"Wir werden nicht panisch"

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"Wir kommen wieder auf einen grünen Zweig"

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Es ist keine einfache Situation für den Wolfsberger AC.

Platz fünf aus der Vorsaison sowie die absoluten Highlights in der Europa-League-Quali gegen Borussia Dortmund sind nur schwer zu toppen.

Und trotzdem müssen sich die Kärntner alsbald auf alte Stärken besinnen, um nach dem Bundesliga-Fehlstart und dem vorletzten Tabellenplatz wieder in die Spur zu finden.

„Nicht gut“, bezeichnet Trainer Dietmar Kühbauer im LAOLA1-Interview den Saisonstart seines Teams, und trotzdem ist er weit davon entfernt, alles schlechtzureden. Im Gegenteil.

„Wir werden nicht panisch“, verspricht der 44-jährige Burgenländer, wohlwissend, dass die Doppelbelastung sowie personelle Ausfälle ihren Teil zum Negativlauf beigetragen werden.

Kühbauer analysiert die derzeitige Situation des WAC, spricht über den bisherigen Teufelskreis, Abstiegskampf und die personifizierte Leidenschaft namens Issiaka Ouedraogo.

LAOLA1: Wie konnte der WAC die Länderspielpause nützen?

Dietmar Kühbauer: Im Testspiel gegen Wr. Neustadt war schon einiges in Ordnung. Zwar noch nicht so, wie man es sich vorstellt, aber die erste Halbzeit ist zumindest in die richtige Richtung gegangen. Wir werden diese Woche versuchen, auf die Erfolgsstraße zurückzukommen, wenngleich es schwierig ist. Aber wir müssen positiv denken.

LAOLA1: Wie würden Sie prinzipiell den Saisonstart des WAC beschreiben?

Kühbauer: Nicht gut! Das Trainerteam und ich haben gewusst – und es auch dem Präsidenten gesagt -, dass es schwierig wird. Aufgrund der vielen Spiele, weil das für die Spieler eine neue Situation war. Uns war klar, dass es im schlechtesten Fall so passieren könnte, wir hatten das besprochen. Natürlich haben wir nicht gehofft, dass es so eintritt. Jetzt stecken wir einer Lage, die nicht befriedigend ist, aber in Wahrheit ist es ein Glück, dass es jetzt ist und nicht sieben Runden vor Saison-Ende. Da wäre es schlimmer. Es war aber nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Bei uns ist mehr drin. Nur die Müdigkeit darauf zurückzuführen, wäre zu einfach und billig. Das tun wir nicht – ich nicht, und die Mannschaft auch nicht.

LAOLA1: Worauf führen Sie die magere Ausbeute dann zurück? Handelt es sich nur um Kleinigkeiten?

Kühbauer: Die haben sich dann summiert. Wir haben leider das Pech gehabt, dass wir vom Saisonbeginn weg nie mehr als 17 Spieler gehabt haben. Wir haben zwar rotiert, aber trotzdem haben wir eigentlich nie mit der Stammbesetzung spielen können. Das war ein Grund. Aufgrund der nicht erfolgreichen Spiele haben wir kein Selbstvertrauen bekommen, das kriegst du nur mit Siegen. Wir sind in einen Teufelskreis hineingekommen, wo man sagen muss, dass unser Spiel zwar in Ordnung ist, aber es fehlt im letzten Drittel, dort wo die Musik spielt, an Präsenz. Im Offensivspiel haben wir definitiv unsere Schwierigkeiten gehabt, natürlich auch durch die Verletzung von Philipp Hellquist und dem Kreuzbandriss von Tadej Trdina. Das war für uns schwierig. Jetzt haben wir aber Issiaka Ouedraogo, Hellquist ist auch zurück. Wir kommen wieder auf einen grünen Zweig.

LAOLA1: Sie haben mangelhaftes Offensivspiel angesprochen, der WAC hat die wenigsten Tore (4) erzielt. Führen Sie das nur auf die Ausfälle von Hellquist und Trdina zurück?

Kühbauer: Hellquist hat in der Vorbereitung wirklich oft getroffen und dann fällt er dir mit dem ersten Spiel aus. Trdina hat sich das Kreuzband nach dem zweiten Spiel gerissen. Das sind zwei Spieler, die bei mir fix im Sturm eingeplant waren. Wenn du die dann verlierst, ist es sehr schwierig. Peter Zulj war auch erst im Aufbauprogramm, weil er letzte Saison zwei Monate nicht mehr gespielt hat, und hatte die Fitness nicht. Und Silvio ist für mich eher eine hängende Spitze, die dann Stürmer spielen musste. Dadurch bin ich sehr froh, dass wir jetzt den „Sakko“ haben, der alleine mit seiner Präsenz und Willenskraft Spieler mitreißen kann, was ein bisschen gefehlt hat.

LAOLA1: Hellquist ist einer der hoffnungsvollen Neuzugänge. Wie haben sich Schmerböck, Kobleder und Zündel eingefügt?

Kühbauer: Schmerböck ist einfach zu kurz da und hat bei Sturm wenig gespielt – das merkt man ein bisschen. Er ist ein Potenzialspieler, aber es wäre schlecht, ihn nach zwei Wochen zu beurteilen. Wir haben uns für ihn entschieden und sind froh darüber. Dass Hellquist ein guter Stürmer ist, haben wir gewusst. Bei Kobleder ist es so, dass er mit Rnic einen neuen Spieler vor sich hat, der bei uns für Stabilität sorgen wird. Zündel macht seine Sache bisher sehr gut, wenn man bedenkt, dass er eigentlich eineinhalb Jahre weg vom Fußball war.

LAOLA1: Zündel hinterließ tatsächlich einen guten Eindruck. War es somit absolut die richtige Entscheidung, ihm eine zweite Chance zu geben?

Kühbauer: Ich habe das immer gesagt, noch dazu ist er ja freigesprochen worden. Das war für mich nie ein Thema. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte es das auch bei mir nicht gegeben. Über dieses Thema braucht man nicht zu diskutieren, er ist aber unfreiwillig zum Handkuss gekommen. Er hat seine Chance auch genützt und wir sind froh, ihn zu haben.

LAOLA1: Waren die späten Verpflichtungen von Rnic und Ouedraogo bereits eine Reaktion auf den Fehlstart oder war ohnehin noch Handlungsbedarf?

Kühbauer: Bei „Sakko“ war es so, dass wir einen Stürmer gebraucht haben, aufgrunddessen, dass Trdina vielleicht das ganze Jahr ausfallen könnte. Ouedraogo war bei der Admira auch nicht hundertprozentig zufrieden, weil er nicht gespielt hat. Bei uns kriegt er die Chance. Zulj hat im Gegenzug auch wieder neue Möglichkeiten, weil sie so einen Spieler brauchten. Rnic hat zwei Jahre bei mir gespielt und ist ein Top-Verteidiger. Wir sind wirklich froh, dass er wieder da ist.

LAOLA1: Die Doppelbelastung mit dem Europacup ist abgehakt. Muss man Schwankungen bei einer Mannschaft, die das erstmals erleben durfte, deshalb verstehen?

Kühbauer: Wenn man es selber mal erlebt hat, weiß man, wovon man spricht. Viele sagen darauf: Dafür sind sie Profis! Aber in dieser Form hat das noch kein Spieler bisher erlebt. Wenn du in 35 Tagen 11 Bewerbsspiele hast, inklusive der Strapazen, ist das schon hart. Wie die Belastung vorbei war, speziell im letzten Spiel gegen Altach, haben wir uns zu leicht schlagen lassen, nicht das gespielt, was wir spielen können, und mit dem ersten Ball ein Tor gefangen. Das kommt noch dazu, wenn du so dastehst. Da passieren Dinge, die nächstes Jahr wahrscheinlich nicht passieren würden. Das ist nicht erklärbar, aber oftmals sichtbar. Die Belastung war definitiv auch ein Grund, aber nicht nur, das wäre nicht korrekt.

LAOLA1: Haben Sie nicht gehofft, dass sich die Erlebnisse gegen Dortmund und Co. andererseits wiederum positiv auf die Motivation der Spieler auswirken?

Kühbauer: Natürlich, aber gegen Dortmund hast du nur gewinnen können. Die Meisterschaft ist für mich das tägliche Brot, da interessiert das keinen mehr. Weder Admira, Grödig oder ein anderer Gegner sagt, dass wir gegen den BVB gut gespielt haben. Da haben wir jetzt einiges aufzuholen. Damit sollten wir am Samstag anfangen, auch wenn Admira gut in Form ist.

LAOLA1: Ist es aus ihrer Sicht prinzipiell schwer, eine so erfolgreiche Saison wie die letzte aus den Köpfen zu kriegen und wieder bei null zu beginnen?

Kühbauer: Generell ist es so: Wenn man etwas erreicht hat, hat man trotz allem die Aufgaben auch im nächsten Jahr zu erfüllen. Vielleicht war es so, dass die meisten geglaubt haben, dass wir sowieso ins Schreiben kommen. Aber in Wahrheit musst du dich jeden Tag am Platz beweisen und das Beste geben. Wenn Spiele verloren gehen, verlierst du an Selbstvertrauen – da muss sich jeder selber aus dem Sumpf ziehen. Das muss spätestens jetzt passieren – es hilft nichts.

LAOLA1: Waren für Sie trotzdem vor dem Saisonstart Punkte abzusehen, die möglicherweise fehlen, um dort anzusetzen, wo man letztes Jahr aufgehört hat?

Kühbauer: Ich habe gewusst, dass alles laufen muss, um wieder eine ähnliche Saison zu spielen. Obwohl ich an meine Mannschaft glaube, ist das so. Ich habe nicht gesagt, dass es unser Ziel sein muss, in den Europacup zu kommen. Da zählt einfach die Größe des Kaders. Das sind keine Ausreden, wir haben wirklich oftmals bis vor einer Woche 16 bis 17 Spieler maximal gehabt. Ich habe vor der Saison eher gemeint, dass es super wäre, wenn wir Platz fünf wiederholen könnten. Jetzt müssen wir aber sowieso schauen, dass wir mal ins Schreiben kommen. Das ist schon hart genug, da müssen wir ansetzen und nicht an Platzierungen denken. Das Erfolgserlebnis, das für die Köpfe wichtig wäre, fehlt uns definitiv.

LAOLA1: Ouedraogo kennen Sie aus ihrer Admira-Zeit sehr gut, er wurde aber oftmals unter Wert geschlagen. Warum soll es für ihn ausgerechnet beim WAC klappen?

Kühbauer: Wenn man ihn an Toren misst, wird man sagen, dass er nicht der große Torjäger ist. Er wird seine Tore bei uns wieder schießen, davon bin ich überzeugt. Aber was er der Mannschaft mit seiner Aktivität bringt und wie er durch seine Laufleistung für Unruhe in der Abwehr sorgt, da kann sich jeder was abschauen. Es gibt keinen Freibrief, aber wenn er bei uns öfters spielt, wird er wieder treffen. Wir haben einen Spieler gebraucht, der auf den Platz Energie und Leidenschaft mitbringt. Wenn man einen Spieler mit Leidenschaft beschreiben kann, dann ist das „Sakko“.

LAOLA1: Wie zuversichtlich sind Sie nun, dass der Funke nach der Pause wieder auf die Mannschaft überspringt?

Kühbauer: Ich will ganz klar betonen: Wir werden nicht panisch! Wir wissen, dass die Situation besser sein sollte, aber es geht nicht so weit, dass wir die Hütte jetzt zusperren müssen. Wir müssen Dinge verändern, aber bisher war es so, dass die Spieler durch das Nachlaufen eines Erfolgserlebnisses im Kopf langsamer wurden. Wir müssen den Kopf in die Höhe bringen, damit sie sich wieder mehr zutrauen. Vorne und hinten, damit nicht alles bestraft wird. Wir werden in aller Ruhe weiterarbeiten.

LAOLA1: Panisch werden vielleicht die Fans. Zuletzt wurde geschrieben, dass einige bereits die Ablöse des Trainers fordern. Ist das aufgrund des bisher Geleisteten nicht übertrieben?

Kühbauer: Das ist einfach der Fußball, da vergisst man Dinge, die vorher passiert sind. Das sind Mechanismen, die man nicht ändern kann. Ich weiß, dass ich und der Betreuerstab das Beste versuchen und wir mit der Mannschaft noch immer gut arbeiten. Was geschrieben wird, kann ich nicht ändern. Im Sport ist es aber generell so, dass ein Trainer in Frage gestellt wird, wenn der Erfolg nicht da ist – ganz gleich, wie die Arbeit gemacht wird oder wie sie vorher war. Deshalb hat mich das sehr wenig berührt, dafür bin ich zu lange im Geschäft. Schlimmer wäre es gewesen, wenn ich sage, dass mich das nicht interessiert oder ich mache, was ich will. Man hat schon eine Planung und Dinge zu tun, die machen wir nach wie vor. Wir müssen ruhig bleiben, um in die Spur zurückkommen.

LAOLA1: Das Duell mit ihrem Ex-Verein Admira wird aber bereits richtungsweisend, oder sehen Sie das anders?

Kühbauer: Natürlich würden wir uns wünschen, dass wir mal anschreiben. Es ist kein unwichtiges Spiel. Wir wollen aber nicht um den Europacup spielen, das muss uns bewusst sein. Wir müssen unsere Dinge richten, erst dann schauen wir auf den Gegner. Mit dem Start werden wir in den nächsten sechs Wochen nicht auf Platz drei stehen, das ist uns klar. Wir müssen uns mühsam die Punkte erarbeiten.

LAOLA1: Der Abstiegskampf sollte aber auf Dauer kein Thema beim WAC sein, oder?

Kühbauer: Naja. Fakt ist, dass wir noch unten stehen. Ohne Punkte kommen wir da nicht weg. Ich bin keiner, der Dinge schönredet. Wir müssen in den kommenden Wochen anschreiben. Durch die 3-Punkte-Regel ist es sehr schnell wieder möglich, aber wir müssen zugeben, dass wir im Moment mittendrin sind. Es wäre schlimm, wenn wir sagen, wir haben zu viel Qualität, haben in vier Wochen zwölf Punkte und die Sache ist erledigt. Sicher nicht. Wir werden uns in den unteren Gefilden schon ein bisschen aufhalten müssen. Es sind aber erst sieben Runden gespielt. Panisch dürfen wir nicht werden, aber mit den Leistungen wie bisher werden wir länger drinstecken. Ich hoffe, dass wir jetzt endlich unser wahres Leistungspotenzial abrufen.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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