"So ein Risiko gehen nicht viele Vereine ein"

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Der nächste 100er steht beim FC Red Bull Salzburg an.

Nachdem Kapitän Jonatan Soriano kürzlich als erster Spieler in der bald zehnjährigen Ära 100 Pflichtspiel-Tore für den Liga-Krösus erzielte, darf sich auch Kevin Kampl über ein Jubiläum freuen.

Der Slowene wird beim Europa-League-Spiel gegen Dinamo Zagreb seinen 99. Einsatz für die „Bullen“ absolvieren und im Normalfall am Sonntag im Derby gegen Grödig dann die 100 vollmachen.

„Ich freue mich natürlich, aber ich dachte mir nicht, dass es schon so viele sind“, zeigt sich der 24-Jährige, der am 9. dieses Monats seinen 24. Geburtstag mit einem Assist beim 1:0 gegen die Schweiz in der EM-Qualifikation feierte, im LAOLA1-Interview überrascht und erfreut zugleich.

98 Spiele, 24 Tore, 49 Assists

Gut möglich, dass sich seine Scorerpunkte auch auf Jubiläums-Zahlen erhöhen. Bislang hält der feine Techniker, der 2012 gegen Ried ein erinnerungswürdiges Debüt hinlegte, bei 24 Toren und 49 Assists.

In diesem Jahr holte der auffällige Blondschopf mit der Meisterschaft und dem Cup-Sieg seine ersten beiden Titel in Österreich und avancierte darüber hinaus zum absoluten Publikums-Liebling, DEM Star der heimischen Liga und A-Teamspieler der Heimat seiner Eltern.

2013 wurde der in Solingen aufgewachsene Kicker die Ehre als slowenischer Fußballer des Jahres zuteil, 2014 bekam der Offensivspieler den „Bruno“ als österreichisches Pendant.

„Es waren die bislang schönsten Jahre meiner Karriere“, sagt Kampl, der seinen Vertrag bis 2019 verlängert hat, aber laut Sportdirektor Ralf Rangnick kaum ein viertes Jahr Bundesliga spielen wird.

LAOLA1: Kevin, wir führen dieses Gespräch um 9:30 Uhr. Bist du denn ein Morgenmensch?

Kevin Kampl: (lacht) Eigentlich nicht. Wenn ich kann, schlafe ich gerne aus. Das ist in meinem Job eher selten der Fall, aber ich habe mich auch daran gewöhnt, früh aufzustehen, das ist kein Problem.

LAOLA1: Liest du beim Frühstück die Zeitungen oder verfolgst du, was über dich im Internet steht?

Kampl: Nein, das verfolge ich gar nicht. Höchstens schaue ich mal nach einem Spiel nach, was so geschrieben wird. Aber sonst eigentlich gar nicht. Da will ich mich auch gar nicht ablenken lassen. Bevor man etwas Beschissenes liest, lasse ich das lieber außen vor.

LAOLA1: Ich habe dennoch Nachrichten für dich: Du wirst im Idealfall diese Woche dein 100. Pflichtspiel für Red Bull Salzburg bestreiten. Gegen Zagreb wäre es Nummer 99, gegen Grödig 100.

Kampl: Wirklich? Das ist cool! Ich wusste es gar nicht, aber es freut mich natürlich. Ich dachte mir auch gar nicht, dass es wirklich schon so viele Spiele sind.

LAOLA1: Dein Freund und Zimmer-Partner Sadio Mane hat die Mannschaft kurz vor dem wichtigsten Spiel der Saison im Stich gelassen. Hast du ihm nachträglich verziehen? Hast du noch Kontakt zu ihm?

Kampl: Natürlich habe ich Kontakt zu ihm, wir schreiben ab und zu miteinander. Nur weil er das gemacht hat, werde ich ihm nicht die Freundschaft kündigen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir waren immer Kumpels, sind gemeinsam hierhergekommen und haben uns stets blendend verstanden. Er war für mich ein besonderer Mensch in der Truppe. Dass die Aktion nicht gut war, muss man ihm nicht mehr sagen. Er weiß ganz genau, dass er sich damit auch bei mir Minuspunkte eingehandelt hat und es nicht korrekt war. Das habe ich ihm auch so gesagt. Aber somit ist das Thema auch für mich vom Tisch. Sadio geht jetzt einen anderen Weg, für den ich ihm alles Gute wünsche. Er wird mein Kumpel bleiben.

LAOLA1: Beneidest du ihn, dass er schon in einer großen Liga wie bei Southampton in der Premier League spielt? Spürst du deswegen den Druck, diesen Schritt bald machen zu müssen?

Kampl: Nein, ich bin aktuell da, wie ich mir das vorstelle. Ich fühle mich gut und bin ja auch noch nicht der Älteste. Ich habe Zeit. Dass Sadio schon früher gegangen ist, ist überhaupt nicht schlimm für mich, ich freue mich für ihn. Er ist ein grandioser Fußballer und passt ganz gut nach England. Meine Träume sind vielleicht ein bisschen anders, aber ich hoffe, dass sie auch in Erfüllung gehen werden.

LAOLA1: Heißt dein Traum Deutsche Bundesliga und Leipzig?

Kampl: (lacht) Das könnte sein, muss es aber nicht. Aber die Bundesliga ist schon ein Traum.

LAOLA1: Zwei deiner Träume erfüllen sich schon im November: Mit Slowenien im Wembley Stadium gegen England zu spielen sowie mit Salzburg im Celtic Park.

Kampl: Diese beiden Spiele auf der Insel werden überragend für mich. Wembley, wer träumt nicht davon, dort zu spielen? Und jeder weiß, welch Stimmung im Celtic Park herrscht. Darauf freue ich mich. Dazu kommt das Spiel bei Dinamo Zagreb, das ist ja auch nicht weit von meiner Heimat. Unser Ziel in Salzburg muss einfach sein, dass wir das bis zur Winterpause jetzt voll durchziehen. In der Bundesliga wollen wir die Tabellenführung, die wir jetzt wieder haben, halten und diese natürlich auch ausbauen. In der Europa League wollen wir so schnell wie möglich den Sack zumachen und weiterkommen. Wenn wir noch dazu im Cup überwintern, dann haben wir trotz eines kleinen Tiefs eine sehr gute Vorrunde gespielt. Dann kann man sagen: Man ist eindrucksvoll zurückgekommen.

LAOLA1: Kann Salzburg noch einmal so spielen wie etwa im Frühjahr gegen Ajax Amsterdam?

Kampl: Auf alle Fälle, die Mannschaft hat sich ja nicht groß geändert.

LAOLA1: Aber das Spielsystem wurde zuletzt verändert.

Kampl: Die Prinzipien bleiben dennoch gleich. Unser Spiel wird sich immer durch das Spiel gegen den Ball auszeichnen, durch unser Offensivpressing. Klar, das haben wir zuletzt nicht so gespielt wie wir das eigentlich können, aber das hat einfach viel mit dem Champions-League-Aus zu tun gehabt. Dann fehlt Selbstvertrauen bei jedem einzelnen Spieler, das merkt man auch und dann kann man auch nicht das abrufen, was wir als Team eigentlich drauf haben. Deswegen müssen wir weiter hart trainieren und zu alter Stärke zurückfinden. Wir sind nach den letzten Spielen auf einem guten Weg. Da müssen wir weitermachen. Zuletzt war einfach wichtig, dass wir die Punkte einfahren. Das ist gut für das Selbstvertrauen. Wir haben auch wieder viele Tore geschossen, so kann es weitergehen.

LAOLA1: Wie kannst du dich in Salzburg noch weiterentwickeln oder ist eine Grenze erreicht?

Kampl: Man kann sich immer weiterentwickeln. Ich kann noch viel lernen. Die schwächere Phase, die wir durch das Champions-League-Aus hatten, kann für meine weitere Karriere auch noch wichtig sein. Weil man eben sieht, wie beschissen es im Fußball auch sein kann. Dann kann man mit solchen Situationen auch besser umgehen und geht gestärkter aus solchen heraus. Man lernt damit umzugehen und das war vielleicht auch einmal wichtig, auch wenn es natürlich schade ist. Und auch was mein Spiel betrifft, kann ich noch viel lernen. Ich bin sicher noch nicht an meiner Grenze.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

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