"Ich will Meister werden!"

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"Ich will besser als alle anderen sein"

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Kevin Friesenbichler hat einen Plan.

Einen Plan für seine Karriere.

Einen Plan mit der Wiener Austria.

"Ich glaube, dass der Meisterteller möglich ist." Ziele, Motivation und der Antrieb, besser als alle anderen zu sein, das ist das Motto des 21-Jährigen.

Übertriebener Optimismus?

Nein. "Ich setze mir lieber höhere, als niedrigere Ziele", verrät der Goalgetter, der vor knapp drei Wochen am Verteilerkreis landete.

Im LAOLA1-Interview spricht der U21-Teamspieler über seinen neuen Arbeitgeber, seinen Karriereplan und seine bisherigen Auslandserfahrungen.

LAOLA1: Kevin, dein Transfer zur Wiener Austria hat sich doch länger gezogen. Warum hat es so lange gedauert?

Kevin Friesenbichler: Es war wirklich ein langes Hin und Her, ist bestimmt über drei, vier Wochen gegangen. Benfica hat sich zunächst quergestellt und Unsummen verlangt. Zum Glück hat sich das Ganze irgendwann eingependelt, dann hat es zwar nicht beim ersten Versuch gepasst, aber schlussendlich konnte man sich Gott sei Dank einigen. Ich bin sehr froh, hier zu sein.

LAOLA1: Hattest du noch andere Angebote bzw. welches Argument hat für die Austria gesprochen?

Friesenbichler: Es hat andere Angebote gegeben, aber seitdem ich vom Interesse der Austria erfahren habe, war dieser Klub mein erster Ansprechpartner. Ich wollte nicht mehr woanders hin, sondern unbedingt nach Wien. Daher habe ich auch Gespräche mit anderen Vereinen abgelehnt. Der Wechsel zur Austria war in meinem Kopf beschlossene Sache.

LAOLA1: Warum?

Friesenbichler: Die Vereinsführung ist sehr, sehr gut. Das gefällt mir. Die Zusammenarbeit mit Trainer Thorsten Fink ist hervorragend. Ich glaube, bei diesem Klub, mit diesen Voraussetzungen kann ich mich am Besten weiterentwickeln.

LAOLA1: Das heißt, du hast deine Meinung geändert, denn im Herbst 2014 hast du eine Rückkehr nach Österreich ausgeschlossen?

Friesenbichler: Ich stehe auch zu dieser Aussage. Aber zu dieser Zeit gab es auch kein Gesamtpaket, das so passt wie jetzt bei der Austria. Es ist ein überragender Trainer und ein überragender Fitnesscoach gekommen. Mit Franz Wohlfahrt hat eine Person das Sagen, die das Ganze sehr gut steuert. Deswegen ist der Weg zurück zur Austria der beste für mich.

LAOLA1: Du hast im letzten LAOLA1-Interview im März gemeint, dass du mit 25 bei einem europäischen Topklub spielen willst und überzeugt bist, das es auch so kommen wird. Einige User meinten daraufhin, dass du dich ein wenig überschätzt.

Friesenbichler: Kritik wird es immer geben. Es gibt sie von Leuten, die sich im Fußball auskennen und von Leuten, die sich weniger auskennen. Mein Ziel ist es weiterhin, mit 25 Jahren in Deutschland zu spielen. Ich sage gezielt Deutschland, weil es meiner Meinung nach die beste Liga der Welt ist. Die Austria spielt bei diesem Ziel eine sehr wesentliche Rolle. Ich möchte hier zwei, drei Jahre auf hohem Niveau spielen und mit der Austria richtige Erfolge feiern. Ich möchte nicht wie letzte Saison am siebenten Platz "herumgurken" oder hoffen, dass wir in die Europa-League-Quali kommen - nein, ich will die Champions-League-Quali. Dieses Jahr will ich einfach ganz oben mitspielen. Und mit unserer Mannschaft ist das möglich.

LAOLA1: Um in einem Jahr Champions-League-Qualifikation spielen zu können, ist der Meisterteller notwendig. Sprich: Du willst Meister werden?

Friesenbichler: Ja! Klar, jeder hat andere Ziele. Der Trainer meint, dass Platz drei ein realistisches Ziel und mit dieser Mannschaft möglich ist. Aber ich glaube, dass auch der Meistertitel möglich ist. Warum nicht? Wir haben eine sehr gute Truppe - nicht nur elf Leute, sondern 16. Von denen können alle jederzeit spielen. Wir sind jetzt sechs Punkte vor Salzburg und zwei hinter Rapid. Und am Mittwochabend werden wir einen Punkt vor Rapid sein.

LAOLA1: Muss man mit einem guten Selbstbewusstsein ausgestattet sein, um erfolgreich zu sein?

Friesenbichler: Das kann ich nicht sagen. Bei mir ist es ja mehr eine Zielsetzung als übertriebenes Selbstbewusstsein. Wenn ich mir die zweite deutsche Liga oder eine Karriere nur in Österreich als Ziel setze, mache ich etwas falsch. Ich setze mir ein Ziel, das auch realistisch ist. Und ich denke, es ist realistisch, dass ich einmal in die Deutsche Bundesliga komme. Deswegen strebe ich lieber nach höheren, als nach niedrigen Zielen. Außerdem möchtest du doch sowieso jedes Spiel gewinnen. Sonst wäre man doch kein Sportler. Egal, ob Fußball oder Tennis, wenn du das betreibst, möchtest du einfach alles gewinnen. Die Austria hat aktuell die richtige Mannschaft dafür. Mit diesem Team könnte ich alles gewinnen.

LAOLA1: Hat dir U21-Teamchef Werner Gregoritsch zu einer Unterschrift in Wien-Favoriten geraten?

Friesenbichler: Ich war und bin mit ihm im ständigen Kontakt. Er hat mich nicht überreden müssen, aber positiv auf mich eingeredet. Er hat den Wechsel jedenfalls sehr begrüßt, da er es gerne hat, wenn er seine Schützlinge in Österreich beobachten kann.

LAOLA1: Kann man Benfica Lissabon als Missverständnis abhaken?

Friesenbichler: Nein. Es ist ein anderer Verein in einer anderen Kultur. Das muss man einfach selber erleben. Ich habe es mir auch anders vorgestellt. Aber ich will darüber gar nicht mehr reden. Denn ich lebe in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit. Benfica ist Geschichte.

LAOLA1: Du sagst, Deutschland ist deine Traumdestination. Und du warst ja schon bei Bayern München II. Warum bist du 2014 weggegangen?

Friesenbichler: Ich habe mir die Perspektiven angeschaut. Zu diesem Zeitpunkt war es einfach besser, zu einem anderen Klub, in ein anderes Land zu gehen. Die Bayern wollten mit mir verlängern. Sie haben mit mir geplant. Ich habe ihnen aber schon früh mitgeteilt, dass ich keinen neuen Vertrag unterschreiben werde.

LAOLA1: Gerade junge Spieler sind oft auf ihren Manager angewiesen, um ihre Karriere in Schwung zu bekommen.

Friesenbichler: Also ohne Manager ist es fast unmöglich. Irgendwann treten dir die Vereine die Tür ein. Bei mir war das mit 14 Jahren. Als ich bei meinem Heimatverein Weiz war, haben diverse Klubs wie Sturm, Austria, Admira, etc. bei meinen Eltern angerufen. Die haben nicht gewusst, was sie tun sollen und wie wir uns entscheiden. Also habe ich mir einen Manger genommen. Anders geht es nicht. Die Ausnahme ist, wenn du Akademie-Spieler eines österreichischen Topklubs bist.

LAOLA1: Andererseits sind junge Leute wohl leichter zu beeinflussen. Manchmal gehen die gemachten Versprechungen doch nicht in Erfüllung.

Friesenbichler: Ich hatte auch einmal Probleme mit einem Manager. Mittlerweile vertritt mich eine Person, mit der ich mich sehr gut verstehe. Er ist fast schon mehr ein Freund als ein Manager. Ich habe keine Angst mehr, dass etwas schieflaufen kann. Grundsätzlich ist es aber so, dass ich natürlich das letzte Wort habe. Ich bekomme Tipps. Es wird gemeinsam beraten, welcher Schritt der beste für meine Karriere wäre und es werden Optionen vorgeschlagen. Aber ich entscheide.

LAOLA1: Und da du dich im körperlichen Bereich verbessern wolltest, hast du dich letzte Saison für Polen entschieden?

Friesenbichler: Genau. Das ist eine brutal robuste Liga mit 30 Jahre alten Innenverteidiger, die 1,95 Meter groß und richtige Bullen sind. Ich hatte immer Probleme im Rumpfbereich. Die ganzen Muskelverletzungen sind davon ausgegangen. In diesem Bereich habe ich mich in dem Jahr in Polen sehr gut weiterentwickelt. Es hat mir sehr geholfen.

LAOLA1: Du warst bei den Bayern, bei Benfica, in Polen. Wie groß ist der Unterschied zu Österreich. Wie professionell wird hier gearbeitet?

Friesenbichler: Also ich persönlich mag die deutschen Trainer, weil sie keine Ausreden gelten lassen. Du musst voll an dir arbeiten. Wenn du am Wochenende 35 Minuten spielst, kommst du am nächsten Tag zum Training und trainierst. Spielst du unter einem österreichischen Trainer die gleiche Zeit, trägst vielleicht zum Sieg bei, kommt der Coach zu dir und sagt: Du hast gestern toll gespielt, du machst eine Pause. Ich bin aber jemand, der gerne an sich arbeitet, der immer mehr will. Ich will besser als alle anderen sein. Dabei hilft mir das Austria-Trainerteam ungemein.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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