Eine Runde mehr im Dezember?

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"Eine Runde mehr im Dezember wäre sinnvoller"

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Der Wolfsberger AC kann sein Heimspiel gegen Rapid austragen.

Klingt normal, ist es aber nicht. Denn die Kärntner werden am Sonntag, ab 16 Uhr, ihr erstes Heimspiel im Jahr 2013 austragen. Aller guten Dinge sind dabei drei, denn die ersten beiden geplanten Partien in der Lavanttal-Arena gegen Salzburg und Mattersburg fielen dem Wetter zum Opfer.

Vier Mal konnte der WAC in dieser Saison ein Heimspiel entweder nicht zum geplanten Termin austragen oder es musste wie gegen Sturm abgebrochen werden.

Während viele mangelnde Infrastruktur – Stichwort Rasenheizung – in der Heimstätte der „Wölfe“ beklagen, sind die Gründe mitunter simpler: Wolfsberg hatte zuletzt mit dem Wetter kein Glück.

Etwa schaufelten über 100 Freiwillige einen Tag vor dem Spiel gegen Mattersburg das Spielfeld vom Schnee frei, ehe über Nacht ein erneuter Wintereinbruch alle Hoffnungen zunichtemachte.

Kein Wunder: Wolfsberg hatte in den vergangenen Monaten fünf Mal so hohe Niederschlagsmengen als in den Jahren zuvor. Das erfuhr LAOLA1 von der in Wien sitzenden Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und führte im Folgenden ein Gespräch mit Klimaforscher Michael Hofstätter.

LAOLA1: Ist der diesjährige Winter die Regel oder eine Ausnahme?

Michael Hofstätter: Es ändert sich immer sehr stark. Es kann Jahre so sein, dass es im Dezember sehr stark schneit und dann wieder Jahre, wo sich der Winter in den Februar stark hinauszieht. Das kann zwei Jahre so sein und dann wieder vier Jahre so. Man kann auf keinen Fall sagen, dass der Februar auf Dauer so bleiben wird. Das ist auch unwahrscheinlich.

LAOLA1: Sie sind Klimaforscher. Welcher Trend ist über die Jahre zu verzeichnen?

Hofstätter: Wir sehen schon, dass über die vergangenen 150 Jahre die Temperatur im Winter angestiegen ist. Das ist ein klares Signal, dass im ganzen Winter zu sehen ist. Da handelt es sich um etwa 1,5 Grad. Das merkt man natürlich nicht so, ob es jetzt -1 Grad oder 0,5 hat. Aber: Über diesen langfristigen Trend von 1,5 Grad liegt eine sehr hohe Variabilität. Das heißt, dass es von Jahr zu Jahr sehr große Unterschiede zwischen den Wintern gibt. Einmal gibt es einen Winter, der deutlich darüber liegt, andere liegen eben drunter. Die Schwankungen sind da sehr stark, das ist das Typische, was dieses Klima mit sich bringt.

LAOLA1: Was kann über die Mengen an Niederschlägen gesagt werden?

Hofstätter: Was wir aufgrund der Beobachtungen der vergangenen Jahre sehen, ist, dass die Niederschlagsmenge, also auch der Schneefall, nicht stark von der Temperatur selbst abhängt. Natürlich schneit es unter 0 Grad und drüber regnet es, aber wenn es wärmer wird, heißt es nicht unbedingt, dass es mehr oder weniger regnet. Niederschlag hängt von den Wetterlagen ab, von wo sie herkommen.

LAOLA1: Woher kommen sie aktuell?

Hofstätter: In den vergangenen zehn Jahren war es so, dass wir sehr oft Wetterlagen hatten, wo im Winter die Luftmassen vom Mittelmeer oder von der Adria gekommen sind. Das ist dann zum Beispiel ein Niederschlagsereignis im November in Kärnten, wo es in wenigen Tagen wahnsinnig viel regnet. Solche Ereignisse passieren meistens ins Ostösterreich, das geht bis in den Westen auf Höhe Amstetten hinüber. Da schneit es dann relativ viel. Die Tiefdruckgebiete vom Mittelmeer sind in den vergangenen zehn Jahren in den Wintermonaten relativ häufig gewesen. Daraus kann man aber auch nicht etwas für die Zukunft ableiten. Wenn man jetzt aktuell auf die Gegebenheiten eingeht und den Bundesliga-Spielplan ändert, dann ist es todsicher, dass es sich in ein paar Jahren wieder ändern wird.

LAOLA1: Wolfsberg hatte fünf Mal so viel Niederschlag wie früher. Warum?

Hofstätter: Im Klimawandel ist es so, dass mit der steigenden Temperatur auch die Temperatur der Meeresoberfläche im Mittelmeer ansteigt. Das kann schon dazu führen, dass in den nächsten zehn Jahrzehnten die Winterniederschläge von den Mengen her einfach größer ausfallen. Das ist das, was die Klimamodelle zeigen. Wenn es zum Niederschlag kommt, ist die Menge in einem kalten Klima geringer, in einem wärmeren automatisch höher. Weil die wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Wolfsberg liegt eben auf der Alpensüdseite, da kommt der Niederschlag im Winter einfach vom Süden von Mittelmeer und Adria herein. Wenn die Tiefdruckgebiete häufig und die Temperaturen dementsprechend sind, dann gibt es einfach viel Niederschlag. Das ist schon auch ein Klimasignal, vor allem hinsichtlich der Niederschlagsmengen in Ostösterreich im Winter.

LAOLA1: Vorher deuteten Sie an, man sollte den Spielplan nicht grundlegend ändern.

Hofstätter: Es ist unmöglich darauf einzugehen. Wenn man sähe, dass das generelle Niveau sich deutlich verschoben hat, wenn also die vergangenen 20 Jahre konstant unterschiedlich wären zu den 50ern oder 60ern, dann macht so etwas Sinn. Aber wenn sich die vergangenen acht Jahre von den vorangegangen acht unterscheiden, dann ist das einfach als Variabilität zu werten. Das ändert sich wieder in den nächsten zehn Jahren. Man kann sich aber die vergangenen 30 Jahre anschauen. Wenn der Dezember und der Februar als kritisch für Bundesliga-Fußball gelten, dann kann man sich die Veränderungen in diesen beiden Monaten genauer ansehen. Etwa wie viel Niederschlagsmengen es gegeben hat, aber auch wie viele Tage mit Schneedecken (ab einem Zentimeter, Anm.). Gibt es hier einen eindeutigen Trend oder ist die Variabilität eindeutig größer? Das müsste man sich anschauen und auswerten. Ich habe aber gerade das Programm offen, ich kann Ihnen die Anzahl an Tagen mit Schneedecken in den vergangenen Tagen in Wien nennen.

LAOLA1: Sehr gerne.

Hofstätter: Im Jahr 2000 hatten wir einen Tag, 2002 null Tage, 2003 waren es fünf Tage. 2005 waren es dann etwa 25 Tage, 2006 21 Tage, 2007 wiederum fast kein Tag, 2008 kein einziger. Man sieht schon allein in Wien, wie sehr das schwankt. 2010 waren es mit 22 wieder sehr viel, 2011 wiederum nur 6. Es gibt also den Bereich mit 0-5 Tage oder ganz viele Tage. Die Tendenz ist schon so, wenn es ein schneereicher Winter ist, dann hat der gesamte Februar eine Schneedecke. Es gibt aber eben auch Winter, die kaum eine Schneedecke im Februar aufweisen. Das sind Schwankungen, die mal ein paar Jahre anhalten und dann geht es wieder in eine andere Richtung.

LAOLA1: Die Bundesliga überlegt, den Spielplan umzuschichten. Im Dezember könnte etwa eine Runde angehängt werden und die Frühjahrsaison erst Ende Februar starten. Ist das sinnvoll?

Hofstätter: Es hat in den vergangenen Jahren mehr Tage im Februar gegeben, an denen es nicht ging, als Tage, an denen es ging. Im Februar sind schon eher drei Wochen mit Schneedecke. So wie es aussieht würde es sich anbieten, im Februar noch zu warten. Hinsichtlich Dezember, auch was ich aus eigener Erfahrung so weiß, ist eine Schneedecke sehr selten, zumindest in Wien. Da ist es umgekehrt zum Februar. Im Dezember ist es wahrscheinlicher, dass man spielen kann, als im Februar. Wie es in Gesamt-Österreich aussieht, muss man sich im Detail anschauen. Aber im Dezember geht es sicher öfter als im Februar. Letzterer ist auch von der Temperatur meistens kälter als Dezember. Da wäre es wohl sinnvoller im Dezember noch weiterzumachen. Wenn es einmal dann ausfällt, dann ist das Pech, aber im Februar fällt mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr aus. Da hat man öfters eine Schneedecke, die man im Dezember weniger hat.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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