LAOLA1: Es ist schon irgendwie faszinierend: Man weiß, dass die zweite Saison in der Bundesliga die schwierigste ist und kann dennoch in den meisten Fällen nichts dagegen unternehmen…  

Kühbauer: Das stimmt, auch wenn man es als Trainer nicht wahrhaben möchte. Als Aufsteiger hast du zunächst nichts zu verlieren. Bleibst du in der Liga, ist das erste Ziel erreicht. Wenn du, so wie mit der Admira, in den Europacup kommst, hast du schon fast zu viel erreicht. Ähnlich ist es beim WAC. Auch sie haben letztes Jahr eine Topsaison gespielt. Es ist auch alles zu schnell gegangen. Der Anspruch wird höher, auch von den Spielern selbst. Ich habe im zweiten Jahr bei der Admira immer vom Ziel Nicht-Abstieg gesprochen, doch keiner hat mich gehört. Der Klassenerhalt muss einfach immer das große Ziel eines Klubs sein, der noch im Wachsen ist.

LAOLA1: Sogesehen sind wir wieder beim Thema, dass heutzutage sehr vieles im Kopf entschieden wird, oder?

Kühbauer: Definitiv. Das gilt vor allem im Einzelsport. Im Mannschaftssport kann dich hin und wieder ein Kollege rausreißen. Wenn allerdings eine Gesamt-Verunsicherung da ist, hilft dir niemand mehr. Manche Dinge gehen dir einfach vom Fuß weg, wenn du drei Spiele gewonnen hast und funktionieren plötzlich nicht mehr, wenn du drei Partien verloren hast. Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Deswegen rede ich seit meinem Amtsantritt auch nicht mehr über die Vergangenheit. Ich will, dass meine Spieler bei null anfangen.

LAOLA1: Sprich, Sie wollen das Selbstvertrauen mit kleinen Erfolgserlebnissen im Training steigern…

Kühbauer: Auch. Ich habe in den vergangenen zwei Wochen die Möglichkeit gehabt, mir ein Bild zu machen. Dabei habe ich sehr viel Positives gesehen – nicht alles, aber es ist von Tag zu Tag besser geworden.

LAOLA1: Ich nehme also an, die zweiwöchige Länderspielpause war für Sie ein Segen.

Kühbauer: Die war wunderbar. Ich konnte nicht nur den Fußballspieler, sondern auch den Menschen etwas kennenlernen. Wie verhält er sich, wie ist sein Naturell? Zehn Tage sind da nicht viel, aber es ist besser, als wenn du am Dienstag das erste Training leitest und am Samstag ist Matchtag. Jetzt kenne ich die Mannschaft eine Woche länger.

LAOLA1: Sie wirken richtig angetan von Ihrem neuen Klub.

Kühbauer: Es wäre schlimm, wenn ich etwas anderes sagen würde. Die Truppe hat definitiv das Potenzial in der Bundesliga zu bleiben. Es ist jetzt aber so, dass wir nichts mehr zu verschenken haben. Wir müssen wieder in die Spur kommen. Das heißt nicht, dass wir jede Woche gewinnen, aber es heißt, dass wir mit den Attributen Leidenschaft, Kampfgeist und Wille am letzten Jahr ansetzen. Dann werden sich die Jungs auch wieder mit einem Sieg belohnen und Selbstvertrauen tanken.

LAOLA1: Ihr Engagement hat für Euphorie im Lavanttal gesorgt. Klar, sie werden jetzt nicht sofort Bäume ausreißen, aber ehrt es Sie und macht Sie stolz, wenn die Leute so reagieren?

Kühbauer: Vorschusslorbeeren sind gut, haben aber nichts zu bedeuten. Es wäre schlimm, wenn ich hier anfange und alle würden sagen: Das ist der falsche Mann. Ich bin aber selbstbewusst genug und meine: Die Aufgabe ist schwer, aber machbar. Doch das ist das Schöne am Fußball. Natürlich ist es für einen Trainer fein, sich in ein gemachtes Bett zu legen, aber wir haben eine andere Situation. Ich hoffe, dass ich den Erwartungen standhalten kann. Und ich bin guter Dinge, denn ich sehe wie die Jungs im Training arbeiten.

LAOLA1: Wie es der Fußball-Gott will, ist Ihr erstes Match gleich gegen Ex-Klub Admira. Ein komisches Gefühl?

Kühbauer: Ich hatte eine tolle Zeit bei der Admira. Die Burschen waren super und wir haben gemeinsam sehr viel erreicht. Doch während dem Match ist keine Zeit für Sentimentalität. Es steht zu viel auf dem Spiel. Wir wollen mit kleinen Schritten aus unserer Misere herauskommen. Dafür wären Punkte am Samstag hilfreich.

LAOLA1: WAC-Präsident Dietmar Riegler hat bei Ihrem „Casting“ vor allem Ihre Philosophie begeistert. Ist Ihre Herangehensweise die gleiche, wie bei der Admira?

Kühbauer: Primär ist die Aufgabe eines Trainers, seine Spieler weiterzuentwickeln. Das ist mir bisher recht gut gelungen. Man muss aber auch ein Auge auf das Spielermaterial werfen und sich überlegen, wie man am besten spielen kann. Es ist hier genug spielerisches Potenzial vorhanden. Das heißt aber nicht, dass wir nur nach vorne spielen. Der WAC war im letzten Jahr sehr kompakt und hat auf Fehler der anderen Mannschaft gewartet. Ich möchte eine etwas aktivere Mannschaft sehen, bei der die spielerischen Komponenten nicht zur kurz kommen.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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