LAOLA1: 15 Punkte aus sieben Spielen, als einziger Bundesliga-Trainer 2014 noch ungeschlagen. Sie haben der Austria augenscheinlich neues Leben eingeimpft. Einige werden von einem klassischen Trainereffekt sprechen. Meiner Meinung nach ist der sogenannte Trainereffekt eine logische Reaktion, weil ein neuer Mann neue Impulse auslöst. Die Reservisten geben im Training mehr Gas, wittern ihre Chance, weil die Karten neu gemischt werden. Dies steigert wiederum den Konkurrenzkampf und fördert die Leistung aller Kaderspieler. Dieser Effekt tritt sehr oft auf. Was haben Sie darüber hinaus unternommen, um die Austria wieder auf Kurs zu bringen?

Gager: Wie in der Frage bereits beschrieben, ergibt sich durch einen neuen Trainer eine neue Situation. Ich habe eine Mannschaft vorgefunden, die sehr verunsichert war und nicht die Resultate erzielt hat, die sie sich erhofft hat. Daher war es zunächst einmal psychologisch wichtig für die Spieler, eine andere Ansprache zu hören. Ich habe versucht, auf die Mannschaft einzugehen. Und ich habe meine eigenen Vorstellungen in die Trainingseinheiten eingebracht. Das Team hat von Anfang an super mitgezogen, das unterstreichen die Resultate.

LAOLA1: Und durch die guten Resultate ist die Brust wieder breiter geworden…

Gager: Selbstvertrauen ist das A und O im Fußball. Dadurch wird auch der Kopf frei. Vor meinem Amtsantritt gab es sechs sieglose Spiele. Da fängt man zwangsläufig an, über die Dinge nachzudenken, über die du sonst gar nicht nachdenken würdest. Durch jeden Sieg wird die Verunsicherung kleiner und langsam geht alles wieder leichter von der Hand.

LAOLA1: Die aktuelle Austria-Mannschaft gilt als sensibel. Sehen Sie das genauso?

Gager: Nein, sensibel sind meine Spieler nicht. Natürlich gibt es bestimmte Bereiche, in denen es besser laufen könnte. Schlussendlich liegt es an den einzelnen Spielern. Darum ist es von der Planung wichtig, nicht zu ähnliche Spielertypen in den eigenen Reihen zu haben, sondern viele unterschiedliche Charaktere. Es gehört eine gewisse Balance in die Mannschaft. Da sind wir aber sowieso gut aufgestellt. Das Team hat einen guten Charakter, ist sehr willig. Was heuer gefehlt hat, war die Konstanz. Es gab zu viele Schwankungen speziell zwischen Champions League und Meisterschaft. Da gilt es die Hebel anzusetzen. Es darf keinen Unterschied machen, ob du gegen Atletico Madrid oder Wacker Innsbruck spielst.

LAOLA1: Würden Sie sich als „Wohlfühltrainer“ bezeichnen, oder als jemanden, der auch einmal die Peitsche auspacken kann.

Gager: Ich kann beides. Es kommt vor allem auf die Situation an. Ein ganz wesentlicher Punkt ist, wie du mit den Spielern umgehst. Wenn du immer nur den Diktator spielst, wird es nichts bringen. Die Mischung macht es aus. Der eine braucht mehr Streicheleinheiten, der andere den berühmten Tritt in den Hintern. Und manchen brauchst du gar nichts sagen, weil sie sowieso ihre Leistungen im Training und im Spiel bringen. Solange meine Forderungen umgesetzt werden, wird es die Peitsche nicht benötigen. Passiert das nicht, wird es für den einen oder anderen aber ungemütlicher.

LAOLA1: Zuletzt sorgte ihre Aufstellung gegen Salzburg mit drei Innenverteidigern für Aufsehen. Auch davor gab es immer wieder ein paar Umstellungen. Machen Sie ihre Startelf vom Gegner abhängig?

Gager: Nein, nicht unbedingt. Salzburg war das einzige Spiel, wo ich mich speziell auf den Gegner eingestellt habe. Die Änderungen sind manchmal personeller Natur, weil das jeweilige System für die Spieler, die ich mir vorstelle, besser passt. Und um den Gegner noch mehr weh zu tun, seine Schwächen noch besser ausnützen zu können. Die Ausrichtung gegen Salzburg hat gut funktioniert und deshalb ist sie auch gegen Ried zum Einsatz gekommen. Ich habe meine Mannschaft gegen den neuen Meister so gesehen, wie ich mir das vorstelle. Deshalb gab es keinen Grund, irgendetwas zu ändern.

LAOLA1: Sie wollen in Zukunft also schon ihr System dem Gegner aufdrücken?

Gager: Auf jeden Fall. Als Austria Wien musst du dich in Österreich vor niemanden verstecken. Wir müssen oft das Match machen. Daher bist du immer gefordert, zu agieren. Das ist auch mein Grundgedanke: Eine aktive Mannschaft, die das Spiel bestimmt. Egal ob wir im Ballbesitz sind oder der Gegner. Das System ist dafür nicht entscheidend.

LAOLA1: Am Sonntag steigt das Wiener Derby. Ihr erstes als Austria-Trainer. Eine besondere Partie?

Gager: Klar ist es auf der einen Seite ein besonderes Spiel. In einem Derby gibt es viele Emotionen. Andererseits ist es ein Spiel wie jedes andere auch, denn mehr als drei Punkte gibt es für einen Sieg auch nicht.

LAOLA1: Sie sind in Hütteldorf groß geworden, haben dort alle Nachwuchs-Mannschaften durchlaufen. Was würde ihnen ein Sieg bei ihrer Premiere bedeuten – noch dazu angesichts der Tatsache, dass die Austria heuer gegen Rapid noch sieglos ist?

LAOLA1: Das ist schon sehr, sehr lange her. Es ist für mich kein Problem, diese Vergangenheit auszublenden. Es wird ein schwieriges Spiel. Im Derby gibt es sowieso nie einen Favorit. Wenn wir die Leistung der Salzburg-Partie abrufen, können wir gewinnen. Wenn wir so auftreten wie in der ersten Hälfte in Ried, wird es schwer.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

LAOLA1: Ihr Vertrag läuft bis Saisonende. AG-Vorstand Markus Kraetschmer hat nach Ihrer Beförderung nicht ausgeschlossen, dass ein längeres Engagement vorstellbar ist, sollten die Leistungen passen. Derzeit machen Sie beste Werbung für eine Verlängerung.

Gager: Ja, ich denke schon. Die Bilanz ist sehr, sehr gut. Man muss aber auch die Arbeit sehen. Egal wie am Ende entschieden wird, glaube ich, dass wir in der kurzen Zeit einiges bewegt haben. Ich bin der Meinung, dass dieser Aspekt gute Werbung ist – nicht die Ergebnisse.

LAOLA1: Wann darf in der Trainerfrage mit einer Entscheidung gerechnet werden? Immerhin ist Anfang April, die Kaderplanung für die kommende Saison wahrscheinlich schon voll im Gang. Es sollte also bald Klarheit herrschen, wer ab Sommer auf der Trainerbank sitzen wird.

Gager: Das ist der Punkt, um den es in Wirklichkeit geht. Schließlich wollen wir auch nächste Saison eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine stellen. Normalerweise sollte der zukünftige Trainer ein gewichtiges Wort in der Kaderplanung mitreden können. Es ist keine leichte Situation. Ich bin zwar ein bisschen in die Kaderplanung eingebunden, weiß aber noch nicht, ob ich tatsächlich nächste Saison das Sagen habe. Es wäre daher kein Nachteil, das „Thema Trainer“ früher als er erst Mitte Mai vom Tisch zu bringen.

LAOLA1: Das klingt, als hätten Sie wirklich keine Ahnung, wie es weitergeht. Erkennen Sie wenigstens gewisse Tendenzen?

Gager: Nein, und es liegt auch nicht in meinem Aufgabenbereich, über irgendwelche Tendenzen nachzudenken. Ich bin hier, um meinen Job als Trainer so gut wie möglich auszuüben. Und ich glaube, das mache ich recht gut. Daher würde eigentlich nichts gegen eine Vertragsverlängerung sprechen. Aber es muss die Vereinsführung entscheiden, ob sie das genauso sieht.

LAOLA1: Ich nehme an, dass Sie auch schon eine genaue Vorstellung im Kopf hätten, wen sie ab Sommer im Austria-Dress sehen wollen.

Gager: Natürlich. Ich lerne meine Mannschaft von Tag zu Tag besser kennen. Da ergeben sich dann von alleine gewisse Tendenzen, mit welchen Spielern du gerne weiter arbeiten würdest und mit welchen nicht so. Doch das ist Zukunftsmusik. Primär gehört den restlichen Saison-Spielen meine volle Aufmerksamkeit.

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