Rinner: "Zuschauer-Entwicklung ist nicht erfreulich"

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Die Bundesliga feiert dieses Jahr Geburtstag.

Vor 40 Jahren löste sie die 17 Klubs umfassende Nationalliga ab und startete als Zehnerliga neu, so wie sie sich auch heute präsentiert. „Am Jahresende wird es eine Überraschung geben“, verspricht Hans Rinner hinsichtlich des Jubiläums im LAOLA1-Interview.

Darin wird zurückgeblickt, auf die österreichische Saison 2013/14, die am Freitag mit dem letzten Spieltag in der Ersten Liga Geschichte sein wird.

Red Bull Salzburg kürte sich im Oberhaus zum souveränen Meister, Aufsteiger Grödig schaffte es sensationell in den Europacup und mit Wacker Innsbruck verließ einmal mehr ein Traditionsklub das Oberhaus, Erste-Liga-Champ Altach wird die Tiroler 2014/15 ersetzen.

Im Vergleich zu 12/13 ging das Zuschauer-Interesse um 9,6 Prozent zurück, im Herbst erschütterte dazu der Wettskandal um Dominique Taboga Fußball-Österreich. Vergangene Woche präsentierte die Liga indes „tipico“, einen Sportwetten-Anbieter, als neuen Bewerbssponsor.

Mit diesem sollen gemeinsam die schwarzen Schafe vertrieben werden (Hier zur Story), wie der Ende 2013 auf weitere vier Jahre ins Amt gewählte Bundesliga-Boss Rinner selbst ebenfalls festhält.

LAOLA1: „tipico“ folgt „tipp3“. Interessieren sich ausschließlich Sportwetten-Anbieter für die Liga?

Hans Rinner: Am Ende des Tages hatte „tipico“ das beste Preis-Leistungsverhältnis und die 20 Klubs haben sich für dieses Angebot entschieden. Wir haben grundsätzliche viele Unternehmen kontaktiert, es hat dann auch einige gegeben, mit denen wir sehr eng im Gespräch waren. Im Dezember hatten wir einen Kandidaten (auch ein Wett-Anbieter, Anm. d. Red.), mit dem wir fast abgeschlossen hätten, aber da hat das Verhältnis am Ende nicht ganz gestimmt. Das ist hier anders.

LAOLA1: Die gerade abgelaufene Meisterschaft wurde durch einen massiven Wettskandal erschüttert. Nun wurde neuerlich ein Deal mit einem Sportwetten-Anbieter abgeschlossen.

Rinner: Sportwetten-Anbieter sind Teil des Geschäfts und da man muss einfach zwischen seriösen und nicht seriösen Anbietern unterscheiden. „tipico“ ist ein sehr seriöser. Der Vorteil liegt auch darin, dass man hier nun gemeinsam gegen schwarze Schafe und gegen Spielmanipulation vorgehen kann. Ich finde daher solch eine Partnerschaft als großen Vorteil.

LAOLA1: Wie blicken Sie allgemein auf die Bundesliga-Saison 2013/14 zurück?

Rinner: Die Bilanz ist sicherlich durchwachsen. Erfreulich ist etwa, dass es sehr viele Tore und unterhaltsame Spiele zu sehen gab. Super ist auch, dass wir mit Salzburg, Austria und Rapid sehr gute internationale Erfolge erspielen konnten. Die Zuschauer-Entwicklung ist auf der anderen Seite sicherlich nicht erfreulich. Da haben wir aber auch schon Gegenmaßnahmen eingeleitet. Wir haben etwa eine Marktumfrage zum Thema Zuschauerschwund gemacht, die Ergebnisse werden wir in absehbarer Zeit bekommen. Und vor allem, das wissen wir auch ohne Umfrage, ist das Thema Infrastruktur-Offensive ein ganz zentraler Bestandteil der nächsten Jahre. Es ist einfach wichtig, hier mehr zu tun und das Stadion-Erlebnis zu verbessern.

LAOLA1: Rapid steht vor einem Stadion-Neubau. Wäre dies das wichtigste Signal?

Rinner: Sollte es Rapid als zuschauerträchtigster Klub in Österreich gelingen, ein attraktives Stadion zu bauen, wäre das ein ganz tolles Signal. Dann wäre ein Zugpferd da, wo andere nachziehen würden. Aber auch in Salzburg und bei der Austria ist die Entwicklung sehr positiv. Bei den anderen Traditionsklubs muss man hoffen, dass es sportlich wieder so funktioniert, wie sie sich das vorstellen, dann werden auch die Zuschauer wieder kommen.

LAOLA1: Was haben Sie unabhängig von den Ergebnissen der Umfrage für eine Erklärung, dass ein Rückgang von 9,6 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr zu verzeichnen war?

Rinner: Man darf nicht vergessen, dass wir in den vergangenen Jahren Traditionsklubs verloren haben, die nicht mehr in der Bundesliga spielen. Das kann man einfach nicht so wettmachen, das ist Fakt. Ich schätze die sportlichen Erfolge der kleineren Klubs, aber die haben einfach nicht das Zuschauer-Potenzial. Da muss man vielleicht auch etwas Geduld haben, dass sich das Bild wieder verändert.

LAOLA1: Zuletzt boykottierten Fans ihres Ex-Klubs Sturm das Gastspiel bei der Austria, weil sie dafür nicht 25 Euro zahlen wollten. Sind Kartenpreise auch ein Grund?

Rinner: Ich glaube, dass die Kartenpreise nicht das Thema sind. Das muss auch jeder Klub für sich selbst entscheiden. Ich kann nur sagen, dass die Jahresabos bei den Klubs sehr günstige Okkasionen sind. Hier bekommt man für wenig Geld die ganze Saison. Bei Spielen gibt es natürlich gewisse Richtlinien, dass Auwärts-Kartenpreise angemessen sein müssen im Vergleich zu jenen für die Heim-Karten. Das obliegt jedem Verein, seine Politik dahingehend zu machen.

LAOLA1: Würde die Bundesliga einschreiten, wenn die Entwicklung in die falsche Richtung ginge?

Rinner: Ich behaupte einmal, das Zuschauerinteresse bei einem Verein steigt und fällt mit dem sportlichen Erfolg. Wenn wir von Sturm sprechen, dann war das keine glückliche Saison und dann ist der Zuschauer auch sehr sensibel. Wenn es eben sportlich nicht läuft, dann ist man auch gleich einmal bei Kleinigkeiten sehr empfindlich. Ich würde das in dieser Kategorie sehen. Die Kartenpreise sind nicht der Grund für den Zuschauerschwund.

LAOLA1: Wie sind Sie mit der Aufarbeitung des Wettskandals zufrieden?

Rinner: Wir haben alles unternommen, was im Bereich des Möglichen ist. Wir als Bundesliga sind auch sehr stolz drauf, die entsprechenden Sperren ausgesprochen zu haben, die wir aussprechen können. Am Ende des Tages sind wir davon abhängig, wie die Behörden damit umgehen. Erst wenn es rechtskräftige Verurteilungen gibt, können wir daran anknüpfen. Aber dort, wo es ganz klare Indizien gibt, haben wir bereits Stadionsperren ausgesprochen.

LAOLA1: Abschließend zurück zum Sportlichen: Haben Sie die Befürchtung, dass Salzburg die nächsten Jahre die Liga zu einer One-Club-Show macht?

Rinner: Die habe ich nicht. Red Bull ist seit neun Jahren dabei, aber Serienmeister waren sie nicht. Ich muss ihnen gratulieren, denn sie haben alle zwei Jahre den Meistertitel erspielt. Dazwischen gab es aber auch Rapid, Sturm und Austria, die einen einfahren konnten. Das wird auch in Zukunft so sein.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

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