Salihi: Entweder Top-Klub oder Titel mit Rapid

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Wenn einer mit Gerd Müller verglichen wird, dem deutschen „Bomber der Nation“, dann muss er etwas können.

Nämlich Tore schießen. Und das beherrschen hierzulande nur wenige Spieler so gut wie Hamdi Salihi.

Der Albaner ist seit seinem Wechsel nach Österreich vor mittlerweile viereinhalb Jahren eiskalt vor den Toren von Mattersburg bis Altach.

In der abgelaufenen Spielzeit netzte der Goalgetter in 52 Partien gleich 28 Mal, für seine sechs Volltreffer im ÖFB-Samsung-Cup wurde er am Montag bei der Auslosung der ersten Hauptrunde mit einem Pokal als erfolgreichster Torschütze geehrt.

Danach nahm sich der 27-Jährige Zeit für ein ausführliches Gespräch mit LAOLA1, in dem er über seine Situation in Hütteldorf, die Unterschiede zwischen den Trainern Peter Pacult und Peter Schöttel und die Vorteile einer Saison ohne Europacup spricht.


LAOLA1: Hamdi, welchen Stellenwert hat der Cup-Torschützenkönig für dich nach einer Saison ohne Titel?

Hamdi Salihi: Es ist ein schöner Erfolg, aber lieber wäre ich mit Rapid Cup-Sieger geworden. Fußball ist ein Mannschaftssport. Was bringen mir meine sechs Tore, wenn wir am Ende mit leeren Händen dastehen? Der Pokal ist ein schönes Souvenir für meine Zeit bei Rapid, aber in dieser Saison will ich einen Titel gewinnen.

LAOLA1: Die Bundesliga hat für Rapid vielversprechend begonnen?

Salihi: In den ersten beiden Spielen ist es perfekt für uns gelaufen. Wir stehen mit sechs Punkten auf Platz eins, haben vier Tore geschossen und keines kassiert. Aber die schweren Aufgaben kommen jetzt erst, in den nächsten Runden haben wir Ried, Sturm, die Austria und Salzburg.

LAOLA1: Für dich ist es bislang nur bedingt nach Wunsch gelaufen. 27 Minuten und ein Tor gegen die Admira, in Wiener Neustadt warst du nur Ersatz?

Salihi: Ich will wie jeder andere Spieler auch natürlich 90 Minuten spielen, egal ob das letzte Spiel gut oder schlecht war. Aber ich bin eben auch nur einer von 25 Profis bei Rapid, von denen jeder in der Startelf stehen will. Aber die Entscheidung trifft einzig und allein der Trainer.

LAOLA1: Und dem gibt der Erfolg bis jetzt recht?

Salihi: Ja, bis jetzt hat es super funktioniert, also hat der Trainer recht. Ich trainiere weiter jeden Tag, bin konzentriert und verliere mein Selbstvertrauen nicht. Wenn ich meine Chance bekomme, dann bin ich da und gebe alles. Egal ob ich von Anfang an spiele oder eine Minute. So wie gegen Admira, da hat es gut funktioniert.

LAOLA1: Aber wenn man in den letzten beiden Bundesliga-Saisonen 17 beziehungsweise 18 Tore geschossen hat, darf man doch auch Ansprüche anmelden, oder?

Salihi: Sicher ist es keine leichte Situation für mich. Aber ein guter Fußballer ist auch mental stark. Ich bin bereit, wenn mich der Trainer braucht. Ich kann mit diesem Druck umgehen!

LAOLA1: Kennst du den Grund, warum dir die anderen Stürmer vorgezogen werden?

Salihi: Ich bin nicht der Typ, der viele Fragen stellt. Wenn der Trainer so entscheidet, dann diskutiere ich nicht. Der Trainer kennt mein Profil und weiß, was ich kann. Wie gesagt: Wenn er mich braucht, dann bin ich da!

LAOLA1: Auch bei Peter Pacult bist du des öfteren eingewechselt worden. Gibt es sonst noch Parallelen zwischen dem alten und dem neuen Rapid-Trainer?

Salihi: Die beiden sind komplett unterschiedliche Typen. Pacult war impulsiv, hat immer mit Druck gearbeitet. Bei ihm war wirklich jeder Spieler unter Druck, das war seine Art. Damit war er sehr erfolgreich, einmal Meister und zwei Mal in der Europa League. Das heißt aber nicht, dass das bei jedem Trainer funktioniert.

LAOLA1: Und wie funktioniert Peter Schöttel?

Salihi: Er ist eher ruhig, kommuniziert ganz anders mit uns. Bis jetzt gab es aber auch noch keinen Grund, laut zu werden. Vielleicht will er immer so ruhig bleiben. Aber das ändert sich wahrscheinlich, wenn es einmal nicht so läuft. Aber ich hoffe, er bleibt so ruhig.

LAOLA1: Du hast eingangs gemeint, dass du in dieser Saison mit Rapid einen Titel gewinnen möchtest. Aber bleibst du überhaupt so lange in Hütteldorf?

Salihi: Es ist Transferzeit, da ist jeder Spieler interessant, also auch ich. Es gab auch Interesse von verschiedenen Vereinen, ich hatte auch konkrete Angebote. Aber die waren nicht gut für mich. Und ich habe immer gesagt: Ich verlasse Rapid nur dann, wenn es ein Top-Klub ist und das Angebot auch für den Verein passt.

LAOLA1: Du bist unter anderem mit AEK Athen, Maccabi Haifa und Sochaux in Verbindung gebracht worden. Fallen diese Vereine nicht in die Kategorie Top-Klub?

Salihi: Wenn ich wechsle, dann muss wirklich alles passen. Die Rapid-Fans müssen sagen, dass sie das verstehen, dass ich dieses Angebot nicht ausschlagen kann. Wenn so ein Verein nicht kommt, dann bleibe ich bei Rapid. Ich fühle mich hier sehr wohl und möchte mich auf keinen Fall verschlechtern.

LAOLA1: Mit Yasin Pehlivan, Tanju Kayhan und Veli Kavlak haben in dieser Transferzeit wieder drei Leistungsträger den Verein verlassen.

Salihi: Ich hatte auch zwei, drei Angebote aus der Türkei, die Vereine dort verfügen über großes finanzielles Potenzial. Aber es wäre trotzdem nicht gut für mich gewesen, wenn ich in die Türkei gewechselt wäre. Bei Yasin, Tanju und Veli ist das anders, für sie ist die Türkei keine große Umstellung. Sie sprechen die Sprache, kennen die Mentalität, das ist fast wie Heimat.

LAOLA1: Abgesehen von Testspielen gegen Hoffenheim oder Valencia gibt es für Rapid in dieser Saison ausschließlich heimische Kost. Wie sehr schmerzt es, nicht im Europacup dabei zu sein?

Salihi: Der größte Erfolg ist, wenn du international spielst, das waren die besten Momente. Deshalb tut es schon weh, dass wir in dieser Saison nicht in der Europa League spielen. Auf der anderen Seite ist es vielleicht gut für die Meisterschaft. Jetzt können wir uns voll auf die Bundesliga konzentrieren und haben nicht jeden dritten Tag ein Spiel. Weil das hat uns schon viel Substanz gekostet.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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