Stuchlik stellt sich der Kritik

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"Wir müssen entscheidungssicherer werden"

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Es war nicht das Wochenende der österreichischen Schiedsrichter.

Referee Dominik Ouschan wurde nach dem Spitzenspiel Rapid-Salzburg von den Hütteldorfern verbal attackiert (Hier alle Infos), schon am Samstag zog sich Andreas Heiß den Unmut der Altacher und Austrianer zu.

Altach-Coach Damir Canadi ging anschließend mit Fritz Stuchlik, einem der Schiedsrichter-Bosse beim ÖFB, hart ins Gericht (Hier alle Infos).

Am Montag meldete sich schließlich die „IG Referee“ zu Wort. „Österreichs Schiedsrichterwesen ist im internationalen Top-Bereich so gut wie nicht präsent. Das System Stuchlik ist eine fehlerhafte Entwicklung. Es verhindert einen Weg in Richtung internationaler Top-Spitze. Das österreichische Schiedsrichterwesen gehört reformiert“, heißt es in einer Presseaussendung.

Die „IG Referee“ weiter: „Mit Fritz Stuchlik an der Spitze des SR-Wesens wird es in naher Zukunft keinem Schiedsrichter gelingen, bei einem internationalen Top-Event vertreten sein. Der ÖFB ist gefordert zu handeln! Wir fordern die Ablöse des SR-Managers, um den Weg für einen Neustart für das österreichische Schiedsrichterwesen zu ebnen.“

„Wir wollen bis 2020 bei einer Endrunde dabei sein“, entgegnet Stuchlik im LAOLA1-Interview. Der 49-Jährige erklärt, warum aktuell kein österreichischer Unparteiischer in der Top-Kategorie zu finden ist, wie das Bewertungssystem in Österreich funktioniert und wie es um die Diskussions-Freude der Referees bestellt ist.

LAOLA1: Wie sieht die Hierarchie im österreichischen Schiedsrichter-Wesen aus? Wer hat was zu sagen?

Fritz Stuchlik: Es gibt die ÖFB-Schiedsrichter-Kommission, das höchste Gremium der Schiedsrichter im Rahmen des ÖFB, deren Vorsitzender Robert Sedlacek ist. Darunter gibt es verschiedene, ständige Arbeitsausschüsse zu diversen Themen, etwa Aus- und Weiterbildung, Talentefindung, Rekrutierung und Erhaltung, Frauen-Schiedsrichter-Wesen und das Komitee für das Elite-Schiedsrichter-Wesen, also in erster Linie für die Bundesliga. In diesem Komitee führt auch Sedlacek den Vorsitz, außerdem sitzen da Konrad Plautz, Wolfgang Sowa und Gerhard Gerstenmayer drinnen.

LAOLA1: Wieviele Leute sind das insgesamt, die in diversen Arbeitsausschüssen sitzen?

Stuchlik: In Summe sind es österreichweit rund 30.

LAOLA1: Und wo sind Sie genau angesiedelt?

Stuchlik: Ich bin kein Funktionär, sondern Angestellter des ÖFB. Die Administration des Schiedsrichter-Wesens ist im ÖFB in der Direktion „Recht“ angesiedelt. Da gibt es mit Herbert Kolm und mir zwei, die aktiv im Schiedsrichter-Wesen tätig sind. Jeder von uns hat gewisse Zuständigkeiten, weil die Gremien ja auch betreut werden müssen. Meine Zuständigkeit ist auch der Elitebereich.

LAOLA1: Was haben Sie also konkret zu sagen?

Stuchlik: Es gibt Gremien, die sportpolitische Entscheidungen treffen. Und es gibt die Administration, die gewisse Dinge verwalten und aufbereiten sowie die aufgrund der UEFA-Schiedsrichterkonvention vorgegebenen Dinge erledigen muss. In einem Satz kann man nicht sagen, wer was zu sagen hat. Es gibt eine Vielzahl von Aufgaben, die unterschiedlich aufgeteilt sind. Die Administration erledigt das Tagesgeschäft und die sportpolitischen Überlegungen übernehmen die Funktionäre in den Gremien.

Robert Sedlacek und Fritz Stuchlik

LAOLA1: Die „IG Referee“ betreibt allerdings viel Medienarbeit, auch aktuell gibt es eine Stellungnahme, die online sicher von vielen Fußballfans in Österreich gelesen wird.

Stuchlik: Es gibt viele Aussagen, die irgendwo in den Medien stehen. Es muss nicht auf alles und jedes eingegangen werden.

LAOLA1: Das ist Ihr gutes Recht. Ein anderes Thema: Was ist aktuell der Grund dafür, dass kein österreichischer Schiedsrichter bei der EURO 2016 und in der Champions League pfeift?

Stuchlik: Es gibt derzeit 29 Elite-Schiedsrichter von 54 UEFA-Mitgliedsverbänden. Manche Länder, etwa Spanien, England und Italien, sind mit mehreren Schiedsrichtern vertreten. Es sind also viele Länder nicht in dieser Kategorie vertreten, darunter auch Österreich. Wer nicht in der Elite-Kategorie ist, pfeift nicht Champions League und nicht bei der EM.

LAOLA1: Warum ist kein Österreicher in dieser Kategorie vertreten?

Stuchlik: Wir sind auf einem guten Weg. Mit Oliver Drachta, Harald Lechner und Robert Schörgenhofer haben wir seit letztem Jahr drei Schiedsrichter in der Kategorie darunter, also der First-Category – die kommen in der Europa League zum Einsatz. Wir hatten zuvor noch nie drei Schiedsrichter in den beiden höchsten Kategorien. Diese Drei kommen laufend zum Einsatz, wenn sie entsprechend reüssieren, werden sie unter Umständen in die Elite-Kategorie aufsteigen. Vielleicht haben wir dann einen Kandidaten für eine Endrunde, wofür man ja in der Top-Kategorie der Top-Kategorie sein muss.

LAOLA1: Können Sie einen möglichen Zeitrahmen nennen?

Stuchlik: Das wäre wie Hellsehen oder Kaffeesudlesen. Realistisch gesehen sind mit Drachta (38) und Lechner (33) zwei in der First-Category, die den nächsten Schritt noch gehen können. Letztendlich ist die Leistung am Spielfeld entscheidend. Wir wollen aber bis 2020 bei irgendeiner Endrunde dabei sein.

LAOLA1: Vielleicht versuchen Sie dennoch, in zwei drei Sätzen zu erklären, was Sie tagtäglich machen.

Stuchlik: Meine Hauptaufgabe ist das Komitee für den Elitebereich entsprechend zu unterstützen.

LAOLA1: Das ist ein wenig unkonkret. Wie sieht diese Unterstützung aus?

Stuchlik: Das ist schwierig, in ein paar Sätzen zu beantworten. So läuft zum Beispiel der Schriftverkehr mit den Schiedsrichtern über mich, weil ja sonst niemand von der Kommission in der Geschäftsstelle. In Zusammenarbeit mit Gerhard Gerstenmayer bin ich in der Aus- und Weiterbildung tätig. Wenn Wolfgang Sowa im Rahmen des Beobachtungswesens irgendwelche Bereiche hat, bin ich derjenige in der Administration, der sich mit diesen Dingen befasst. Wenn in Konrad Plautz‘ Bereich der Talentefindung und des Mentorings irgendetwas anfällt, vollziehe ich letztendlich, was sportpolitisch in den Sitzungen beschlossen wird.

LAOLA1: Wir sind also weit entfernt von dieser „One-Man-Show“, die die „IG Referee“ aktuell anprangert?

Stuchlik: Ohne auf das, was die „IG Referee“ anprangert, eingehen zu wollen: Die Schiedsrichter und Assistenten für den Elitebereich haben sich in einem Treffen eindeutig dahingehend ausgesprochen, dass sie sagen: Die „IG Referee“ ist nicht ihre Vertretungsgemeinschaft. Daher gibt es für uns auch keinen Grund, sich näher mit der „IG Referee“ zu befassen.

"Wenn ein Fehler passiert, geht die Welt nicht unter"

LAOLA1: Gibt es österreichische Funktionäre, die auf internationaler Ebene tätig sind?

Stuchlik: Wir haben sechs internationale Schiedsrichter-Beobachter.

LAOLA1: Ist es das Ziel, jemanden auf einer höheren Ebene zu positionieren?

Stuchlik: Das kann ich nicht beantworten. Das ist Sportpolitik, dafür ist Robert Sedlacek verantwortlich.

LAOLA1: Sprechen wir über das vergangene Wochenende, an dem Sie von Altach-Trainer Damir Canadi persönlich angegriffen wurden. Wie haben Sie das erlebt?

Stuchlik: Ich habe vom Spiel Altach-Austria nur am nächsten Tag die Zusammenfassung gesehen und festgestellt, dass zwei Fehler passiert sind – das nicht gepfiffene Foul vor dem ersten Tor der Austria, die nicht getätigte Rote Karte nach dem Foul von Philipp Netzer an Lary Kayode. Das habe ich mitbekommen. Am Sonntag war ich den ganzen Tag bei einem Seminar und bin dann erst nachträglich über das Canadi-Interview informiert worden.

LAOLA1: Konrad Plautz war 2008 bei der Heim-EM dabei, Günter Benkö war 1998 der letzte österreichische Schiedsrichter bei einer WM. Sehen Sie es auch so, dass in den vergangenen Jahren ein qualitatives Loch entstanden ist?

Stuchlik: Wenn Leute wegfallen, braucht es eine gewisse Zeit, bis das Loch wieder aufgefüllt ist. Das ist ein völlig normaler Prozess. Wenn eine Mannschaft einen Top-Spieler verliert, braucht sie auch eine gewisse Zeit, um ihn zu ersetzen. Man muss bedenken: Wenn einer heute einen Anfänger-Lehrgang macht, wird der erst in zehn, zwölf Jahren für die Bundesliga infrage kommen.

LAOLA1: Auch Vereine werden kritisiert, dass sie nicht rechtzeitig adäquaten Ersatz ausgebildet haben, wenn der Superstar geht. Auch der ÖSV wird kritisiert, dass derzeit kein neuer Marcel Hirscher oder Benjamin Raich zu sehen ist…

Stuchlik: Wenn Sie in der Redaktion die Nummer eins sind und in Ihrer Zeit schon ein Nachfolger ausgebildet wird, braucht es trotzdem eine gewisse Zeit, bis er alles tatsächlich umsetzen kann, wenn er dann auf sich alleine gestellt ist. Und jeder ist am Spielfeld auf sich alleine gestellt.

LAOLA1: Seit Plautz‘ Auftritt bei der EURO 2008 sind aber doch schon ein paar Jahre vergangen.

Stuchlik: Natürlich. Wir hatten in der Zwischenzeit aber mit Thomas Einwaller auch einen Schiedsrichter bei den Olympischen Spielen. Er hat dann bedauerlicherweise aufgehört zu pfeifen. Hätte er weitergepfiffen, müssten wir vielleicht nicht darüber sprechen. Solche Dinge, dass jemand mit Perspektive wegbricht, werden immer passieren, davor ist man nie gefeit.

LAOLA1: „Es ist so, dass die Schiris sehr junge Leute sind, die teilweise Angst haben. Da werden Entscheidungen getroffen, die für Fritz Stuchlik getroffen werden, und nicht für sie selber.“ Das ist Canadis Vorwurf. Wie sehen Sie das?

Stuchlik: Ich schlussfolgere mal: Wenn Andreas Heiß am Wochenende für mich Entscheidungen getroffen hätte – was auch immer das bedeuten soll –, dann hätte er in meinem Sinne das Foul gepfiffen und Netzer ausgeschlossen. Das ist das, was das Regelwerk vorsieht. Ich muss mit aller Deutlichkeit sagen: Die Schiedsrichter setzen die Spielregeln um! Das tun sie nicht im Sinne von Sepp Blatter, Michel Platini, Pierluigi Collina, Robert Sedlacek oder Fritz Stuchlik – sie setzen einfach die Spielregeln um, erfüllen ihre Aufgabe. Aus.

LAOLA1: Sie sehen also auch keine Angst vor negativen Bewertungen, die die Schiedsrichter haben könnten?

Stuchlik: Jedes Spiel wird beobachtet und bewertet. Jedem wird zugestanden, dass er Fehler machen kann. Wenn ein Fehler passiert, geht die Welt nicht unter. Wenn eine latente Fehler-Anhäufung gesehen wird, also die Leistungskurve stagniert oder nach unten geht, wird unter Umständen die Besetzung zurückgenommen. Das bedeutet aber nicht, dass jemand vor einer schlechten Bewertung Angst haben muss. Wenn es um Einzelsituationen geht, bringt Strafen durch Nicht-Einsatz nichts. Wenn sich das aber wie ein roter Faden durchzieht, schaut das anders aus. Außerdem muss man in der Psychologie der Schiedsrichter sagen: Wenn jemand am Spielfeld etwas erkennt, entscheidet er in dem Moment und hat nicht die Zeit, um im Hintergrund ablaufen zu lassen, welche Konsequenz diese Entscheidung hat.

"Habe nicht in Erinnerung, dass häufiger Unnahbarkeit angeprangert wurde"

LAOLA1: Tun sie das auch?

Stuchlik: Meines Wissens schon. Wir haben schon 12, 13 Vereine besucht. In der Abschlussrunde gibt es die Einladung an die Anwesenden, Dinge vorzubringen. Da gibt es nur ganz vereinzelt – und meistens sind das tagesaktuelle Geschichten – Kritik. Ansonsten habe ich nicht in Erinnerung, dass die Spieler und Betreuer irgendetwas groß kritisiert hätten.

LAOLA1: Medial tun sie das aber nach Spielen sehr wohl.

Stuchlik: Es ist durchaus verständlich, dass man sich über irgendeine Entscheidung beklagt. Ich habe nicht in Erinnerung, dass häufiger die Unnahbarkeit angeprangert worden wäre. Dass sich der eine oder andere vor der Kamera Luft macht, ist ja nichts Neues.

LAOLA1: Hätten die Schiedsrichter nicht gerade nach dem Schlusspfiff, wo man sich ja im Kabinengang trifft, die Möglichkeit, die eine oder andere Entscheidung ein wenig ausführlicher zu erklären, um die Situation zu beruhigen?

Stuchlik: Oft und öfter haben wir nach dem Spiel Situationen, wo jemand sehr aufgebracht ist. Für mich ist es nicht praktikabel, dass der Schiedsrichter da stehen bleibt und die Schelte über sich ergehen lassen muss.

LAOLA1: Am vorletzten Wochenende hat Dominik Ouschan nach dem Spiel WAC-Trainer Didi Kühbauer den Handschlag verweigert. So etwas trägt nicht unbedingt zur Beruhigung der Lage bei.

Stuchlik: Ouschan hatte einen Vorfall bei einem Spiel in Erinnerung, wo er endlos lang die Hand geschüttelt bekommen hat. Er hat das so interpretiert, dass es nicht die Absicht war, sich bei ihm zu bedanken, sondern ihn aufs Glatteis zu führen. Deswegen hat er sich diesmal so verhalten.

LAOLA1: Finden Sie das gut?

Stuchlik: Es ist nie gut, wenn man auseinandergeht und irgendwo entsprechende Ressentiments bestehen. Ich finde es auch nicht gut, wenn Trainer nach dem Schlusspfiff aufs Spielfeld stürmen und dem Schiedsrichter sagen, was er alles falsch gemacht hat. Es wird immer wieder vorkommen, dass der eine oder andere etwas tut, was nicht dem Fairplay-Gedanken entspricht. Gut finde ich das nicht – in keiner Richtung.

LAOLA1: Wie läuft so eine Schiedsrichter-Bewertung ab?

Stuchlik: Nach dem Spiel bespricht der Beobachter mit den Schiedsrichtern das Spiel, was ihm positiv und negativ aufgefallen ist, gibt Verbesserungsvorschläge, analysiert manche Szenen mittels TV-Aufzeichnung und alle fahren nach Hause. Der Beobachter verfasst dann einen schriftlichen Bericht und muss ihn auch mit einer Note bzw. Punktewertung versehen. Das wird an das Elite-Komitee und den Schiedsrichter versandt.

LAOLA1: Ein Beispiel: Das Komitee sieht bei den Noten von Dominik Ouschan 3,4,4,5 und beschließt dann, ihm eine Woche Pause zu geben.

Stuchlik: Das könnte die Schlussfolgerung sein, ja.

LAOLA1: Canadi hat schon einmal gesagt: „Früher hatten wir einen Stuchlik, wo man gewusst hat, dass man aufpassen muss. Jetzt rennen zehn Stuchliks herum.“

Stuchlik: Wenn er damit Konsequenz und Berechenbarkeit meint… Ich weiß nicht, was er damit unterstellen möchte, kann mich dazu also schwer äußern. Vielleicht hat er ja eine Freude damit, dass das so ist.

LAOLA1: Kann man den Stil, den Sie als Aktiver vertreten haben, als unnahbar beschreiben?

Stuchlik: Das ist Interpretationssache. Ich war sicher nicht diskutierfreudig. Ob das unnahbar war, wird jeder unterschiedlich bewertet haben. Jene, die gerne einen haben, der sich nach jeder Entscheidung mit ihnen im Halbkreis zusammensetzt und mit ihnen diskutiert, werden keine Freude gehabt haben.

LAOLA1: Täuscht der Eindruck, dass mittlerweile kein Schiedsrichter mehr diskutierfreudig ist?

Stuchlik: Wir sagen den Spielern und Trainern bei den Zusammentreffen das, was wir den Schiedsrichtern auch sagen: „Wenn es eine kurze Frage an den Schiedsrichter gibt, wird er diese, sofern er die Möglichkeit hat, während des Spiels auch beantworten.“ Kurz, aber nicht sehr ausführlich. Da könnte die Frage sein: „War das kein Foul?“ Und der Schiedsrichter sagt: „Ich habe es anders gesehen.“ Ist das unnahbar, weil die Antwort so kurz ist? Der eine oder andere empfindet vielleicht so. Die Schiedsrichter sind also sehr wohl angehalten, sofern sie die Möglichkeit haben, auf eine kurze Anfrage eine entsprechende Antwort zu geben.

LAOLA1: Natürlich ist es keine leichte Situation für den Schiedsrichter, wenn ihnen Spieler oder Funktionäre beim Gang in die Kabine an den Kragen wollen. Wie etwa Rapid-Sportdirektor Andreas Müller beim Heimspiel gegen Salzburg. Kann man die jungen Schiedsrichter auf solche Situationen vorbereiten?

Stuchlik: Das werden sie ja. Sie sind schon zig Jahre Schiedsrichter, wenn sie zu uns kommen und haben im Amateurbereich schon viel erlebt. Das ist für sie ja nicht völliges Neuland. Wenn sie darauf anspielen, ob wir einen Psychologen oder so verwenden – das tun wir nicht. Das hatten wir schon einmal, viele konnten in der Gruppe mit diesem Thema aber nichts anfangen.

LAOLA1: Es obliegt also jedem einzelnen Schiedsrichter, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen?

Stuchlik: Genau. Jeder hat da einen anderen Zugang.

LAOLA1: Gegen Ende muss ich noch einmal auf die „IG Referee“ zurückkommen. Sie rät dem ÖFB zu Ihrer Ablöse. Wie geht es Ihnen damit?

Stuchlik: Ich habe als aktiver Schiedsrichter oft gehört, dass es besser wäre, ich würde nicht pfeifen. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, wird man natürlich mit Kritik konfrontiert. So ist das nunmal.

LAOLA1: Abschließend bitte ich Sie um eine kurze Einschätzung. Sind Sie der Meinung, dass das österreichische Schiedsrichter-Wesen gut aufgestellt, gut funktionierend und auf einem guten Weg ist?

Stuchlik: Wenn ich den Vergleich mit anderen Ländern sehe, bin ich der Meinung, dass wir natürlich noch einiges an Arbeit vor uns haben, wir uns aber nicht zu verstecken brauchen.

LAOLA1: Was sind die größten Baustellen?

Stuchlik: Wir müssen noch entscheidungssicherer werden. Eine Diskussion, ob wir jemanden in der Champions League haben, würde es nicht geben, wenn am Spielfeld die Entscheidungen richtig getroffen werden würden. In Wahrheit interessiert das Schiedsrichter-Wesen niemanden sehr. Treffen wir richtige Entscheidungen, geben wir keinen Grund zur Diskussion.

LAOLA1: Der größte Wunsch ist also Unauffälligkeit?

Stuchlik: Das ist weltweit generell die Wunschvorstellung des Schiedsrichter-Wesens.

Das Gespräch führte Harald Prantl

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