"So spielen wir um die Heidelbeeren"

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Der Frust sitzt tief.

Nach dem enttäuschenden 2:2 im Heimspiel gegen Wiener Neustadt ist die Stimmung bei der Austria im Keller.

„Bitter! Wir sind einfach zu dumm, um uns abzusetzen“, entfährt es Alexander Grünwald.

Auch Nacer Barazite macht keinen Hehl daraus, dass das Ergebnis eine herbe Enttäuschung ist: „Das Wichtigste ist, gegen die Kleinen zu siegen. Man muss solche Spiele gewinnen, wenn man Meister werden will.“

Daxbacher geht der Wille ab

Trainer Karl Daxbacher übt indes Kritik an der Einstellung seines Teams: „Mir sind die Aggressivität und der unbedingte Siegeswille abgegangen. Man muss selbstbewusster und mit mehr Laufbereitschaft in so ein Spiel gehen.“

Abermals habe es einer gegnerische Führung benötigt, um auf dem Rasen entsprechend aufzutreten. „Wir brauchen immer eine auf den Deckel, um aufzuwachen. Oft geht es sich dann noch aus. Diesmal war es fast wieder so“, meint der FAK-Coach.

Als seine Truppe dann mit 2:1 in Führung lag, ließ sie den Drang, das Spiel unbedingt vorentscheiden zu wollen, vermissen. „Da haben wir das Spiel ein bisschen dahin plätschern lassen“, weiß Florian Klein.

"Wir kriegen zu viele Tore"

Alex Grünwald gibt sich einsichtig: „Vielleicht hätten wir in ein, zwei Aktionen nicht mit der Ferse, sondern normal spielen sollen. Wir haben den Sack nicht zugemacht, das war das Problem.“

Für Klein sind es jedoch nicht nur Verfehlungen in der Offensive, mit denen sich die Veilchen das Leben schwer machen: „Natürlich kann man von der mangelnden Chancenauswertung sprechen. Aber es kann nicht sein, dass wir in jedem Spiel zwei Gegentore kassieren. Wir kriegen zu viele Tore. Vor allem zu einfache Tore.“

Im LAOLA1-Interview stößt Georg Margreitter vor allem die laxe Einstellung, mit der die Austria in die Spiele geht, sauer auf: „Wenn sich daran nichts ändert, spielen wir am Ende der Saison wieder um die Heidelbeeren.“

LAOLA1: Wie groß ist die Enttäuschung nach so einem Spiel?

Georg Margreitter: Ich ärgere mich unheimlich. Wenn man zum dritten Mal in Folge daheim 2:2 spielt, stimmt irgendetwas nicht. Ich weiß nicht, warum wir jedes Mal in der ersten Hälfte eine in die „Goschen“ brauchen, um wach zu werden. Wenn sich daran nichts ändert, spielen wir am Ende der Saison wieder um die Heidelbeeren. Das ist aber nicht unser Anspruch. Wir spielen bei der Austria und wollen etwas erreichen. Nur wenn man gegen vermeintlich schwächere Gegner die Heimspiele nicht gewinnt, dann hat man ganz oben nichts verloren.

LAOLA1: Hast du eine Erklärung, warum es gegen die „Kleinen“ nicht läuft?

Margreitter: Es ist eine Kopfsache. Dass wir nicht nur spielerisch gut sind, sondern auch die Zweikämpfe gewinnen können, haben wir vor einer Woche gegen die Admira bewiesen. Das macht es für mich auch so unerklärlich, warum es gegen Wr. Neustadt überhaupt nicht funktioniert hat. Vielleich glauben wir, dass es sowieso von alleine geht. So ist es aber nicht. In der Bundesliga reicht es nicht, wenn man nur spielerisch auftritt und glaubt, damit alle Gegner wegzuschießen. Es gehört auch die Drecksarbeit gemacht. Das heißt laufen und die Zweikämpfe annehmen. Alles andere kommt von alleine.

LAOLA1: Du hast das gute Zweikampfverhalten gegen Admira angesprochen. Hat man das gegen die Wr. Neustädter mit Fortdauer aufgrund der spielerischen Überlegenheit schleifen lassen?

Margreitter: Bestimmt. Wr. Neustadt hat nur über Konter seine Chancen gesucht. Unsere Gegentore wären beide nicht notwendig gewesen.  Der Gegner hatte eigentlich keine zwingenden Chancen. Gerade das erste Tor von Simkovic darf so nicht passieren. Das ärgert. Auf der anderen Seite bekommen wir gleich nach der Pause ein Tor geschenkt, das nie und nimmer eines war. Da hatten wir Glück. Doch wir haben es einfach verabsäumt, nach der Führung nachzusetzen.

LAOLA1: Ihr seid durch das Remis dennoch neuer Tabellenführer. Kann man sich darüber freuen?

Margreitter: Das interessiert mich nicht. Wir haben ganz andere Probleme, nämlich, dass wir daheim derzeit keine Spiele gewinnen können. Solange das der Fall ist, brauchen wir nicht auf die Tabelle schauen.

LAOLA1: Hat man nach der 2:1-Führung möglicherweise etwas überheblich gespielt? Es hatte den Anschein, als ob ihr den Ball ins Tor tragen wolltet…

Margreitter: Das würde ich grundsätzlich nicht sagen. Bei der einen oder anderen Situation hätten wir konsequenter agieren und einfach das 3:1 erzielen müssen. Dann wäre nichts mehr passiert. Mich ärgert, dass Wr. Neustadt in der zweiten Hälfte so gut wie nie in unseren Strafraum gekommen ist – außer eben in der 92. Minute. Wir haben vor dem Gegentor den Ball erkämpft, aber anstatt das Spiel zu beruhigen, oder zur Eckfahne zu laufen und die Partie über die Zeit zu bringen, versuchen wir noch einmal in den Strafraum zu kommen. Da fehlt uns einfach die Cleverness, um eine echte Spitzenmannschaft zu sein.

LAOLA1: Hat dadurch beim Last-Minute-Ausgleich die Abstimmung in der Abwehr gefehlt?

Margreitter: Wie gesagt, wir haben den Ball, sind in der Vorwärtsbewegung und verlieren die Kugel. Wr. Neustadt wirft alles nach vorne, ist mit fünf Mann im Strafraum und trifft. Das ist ein Treffer, den man in so einer Situation dann eben bekommt.

LAOLA1: Welche Auswirkungen hat der Dämpfer auf das so wichtige EL-Duell gegen Charkiv?

Margreitter: Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert ist. Langsam fehlen mir die Ursachen, warum es so ist. Charkiv wird ein ganz anderes Spiel, mit einer ganz anderen Ausgangsposition. Die Favoritenrollen sind anders verteilt. Da das Match bereits am Mittwoch über die Bühne geht, bleibt sowieso nicht viel Zeit, um die Ereignisse von Samstag zu verarbeiten.


Martin Wechtl/Harald Prantl

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