Rückkehr vom Trottel zum Hero?

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Königshofer: „Im Endeffekt bin ich der Trottel“

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Auf zu neuen Heldentaten – und das ausgerechnet im Derby.

So muss die Devise von Rapid-Torhüter Lukas Königshofer lauten, nachdem er mit seinem Patzer im Quali-Hinspiel der Europa League gegen Vojvodina Novi Sad seinen Nimbus als fehlerfreier Keeper verloren hatte.

Acht Monate ließ sich der 23-Jährige nichts zu Schulden kommen, nun ist auf einmal alles anders. „Im Endeffekt bin ich der Trottel“, gesteht der Rückhalt im Gespräch mit LAOLA1 und nimmt ausführlich zur kuriosen Szene Stellung.

Nach seinem unrühmlichen Europacup-Debüt geht es mit dem 302. Wiener Derby Schlag auf Schlag weiter – sein erstes im Hanappi-Stadion.

Ein Spitzenspiel, das für Königshofer zur rechten Zeit kommt. Denn der Wille, seinen folgenschweren Fehler auszubügeln, könnte nicht größer sein.

LAOLA1: Am Donnerstag ist dir gegen Vojvodina Novi Sad eine kuriose Szene zum Verhängnis geworden. Wie kam das zustande?

Lukas Königshofer: Das ist kurz erklärt. Der Freistoß ist von der Seite gekommen, vor mir gab es ein Gerangel und ich hab den Ball runtergefangen. Dann hat es einen Pfiff gegeben. Ich war felsenfest der Überzeugung, dass der Pfiff vom Schiedsrichter gekommen ist. An was anderes habe ich in dem Moment gar nicht gedacht. Ich lege ihn mir runter und auf einmal geht es weiter.

LAOLA1: Gehst du davon aus, dass der Pfiff von der Tribüne gekommen ist?

Königshofer: Ich habe keine Ahnung, ich kann es nicht sagen, woher er kam. Das hat aber nicht nur mich rausgebracht, sondern 90 Prozent der Leute, die am Feld gestanden sind. Es sind alle weggelaufen, keiner hat mehr geschaut. Die Sache war erledigt. Im Endeffekt bin ich der Trottel, muss ich ehrlich sagen.

LAOLA1: Hast du dir die Szene danach angesehen?

Königshofer: Ja, ich habe es mir angeschaut. Man hört sogar im Fernsehen den Pfiff. Ich habe es mir nicht eingebildet. Aber es ist halt ganz deppert für mich.

LAOLA1: Es war keine unwichtige Szene. Wie groß ist dein Ärger darüber?

Königshofer: Extrem groß. Ich bin ein extremer Ehrgeizler. Und dann gerade sowas, das kann man gar nicht beschreiben. Das ist eine depperte Geschichte, die einem sicher nur einmal im Leben passiert.

LAOLA1: Gehe ich richtig in der Annahme, dass es im Rückspiel keine weiteren „Geschenke“ mehr geben wird?

Königshofer: (lacht) Nein, es wird am nächsten Donnerstag keine Geschenke mehr geben. Und es wird auch keinen mehr geben, der reinpfeift. Das der Schmäh noch einmal aufgeht, kann ich mir auch nicht vorstellen.

LAOLA1: Kann man das so einfach wegstecken?

Königshofer: Ich probiere es auf jeden Fall. Ob ich es wegstecken kann, wird man dann sehen. Aber da mache ich mir jetzt gar keine großen Gedanken.

LAOLA1: Mit dem Derby bietet sich die beste Gelegenheit, deinen Fehler auszubügeln.

Königshofer: Ja, natürlich. Es ist ein großes Glück, dass ich gleich drei, vier gute Partien hintereinander habe, damit ich mich gleich wieder beweisen kann.

LAOLA1: Du musstest nicht nur lange auf dein Europacup-Debüt warten, auch auf dein erstes Derby im Hanappi-Stadion.

Königshofer: Ja, stimmt. Auch darauf musste ich leider länger warten. Ich freue mich natürlich schon extrem darauf. Die Stimmung war schon das letzte Mal gegen Innsbruck ein Wahnsinn. Im Derby wird es das noch einmal übertreffen.

LAOLA1: Wie wichtig ist die Rückkehr nach den unliebsamen Ausflügen ins Happel-Stadion?

Königshofer: Es ist sicher wichtig, wenn man in seinem angestammten Heimstadion spielen kann. Es ist für die Fans und uns natürlich auch super, wenn die Stimmung wieder so ist, wie es sich in einem Derby gehört.

LAOLA1: Im Gegensatz zur Austria (3) habt ihr sechs Punkte am Konto. Wie analysierst du den Saison-Auftakt?

Königshofer: Der Start war natürlich super, wenn man aus zwei Partien sechs Punkte holt und ein Torverhältnis von 5:0 hat. Da kann man nicht so viel falsch gemacht haben. Mehr braucht man dazu eigentlich gar nicht zu sagen.

LAOLA1: Eure Taktik und Variabilität kam für viele unerwartet. Gibt es auch eine besondere Überraschung für die Austria?

Königshofer: Ich glaube nicht. Wir werden sicher einiges dran setzen, dass wir nicht ausrechenbar sind. Natürlich haben wir jetzt eine große Anzahl von guten Spielern im Kader, die der Trainer aufstellen kann. Das ist sicher auch der Vorteil im Gegensatz zum letzten Jahr, dass wir einen breiteren Kader haben.

LAOLA1: Alles in allem ist es aber ein Erfolgskonstrukt, das veränderbar ist und mit dem ihr noch weniger ausrechenbar seid.

Königshofer: Natürlich. Wir sind auch vom Spielstil her variabler geworden. Da haben wir vor allem in der Vorbereitung sehr hart daran gearbeitet. Das funktioniert bis jetzt einmal sehr gut. Ich denke, dass sich die Austria schwerer tun wird als letztes Jahr, gegen uns zu verteidigen.

LAOLA1: Inwieweit hast du in den bisherigen Duellen schon den Derby-Charakter verinnerlicht?

Königshofer: Ich habe ihn eigentlich schon verinnerlicht, aber es ist schwer zu beschreiben, weil es Derbys waren, in denen ich nicht viel zu tun hatte und nicht viel dazu beitragen konnte. Aber mir taugt ein Derby immer extrem. Es ist immer etwas Besonderes, schon wenn man zum Aufwärmen rausgeht und die Fans Gas geben. Ich freue mich immer schon Wochen im voraus.

LAOLA1: Nach Wacker und Wr. Neustadt warten nun mit Austria, Salzburg und Sturm hintereinander andere Kaliber.

Königshofer: Natürlich sind es andere Mannschaften und andere Gegner, aber auch gegen die bisherigen musst du einmal gewinnen. Das haben wir letztes Jahr nicht so oft zusammengebracht. Ich finde, es war einmal ein guter Start. Aber die wichtigen Partien gegen die direkten Konkurrenten um den Meistertitel kommen jetzt einmal. Dann werden wir sehen, wo wir stehen.

LAOLA1: Wie hat euch das Trainerteam auf diese richtungsweisenden Wochen eingestellt?

Königshofer: Da braucht man uns nicht besonders darauf einstellen. Wir sind extrem heiß auf die leiwanden Partien. Vor allem die Europa-League-Spiele sind jetzt einmal dazu da, um das zu ernten, was wir letztes Jahr zusammengebracht haben. Ich finde es super, dass wir jetzt so viele Partien und so starke Gegner haben.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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