"Wohlfahrt war einer der intelligentesten Spieler"

Aufmacherbild
 

Futbolo Fenomenas. Das Fußballphänomen.

So heißt ein Film, der in Litauen über das Leben von Arminas Narbekovas gedreht wurde.

Der 50-Jährige ist nicht nur in seinem Heimatland eine Legende, sondern auch am Verteilerkreis.

Als einer der ersten Fußballer, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Sowjetunion verließen, kam er 1990 zur Austria. Mit den Veilchen holte er in den folgenden sechs Jahren drei Meistertitel und zwei Mal den ÖFB-Cup.

Noch heute pflegt Litauens vierfacher Fußballer des Jahres, der 2003 zum besten litauischen Spieler aller Zeiten gewählt wurde, eine enge Verbindung zu Österreich.

Die Generali Arena in Favoriten besucht er in regelmäßigen Abständen, zudem kommentiert er die Geschehnisse bei seinem Ex-Klub über Facebook.

Bei LAOLA1 spricht der Fußball-Olympiasieger von 1988 über seine wechselhafte Karriere, die aktuelle Situation bei der Austria und welche Spieler er als U21-Nationaltrainer seinem Ex-Kollegen Franz Wohlfahrt empfehlen kann.

LAOLA1: Herr Narbekovas, ein litauischer Regisseur hat Ihr Leben verfilmt. Was war der Anlass dafür? Sind Sie in Ihrer Heimat ein Superstar?

Arminas Narbekovas: Einige Sportjournalisten kamen auf die Idee, die Leben von Litauens berühmtesten Sportlern zu verfilmen. Darunter auch der ehemalige NBA-Spieler Arvydas Sabonis, mit dem ich eine enge Freundschaft pflege. So kam man auch auf mich zu. Anfangs war es schwer, mich zu überreden, weil ich nur ungern im Rampenlicht stehe. Aber letztendlich ist der Film sehr gut geworden und ich freue mich, dass ich darauf eingegangen bin. Superstar-Gefühle habe ich nicht, jedoch ist es ein schönes Gefühl anerkannt und geschätzt zu werden.

LAOLA1: Sie galten Ende der 1980er-Jahre als einer der besten Fußballer der Sowjetunion. Wären Sie ein paar Jahre später geboren, hätten Sie wohl früher in den Westen wechseln können und dort viel Geld verdient. Ärgern Sie sich manchmal darüber, dass Sie nicht länger im Ausland spielen durften?

Narbekovas: Die erste Anfrage aus dem Westen gab es 1988 von Real Saragossa. Direkt nach dem Gewinn der Gold-Medaille in Seoul, wo wir im Finale Brasilien besiegt haben. Zu der Zeit war es noch unvorstellbar für uns, in den Westen zu wechseln. Somit hat sich das alles auch sehr schnell zerschlagen. Natürlich ärgere ich mich. Die Zeit im Ausland war die Schönste meiner Karriere. Und die hat erst mit 26 begonnen. Unvorstellbar wie sie verlaufen wäre, hätte ich früher wechseln können.

LAOLA1: Ihre Karriere wurde nicht nur dadurch beeinträchtigt, sondern auch durch viele Verletzungen. Was wäre ohne diese Rückschläge möglich gewesen?

"Bis Hrubesch kam, habe ich jeden Tag bei der Austria genossen"

LAOLA1: Was war das schönste Erlebnis in Ihrer Zeit bei der Austria?

Narbekovas: Bis Hrubesch kam, habe ich eigentlich jeden Tag genossen. Jeden einzelnen Titel, jedes einzelne Tor und jeden Mannschaftskollegen. Es war eine verdammt geile Zeit.

LAOLA1: Noch heute kommentieren Sie via Facebook gerne das Geschehen bei Ihrem Ex-Klub. Wie viel Kontakt haben Sie noch nach Favoriten?

Narbekovas: Der Kontakt hält sich in Grenzen. Wenn ich in Wien bin, um meine Kinder zu besuchen, dann treffe ich mich schon mal mit Andi Ogris, Franz Wohlfahrt oder auch Manfred Zsak. Ich verfolge die Geschehnisse bei der Austria aber natürlich über das Internet.

LAOLA1: Wohlfahrt leitet als Sportdirektor aktuell die Geschicke der Austria. Ist er der richtige Mann für den Job?

Narbekovas: Ich denke schon. Schließlich war er Teil der erfolgreichsten Austria-Elf und weiß ganz genau, wie und was im Verein läuft. Er hat als Spieler jede Menge Erfahrungen gemacht. Etwa bei Stuttgart oder auch im Nationalteam. Außerdem hielt ich Franz schon damals für einen der intelligentesten Spieler.

LAOLA1: Mit Thorsten Fink soll ein neuer Trainer die Mannschaft zum Erfolg führen. Auf Facebook meinten Sie, Sie halten ihn für die bessere Wahl als Felix Magath. Warum?

Narbekovas: Magath lebt eine bestimmte Mentalität, bei der man nicht wirklich weiß, ob er damit in Wien durchgekommen wäre. Er ist als Schleifer bekannt, und ich vermute, er hätte sich am Verteilerkreis die Zähne ausgebissen. Er hat als Trainer natürlich sehr viel erreicht. Und ich hätte dieses Experiment gerne gesehen. Thorsten Fink ist ein relativ junger Trainer. Er hat als Spieler alles erreicht. Ich glaube, man hat eine sehr gute Wahl getroffen. Es wird interessant zu beobachten sein, wie sich die Mannschaft unter seiner Führung entwickeln wird. Ich habe über ihn nur Gutes gehört.

LAOLA1: Können Sie sich vorstellen, selbst einmal Austria-Coach zu werden? Hat man Sie vielleicht sogar schon einmal deswegen kontaktiert?

Narbekovas: Das ist eine Frage, die man immer gestellt bekommt. Jeder, der bei der Austria spielen durfte, kann sich das vorstellen. Kontakt gab es bisher keinen und wenn wir ehrlich sind, ist die Wahrscheinlichkeit auch sehr gering, dass ich eines Tages dort Trainer werde.

Narbekovas: Der spanische Spielstil lag mir als technisch begabtem Fußballer. Ich wäre liebend gerne nach Spanien gewechselt. 1992/1993 war Otto Rehhagel, damals Trainer von Werder Bremen, samt Anhang in Wien, um mich zu beobachten. Im Abschlusstraining vor dem Wiener Derby habe ich mich schwer verletzt. Nach Bremen gewechselt ist dann ein gewisser Andi Herzog. 1995 wollte Dragoslav Stepanovic, dass ich nach Leverkusen wechsle. In diesem Jahr war ich ebenfalls schwer verletzt. 1996 gab es eine Anfrage für ein Probetraining von den Bolton Wanderers. Mein Manager bzw. der Verein verlangten eine Million Schilling nur für das Probetraining. Das war natürlich absurd. Somit war die letzte Möglichkeit, noch einmal in ein anderes Land zu wechseln ebenfalls dahin. 1996 begann das Seuchenjahr unter dem wohl schlimmsten Trainer meiner Karriere – Horst Hrubesch. Dieser holte Peter Pacult damals zur Austria und versuchte auf unmenschliche Art und Weise mich loszuwerden. Bekanntlich war das auch mein letztes Jahr bei der Wiener Austria.

LAOLA1: Was ist zwischen Ihnen und Hrubesch vorgefallen?

Narbekovas: Das müssen Sie ihn fragen. Er hat mir vorgeworfen, ich würde Unruhe in die Mannschaft bringen und Konflikte provozieren. Wer mit mir gespielt hat, weiß aber, dass es nicht so war. Ich denke, er hat einfach eine Begründung gebraucht, warum Spieler, die er geholt hat, gespielt haben.

LAOLA1: Wie kam Ihr Wechsel zur Austria überhaupt zu Stande?

Narbekovas Damals kamen alle Erlaubnisse aus Moskau. Wir spielten mit Zalgiris Vilnius gegen die Austria im UEFA-Cup und bekamen daraufhin eine Einladung zum Probetraining. Herbert Prohaska, den ich sowohl als Trainer als auch als Mensch sehr schätze, wollte Valdas (Ivanauskas, Anm.) und mich unbedingt haben. So mussten wir aus Litauen nach Moskau zu Lokomotive wechseln, um nach dem Zwischenstopp nach Österreich wechseln zu dürfen. Die Trainer, die danach folgten u.a Stessl, Hickersberger und Coordes machten meine Zeit bei der Austria unvergesslich. Sie alle haben ihren Teil dazu beigetragen, dass wir so erfolgreich waren.

U21-Nationaltrainer Narbekovas

LAOLA1: Neben der Austria haben Sie unter anderem für die Admira und den Wiener Sportklub gespielt. Wie eng ist ihre Verbindung zu Österreich?

Narbekovas: Nach 20 Jahren in Österreich ist das hier meine zweite Heimat. Wer den Wiener Sportklub kennt, der weiß, dass die Stimmung und die Fans einzigartig sind. Wir haben damals in drei Jahren den Aufstieg von der Wiener Liga bis in die Erste Liga geschafft. Wie so oft kommt dann jemand im Verein, der sich selbst gut darstellen will und dem Trainer sagt wer zu spielen hat und so einen Verein ruiniert. So begann der abermalige Abstieg, obwohl man das Potenzial für die Bundesliga hatte. Bei der Admira war das oft ein Auf und Ab. Sowohl sportlich, als auch finanziell. Jedoch habe ich dort wunderbare Menschen getroffen und tolle Momente erlebt. Vom Masseur über den Platzwart bis hin zum Eigentümer war es eine Bereicherung für mich.

LAOLA1: Aktuell betreuen Sie das U21-Nationateam von Litauen. Wie geht es dem litauischen Fußball?

Narbekovas: Sehr schlecht. Leider mangelt es hier an Motivation und dem Willen, etwas zu erreichen. Die Jugend ist faul und die, die im Ausland sind, spielen kaum. Die Entwicklung geht eindeutig in die falsche Richtung. Es gibt leider keine Strukturen. Mit Stand heute werde ich am 1. September eine Fußball Akademie in Vilnius eröffnen. Wir wollen der Jugend zeigen, dass es in Litauen auch noch andere Sportarten als Basketball gibt.

LAOLA1: Könnten Sie Franz Wohlfahrt einen Ihrer Spieler empfehlen?

Narbekovas: Da wäre zum Beispiel Edvinas Gertmonas von Stade Rennes, 19 Jahre. Er ist momentan unsere Torwart-Hoffnung. Oder Vykintas Slivka von ND Gorica, ebenfalls 19 und ein sehr intelligenter Mittelfeldspieler. Die Zwei kann man auf jeden Fall hervorheben.

 

Das Interview führte Jakob Faber

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen