"Sind in Rolle, in der wir agieren und nicht reagieren"

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Es ist vollbracht! Platz zwei ist einzementiert, der fünfte Anlauf auf die Champions League ist Rapid nicht mehr zu nehmen. Zwei Mal gab es bisher ein Happy End (1996/97, 2005/06), zwei Mal nicht (1999/2000, 2008/09).

"Das hätte uns vor der Saison keiner zugetraut", imponiert Trainer Zoran Barisic, wie sich das Team den Vizemeister-Titel erspielt hat.

Auch Kapitän Steffen Hofmann freut sich auf sein drittes Abenteuer in der Quali zur Königsklasse, auch wenn ihm das letzte mit dem Ausscheiden gegen Anorthosis Famagusta noch in unguter Erinnerung ist.

"Aller guten Dinge sind drei, wir freuen uns darauf. Wir haben das Potenzial, auch große Gegner zu ärgern oder zu besiegen, aber natürlich ist es ein steiniger Weg", weiß Rapids Nummer elf.

Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft über den Sommer gehalten werden kann. Somit kommt Andreas Müller ins Spiel.

Im LAOLA1-Interview blickt der Sportdirektor auf das hervorragende Frühjahr zurück, spricht über die Zielerreichung, gute Argumente im Kampf um Spieler und den Fortschritt der Kaderplanung.

LAOLA1: Platz zwei ist fixiert! Inwieweit ist das der Lohn für die harte Arbeit und das fantastische Frühjahr?

Andreas Müller: Wir haben auch im Herbst immer wieder betont, dass die Mannschaft in einem Entwicklungsprozess drinsteckt. Viele konnten das nicht mehr hören, aber letzten Endes ist es schön zu sehen, dass sie so eine tolle Frühjahrssaison gespielt hat. Sie ist gereift, ist aber noch nicht da, wo wir sie haben wollen. Die Mannschaft hat noch eine Menge Luft nach oben und Potenzial. Unsere Mannschaft ist im Moment selbstbewusst. Darüber hinaus wollten wir die Saison so positiv wie möglich abschließen. Wir haben zum Glück Platz zwei in der Tasche, das war das erklärte Ziel. Wir wollten ins Cup-Finale, das ist uns nicht gelungen, das ist ein Ziel, das wir verpasst haben. So gesehen, haben wir noch genügend Motivation und Ansporn für die neue Saison.

LAOLA1: Hättte der Frühjahrsmeistertitel für Sie eine spezielle Bedeutung?

Müller: Für mich hat das keine große Relevanz. Für mich ist eher die Entwicklung der Mannschaft wichtig. Im Endeffekt spiegelt sich das in den Punkten wider. Wir haben in der Rückrunde nicht nur was unsere Spielweise, sondern auch was die Punkte betrifft, sicherlich einen guten Schritt nach vorne gemacht. Es ist wichtig, dass wir – das habe ich schon nach dem Derbysieg zum Trainer gesagt – das auch in den letzten Spielen bestätigen. Dieser Eindruck bleibt bei vielen hängen. Wir wollen weiter zeigen, dass wir einen attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen.

LAOLA1: Beweist das auch, dass abgesehen von der Entwicklung, im Herbst an den richtigen Schrauben gedreht wurde?

Müller: Uns war von vornherein klar: Wenn ein Großteil der Leistungsträger – wir haben den kompletten Sturm verkauft, der die meisten Tore geschossen hat - im Sommer weggeht, dann ist es völlig normal, dass es eine Zeit braucht, bis sich die neuen Spieler so in der Mannschaft eingefunden haben, bis sie das umsetzen können, was wir im Trainerstab als Spielphilosophie entwickelt haben. Dass es mit Schobesberger, Kainz, Beric, Schwab und auch anderen Spielern, die nicht so oft zum Einsatz gekommen sind, aber trotzdem perspektivisch Top-Verstärkungen sind, so gut läuft, hätten wir natürlich auch nicht gedacht. Aber das ist schon das Ergebnis der Arbeit, die unser Trainerstab mit den Spielern geleistet hat.

Robert Beric ist die heißeste Transferaktie Rapids

LAOLA1: Es bleibt noch Zeit, bis der Transfermarkt richtig anläuft. Ist Rapid für den Fall der Fälle, zum Beispiel bei Robert Beric, gewappnet?

Müller: Der Transfermarkt fängt in der Regel frühestens im Juni an, meistens erst im Juli und im August wird es noch einmal turbulent. Das ist normal, darauf haben wir uns vorbereitet. Es ist ja nicht so, dass wir erst am Ende der Saison unser Scouting intensivieren. Sondern das ist ein immerwährender  Prozess über das ganze Jahr hinweg. Wir sind sicherlich aufgestellt, was mögliche Alternativen betrifft. Aber noch einmal: Ich glaube, dass wir jetzt eine Mannschaft haben, die sich sehr gut entwickelt hat. Es gibt eine Menge Spieler, die auch im neuen Allianz-Stadion spielen wollen. Von daher stimmt die Perspektive für die Zukunft. Auf der anderen Seite ist es sportlich und wirtschaftlich klar, dass es natürlich auch andere Ligen gibt, wo du dann meistens zweiter Sieger bist. Aber das muss nicht dringend im Sommer der Fall sein.

LAOLA1: Ist nicht zu erwarten, dass die Qualifikation für einen europäischen Bewerb schlussendlich das beste Argument wäre?

Müller: Wobei das relativ spät ist, dadurch dass wir jetzt den zweiten Platz fixiert haben. Klar, das Transferfenster ist bis Ende August offen, aber wir werden alles Menschenmögliche dafür tun, die Mannschaft plus unsere Neuzugänge so zusammenzuhalten, dass wir eine große Chance haben, zumindest die Teilnahme in der Gruppenphase der Europa League zu sichern. Das ist unser Ziel, das wir in den nächsten Jahren erreichen wollen.

LAOLA1: Interessenten wird es geben. Gibt es die Spieler und Vertragslänge betreffend eine Summe, ab welcher man gesprächsbereit wäre?

Müller: Wir haben für keinen Spieler irgendeine Zahl, aber es ist immer so, wenn Angebote auf den Tisch kommen, dann muss man sich damit auseinandersetzen. In der Lage befindet sich Rapid seit Jahren, das werden wir auch diesmal tun. Wir werden alles Mögliche in Bewegung setzen, um jedem Angebot widerstehen zu können. Aber du brauchst auch den Spieler dafür, der muss sich auch vorstellen können, weiter im grünen Dress aufzulaufen und in diesem Team spielen zu wollen. Man kann ja hart bleiben und dem Spieler keine Chance geben, weil er Vertrag hat. Aber die Frage ist immer, wie der Spieler dann drauf ist, wenn möglicherweise ein Angebot aus einer Top-Liga da ist und er die große Chance hat, in Europa bei einem Top-Verein spielen zu können. Das ist dann immer die Schwierigkeit. Wir haben uns aber für die kommenden Aufgaben sehr gut gewappnet.

LAOLA1: Worauf wird es ankommen, um diese Entwicklung in der kommenden Saison fortzusetzen?

Müller: Jetzt kommt natürlich der Sommer und damit das Transferfenster. Jetzt gilt es, alles dafür zu tun, um die Mannschaft zusammen zu halten. Denn mittlerweile sieht man, dass diese Mannschaft sehr viel Potenzial und eine sehr gute Perspektive hat. Wir wollen in naher Zukunft wieder den Meistertitel zurück nach Hütteldorf holen. Deswegen braucht man eine eingespielte Mannschaft, die sich nicht jedes Jahr groß verändert wird.

LAOLA1: Mit langfristigen Verträgen wurde unter Ihnen der Grundstein gelegt. Bei einem früheren Abgang muss mehr Geld fließen, die Gefahr eines neuerlichen radikalen Umbruchs eingedämmt. Trotzdem ist es wohl nicht auszuschließen, dass der eine oder andere Spieler dem Lockruf internationaler Vereine erliegt.

Müller: Man muss sich bei Rapid immer mit diesem Thema auseinandersetzen, das ist völlig logisch. Ich glaube, dass wir trotzdem genügend gute Argumente haben, um die Mannschaft zusammen zu halten und einzelne Spieler davon zu überzeugen, dass der Weg hier noch weitergehen kann und wird. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass wenn andere Ligen locken, die lukrativer sind und sportlich noch eine höhere Herausforderung darstellen als hier in Österreich, muss man sich genau überlegen, mit dem Spieler vernünftig umgehen, dass am Ende des Tages alles im Sinne des Klubs passiert. Da sind wir doch aufgrund der langfristigen Verträge bei einigen Spielern in der Rolle, dass wir agieren können und nicht auf mögliche Dinge reagieren müssen.

LAOLA1: Um welche Argumente handelt es sich, um einen Spieler, der ein Angebot eines größeren europäischen Klubs hat, zum Bleiben zu überreden?

Müller: Es ist grundsätzlich bei jedem einzelnen Spieler die Frage, ob er schon nach einer sehr guten und erfolgreichen Saison bereit ist, für eine Liga in Europa, die deutlich stärker ist – sei es Deutschland, England, Italien oder Spanien. Innerhalb des Vereins und der Mannschaft haben wir so einen großen Teamgeist, dass jeder Spieler sehr viele Freude und Spaß hat, hier zu spielen. Ich glaube auch, dass kein Spieler – Stand jetzt – den Weg weg von Rapid suchen möchte.

LAOLA1: Mit Philipp Huspek, Stefan Nutz und Tomi sind drei Neuzugänge bereits fix. Wieweit ist die Kaderplanung bereits fortgeschritten?

Müller: Wir sind mit den bisherigen Neuzugängen gut gewappnet. Mit Stephan Auer haben wir noch jemanden in der Pipeline. Ich hoffe, dass wir zueinander finden werden. Damit wäre unsere Kaderplanung abgeschlossen. Für den Fall, dass nicht einer unserer Spieler, der in diesem Jahr wirklich eine Top-Performance hatte, noch weggeht. Ich denke, es ist gut, dass wir frühzeitig die Sicherheit haben, wie der Kader aussieht. Man kann planen und am 17. Juni mit der Mannschaft starten. Dann wird man sehen, wie das in den Juli und August hineingeht und ob wir unser Ziel, die Gruppenphase der Europa League, erreichen.

LAOLA1: Wäre das Erreichen eines Europacup-Bewerbs trotzdem ein Signal, um noch einmal nachzurüsten?

Müller: Nein. Wenn wir das erreichen sollten und uns kein Spieler verlässt, gehen wir mit dem Kader, der das geschafft hat, auch in die neue Saison. Es wird keinen Neuzugang mehr geben. Auch nicht, wenn viele von der Champions League träumen. Aber da bin ich Realist, so weit gehe ich nicht, da dort ganz andere Kaliber dabei sind. Unabhängig davon bleibt der Kader so, wie wir ihn jetzt aufgestellt haben. Es sei denn, es gibt einen Abgang, der uns sportlich wehtun würde. Da müsste man dann überlegen, was man tut.

LAOLA1: Wäre rein sportlich gesehen, das Erreichen der Europa-League-Gruppenphase sogar interessanter? Käme die Champions League noch zu früh?

Müller: Um Gottes Willen! Wenn wir die Champions League mitnehmen können, gibt es keinen falschen Zeitpunkt. Du kannst dich mit den besten Mannschaften in Europa messen, da kann gerade unsere junge Mannschaft sehr viel lernen. Es ist nicht so, dass ich von vornherein sage, die Europa League ist mir lieber. Aber ich würde sofort unterschreiben, wenn wir fix die Europa-League-Gruppenphase erreichen.

LAOLA1: Wie unrealistisch ist das Erreichen der Königsklasse, wenn man auf dem Nicht-Meister-Weg bereits in der 3. Quali-Runde auf Kaliber wie Shakthar Donezk, Ajax, Anderlecht oder Monaco treffen könnte?

Müller: Wenn man sich mit möglichen Gegnern befasst, dann sind das schon Gegner mit großen Namen, die in ihren Ligen den zweiten oder dritten Platz erreicht und vergangene Saison Champions League gespielt haben. Das ist schon eine sehr hohe Latte, die aufgelegt wird. Aber es ist in zwei Spielen alles möglich, auch gegen den vermeintlichen Favoriten weiterzukommen.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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