Dank Baby-Boom zur EURO 2016?

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Dank Baby-Boom mit Österreich zur EURO 2016?

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Glücksgefühle machen sich breit.

Mit der Geburt seines zweiten Sohnes Louis ist für Roman Kienast auch sportlich wieder der Knoten geplatzt.

In den letzten vier Spielen traf der 31-jährige Stürmer sechs Mal ins Schwarze und präsentiert sich nach hartnäckigen Verletzungssorgen über den Sommer wieder in Top-Form.

Sturm-Trainer Franco Foda meinte sogar: "Wenn er immer so spielt wie heute, dann ist er für die EM in Frankreich ein Thema." Und Rieds Paul Gludovatz ergänzte nach dem 2:3 in Graz: "Der Unterschied war heute Roman Kienast. 'Roman for France' hat uns gekillt."

Sturm und Kienast - das funktioniert. Wieder einmal, denn nach schönen wie auch schweren Zeiten bei der Austria war die Rückkehr der richtige Schritt.

Im LAOLA1-Interview begründet der Angreifer seinen derzeitigen Lauf, spricht über das befreite Gefühl nach der Geburt, EM-Chancen, Enttäuschungen bei der Austria sowie seinen Neuanfang bei Sturm dank Foda.

LAOLA1: Es läuft bei dir! Wie gut tut es, dass derzeit alles funktioniert, was du angreifst?

Roman Kienast: Für einen Stürmer ist es natürlich immer gut, wenn man trifft. Momentan läuft es wirklich sehr gut. Aber ich habe auch schon oft gesagt, dass es auch schnell wieder in die andere Richtung gehen kann. Man muss immer hart weiterarbeiten, dass es so bleibt.

LAOLA1: Also bist du durchaus selbstkritisch, obwohl du deinen Lauf derzeit nicht abstreiten kannst, oder?

Kienast: Nein, das passt schon, es ist wirklich optimal. Ich war vor dem Sommer doch lange verletzt, habe mir dann in der Vorbereitung auch noch einen Faserriss zugezogen. Das hat mich ein bisschen zurückgeworfen. Jetzt bin ich froh, dass es mir wieder gut geht und ich auch die nötigen Tore erziele.

LAOLA1: Zu Saisonbeginn warst du, wie angesprochen, noch nicht fit. Wie lange hat es dann gedauert, bis du wieder auf dem Level warst, um durchzustarten?

Kienast: Ich habe die Vorbereitung nicht ganz mitgemacht und war davor schon sicher länger als ein Monat mit dem Knie bedient. Das habe ich lange gespürt und auch im Sommer noch Probleme damit gehabt. Ich habe das mitgenommen, der Faserriss in der Wade hat es dann nicht leichter gemacht. Ich habe dann einen gewissen Rückstand aufgerissen und mich in den Spielen schwer getan. Mit den Einsätzen in den Beinen kriegt man aber mehr Kraft, auch die Länderspielpausen haben sehr gut getan. Und jetzt läuft‘s.

LAOLA1: Wie sehr hat dich das Knochenmarksödem im Knie bzw. dessen Nachwirkungen eingeschränkt und gehemmt?

Kienast: Das war eine ganz blöde Geschichte. Ich habe mir gegen Rapid in der Luft das Knie verdreht. Mit dem Knie hatte ich davor auch schon so viele Probleme gehabt, da bin ich schon drei Mal operiert worden. Mit dem Knochenmarksödem habe ich zwar laufen gehen können, aber immer nur geradeaus. Sobald ich Kurven gelaufen bin, ist es fast nicht gegangen. Es hat einfach immer wehgetan. Als das besser wurde, hat es mit dem Ball nicht funktioniert. Ich habe nicht passen und schießen können. Das war schon sehr hartnäckig. Aber das ist schon wieder raus aus meinem Kopf. Ich bin froh, dass es mir wieder gut geht.

Derzeit trifft und jubelt Kienast nach Belieben

LAOLA1: Du bist nach der Verletzung noch stärker zurückzukommen. Spielt da auch die Erfahrung mit derartigen Verletzungen mit, um sie besser verkraften zu können?

Kienast: Natürlich habe ich aus den Zeiten, in denen ich oft verletzt war, gelernt. Aber es ist nie gut. Es ist halt so, deshalb muss man immer positiv denken, das Training weitermachen und immer Gas geben. Irgendwann kommt das Glück wieder zurück.

LAOLA1: Nach deiner Rückkehr zu Sturm warst du schon im Frühjahr mit sieben Treffern gut drauf. Es war somit ein unglücklicher Zeitpunkt für den erneuten Dämpfer.

Kienast: Es ist halt bitter, immer zu den ungünstigsten Zeitpunkten verletzt zu sein. Das war auch bei der Austria teilweise so. Das wirft einen immer ein bisschen zurück. Ich habe aber nie aufgegeben und weiß, dass ich es kann. Deshalb ist es für mich immer weitergegangen. Ich hoffe aber, dass ich jetzt einmal über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei bleibe, dann werde ich auch meine Tore machen.

LAOLA1: Zur Gegenwart: 6 Tore in den letzten 4 Spielen (insgesamt 7 Saisontreffer)! Wie ist diese Explosion aus deiner Sicht zu erklären?

Kienast: Oft kann man es sich selber nicht erklären. Es hat einfach gut getan, wieder Tore zu erzielen. Es hat gegen Altach angefangen. Wenn ich dann treffe und gut spiele, habe ich ein gutes Gefühl, bin vom Kopf her frei und habe einen Lauf. Das hat bisher funktioniert. Da weißt du oft nicht, warum du immer richtig stehst oder die Tore machst. Ich hoffe aber, dass die Serie anhält.

Foda weiß, was er an seinem Stürmer hat

LAOLA1: Zurück zu Sturm: 51 Tore in 109 Spielen! Warum passen Roman Kienast und Sturm Graz so gut zusammen?

Kienast: Es dürfte einfach passen. Meine Familie und ich fühlen uns in Graz extrem wohl. Ich hatte hier schon in meiner ersten Zeit mit dem Meister- und Cup-Titel Erfolg. Auch als ich zurückgekommen bin, hatte ich sofort wieder ein gutes Gefühl und habe mich schnell wieder eingelebt, obwohl nicht mehr so viele Spieler von damals dabei sind. Es ist eine super Truppe und ich bin froh, dass ich wieder bei Sturm gelandet bin.

LAOLA1: Siehst du dich schon als halber Grazer, aufgrund deiner Rapid-Vergangenheit als Wiener oder als gebürtiger Salzburger?

Kienast: Ich wurde ja nur in Salzburg geboren, weil mein Vater dort gespielt hat. Meine Familie ist ziemlich schnell zurück nach Wien gekehrt. Ich bin dann dort aufgewachsen und sehe mich eher als Wiener. Aber ich fühle mich in Graz sehr wohl, das ist eine super Stadt. Mal schauen, wie lange ich hier bleibe.

LAOLA1: Nicht bei allen Vereinen hat es nach Wunsch geklappt. Außer bei Sturm hast du damals noch bei Ham-Kam in Norwegen eingeschlagen. Wie wichtig war diese Auslands-Erfahrung im Nachhinein für dich?

Kienast: Es war für mich damals der richtige Schritt, weil ich bei Rapid mit mir selbst nicht mehr zufrieden war. Am Anfang war es recht gut, ich habe meine Einsätze bekommen, aber als Stürmer zu wenig Tore gemacht. Als junger Spieler war es dann schwer für mich, das aus dem Kopf raus zu kriegen. Ich hatte Chancen, diese aber nicht genützt. Für mich war es deshalb wichtig, auch menschlich neue Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Dort war ich von der ersten Woche an voll befreit, habe dann gute Leistungen gezeigt. Es war menschlich wertvoll und körperlich wurde dort sehr viel gearbeitet. Es war eine coole Zeit.

LAOLA1: Welches Kapitel nimmt dann die Austria ein, wo du trotz Meistertitel und Champions League nie wirklich glücklich geworden bist?

Kienast: Es waren die ganze Zeit Ups and Downs. Ich habe schöne, aber auch schlechte Zeiten bei der Austria erlebt. Ich bin im Winter gekommen, wurde am Sommer gleich am Sprunggelenk operiert. Dann habe ich mich nach dem Trainerwechsel unter Peter Stöger zurückgekämpft. Wenige Spiele später habe ich mir wieder einen Muskelfaserriss geholt. Ich bin wieder zurückgeworfen worden, das war nicht einfach. Philipp Hosiner hat noch dazu die Liga zerbombt. Ich habe aber nie Probleme gemacht, habe mich immer reingehaut und für die Minuten, die ich gespielt habe, eine ziemlich gute Bilanz gehabt. Man schießt auch nicht alle Jahre einen österreichischen Klub in die Champions League, das war natürlich ein Highlight und hat einen riesigen Stellenwert in meiner Karriere. Danach sind die schlechteren Zeiten gekommen, aber ich will keinem etwas unterstellen. Man muss sich auch selbst bei der Nase nehmen. Ich möchte da auf keinen Fall nachtreten.

LAOLA1: Die letzten 6 Tore sind alle seit der Geburt deines zweiten Sohnes Louis gefallen. Können diese Glücksgefühle irgendwie zusammenhängen?

Kienast: Sicher, für mich ist es eine irrsinnige Freude, dass jetzt mein zweites Kind da ist. Mein Privatleben genieße ich jeden Tag mit meinen Kindern. Anscheinend gibt mir das Kraft. Ob man meinen Lauf jedoch darauf aufhängen kann, weiß ich nicht. Ich bin aber momentan überglücklich – sowohl mit der Familie als auch mit dem Sportlichen.

LAOLA1: Du hast zuletzt nicht nur viele, sondern auch sehenswerte Tore erzielt und strahlst Spielfreude aus. Wirkst du durch diesen Baby-Boom auch als Spieler befreiter?

Kienast: Eigentlich schon. Bei mir muss halt alles passen. Wenn ich körperlich fit bin und Selbstvertrauen da ist, passt das zusammen. Dann kann ich gut spielen. Wenn die Gesundheit vorhanden ist, dann bringe ich auch meine Leistungen. Natürlich ist man im Kopf wieder freier, weil man davor hofft, dass bei der Geburt alles in Ordnung ist. Wenn dann alles einwandfrei funktioniert, kann das schon etwas bewirken.

LAOLA1: Muss möglicherweise ein drittes Kind her, um deine Torquote irgendwann in Zukunft wieder anzukurbeln?

Kienast (lacht): Momentan bin ich zufrieden mit zwei Kindern.

LAOLA1: Dein Trainer Franco Foda sieht, dass du in Topform bist, auch Ried-Coach Paul Gludovatz ist dieser Meinung. Hast du eigentlich gehört, dass dich die beiden für die EURO 2016 ins Gespräch gebracht haben?

Kienast: Ich habe das so nebenbei mitgekriegt. Aber für mich sollte die Mannschaft zur EM fahren, die das erreicht hat. Ich bin froh, dass ich wieder spielen kann. Es war ja nicht immer eine leichte Zeit, etwa am Ende bei der Austria, wo mich der Coach nicht einmal ins Trainingslager mitnehmen wollte. Das war alles andere als schön. Ich genieße seit dem Frühjahr, dass es bei Sturm wieder bergauf geht. Da habe ich wieder Freude am Fußball spielen. Ich will weiter Tore machen und mit Sturm erfolgreich sein. Dann sieht man weiter.

LAOLA1: Die Heim-EURO 2008 kann dir keiner mehr nehmen, „Roman to France“ würde auch gut klingen. Ist das für dich nicht realistisch?

Kienast: Man darf niemals nie sagen. Aber ich konzentriere mich auf Sturm Graz, dort muss ich Woche für Woche meine Leistungen bestätigen. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.

LAOLA1: Einen Urlaub hast du für die Zeit vom 10. Juni bis 10. Juli aber nicht gebucht?

Kienast (lacht): Mit einem Neugeborenen und einem dann fast Fünfjährigen kann man noch keinen Sommerurlaub planen.

LAOLA1: Hast du dir damals je die Frage gestellt, warum du nicht bei Sturm geblieben bist?

Kienast: Nein, ich bin ja Meister geworden und habe in der Champions League gespielt. So gesehen, war es der richtige Schritt. Solche Erfolge sind gut, das wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ich bin aber froh, dass ich wieder dorthin zurückgekehrt bin, wo ich bisher am erfolgreichsten war.

LAOLA1: Wie entscheidend war möglicherweise der Faktor, dass du bei der Austria in drei Jahren fünf Trainer hattest, bei Sturm in zwei Anläufen jedoch mit Franco Foda nur einen?

Kienast: Foda war schon in der ersten Ära ein guter Trainer, der mich haben wollte. Ich habe damals die Chance bekommen, als ich aus Norwegen zurückgekommen bin. Das hat dann gepasst. Jetzt hat er mich noch einmal zurückgeholt. Ich glaube, dass wir uns sehr gut verstehen. Er weiß genau, wie ich ticke und gibt mir das Vertrauen. Das ist speziell für mich wichtig. Ich hoffe, dass ich es mit vielen Toren zurückzahlen kann.

LAOLA1: Für Sturm ist die Saison bisher eine Berg- und Talfahrt. Fans übten Kritik, die Leistungen waren schwankend. Trotzdem liegt man nur einen Punkt hinter Platz drei. Wird Sturm einfach zu wenig zugetraut?

Kienast: Wir haben acht unnötige Punkte hergeschenkt, es sind halt doch Schwankungen dabei. Wir haben im Sommer auch einige neue Spieler verpflichtet, meiner Meinung nach haben wir einen sehr guten Kader. Wir müssen aber sicher mehr Konstanz reinbringen. Ich hoffe, wir bekommen das mit Fortlauf der Saison in den Griff.

LAOLA1: Was fehlt oder wo muss man sich am meisten weiterentwickeln, um vorne dran zu bleiben?

Kienast: Wir haben nicht so viele Gegentore gekriegt, können aber sicher auch noch mehr Tore schießen. Wir müssen noch besser in puncto Ballsicherheit werden, das hat uns in letzter Zeit gefehlt. Jetzt haben wir schon einmal bei den Heimspielen angefangen, dass es für die Gegner schwer ist. Das wollen wir so beibehalten.

LAOLA1: Mit den Schwankungen steht Sturm in dieser Bundesliga-Saison aber nicht alleine da.

Kienast: Auf gar keinen Fall. Wir sind momentan einen Punkt hinter Rapid, die mörderische Leistungen in der Europa League bringen. Aber in der Meisterschaft haben sie genauso Schwankungen, obwohl man schon geglaubt hat, dass sie heuer alle wegschießen. Auch Salzburg hatte Schwankungen drin. Das ist einfach ein Prozess mit jungen Spielern, da braucht man Zeit. Wir wollen bis zum Winter unter den Top vier sein. Die Meisterschaft geht noch so lange, deshalb darf man auch Sturm nicht abschreiben.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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