"Hatte nie Angst vor Konkurrenz"

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Margreitter: "Jetzt geht's erst richtig los"

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Welcher Fußballerspieler träumt nicht von einem Engagement in England?

Im Mutterland des Fußballs unterzukommen – das hätte schon was.

So oder so ähnlich, dachte wohl auch Georg Margreitter.

Und vergangenen Freitag ging sein Lebenstraum in Erfüllung. Der 23-Jährige unterschrieb bei Championship-Klub Wolverhampton Wanderers einen Vierjahres-Vertrag und wurde somit Mitglied im erlauchten Kreis von Österreichern, die den Sprung auf die Insel schafften.

Zu ihnen zählen unter anderen Alexander Manninger (Arsenal), Jürgen Macho (Chelsea), Emanuel Pogatetz (Middlesbrough), Paul Scharner (Wigan, WBA), Stefan Maierhofer (Wolverhampton), Martin Hiden (Leeds) und noch einige mehr.

Auch Margreitters Manager, Mario Weger, freut sich bei LAOLA1 für seinen Schützling. „Georg verfolgt seit seiner Kindheit das Ziel, in England zu spielen. Jetzt hat er es geschafft. Es gab zum Beispiel auch ein Angebot aus Italien, doch da hat Georg gesagt: Da gehe ich nicht hin.“

Die „Wolves“ waren auch nicht die einzigen, die den Austrianer nach England locken wollten. „Ich war mit Scouts von Stoke City und Southhampton im Stadion, um Georg zu beobachten. Aber er hat sich bewusst für Wolverhampton entschieden. Zwar werden einige unken, dass es nur die Championship geworden ist, aber dort wird er auch spielen, das haben die Gespräche mit Coach Stale Solbakken, der viel von ihm hält, gezeigt. Stoke spielt zwar Premier League, aber Ryan Shawcross oder Robert Huth aus der Elf zu spielen, ist schwierig“, erklärt Weger.

Im großen LAOLA1-Interview spricht Georg Margreitter über die Herausforderung Wolverhampton, seine Zeit bei der Austria und die Chancen von Freundin Tamira Paszek bei den US Open.

LAOLA1: Herzlichen Glückwunsch zum Transfer zu den Wolverhampton Wanderers. Wie fühlt es sich an, ein England-Legionär zu sein?

Georg Margreitter: Ich bin sehr glücklich. Für mich hat sich ein Traum erfüllt. Es war schon ganz lange Zeit mein großes Ziel, irgendwann auf der Insel zu spielen. Es freut mich immens, dass dieser Traum nun Realität wird.

LAOLA1: Für die Öffentlichkeit ist der Transfer recht schnell über die Bühne gegangen. Kam es auch für dich überraschend, oder war schon länger etwas im Busch?

Margreitter: Das es etwas werden könnte, hat sich schon länger angebahnt. Aber alles andere ist wirklich sehr schnell gegangen. Wolverhamptons Chefscout war beim Spiel gegen Ried auf der Tribüne, zwei Tage später hatte die Austria bereits ein Angebot am Tisch liegen. Dann wurde ein paar Tage verhandelt und danach durfte ich zum Medi-Check nach England reisen. Und am Donnerstag-Abend war der Transfer schon unter Dach und Fach.

LAOLA1: Hast du dich bei Stefan Maierhofer über den Klub erkundigt, oder gab es dafür gar keine Zeit, weil alles so schnell ging?

Margreitter: Ich habe den Stefan als super Typen beim Nationalteam kennengelernt, noch habe ich mich aber nicht bei ihm erkundigt. Gut möglich, dass ich das noch nachholen werde.

LAOLA1: Was weißt du über deinen neuen Arbeitgeber?

Margreitter: Wolverhampton ist ein Traditionsklub. Es ist der einzige Klub, der alles auf der Insel gewonnen hat, was es in der Historie zu gewinnen gab. Sie haben in jeder Liga die Meisterschaft und den Cup geholt. Der Verein wirkt richtig sympathisch. Es wurde viel Geld in die Hand genommen, um das Umfeld und das Stadion zu verbessern. Es gibt auch schon Pläne, um das Stadion auszubauen. Es gibt eine riesengroße Fankultur und dadurch eine traditionellerweise große Erwartungshaltung. Alle hoffen, dass wir so schnell wie möglich wieder in die Premier League aufsteigen. Das habe ich bereits in den zwei Tagen, die ich oben war, gespürt. Vom Taxifahrer bis zum Hotelangestellten: Jeder war ein Wolf. Man spürt, dass alle in der Region für den Verein leben.

LAOLA1: Warst du am Wochenende beim 1:1 gegen Derby eigentlich im Stadion?

Margreitter: Nein, ich war in Vorarlberg, weil ich noch ein paar Sachen erledigen musste. Jetzt muss  ich noch in Wien ein paar Dinge klären. Am Nachmittag verabschiede ich mich von meinen Kollegen bei der Austria und am Abend geht’s nach England.

LAOLA1: Mit welchen Erwartungen startest du deinen neuen Karriere-Abschnitt? Sschließlich blüht dir ein beinharter Konkurrenzkampf.

Margreitter: Ich gehe immer von einem harten Konkurrenzkampf aus, egal bei welchem Klub. Konkurrenz hat mich noch nie abgeschreckt. Jeder wird seine Chance bekommen. Ich werde mich voll reinhauen und selbstbewusst wie ich bin, sage ich, dass ich mich durchsetzen werde.

LAOLA1: Du hast immer erklärt, das England dein großes Ziel ist. Was macht den Reiz für dich aus?

Margreitter: Mich haben immer schon die Traditionsvereine und die Fankultur auf der Insel begeistert. Und die Championship ist Tradition pur – an allen Ecken und Enden. Hier sind riesige Stadien mit vielen Zuschauern. Fußball wird in England einfach ganz anders gelebt – das kann ich jetzt schon sagen. Von dem her freue ich mich unheimlich auf meine neuen Aufgaben. Viele sagen: Super, du hast dein Ziel erreicht. Ich sage: Jetzt geht’s erst richtig los. Jetzt beginnt der Traum erst richtig. Am Dienstag bestreite ich mein erstes Training. Ich kann es kaum mehr erwarten.

LAOLA1: Könnte es ein Nachteil sein, dass du erst kurz vor Transferschluss gewechselt bist? Immerhin hast dadurch die Vorbereitung verpasst.

Margreitter: Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Ich freue mich, dass es mit dem Transfer geklappt hat. Das Trainerteam weiß genau, was ich kann. Sie wissen, was sie über kurz oder lang von mir erwarten. In dieser Richtung gab es bereits ein tolles Gespräch mit dem Trainer. Ich glaube, eine gewisse Anlaufphase wird jedem neuen Spieler zugestanden. Ich versuche mich so schnell wie möglich zu akklimatisieren und in die Mannschaft zu spielen.

Margreitters neuer Coach: Stale Solbakken

LAOLA1: Ist es dabei ein Vorteil, dass Trainer Stale Solbakken auch gut deutsch spricht?

Margreitter: Ich habe nur englisch mit ihm gesprochen. Ich hoffe, er liest das hier jetzt nicht, aber ich glaube, er spricht besser englisch als deutsch.

LAOLA1: Bei einem Auslands-Transfer ist immer ein Risiko dabei, ob man sich durchsetzt oder nicht. Bist du dir dieser Gefahr bewusst?

Margreitter: Wenn man als Österreicher mit 23 Jahren die Chance hat, in eine Top-Nation zu wechseln, denkt man nicht darüber nach. Was in einem Jahr ist, interessiert mich auch nicht. Für mich gilt Step by Step. Von Training zu Training schauen. Beim Klub ankommen und weiterschauen.

LAOLA1: Die Austria hätte gerne deinen Vertrag verlängert. Gab es diese Überlegung auch bei dir?

Margreitter: Ich habe mit dem Trainer vereinbart, dass wir die Sommer-Transferphase noch abwarten. Danach hätten wir reden können. Dazu ist es jetzt aber nicht mehr gekommen.

LAOLA1: Deine Austria-Kollegen waren recht traurig über deinen Abschied. Ist bei dir auch ein weinendes Auge dabei?

Margreitter: Auf jeden Fall. Ich hatte zwei super Jahre bei der Austria. Es gibt in der Mannschaft ganz hervorragende Persönlichkeiten. Ich habe mich vom ersten Tag weg sehr wohl gefühlt. So ein Mannschaftsklima habe ich noch nirgends erlebt. Weder beim LASK, noch in Wiener Neustadt. Es ist eine super Truppe und ich hoffe und wünsche mir, dass sie den Titel an den Verteilerkreis holen. Ich werde sicher mit dem einen oder anderen in Kontakt bleiben.

LAOLA1: Wenn man deine zwei Jahre in violett Revue passieren lässt: Was waren die schönsten Momente?

Margreitter: Da gab es einige tolle Momente. Vor allem die Spiele in der Europa League werden mir immer in Erinnerung bleiben. Dazu die Derby-Siege. So etwas vergisst man so schnell nicht. Es gab einige Höhepunkte, leider ohne Titel. Es war eine super Zeit. Ich möchte sie nicht missen, denn sie war wichtig und prägend für meine Karriere.

LAOLA1: Was sagt eigentlich deine Freundin Tamira Paszek über den Wechsel nach England?

Margreitter: Sie freut sich riesig für mich. Tamira mag England sehr gerne. Sie fühlt sich dort wie zuhause. Das sagt sie, seitdem ich sie kenne. Sie verbindet mit der Insel auch nur gute Erinnerungen. Seien es die Erfolge oder die netten Leute. Es macht für sie auch keinen Unterschied, ob sie nach Wien oder nach Birmingham jettet.

LAOLA1: Summa summarum sind es erfolgreiche Tage für euch. Dein Wechsel und Tamiras Career-High im Ranking mit Platz 31…

Margreitter: So ist es im Sport. Man soll auch die Zeit, wo es läuft, genießen.  Wir wissen alle, wie schnell es gehen kann und sich die Situation umschlagen kann. Daher: Genieße die erfolgreiche Zeit, steckt den Kopf aber nicht in den Sand, wenn es nicht rennt. Mit der Zeit bekommt man Routine darin, wie man mit den Hochs und den Tiefs umgeht. Es gibt nichts, auf dem wir uns ausruhen können.

LAOLA1: Wirst du Zeit haben, die US Open zu verfolgen?

Margreitter: Ich denke schon. Ich bin ja nicht 24 Stunden am Trainingsgelände. Ob ich mir Tamiras Match anschauen kann, hängt vom Trainingsplan ab.

LAOLA1: Was traust du deiner „besseren Hälfte“ in New York zu?

Margreitter: Sie hat gute Monate hinter sich. Zudem reist Trainer Andrej Pavel mit ihr nach Flushing Meadows. Tamira ist sehr motiviert, daher bin ich recht zuversichtlich. Die Auslosung stimmt. Es ist ein gutes Los. Natürlich kommt es immer auch auf die Tagesverfassung an.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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