"Man entwickelt Gefühl, was man glauben kann"

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Das letzte Jahr muss für Roman Wallner die Hölle gewesen sein.

Im Sommer zum SV Grödig gewechselt, wurde der 33-Jährige von Trainer Michael Baur nach sporadischen Einsätzen im Herbst aussortiert und im Frühjahr 2015 sogar zu den Amateuren versetzt.

Warum, weiß er bis heute nicht.

Doch mit der Bestellung von Peter Schöttel zum neuen Chefcoach hat sich das Blatt des Stürmers gewendet.

Der Steirer trainiert wieder mit den Profis und hat gute Chancen auf regelmäßige Einsätze in der Bundesliga.

Im LAOLA1-Interview spricht Wallner über die letzten 12 Monate, das Verhältnis zu seinem Ex-Coach und seinen neuen Chef in Salzburg.

LAOLA1: Drei Tore im Test gegen Kufstein – dir macht es scheinbar wieder Spaß in Grödig.

Wallner: Das Fußballspielen selber hat mir eigentlich immer Spaß gemacht. Ich habe auch immer geschaut, dass ich dran bleibe und versucht, mich nicht hängen zu lassen. Ich war überzeugt, dass sich meine Situation irgendwann wieder drehen wird. Wann, wie, wo – das hat man halt nicht beantworten können.

LAOLA1: Warum hat man es nicht beantworten können? Was ist im letzten Jahr schief gelaufen?

Wallner: Sportlich war es nicht sehr angenehm, aber persönlich lernt man sehr viel dazu. Man lernt in einer schlechten Phase das Positive wieder viel mehr zu schätzen. Und man kann aus jeder Situation etwas Positives herausholen. Nur sieht man es nicht gleich. Wichtig ist, dass man dran bleibt.

LAOLA1: Kannst du dir etwas vorwerfen? Hast du Fehler gemacht?

Wallner: Natürlich macht man Fehler. Niemand ist perfekt. Es war eine sehr schwierige Situation. Warum, weshalb das so war, kann ich bis heute nicht beantworten.

LAOLA1: Hat dir niemand erklärt, warum du schlussendlich ausrangiert wurdest?

Wallner: Nein, nicht wirklich. Es gab schon eine Erklärung, aber das waren Aussagen, wo man als Spieler schon weiß, dass es nicht die Wahrheit ist. Sowas kann man nicht ernst nehmen. Nach einer gewissen Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, was man glauben kann und was nicht. Einen wirklichen Grund für meine Degradierung weiß ich bis heute nicht.

LAOLA1: Hat es vielleicht zwischenmenschliche Probleme mit Ex-Trainer Michael Baur gegeben?

Wallner: Das ist schwierig zu beantworten. Nachdem ich zu den Amateuren versetzt wurde, waren wir natürlich nicht immer einer Meinung. Da war das Verhältnis schon zerrüttet. Ich wüsste jedenfalls nicht, dass irgendetwas vorgefallen ist. Man ist aber nicht vollkommen und macht als Spieler auch nicht alles richtig. Im Großen und Ganzen habe ich mir aber nicht vieles vorzuwerfen. Die Fußballwelt ist klein. Hinter vorgehaltener Hand hat man schnell gewusst, was los war. Ich habe mich aber professionell verhalten und versucht, bei den Amateuren vorbildlich zu sein und Gas zu geben. Ich habe weitergemacht, obwohl es nicht sehr einfach war. Mit Christian Haas hatte und habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Das war schön in so einer Phase.

LAOLA1: Kann man daraus schließen, dass du dich eher als Neuzugang betrachtest, obwohl du schon ein Jahr hier bist?

Wallner: Nein. Ich bin mit der Vereinsführung und den Spielern schon gut ausgekommen. Neu ist es daher nicht, aber es ist ein neuer Anfang.

LAOLA1: Kommen wird zum Sportlichen: Auf Grödig wartet ein schwieriges Jahr, oder?

Wallner: Das auf jeden Fall. Wir haben viele neue, junge Spieler. Es wird ganz wichtig sein, wie wir in die Saison starten.  Je besser du startest, desto besser können sich die Leute entwickeln und als Mannschaft wachsen.

LAOLA1: Du bist mit 33 Jahren im „Hochsommer“ deiner Karriere. Welche Ziele verfolgst du noch?

Wallner (lacht): Es ist im Fußball schwierig, sich Ziele zu setzen, weil man nicht weiß, was passiert. Und weil man oft auf eine Person angewiesen ist, die es gut oder schlecht machen kann. Andererseits muss man als Sportler auch Ziele definieren, dabei aber eben flexibel sein. Persönlich möchte ich weiterhin Freude am Fußball haben. Ich bin fit, fühle mich wohl. Und ich möchte das Fußballspielen so lange auskosten, wie es geht. Mit 33 Jahren ist klar, dass es nicht mehr allzu lange geht. Mein Vertrag läuft noch bis Sommer 2016. Was dann passiert, darüber mache ich mir noch keine Gedanken, weil sich gewisse Sachen sowieso von selber ergeben.

LAOLA1: Dein Plan ist es aber nicht, nach dieser Saison deine Karriere zu beenden?

Wallner: Nein, überhaupt nicht. Aber man weiß eben nicht was passiert, speziell nach der Erfahrung des letzten Jahres. Wenn ich aber nicht so viele Freude am Fußball hätte, hätte ich auch das letzte Jahr nicht so durchziehen können.

LAOLA1: Auf Facebook gibt es einen „Roman-Wallner-Fanclub“. Was sagst du dazu?

Wallner: Den kenne ich, aber dadurch, dass ich nicht auf Facebook bin, habe ich keinen großen Bezug dazu. Ich kenne auch den Betreiber nicht. Aber es ist wirklich super, dass es so etwas gibt. Es ist schön, wenn Leute trotz einer schwierigen Situation hinter dir stehen. So etwas spornt unheimlich an.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

LAOLA1: Im Winter ist dir nahegelegt worden, den Klub zu verlassen. Es gab auch Interessenten. Warum hast du trotz deiner Situation auf einen Wechsel verzichtet?

Wallner: Die Angebote haben für mich nicht gepasst. Dass es im Frühjahr dann für mich in Grödig so extrem wird, mit dem habe ich nicht gerechnet. Irgendwohin springen, wollte ich aber im Winter auch nicht.

LAOLA1: Der neue Trainer, Peter Schöttel, mit dem du sogar noch gemeinsam bei Rapid gespielt hast, setzt wieder auch dich. Ich nehme an, seine Bestellung wird dich im Nachhinein sehr gefreut haben.

Wallner: Natürlich. Es war aber etwas überraschend, dass er Trainer geworden ist. Es hat niemand etwas vermutet und dann habe ich im Urlaub vom Trainerwechsel erfahren. Ich kenne ihn ja, bin mit ihm gut ausgekommen. Als ich als Junger zu Rapid gekommen war, hat er sich gleich um uns gekümmert, war immer für uns da. Er kann gut mit Leuten umgehen, ist respektvoll, verlangt das aber auch umgekehrt. Seine Bestellung ist eine gute Wahl. Er hat auch schon bewiesen, dass er gute Arbeit leisten und Spieler entwickeln kann. Er passt zu einem Verein wie Grödig.

LAOLA1: Ist es eigentlich komisch, plötzlich von ehemaligen Mitspielern trainiert zu werden?

Wallner: Das ist der Lauf der Zeit. Ich habe schon mit mehreren Trainern zusammengespielt (u.a. mit Michael Baur beim LASK, Anm. d. Red.). So ein Generations-Wechsel passiert eben zwangsläufig. Komisch ist es daher nicht. Es kommt immer darauf an, wie man miteinander umgeht. Der Trainer ist mein Chef, eine Respektsperson.

LAOLA1: Hast du es eigentlich Peter Schöttel zu verdanken, dass du wieder Teil des Profi-Kaders bist?

Wallner: Es ist vor seinem Engagement nicht direkt darüber gesprochen worden. Aber mein Gefühl hat mir gesagt: Wenn ein neuer Trainer kommt, bekommt man eine neue Chance. Ich weiß nicht, was Peter Schöttel nach seiner Unterschrift mit der Vereinsführung in meinem Fall besprochen hat – das geht mich auch nichts an. Fakt ist, dass ich jetzt wieder die Möglichkeit habe, zu spielen. Darüber bin ich sehr froh, denn das letzte Jahr war nicht toll. Hoffentlich läuft es heuer besser.

LAOLA1: Du bist der älteste Spieler im Kader. Verspürst du Druck, eine gewisse Führungsrolle einnehmen zu müssen?

Wallner: Nein. Ich muss ja auch erst in die Mannschaft finden. Im Laufe der Vorbereitung werden sich die einzelnen Rollen ergeben. Jeder einzelne ist ein gewisser Typ und das wird sich dann im Mannschaftgefüge widerspiegeln. Klar bin ich älter und habe mehr Erfahrung. Dadurch wird logischerweise verlangt, im Spiel voran zu gehen und die anderen mitzureißen. Wer im Endeffekt welche Rolle einnimmt, wird die Entwicklung zeigen.

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