"Das war eine der größten Fehlentscheidungen"

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Ende der Woche wird es spannend im österreichischen Fußball. Es gilt, Weichen für die Zukunft zu stellen.

Am Donnerstag treffen sich die Klubs aus Bundesliga und Erster Liga, um über das Liga-Format zu diskutieren, am Freitag treten dann die Liga-Vertreter Hans Rinner (Präsident), Markus Kraetschmer (Bundesliga-Vertreter) und Gerhard Stocker (Erste-Liga-Vertreter) vor das ÖFB-Gremium, um den Vorschlag zu präsentieren.

Wenn eine Einigung gefunden wird, soll das neue Liga-Format (Austria Lustenaus Hubert Nagel gegen Änderungen) ab der Saison 2014/15 in Kraft treten.

Im Gespräch mit LAOLA1 weiß Markus Kraetschmer, dass eine Einigung noch einiger Diskussionen bedarf: „Ich habe den Eindruck, der ein oder andere ist nicht bereit, über den Tellerrand zu blicken.“

Austrias AG-Vorstand fragt sich, warum drei Regionalligen notwendig sind, sieht den Ausschluss der Amateur-Teams aus der Ersten Liga als „eine der größten Fehlentscheidungen“ und will in der höchsten Spielklasse nicht über mehr als zehn Klubs diskutieren.

LAOLA1: Wie sieht der Fahrplan aus?

Markus Kraetschmer: Am Freitag tagt das ÖFB-Präsidium, wo einer der Tagesordnungspunkte das Thema Ligen-Format ist. Es gibt ja die Forderung aus den Regionalligen nach dem Direktaufstieg in die zweite Leistungsstufe. Es hat Arbeitsgruppen zwischen Bundesliga und ÖFB gegeben und zahlreiche, lange Sitzungen. Fakt ist, dass offensichtlich die Standpunkte noch sehr weit auseinander liegen. Es ist aber als Liga unsere Verantwortung, uns umgehend mit diesem Thema zu beschäftigen. Am Donnerstag wird zuerst die Erste Liga eine eigene Sitzung haben und danach gibt es eine Klub-Konferenz-Sitzung. Dann wird man sehen, ob es von Seiten der Klubs einen konzertierten Vorschlag, mit dem wir am Freitag in die Sitzung gehen können.

LAOLA1: Was, wenn es keinen konzertierten Vorschlag gibt?

Kraetschmer: Dann müssen wir einfach dementsprechend mitteilen, dass es aus Sicht der Bundesliga-Klubs keine Alternativen zum aktuellen Szenario gibt. Was das dann auslöst, wird man sehen… Aber das ist genau der Punkt, warum wir so kämpfen und noch einmal eine Sitzung einberufen. In den letzten Jahren hat es eine gute Zusammenarbeit zwischen ÖFB und Bundesliga gegeben – ein Paradebeispiel für ein gemeinsames Baby ist die Entwicklung des Cups. Aber es ist sehr, sehr schwierig, weil da Interessen zwischen Amateur- und Profi-Fußball, Lizenzierung, etc. aufeinander treffen. Hinzu kommt noch das Spezial-Problem der Amateur-Mannschaften in der zweiten Leistungsstufe. Da liegt sehr viel Emotion drinnen, was die Diskussion so schwierig macht.

LAOLA1: Fakt ist, dass es diesmal eine von allen Landesverbands-Präsidenten unterschriebene Petition gibt, wonach alle drei Regionalliga-Meister aufsteigen sollen.

Kraetschmer: Genau. Ich bin kein juristischer Experte, aber es gibt die Möglichkeit, Anträge in diese Richtung zu stellen. Andererseits gibt es dabei auch wieder andere Rechtsmeinungen. Die Grundsatzfrage ist aber: Diskutieren wir einen Stante-Pede-Grundsatz oder diskutieren wir, was das Beste für die Entwicklung des österreichischen Fußballs ist? Und da muss ich persönlich anmerken: Ich habe den Eindruck, der ein oder andere ist nicht bereit, über den Tellerrand zu blicken – auf Seiten des ÖFB und auf Seiten der Klubs.

LAOLA1: Die logische Variante wäre wohl, aus der Ersten Liga wieder eine Zwölfer-Liga zu machen, um den Aufstieg der drei Regionalliga-Meister zu gewährleisten, oder?

Kraetschmer: Ich will der Sitzung nicht vorgreifen. Im Prinzip ist versucht worden, etwa 20 Szenarien mit Vor- und Nachteilen auszuarbeiten. Eine der Fragen ist: Geht es uns einfach darum, nur zu sagen, dass wir – so wie es jetzt ist – drei Regionen haben, dass das in Stein gemeißelt ist und alle drei Regionen einen Aufsteiger brauchen? Dann sagt die Bundesliga berechtigt: „Achtung, wir haben ein Zehner-Liga-Format.“ Für eine Liga ist das normalerweise der Tod, wenn vier Vereine (ein Aufsteiger und drei Absteiger) die Liga verlassen. Das bringt nicht nur die Klubs, sondern auch die ganze Liga von der Entwicklung her um. Und eine Zwölfer-Liga hatten wir ja auch schon mal. Damals haben sich viele beschwert, dass aufgrund der 33 Runden die Heimspiele verschieden stark gewichtet waren. Unsere Gegenfrage, die bis heute noch nicht entsprechend beantwortet ist: Warum muss ich in Österreich unbedingt drei Regionen haben?

LAOLA1: Muss man nicht?

Kraetschmer: Wenn ich mir anschaue, was in dieser Saison in der Regionalliga Mitte schon passiert ist – siehe GAK und aktuell Austria Klagenfurt. Wenn ich höre, dass in der Regionalliga Ost beim verpflichtenden Workshop für Aufsteiger von 16 Klubs mit Parndorf de facto nur einer sagt, dass er aufsteigen möchte. Wenn ich aus dem Westen höre, dass Tirol die Kündigung für die Regionalliga ausgesprochen hat. Fakt ist, dass viele Klubs in der Regionalliga massive Probleme haben, sich auf diesem Niveau zu bewegen. Das sind alles Argumente, wo ich fragen muss: Warum ist in Stein gemeißelt, dass ich drei Regionen brauche? Wenn man das in eine Diskussion einbezieht und vielleicht einen Modus mit zwei Aufsteigern findet, dann kann auch über eine Zehner-Liga diskutiert werden. Wenn jeder sich nur einbunkert, werden wir zu keiner Entscheidung kommen. Dann wird es vielleicht irgendwelche Justament-Standpunkte seitens des ÖFB oder der Landesverbände geben und das führt letztendlich zu einem Auseinanderdriften zwischen ÖFB und Bundesliga. Das wäre extrem schade.

LAOLA1: Sie haben die Amateur-Teams schon kurz angesprochen. Halten Sie es für möglich, dass die wieder in die zweite Leistungsstufe zurückkehren dürfen?

Kraetschmer: Zuerst: Das hat uns als Austria damals sehr, sehr geärgert, weil wir damit eigentlich gute Erfahrungen gemacht haben. Wir mussten uns aber demokratisch beugen. Ich halte das nach wie vor für eine der größten Fehlentscheidungen der Bundesliga. So wie es damals bei uns war, mit den FAK-Amateuren in der Ersten Liga, war es für die gesamtösterreichische Entwicklung des Fußballs am besten. Dort haben die Karrieren von Heinz Lindner, Michael Madl, Markus Suttner und Rubin Okotie begonnen. Das sage ich als Austria-Funktionär, nicht als Bundesliga-Vertreter. Aber ja, es gibt diese Szenarien, in denen eine Rückkehr möglich ist. Nur da kommt aus der Bundesliga wieder: „Naja, die Amateurteams sind so unattraktiv.“ Ich habe das damals aber analysiert: Lustigerweise haben die Amateure bei Auswärtsspielen ganz gute Zuschauerzahlen gebracht.

LAOLA1: Kommen wir noch kurz zu höchsten Spielklasse: Ist ganz oben die Zehner-Liga eine heilige Kuh, die nicht geschlachtet werden darf?

Kraetschmer: In der momentanen Situation gibt es überhaupt keine Diskussion, auch, was die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen betrifft. Bevor wir über irgendwelche anderen Dinge nachdenken; wir haben nicht einmal in der Hälfte aller Bundesliga-Stadien Rasenheizungen. Bevor wir über diverse Szenarien diskutieren, müssen wir uns über solche Dinge unterhalten. Es geht da nicht nur um Rasenheizungen, sondern etwa auch um Flutlichter und andere Anforderungen, die Medienverträge Stellen. Die Historie hat gezeigt, dass es in einem Land wie Österreich für die höchste Leistungsklasse keine Alternative zu einer Zehner-Liga gibt.


Das Gespräch führte Harald Prantl

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