Innsbruck hat ihn verändert

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"Ich bin jetzt ein besserer Fußballer"

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Miran Burgic war ein Goalgetter, ein Strafraumstürmer.

Doch Innsbruck hat den Slowenen verändert. In Tirol wurde der 27-Jährige zum Kämpfer, zum Rackerer, zum Assistgeber.

„Ich glaube, dass ich in den sechs Jahren davor insgesamt keine 13 Assists gemacht habe“, erklärt der Angreifer bezugnehmend auf die abgelaufene Spielzeit.

Im LAOLA1-Interview spricht der Wacker-Profi nicht nur über seinen Wandel, sondern auch über die langen Winter in Stockholm, die Chancen auf einen Europacup-Platz und Österreich als Vorbild für Slowenien.

LAOLA1: Die Liga hat im Herbst verrückt gespielt. Wie zufrieden bist du mit dem, was der FC Wacker bisher erreicht hat?

Miran Burgic: Am Ende haben wir viel gepunktet. Wir stehen mit 24 Punkten da, das ist nicht schlecht. Ich habe aber das Gefühl, dass wir es viel besser machen könnten. Wir hatten in vielen Spielen kein Glück, haben in der Schlussphase viele Gegentore kassiert. Alles in allem ist es aber okay. Wir haben noch alle Chancen.

LAOLA1: Du sprichst die späten Gegentore an, es waren insgesamt neun in der Schlussviertelstunde. Wie erklärst du dir das?

Burgic: Das ist schwer zu sagen. Wir hatten schwache Momente. Vielleicht liegt es daran, dass wir sehr aggressiv spielen, viel laufen. In den letzten 15 Minuten tun wir uns dann schwer, das Tempo zu halten.

LAOLA1: Ihr liegt 14 Punkte vor Kapfenberg und nur sechs hinter den drittplatzierten Salzburgern. Wo soll es im Frühjahr hingehen?

Burgic: Es ist für uns sehr wichtig, dass wir diesen Vorsprung auf Kapfenberg haben. Wir haben keinen Stress, können lockerer spielen. Wir haben die Chance, eine gute Platzierung zu erreichen.

LAOLA1: Ist ein Europacup-Platz möglich?

Burgic: Sicher. Mit ein bisschen mehr Routine und Glück können wir Dritter oder Vierter werden.

LAOLA1: Kommen wir zu dir persönlich: Du hast bisher erst bei drei Vereinen (Anm.: ND Gorica, AIK Solna und Wacker Innsbruck) gespielt. Wie wichtig ist dir Kontinuität?

Burgic: Für einen Spieler ist es besser, wenn er ein bisschen länger bei einem Klub bleibt. Jedes Jahr bei einem anderen Verein oder sogar in einem anderen Land zu spielen, ist schwer. Ich bin jetzt eineinhalb Jahre hier. Alles passt, es gefällt mir.

LAOLA1: Warum hast du dich im Sommer 2010 für den Wechsel von Stockholm nach Innsbruck entschieden?

Burgic: Ich war vier Jahre dort. Es war alles okay, wir haben auch Titel geholt. Aber vier Jahre sind eine lange Zeit, deshalb wollte ich etwas Neues probieren. Innsbruck war eine super Option für mich.

LAOLA1: Stimmt es, dass du auch wegen der langen, kalten Winter gegangen bist?

Burgic: Das ist wirklich so. Die Winter in Schweden sind schlimm. Alles ist dunkel, die Sonne scheint nie. Ein, zwei Monate Schnee wie in Innsbruck sind okay. Immerhin scheint dort ja auch die Sonne.

LAOLA1: In der vergangenen Saison hast du sechs Tore erzielt und 13 Assists geliefert. Hast du erwartet, dass es so gut läuft?

Burgic: Ich spiele hier eine andere Rolle als in den anderen beiden Klubs. Ich glaube, dass ich in den sechs Jahren davor insgesamt keine 13 Assists gemacht habe. Dafür habe ich viel mehr Tore geschossen. Hier ist das anders. Wenn der Trainer zufrieden ist, ist das kein Problem. Aber wenn du Stürmer bist, ist es natürlich super, 15, 20 Tore zu schießen.

LAOLA1: Als du nach Innsbruck gekommen bist, wurdest du als klassischer Strafraumstürmer, der nichts für das Spiel tut, beschrieben. In Österreich haben wir aber einen ganz anderen Miran Burgic kennengelernt. Wieso?

Burgic: Ich habe mein Spiel komplett geändert. In Slowenien und Schweden habe ich für Top-Klubs, die um immer um den Titel gekämpft haben, gespielt. Ich war der einzige Stürmer, habe nur im Strafraum auf die Bälle gewartet. Hier ist das anders. Wir kommen nicht zu so vielen Chancen, deshalb muss ich mithelfen, welche zu kreieren.

LAOLA1: Ist es gut für deine weitere Karriere, flexibler geworden zu sein?

Burgic: Sicher. Ich habe mich hier sehr entwickelt. Ich habe sogar drei, vier Spiele im offensiven Mittelfeld gespielt. Davor war das undenkbar. Ich bin sicher, dass ich jetzt ein besserer Fußballer bin, als ich es vorher war.

LAOLA1: Welche Ziele hast du noch? Gibt es eine Liga, in der du unbedingt noch einmal spielen willst?

Burgic: Seit ich in Österreich bin, verfolge ich die deutsche Liga viel intensiver. Das ist eine interessante, spannende Liga mit vielen Fans. Mir gefällt aber auch die italienische Liga, weil ich in der Nähe der Grenze aufgewachsen bin. Aktuell bin ich aber zufrieden hier. Mein Vertrag läuft noch bis zum Sommer, was nachher passiert, weiß ich nicht.

LAOLA1: War ein weiterer Grund, dass du hier wieder in der Nähe deiner Heimat bist?

Burgic: Das ist ein weiterer Pluspunkt. Wobei ich nicht extra nach einem Verein gesucht habe, der in der Nähe meiner Heimat ist. Aber freilich ist es angenehm, in vier, fünf Stunden daheim zu sein.

LAOLA1: Stockholm ist eine große Stadt, Innsbruck eher kleiner. Was gefällt dir besser?

Burgic: Vielleicht war Stockholm zu groß für mich. Slowenien ist ein kleines Land mit kleinen Städten. Dann bin ich nach Stockholm gekommen, wo zwei Millionen Menschen leben – alles war so groß und neu. Innsbruck ist von der Größe her perfekt.

LAOLA1: Du bist ja ein richtiges Sprachen-Talent. Welche Sprachen sprichst du?

Burgic: Meine Muttersprache Slowenisch, Englisch, Italienisch, Serbokroatisch, Deutsch und ein bisschen Schwedisch, wobei ich davon schon wieder viel vergessen habe.

LAOLA1: Du hattest in der Vergangenheit immer wieder mit Knieverletzungen zu kämpfen. Macht dir das gelegentlich noch zu schaffen?

Burgic: Nein, seit ich nach Innsbruck gekommen bin, passt alles. Ich habe beim FC Wacker erst drei Ligaspiele verpasst. Es gibt also keine Probleme mehr.

LAOLA1: Du wirst im September 28 Jahre alt, muss man da schon genau überlegen, wie der nächste Schritt aussieht? Viele Verträge wirst du nicht mehr unterschreiben...

Burgic: Klar. Ich glaube aber, dass ich in den besten Jahren bin. Ich habe mindestens noch fünf, sechs Jahre. Ich versuche jedoch, nicht zu viel darüber nachzudenken, was im Sommer passiert.

LAOLA1: Du hast im November 2008 dein letztes Länderspiel bestritten. Glaubst du, dass es in einer größeren Liga einfacher wäre, wieder ins Team zu kommen?

Burgic: Ich will wieder für die Nationalmannschaft spielen. Ich denke, dass ich auch hier die Chance habe, mich zu empfehlen.

LAOLA1: Wie wird die österreichische Bundesliga allgemein in Slowenien eingeschätzt?

Burgic: Es haben ja schon einige Slowenen, wie Knavs, Ceh oder Acimovic, in Österreich gespielt. In Slowenien sagen sie, dass die österreichische Liga ein Vorbild ist. Doch es ist schwer, weil wenig Geld vorhanden ist. Die Qualität ist nicht so schlecht, aber es kommen teilweise nur 1.000 Zuschauer – das ist nicht gut. Viele junge, talentierte Spieler gehen früh ins Ausland.

LAOLA1: Immerhin hat Olimpija Ljubljana ein schönes, neues Stadion. Entwickelt sich da etwas?

Burgic: Außerdem ist Acimovic Sportdirektor! In Slowenien haben NK Maribor und eben Olimpija Ljubljana großes Potenzial. Das sind die zwei großen Städte mit großen Stadien.


Das Gespräch führten Harald Prantl und Kurt Vierthaler

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