem Spiel. Wir müssen einfach konzentrierter im letzten Drittel spielen.

LAOLA1: Verzweifelt man als Torhüter nicht, wenn man viel Ballbesitz und viele Torchancen sieht, aber selbst nicht eingreifen kann?

Novota: Daran kann ich nichts ändern, deshalb ärgere ich mich auch nicht darüber. Das ist unnötig. Ich konzentriere mich auf mich, das ist wichtig für mich.

LAOLA1: Sieht man von hinten vielleicht trotzdem Dinge, die man aus einer anderen Position gar nicht so wahrnimmt und die du dann auch ansprichst?

Novota: Die Trainer sehen schon alles und machen auch Video-Analysen. Normalerweise muss ich da nichts sagen. Höchstens, wenn Fehler bei Standards im Strafraum passieren, sage ich zu den Jungs, dass man mehr aufpassen und sich besser positionieren muss.

LAOLA1: Viele Gegner stellen sich gegen Rapid hinten rein und wollen nicht mitspielen. Wie ernüchternd ist es, oft gegen eine Mauer anlaufen zu müssen?

Novota: Es ist immer schwer, aber wir sind Rapid und müssen damit leben. Diesen Schritt müssen wir noch machen, um diese Spiele zu gewinnen. Aber es ist immer gut, gegen einen Gegner zu spielen, der hinten auch ein bisschen aufmacht. Aber daran können nur wir mit unserem Spiel etwas ändern und indem wir aus den Chancen, die wir uns erarbeiten, auch Tore machen.

LAOLA1: Bei Rapids Spiel mit viel Ballbesitz ist auch das Tormann-Spiel ein anderes. Wie schwer ist es, die Konzentration zu bewahren, wenn der Gegner nur selten aufs Tor schießt?

Novota: Es ist nicht einfach, aber man muss bei den ein oder zwei Schüssen, die aufs Tor kommen, bereit sein. Genau das ist meine Arbeit, aber darauf bereite ich mich die ganze Woche vor. Ich kann mich nur konzentrieren und versuchen, ruhig zu sein, mehr kann ich nicht machen. Ich versuche immer, jede Aktion perfekt zu machen. Ich bin natürlich eher der Typ, der sich beweisen will und gerne viel zu tun hat.

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