Szenen einer Freundschaft

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Rubin Okotie und Michael Madl kennen sich seit einer halben Ewigkeit.

Sie besuchten gemeinsam die Frank-Stronach-Akademie, spielten in diversen Nachwuchs-Nationalteams, kickten für die Austria und stehen nun beim SK Sturm unter Vertrag.

„Das Fußballgeschäft ist ein sehr schnelllebiges, in dem sich jedes Jahr alles verändert. Da ist es schön, wenn man solche Freunde, mit denen man schon Erfolge und Misserfolge geteilt hat, findet“, sagt Okotie. Madl spricht von „Freunden fürs Leben“.

LAOLA1 hat das Duo zum Doppel-Interview gebeten und mit ihnen über die Meilensteine ihrer Karrieren gesprochen.

Ab 2002 besuchen die beiden gemeinsam im niederösterreichischen Hollabrunn die Frank-Stronach-Akademie



Okotie: Der Michi war eine Klasse unter mir, deswegen hatten wir nicht so viel miteinander zu tun. In der U17 haben wir dann zusammengespielt.

Madl: Wir haben uns früher eigentlich nicht so gut verstanden, sondern uns ziemlich viel gestritten. Wir sind doch zwei ganz eigene Typen, sind Hitzköpfe. Vor allem im Training hatten wir unterschiedliche Meinungen und dann hat sich das hochgeschaukelt. Nach dem Training haben wir wieder darüber gelacht. Aber je besser wir uns kennengelernt haben, umso besser haben wir uns verstanden. Im Endeffekt hat sich alles zum Positiven entwickelt.

Im Sommer 2004 nimmt Trainer Günther Kronsteiner den erst 16-jährigen Madl mit ins Trainingslager der Profis nach Bad Radkersburg



Okotie: Wir waren damals überhaupt nicht neidisch, vielmehr haben wir es ihm alle gegönnt. Er war für sein Alter schon ziemlich weit und hat sich dieses Trainingslager mit seinen Leistungen verdient gehabt. Es hat damals ja einige Gerüchte gegeben – etwa, dass ihn der AC Milan beobachtet. Zu Recht!

Am 14. Juni 2006 spielen die beiden erstmals gemeinsam in der Kampfmannschaft – beim 6:0 gegen den UFC Fehring werden beide in der Pause eingewechselt, Okotie gelingen zwei Treffer


Madl: Keine Ahnung. Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber es war sicher ein schönes Gefühl als so junger Spieler damals im Trainingslager bei den Profis zu trainieren. Immerhin waren bei der Austria hochkarätige Spieler von denen wir viel gelernt haben.

Im Sommer 2006 stößt das Duo bei der U19-Europameisterschaft unter Trainer Paul Gludovatz bis ins Halbfinale vor, dort scheidet die ÖFB-Auswahl nach einem 0:5 gegen Spanien (u.a. mit Mata und Pique) aus

Okotie: Das war in Polen, oder?

Madl: Ja. Wir durften im Nationalteam immer zusammenspielen und haben viele Erfolge gefeiert. Dazu zählt natürlich auch dieses Halbfinale. Es war eine schöne Erfahrung und eine sehr erfolgreiche Zeit.

Am 13. Dezember 2006 gibt Madl sein Pflichtspiel-Debüt bei den Austria-Profis – die Violetten spielen in der UEFA-Cup-Gruppenphase auswärts gegen Espanyol Barcelona und verlieren mit 0:1, Madl spielt durch

Okotie: Es war sicher eine tolle Sache für ihn, sein Debüt in einem internationalen Spiel zu geben. Noch dazu in Barcelona! Wir haben uns alle für ihn gefreut.

Beide sind fixe Bestandteile der U20-Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft in Kanada sensationell den vierten Rang belegt, Okotie wird anschließend ins All-Star-Team des Turniers gewählt

Okotie: Das Turnier ist für uns sehr gut verlaufen. Wir sind in dieser Zeit zu einer echt guten Mannschaft geworden. Dann gab es dieses Halbfinale gegen Tschechien, in dem Michi gesperrt war. Trainer Paul Gludovatz musste einige Umstellungen vornehmen. Deswegen sind wir unglücklich ausgeschieden und konnten nur noch um Platz drei spielen. Im Großen und Ganzen war das natürlich ein großer Erfolg, aber es wäre eventuell auch mehr möglich gewesen.

Madl: Rubin ist zu Recht im All-Star-Team gestanden, er hat sich das verdient. Er hat ein tolles Turnier gespielt und viele wichtige Tore für uns geschossen. Wir sind durch diese U20-WM auch international ins Rampenlicht gerückt.

Frank Stronach besucht die erfolgreiche U20 in seiner Wahlheimat Kanada und richtet dem damaligen Austria-Trainer Georg Zellhofer bezüglich Okotie und Madl aus: „Ich werde ihm sagen, dass sie zumindest eine Hälfte spielen müssen.“

Madl: (lacht) Das hat der Rubin beim Essen mit ihm ausgemacht. Im Ernst: Natürlich war Stronach stolz auf uns, weil wir ja aus seiner Akademie gekommen sind. Wahrscheinlich hat er das in seiner Euphorie gesagt. Es ist schön, wenn so jemand viel auf dich hält. Aber darum konnten wir uns nicht kaufen, wir mussten unsere Leistungen weiter bringen. Rubin hat das bei der Austria getan und ich bin an den FC Wacker verliehen worden. So hat jeder seinen Weg gemacht.

Am 3. August 2008 stehen die beiden zum ersten Mal gemeinsam in der Startelf der Wiener Austria – der Gegner ist kurioserweise ihr aktueller Arbeitgeber, der SK Sturm Graz


Okotie: Echt? Das war gegen Sturm?

Madl: Aja, es fällt mir wieder ein, ein 0:0 in Graz. Damals habe ich schlecht gespielt. Es hat eben so lange gedauert, weil ich als 18-, 19-Jähriger spielen wollte, die Chance darauf war in Tirol größer. In Wien habe ich nicht so die Option gesehen.

Am 24. Mai 2009 werden die beiden mit der Austria Cupsieger – die Veilchen setzen sich in Mattersburg gegen die Admira mit 3:1 n.V. durch, Okotie erzielt ein Tor, Madl steht nicht im Kader


Okotie: Das war unser erster richtiger Titel im Profi-Geschäft. Im Finale war damals gegen Trenkwalder Admira. Ein schönes Gefühl. Und eine Traum-Kulisse in Mattersburg. (lacht)

Madl: (lacht) Die Pappeln haben runtergeschaut!

Okotie: Die Stimmung war trotzdem super und wir haben uns alle richtig über diesen Titel gefreut.

Nach einem tollen Saisonstart mit sechs Toren in sieben Pflichtspielen zieht sich Okotie im Spätsommer 2009 eine schwere Knieverletzung zu



Okotie: Für mich persönlich war das eine schwere Zeit, in der ich mich persönlich zurückgezogen habe und viel für mich war.

Madl: Ich war zwar auch immer wieder verletzt, aber im Gegensatz zu seiner Verletzungen war das ein Klacks. Ein echtes Horror-Szenario, das er damals durchleben musste. Es ist beeindruckend, wie er damit umgegangen und wie er wieder zurückgekommen ist. Viele Kicker können nach so einer Verletzung vielleicht gar nicht mehr spielen. Im gebührt Riesenrespekt, dass er wieder an seine alten Leistungen anschließen konnte.

Im Sommer 2010 trennen sich vorerst die Wege der zwei Freunde – Madl wechselt zum SC Wiener Neustadt, Okotie geht zum 1. FC Nürnberg



Madl: Bis zu seiner Verletzung hatte er bei der Austria eine tolle Saison gespielt. Wenn man die Chance hat, zu so einem guten Verein in die erste deutsche Liga zu wechseln, muss man sie wahrnehmen. Es war auf jeden Fall der richtige Schritt, obwohl ihm die Austria-Fans – keine Ahnung, warum – böse waren. Obwohl es in Nürnberg nicht optimal verlaufen ist, war es auf jeden Fall eine tolle Lebenserfahrung. Er weiß jetzt, wie es im Ausland zugeht. Ich bin mir sicher, er wird den Sprung wieder schaffen.

Okotie: Michi hatte bei der Austria immer einen schweren Stand. Die Gründe dafür kann ich nicht verstehen. Immerhin kommt er aus dem eigenen Nachwuchs und ist ein talentierter Spieler. Nachdem er bei der Austria keine Spielpraxis gekriegt hat, war es der bessere Schritt, sie sich woanders zu holen. Wir haben uns trotzdem weiterhin gesehen und auch miteinander telefoniert.

Im Sommer 2012 ist das Duo wiedervereint – Okotie entscheidet sich für einen Verbleib bei Sturm, zudem wechselt Madl aus Wr. Neustadt nach Graz



Okotie: Wir haben mittlerweile mit Rainer Tichy ja denselben Berater, deswegen war ich über das Interesse von Sturm an Michi informiert. Für mich war das auch eine wichtige Entscheidung, weil es mir dadurch leichter gefallen ist, weiterhin bei Sturm zu bleiben.

Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen sie den jeweils anderen in fünf Jahren?




Madl: Dann bist du 30. Stehst du da noch am Feld? (lacht)

Okotie: Ja, ich glaube schon.

Madl: Dann unterschreibt er irgendwo einen Dreijahres-Vertrag. Er casht in Dubai so richtig ab! Oder China.

Okotie: Den Michi sehe ich in fünf Jahren in New York in der Major League Soccer.

Arbeiten die beiden vielleicht sogar einmal als Trainer-Duo?





Okotie: Ja, ich Chef-Trainer und er mein Co.

Madl: Du bist maximal Athletik-Trainer.

Okotie: Ich dachte immer, du willst Physio werden…

 

Aufgezeichnet von Harald Prantl und Bernhard Kastler

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