"Es fehlt das Glücksgefühl!"

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"Donnerstag ist das Transfer-Spielchen endlich vorbei"

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Zlatko Junuzovic mutiert zum Duracell-Hasen. Eine Ruhepause ist dem "Fußballer des Jahres 2010" nicht vergönnt.

Nach dem Einzug in die Europa-League-Gruppenphase und der Niederlage gegen Admira folgt am Freitag bereits das EM-Quali-Match gegen Deutschland.

Während etliche Teamkollegen die Länderspiel-Pause nützen, um die Akkus nach den letzten kräfteraubenden Wochen wieder aufzuladen, geht es für den Austria-Spielmacher Schlag auf Schlag.

„Natürlich sind es viele Spiele und irgendwann merkt man auch die Müdigkeit. Mir ist es so aber lieber“, gesteht der 23-Jährige.

Noch bevor es zum Kräftemessen mit Österreichs Lieblings-Nachbarn kommt, endet am Mittwoch um Punkt Mitternacht die Transferzeit.

Und dann enden auch die fast wöchentlichen Wechsel-Spekulationen  rund um den Mittelfeldspieler.

„Meine Personalie wurde in den Medien stark thematisiert. Es wurden Aussagen gebracht, die ich so nie gesagt habe. Ich freue mich, wenn dieses Spielchen endlich vorbei ist“, sehnt Junuzovic den Donnerstag herbei.

Im LAOLA1-Interview spricht der ÖFB-Teamspieler über die kommenden Aufgaben mit der Austria und dem Nationalteam und über die Rückkehr von Marko Arnautovic.

LOALA1: Zlatko, ist die Niederlage gegen Admira schon verdaut?

Junuzovic: Solche Partien passieren. Wir haben es ihnen bei den Gegentoren zu leicht gemacht. Das hat die Admira eiskalt ausgenützt. Wenn man aber in Führung geht, darf man auf keinen Fall verlieren. Das war sehr bitter.

LAOLA1: Austria hätte mit einem Sieg als Tabellenführer in die Länderspielpause gehen können. Wie groß ist der Ärger?

Junuzovic: Wir haben das Thema extra vor dem Match angesprochen. Wir wollten unbedingt Erster werden. Vielleicht ist es bei uns auch eine Kopfsache. Immer wenn wir Erster werden können, verbocken wir es. Wir können nichts mehr ändern, dürfen nicht aufstecken. Vielleicht kommt die Pause auch gelegen, damit wir ein bisschen abschalten können.

LAOLA1: Wenn man aber Meister werden will, muss man irgendwann an der Tabellenspitze stehen?

Junuzovic (lacht): Am besten wäre es, wenn wir am letzten Spieltag auf den ersten Platz springen. Nein, Spaß beiseite. Wir müssen positiv denken. Diese Niederlage wirft uns jetzt nicht weit zurück. Wir haben in den letzten Wochen viel vollbracht. Mit dem Einzug in die Gruppenphase der Europa League ist ein großes Saisonziel erreicht. Wir werden uns mental auf die nächsten Partien vorbereiten, damit wir ganz fit rein gehen.

LAOLA1: Wenn man dich so reden hört, dann ist ein Wechsel in dieser Transferphase vom Tisch, oder?

Junuzovic: Ich konzentriere mich nur auf die Austria. Das war so und wird auch solange ich hier bin immer so sein. Meine Personalie wurde in den Medien stark thematisiert. Es wurden Aussagen gebracht, die ich so nie gesagt habe. Am Mittwoch um 24:00 Uhr endet die Transferzeit, dann ist dieses Spielchen endlich vorbei.

LAOLA1: Die Europa League ist jedenfalls eine gute Bühne, um sich zu präsentieren…

Junuzovic: Natürlich. Ich habe mich über den Einzug extrem gefreut. Ich weiß, wie toll es sich anfühlt. Wir waren vor zwei Jahren dabei und es ist einfach etwas ganz anderes, hat einen eigenen Flair. Angefangen von der Kulisse bis hin zum öffentlichen Interesse. Die Gruppenphase ist für jeden Fußballer sehr reizvoll.

LAOLA1: Zudem kannst du dich im EM-Quali-Match gegen Deutschland in die Auslage spielen …

Junuzovic: Ja, klar. Aber zuerst heißt es nach den anstrengenden englischen Runden regenerieren. Ich freue mich schon auf das Deutschland-Match.

LAOLA1: Als Spieler muss man natürlich sagen, dass man alles geben wird. Aber Hand aufs Herz: Fährt man nicht mit einem mulmigen Gefühl nach Gelsenkirchen. Vor allem weil es zuletzt im ÖFB-Team nicht nach Wunsch gelaufen ist?

Junuzovic: Eigentlich nicht. Für mich ist es einfach eine große Ehre, im Nationalteam spielen zu dürfen. Natürlich haben uns die Niederlagen nicht gut getan. Es ist auch nicht so, dass du ins Team-Camp einrückst und weißt, dass du die nächsten Spiele alle gewinnen wirst. Man ist natürlich gewarnt. Dennoch überwiegen die positiven Gedanken. Ich kann mich noch zurückerinnern, als ich ein kleiner Bub war und immer davon geträumt habe, irgendwann im Nationalteam zu spielen.

LAOLA1: In Österreich gibt es gefühlte acht Millionen Teamchefs. Für viele holt die Nationalmannschaft zu wenig heraus, obwohl das Spielermaterial mit vielen Legionären und erfahrenen Bundesliga-Spielern vorhanden wäre. Verstehst du die Kritik?

Junuzovic: Von der Qualität beziehungsweise individuellen Klasse sind wir eigentlich gut aufgestellt. Wir müssen uns aber als Mannschaft finden. Das ist im ÖFB-Team immer das Schwierigste. Gegen die Slowakei hat es zum Beispiel fast nur Einzelaktionen gegeben. Im Verein bist du jeden Tag zusammen, das ist ein großer Vorteil. Du kannst gewisse Kombinationen und Systeme viel besser einstudieren. Im Team fehlt uns auch, dass wir endlich einmal in Führung gehen. Das wäre wichtig, würde das Selbstvertrauen erhöhen und jedem einen Schub geben. Es fehlt das Glücksgefühl. Im Herbst hatten wir so etwas. Nach dem 4:4 gegen Belgien war eine gewisse Euphorie vorhanden.

LAOLA1: Bei Marko Arnautovic, der in den Teamkader zurückgekehrt ist, scheiden sich die Geister. Deine Meinung?

Junuzovic: Marko ist ein eigener Typ – sowohl privat als auch am Rasen. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Wir verstehen uns super. Ich freue mich, dass er dabei ist. Er muss sich aber auch dementsprechend benehmen, muss professionell sein. Es darf in den nächsten Tagen kein Konflikt entstehen. Wenn alles ruhig bleibt, ist Marko eine ganz, ganz große Bereicherung für die Nationalmannschaft.

Das Gespräch führten Martin Wechtl und Stephan Schwabl

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