Ein Zwischenstopp oder mehr?

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Ein Kantersieg am Tivoli

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"Das Thema Ausland ist nicht aufgehoben"

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Innsbruck statt Italien.

Eigentlich wollte Peter Hackmair sein Glück im Ausland versuchen. Nach zwölf Jahren bei der SV Ried suchte der 24-Jährige im Sommer eine neue Herausforderung.

Am Ende landete der Blondschopf beim Tiroler Traditionsverein. „Für mich ist das Thema Ausland damit nicht aufgehoben, sondern eher aufgeschoben“, versichert der U20-WM-Teilnehmer von 2007.

Doch das ist Zukunftsmusik. Primär zählt für den Ex-Rieder nur Wacker. „Ich möchte so schnell wie möglich Fuß fassen“.

Im LAOLA1-Interview spricht Hackmair über die Gründe des geplatzten Ausland-Engagements, seine zwei Kreuzbandrisse und warum Fußball nicht das Wichtigste im Leben ist.

LAOLA1: Glückwunsch zum Engagement bei Wacker Innsbruck. Wie ist es dazu gekommen?

Peter Hackmair: Mein Berater hat bereits vor zwei, drei Wochen den Kontakt hergestellt. Wacker hatte grundsätzlich Interesse bekundet, jedoch die Tätigkeiten am Transfermarkt eigentlich abgeschlossen. Dann hat es zehn Tage keinen Kontakt gegeben. Anfang letzter Wochen haben sie noch einmal nachgefragt, ob ich noch zu haben bin und danach ist es recht schnell gegangen.

LAOLA1: Dein Vertag läuft jetzt einmal bis Winter. Danach kann Wacker eine Option auf eineinhalb Jahre Verlängerung ziehen. Wollen sich die Tiroler absichern?

Hackmair: Der Verein möchte sich einmal anschauen, wie weit ich bin. Sie kennen meine Qualitäten, möchten aber auf Nummer sicher gehen, weil ich lange keine Spielpraxis mehr hatte. Die Gespräche mit der Vereinsführung waren aber sehr positiv und ich gehe davon aus, dass ich den Trainer überzeugen kann. Ich glaube, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann. Mir ist aber auch bewusst, dass ich nicht im ersten Match alles zerreißen kann, sondern es von Woche zu Woche besser wird.

LAOLA1: Welche Ziele hast du mit den Innsbruckern?

Hackmair: Ich bin bei diesem Thema recht vorsichtig geworden. Ich möchte alles für den Verein geben und wieder Spaß am Fußballspielen habe. Alles andere kommt von selber. Große Ziele habe ich mir nicht gesteckt. Step by Step. Mich haben Zielsetzungen in der Vergangenheit eher blockiert. Insofern lasse ich alles auf mich zukommen. Ich genieße es, von Woche zu Woche zu schauen. Damit bin ich in letzter Zeit recht gut gefahren.

LAOLA1: Hattest du noch andere Angebote vorliegen?

Hackmair: Ja. Es gab zwei, drei Sachen in Österreich und auch aus dem Ausland. Es waren aber nur so halbe Geschichten. Ich wollte eine Entscheidung haben. Deswegen habe ich mich auch für Innsbruck entschieden.

LAOLA1: Dein großer Wunsch wäre aber das Ausland – speziell Italien - gewesen. Traurig, dass es nicht geklappt hat?

Hackmair: Primär wollte ich eine neue Herausforderung suchen. Das kann mir Innsbruck genau so bieten, wie das Ausland. Das Ausland hätte mich aber schon sehr gereizt. Für mich ist das Thema nicht aufgehoben, sondern eher aufgeschoben. Ich kann mir gut vorstellen, in ein paar Jahren diesen Wechsel zu machen.

LAOLA1: Haben die ausländischen Klubs möglichweise aufgrund deiner Verletzungsliste gezögert, dich unter Vertag zu nehmen?

Hackmair: Es ist schwierig zu beurteilen, weil die Details über meinen Manager laufen. Grundsätzlich habe ich die Klubs beim Probetraining überzeugt. Sie haben halt oft gemeint, dass ich mit 24 Jahren kein junger Spieler mehr bin. Ich glaube, wenn ich zwei, drei Jahre jünger gewesen wäre, wäre ein Wechsel  zustande gekommen. Das sind aber nur Spekulationen. Woran es gescheitert ist, weiß ich nicht.

LAOLA1: Hast du in letzter Zeit Angst gehabt, dass du „übrig“ bleibst und keinen neuen Klub findest?

Hackmair: Nein, eigentlich nicht, weil es mehrere Angebote gab. Ich habe mir einfach Zeit gelassen und eine Entscheidung herausgezögert. Ich bin jetzt aber sehr glücklich, dass ich bei Wacker gelandet bin und freue mich auf die neue Herausforderung. Ich bin sehr froh, dass ich in der Bundesliga geblieben bin und mich beweisen kann. Es steht mir eine schöne Zeit bevor.

LAOLA1: Apropos „Herauszögern“. Böse Zungen könnten behaupten, dass du dich verpokert hast?

Hackmair: Das würde ich so nicht sagen. Die Optionen, die ich in Österreich hatte, waren sicher nicht besser als Innsbruck. Ich wollte einfach die Auslands-Entscheidung abwarten. Das habe ich allen Interessenten mitgeteilt, also mit offenen Karten gespielt.

LAOLA1: Du hast deinen Vertrag in Ried recht früh nicht verlängert…

Hackmair: Stimmt. Der einzige Grund dafür war, wie schon erwähnt, dass ich eine neue Herausforderung  haben wollte. Ich war zwölf Jahre in Ried. Es war eine tolle Zeit und ich habe mich auch immer wohl gefühlt. Doch bereits letztes Jahr wurde mir klar, dass mir neue Reize abgehen. Ich brauche dieses Gefühl einfach. Ich kann nicht zehn, zwölf Jahre immer den gleichen Tagesablauf erleben und tagtäglich die gleichen Personen sehen. Das bin ich nicht. Ich bin ein Typ, der neue Herausforderungen sucht. Das habe ich dem Verein früh mitgeteilt. Sie haben dafür Verständnis gezeigt, mir aber gesagt, dass sie in den restlichen Partien auf jene Spieler setzen, die beim Klub bleiben.

LAOLA1: Es gab also kein böses Blut?

Hackmair: Nein. Der Verein hat mich ja auch bis vor kurzem noch mittrainieren lassen, damit ich mich fit halten kann. Das basiert auf dem guten Verhältnis, das ich zu Trainer, Manager und Fans habe. Ich bin quasi ein Kind der SV Ried. Seit dem Nachwuchs bin ich immer dabei gewesen. Ich möchte mich auf diesem Weg auch noch einmal beim Verein bedanken.

LAOLA1: Du hattest zwei schwere Verletzungen. Hast du irgendwann an ein Karriereende gedacht?

Hackmair: Vielleicht ganz kurz nach der zweiten Verletzung. Doch schon kurz nachdem ich das Krankenhaus  verlassen habe, war mir klar, dass ich die Reha zu 100 Prozent durchziehen werde. Im Laufe der Reha wurde mir klar, dass Fußball meine große Leidenschaft ist. Er ist nicht das Wichtigste im Leben, aber es einfach mein Lieblingsberuf. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Beruf auch wieder ausüben kann.

LAOLA1: Was ist für dich wichtiger als Fußball?

Hackmair: Das fängt bei meiner Frau an. Das Wichtigste ist für mich das private Glück. Wenn du unglücklich bist, kannst du keine Höchstleistungen abrufen. Ich weiß daher, was ich an meiner Frau habe.

LAOLA1: Wie geht’s deinem Wirtschafts-Studium?

Hackmair: Eigentlich ganz gut. Ich habe Ende September wieder eine Prüfung, muss aber gestehen, dass ich in letzter Zeit nicht viel zum Lernen gekommen bin, weil ich aufgrund meiner sportlich ungewissen Zukunft den Kopf nicht frei hatte. Ich stehe noch ziemlich am Anfang des Studiums, plane aber 2020 damit fertig zu sein.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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