"Werde nicht der einzige sein, der Grödig verlässt"

Aufmacherbild
 

Für viele war es unverständlich, warum sich Philipp Huspek im vergangenen Sommer für ein Bestätigungs-Jahr in Grödig und gegen einen Wechsel zu Rapid entschied.

Dieser wird mit einem Jahr Verspätung vollzogen, die derzeitige sportliche Krise seines Noch-Vereins SV Grödig hätte er sich jedoch ersparen können.

Der 24-jährige Offensivspieler bereut seinen Verbleib aber nicht und stellt sich dem drohenden Abstiegskampf, nachdem sich auch das Stadion-Chaos mittlerweile zum Positiven gewandt hat.

Die Themen Rasen, Ausstieg von Hauptsponsor Scholz sowie die Bundesliga-Talfahrt ließen auch ihn nicht kalt. Durch seinen und bevorstehende weitere Abgänge droht Grödig sogar der Zerfall.

Im LAOLA1-Interview nimmt Huspek zu den aktuellen Grödiger Sorgen Stellung, spricht über den schwarzen Fleck eines Abstiegs auf der Visitenkarte und die noch zu bewältigenden Hürden vor der Rapid-Ära.

LAOLA1: Zuletzt lief für Grödig nicht alles nach Plan. Wieviel gute Laune muss man derzeit mitbringen, um nicht in ein Loch zu fallen?

Philipp Huspek: Man muss positiv denken, sicher ist es jetzt nicht gut gelaufen. Wir haben die letzten Spiele verloren, aber wir können nicht lange nachdenken, da eh alle paar Tage ein Spiel ist. Wir können nur das nächste Spiel so positiv wie möglich gestalten, um da rauszukommen.

LAOLA1: Im Frühjahr wartet ihr weiterhin auf einen Sieg, habt jetzt vier Spiele in elf Tagen. Woran liegt es deiner Meinung nach?

Huspek: Es sind sicher Kleinigkeiten. Ich will gar nicht zu viel von Pech sprechen. Wir müssen uns das Glück wieder erarbeiten, es muss einfach wieder alles zusammenpassen, dann wird es wieder auf unserer Seite sein. Konstanz ist wichtig, jeder kleine Fehler wird bestraft. Die Chancen, die wir vorfinden, nutzen wir nicht. Wir sind zu unkonzentriert, kriegen leichtfertig, etwa über Standards, Tore und dann verliert man solche Spiele. Wir können immer nur die Fehler ansprechen. Im Endeffekt liegt es nur an uns. Wir können uns nur selber rausziehen.

LAOLA1: Machst du dir beim Blick auf die Tabelle momentan Sorgen um den Klassenerhalt?

Huspek: Sicher schaut der Tabellenstand im Moment nicht so rosig aus. Es hört sich leicht an, aber wenn wir wieder ein, zwei Spiele gewinnen, dann kann es wieder ganz schnell anders ausschauen. Mit den Niederlagen ist es bitter gelaufen, aber so negativ sehe ich das noch nicht.

LAOLA1: Wird in Grödig mittlerweile offiziell der Abstiegskampf ausgerufen oder geht das noch zu weit?

Huspek: Man hat es schon ein bisschen im Hinterkopf, wenn man sich die Tabelle anschaut. Es sind nicht viele Punkte nach hinten, aber wir haben auch noch ein Spiel weniger. Im Moment schaut es nicht so gut aus.

LAOLA1: Kommt es ein bisschen überraschend, dass Wr. Neustadt und Admira auf einmal regelmäßig punkten?

Huspek: Positiv überrascht bin ich von Wiener Neustadt, die haben sich gut verstärkt mit Philip Hellquist. Da sieht man schon, dass mit einem guten Stürmer viel möglich ist. Wir haben leider unseren besten Stürmer verloren. Das wird noch ganz eng, auch gegenüber der Admira. Aufpassen müssen wir schon, dass wir nicht noch runterkommen.

LAOLA1: Ist es das Grödiger Problem, in einem ständigen Umbruch zu stehen, da gute Spieler schneller weg sind, als man glaubt?

Huspek: Ich sehe es schon so, dass sich eine Mannschaft finden sollte. Wenn man Erfolge feiert, will man die Mannschaft zusammenhalten. Letztes Jahr haben wir es trotz der Abgänge von Philipp Zulechner, Thomas Salamon und Co. noch geschafft, weil wir eine super Geschlossenheit gehabt haben und noch enger zusammengerückt sind. Mit dem Abgang von Mario Leitgeb, der ein ganz wichtiger Spieler für uns war, und jetzt auch noch Yordy Reyna ist es nicht so leicht. Wir haben eigentlich immer eine funktionierende Mannschaft gehabt. Jetzt merkt man aber gerade, dass etwas fehlt.

LAOLA1: Ist es für dich kein zweischneidiges Schwert, möglicherweise durch Bekanntgabe eines zukünftigen Arbeitgebers anders betrachtet zu werden und möglicherweise auch deinen Stammplatz zu verlieren?

Huspek: Es ist für mich auch gut, dass der Verein noch auf mich baut und vertraut. Sollten sie das Gefühl haben, dass es nicht mehr so ist, werde ich wohl nicht mehr spielen. Ich will nicht vom Schlimmsten ausgehen, aber absteigen will ich nicht. Ich bin mit BW Linz abgestiegen, weiß wie die Situation ist und will es sicher kein zweites Mal erleben. Das hat man dann auf der Visitenkarte.

LAOLA1: Am Samstag kannst du gegen deinen künftigen Arbeitgeber alles in die Waagschale werfen. Für dich eine Art zusätzliches Bewerbungsschreiben, dass Rapid richtig gehandelt hat?

Huspek: Gegen Rapid habe ich das in den eineinhalb Jahren davor meist gezeigt. Ich will sicher noch mal alles geben und zeigen, dass sie den richtigen Spieler holen. Da bin ich sicher noch mehr motiviert. Ich will keinen Zweifel aufkommen lassen, dass ich ein paar Prozent weniger gebe.

LAOLA1: Du hast ablösefreie Abgänge bei Grödig angesprochen. Warst du selbst überrascht, dass Tomi im Sommer den gleichen Weg wie du einschlägt?

Huspek: Bei Tomi habe ich es nicht wirklich mitbekommen. Das war für mich selber auch ein bisschen überraschend, dadurch, dass man nie etwas von ihm gehört hat. Aber es freut mich für ihn, er hat sich das verdient. Er ist ein sehr guter Spieler. Von Rapid-Seite kann ich verstehen, warum sie ihn holen.

LAOLA1: Was hat bei dir den Ausschlag gegeben, dass du dich für Rapid entschieden hast?

Huspek: Für mich ist das einfach der nächstbeste Schritt. In Österreich ist es für mich persönlich der größte Verein mit der größten Tradition und den besten Fans. Für mich hat Rapid einen ganz großen Stellenwert und ich denke, dass es für meine persönliche Entwicklung das Beste ist.

LAOLA1: Muss man Angst haben, dass dein Noch-Arbeitgeber Grödig im Sommer auseinanderfällt, wenn man sieht wie viele Spieler weg wollen und im Fall der Fälle sogar noch der Abstieg droht?

Huspek: Es ist nun einmal so, dass viele ablösefrei sind und es Umbrüche gibt. Die einen verlassen den Verein und Neue werden kommen. Aber wer geht, verlängert oder kommt, kann ich nicht beurteilen.

LAOLA1: Es steht und fällt aber weiterhin alles mit der Familie Haas, die für dieses Lebenswerk verantwortlich zeichnet.

Huspek: Die Familie Haas hat da etwas Großartiges geschaffen und aufgebaut. Mit dem Europacup-Platz im Vorjahr ist das schon einzigartig. Mittlerweile hat sich Grödig einen Namen in der Bundesliga gemacht. Das sollten wir uns nicht verhauen mit der momentanen Situation. Wir haben schon Großes erreicht, das sollte man nicht zu schnell vergessen.


Das Gespräch führte Alexander Karper

LAOLA1: Die Rückkehr in „Das.Goldberg-Stadion“ wurde vollzogen. Wie war es für dich, plötzlich „heimatlos“ ohne eigenes Stadion dazustehen?

Huspek: Die letzten Wochen waren sicher nicht leicht, wir haben ewig lange nicht auf Rasen, sondern nur auf Kunstrasen trainiert. Das ist ein wichtiger Faktor, weil du vom Kopf her nicht immer frisch bist und es auch körperlich etwas anderes ist. Wir haben uns auf den Saisonstart gefreut. Dass sich das dann so verzögert hat, war nicht leicht. Man spielt immer lieber daheim - auch wenn wir nicht die Fans haben, die uns nach vorne peitschen - als in der Red-Bull-Arena, wo in ein 30.000er Stadion nicht einmal 1.000 kommen.

LAOLA1: Die Bilder vom alten, unbespielbaren Grödiger Rasen sind noch in Erinnerung. Da war an Fußball nicht zu denken.

Huspek: Das ist schon richtig, aber jetzt haben wir einen sehr guten Rasen. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, jetzt müssen wir die Siege und Punkte einfahren. Vor zwei Wochen ist noch alles negativ gewesen, dann hat Christian Haas was Gutes auf die Beine gestellt. Wir freuen uns, wieder auf unserem Rasen zu stehen, das schaut schon sehr professionell aus.

LAOLA1: Wie sehr hat das Stadionthema oder der Ausstieg von Hauptsponsor Scholz euch Spieler beunruhigt?

Huspek: Sicher bekommt man das mit. Dass im Moment auf uns draufgehaut wird, ist normal bei dieser Geschichte. Aber uns ist auch bewusst, dass bei uns noch nie alles so positiv gesehen wurde. Wir haben schon viele solche Sachen gehabt, wo wir uns selber wieder herausziehen haben müssen. Wir haben immer gezeigt, dass Grödig ein super Verein ist und wir eine gute Mannschaft haben.

LAOLA1: Prompt in dieser Phase wurde dein Wechsel zu Rapid mit Sommer bekannt. War es dein ausdrücklicher Wunsch, dass deine Zukunftspläne da schon publik werden?

Huspek: Ich würde sagen, dass es nicht mein Wille war. Aber es ist viel darüber gesprochen und geschrieben worden. Da ist es eher schwer, das noch zurückzuhalten. Ich sehe es aber nicht so tragisch. Wir haben noch einige ablösefreie Spieler, da werde ich sicher nicht der einzige sein, der seinen Wechsel früher bekanntgibt oder den Verein im Sommer verlassen wird.

LAOLA1: Du hättest auch schon letzten Sommer auf Rapid umsatteln können. Hat es sich für dich ausgezahlt, diese nicht ganz leichte Saison noch in Grödig zu absolvieren?

Huspek: Eigentlich schon. Ich wollte noch ein zweites Jahr meine Leistungen bestätigen. Ich glaube, dass der Herbst nicht so schlecht war, wie es jetzt gerade ausschaut. Ich war von meiner Entscheidung sehr überzeugt, sonst hätte ich es auch nicht gemacht. Ich denke, dass es der richtige Weg und Schritt war. Jetzt habe ich noch ein paar Monate bei Grödig, wo ich das bestätigen will. Da stehe ich auch in der Verantwortung. Mit Sommer freue ich mich dann auf die neue Aufgabe.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen