"Es ist zum Schämen"

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"Wir müssen über einzelne Spieler sprechen"

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Platz zehn nach sieben Runden.

Es gibt Gesprächsbedarf auf allen Ebenen.

Vor den Toren der Südstadt stehen aufgebrachte Fans, die „die Schnauze voll“ haben. Noch bevor es unter die Dusche geht, stellen sich die Spieler der Wiener Austria den Anhängern (Die Bilder).

Nach dem 1:2 bei der Admira ist die Krise perfekt. Das leugnet bei den Veilchen niemand mehr.

Markus Kraetschmer stellt sich unterdessen auf dem Rasen LAOLA1 zum Interview. „Die Tabelle lügt nicht. So wie wir aufgetreten sind, vor allem in Hälfte eins, sind wir Letzter“, sagt der AG-Vorstand.

Soweit, so klar. Aber wie geht es nun weiter? Gibt es eine Trainerdiskussion am Verteilerkreis? Kommen doch noch ein paar neue Spieler? Der Wiener gibt Antworten auf diese Fragen.

LAOLA1: Jetzt ist, wie man landläufig so sagt, die Kacke am Dampfen.

Markus Kraetschmer: Wenn Sie diesen Ausdruck verwenden, dann stimmt das. Es ist zum Schämen, als Verantwortlicher der Austria über Tabellenplatz zehn sprechen zu müssen. Die Tabelle lügt nicht. So wie wir aufgetreten sind, vor allem in Hälfte eins, sind wir Letzter. Das ist die bittere Realität. Wir müssen versuchen, das in den nächsten Wochen aufzuarbeiten. Unerklärliche individuelle Fehler ziehen sich als roter Faden durch die Saison – das darf auf diesem Niveau nicht passieren.

LAOLA1: In jeder Partie sind es Kleinigkeiten, die das Spiel in die andere Richtung lenken hätten können. Alles in allem ist es aber Unvermögen, oder?

Kraetschmer: Im Fußball zählen die Resultate, dem müssen wir uns stellen. Wenn du nach sieben Runden immer wieder über die gleichen Dinge sprichst, ist da ein Wurm drinnen, den wir noch nicht gefunden haben. Mich persönlich macht betroffen, wie wir von Beginn weg auftreten. Wir nehmen uns immer viel vor und dann sehe ich so einen Auftritt. Thomas Parits und ich nehmen uns da nicht aus der Pflicht, wir sind als Vorstände im operativen Tagesgeschäft dafür verantwortlich.

LAOLA1: Wie weit ist das Trainerteam verantwortlich?

Kraetschmer: Wir haben in diesem Sommer nicht nur einen Trainerwechsel vollzogen, sondern wollen auch einen Systemwechsel vollziehen. Das ist ein Prozess, der sich entwickeln muss. Gerald Baumgartner wird so ehrlich sein, dass auch er nicht zufrieden sein kann. Man muss aber eines auch sagen.

LAOLA1: Nämlich?

Kraetschmer: Wenn Sie an die vielen Trainerwechsel der vergangenen Jahre denken, wo – bis auf Peter Stöger – alle von Seiten der Austria initiiert wurden, weil man mit der Entwicklung nicht zufrieden war, muss man sich die Frage stellen: Wo liegt das Thema? Die Chuzpe dabei ist, dass wir vor einem Jahr hier gestanden sind und über einen unserer größten Erfolge gesprochen haben. Ein Jahr später liegen wir auf einem – der Austria nicht würdigen – zehnten Platz. Natürlich werden wir das mit dem Trainer besprechen, aber er und sein Team haben absolut unser Vertrauen. Wir werden auch über einzelne Spieler sprechen müssen. Wir müssen auch im Bereich der Mannschaft einen Veränderungsprozess vorantreiben.

LAOLA1: Kurzum, es gibt in der Länderspielpause keine Trainerdiskussion bei der Austria.

Kraetschmer: Nein, die gibt es für mich nicht. Aber wir haben natürlich viel Diskussionsbedarf, auch mit den Spielern. Es muss aus der Mannschaft eine Initiative kommen – es müssen Erklärungen, aber auch Lösungen geliefert werden. Erklärt und analysiert haben wir sehr viel, jetzt müssen Lösungen präsentiert werden. Und das kann nur ein Sieg gegen Ried sein.

LAOLA1: Hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man am Transfermarkt doch noch mehr machen muss, als man ursprünglich wollte?

Kraetschmer: Ich habe mir vor kurzem den Kader, den wir vor einem Jahr hatten, angeschaut. Wir haben sehr viel verändert, zwölf Spieler sind nicht mehr bei uns. Wir haben in diesem Sommer den Veränderungsprozess eingeleitet, haben investiert. Wir haben an sich gesagt, dass die Einkaufspolitik abgeschlossen sein sollte. Aber ich glaube, wir müssen daran arbeiten, diesen Kader weiter zu verändern. Wir werden schauen, ob wir in den nächsten zwei Tagen noch etwas machen. Wir werden auch in den nächsten Transferperioden noch etwas machen müssen. Wenn man sich den Kader von den Namen her anschaut, wenn man sich die Qualität der Spieler, um die es auch in Gesprächen mit ihren Managern, wenn sie ihre Verträge einfordern, anschaut, und dann ihre Leistungen sieht, klafft da ein Loch dazwischen. Es muss viel aus der Mannschaft kommen, sie muss innerhalb des Teams den Wurm finden.

LAOLA1: Haben Sie das Gefühl, dass die Bereitschaft dazu zuletzt noch nicht so da war, wie sie da sein sollte?

Kraetschmer: Ich denke schon, dass die Spieler wissen, worum es geht. Sich auf dem Feld so zu präsentieren, wie es sein sollte, ist die Grundtugend, auch die Gegner rennen sich die Seele aus dem Leib. Nur wir als Austria Wien haben einfach andere Ansprüche. Im Moment klingt es ein bisschen komisch, wenn man sagt, dass man in Österreich ein Top-3-Klub sein will, aber das hat sich ja nicht verändert. Wir haben die Qualität an Einzelspielern im Kader, aber wir schaffen es im Gesamten nicht.

Das Gespräch führte Harald Prantl

Admira Austria
Ballbesitz 34.3% 65.7%
Zweikämpfe 42.4% 57.6%
Eckbälle 6 7
Torschüsse 14 17
Torschüsse außerhalb Strafraum 7 5
Torschüsse innerhalb Strafraum 7 12
Kopfballchancen 2 5
Abseits 2 5
Fouls 20 13
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