Foda: "Im Fußball-Business gibt es keine Dankbarkeit"

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Der Paukenschlag beim Meister!

Einen Tag nach dem triumphalen 5:1-Kantersieg gegen die Austria sorgt Trainer Franco Foda mit seiner Ankündigung, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, für einen Knalleffekt.

Während Sturm-Präsident Gerald Stockenhuber die Entscheidung des Deutschen mit Bedauern zur Kenntnis nimmt, bezieht der Meistermacher selbst im LAOLA1-Interview Stellung:

LAOLA1: Ihre Ära bei Sturm geht zu Ende. Warum?

Franco Foda: Fakt ist, dass ich den Vertrag, den ich diese Woche eigentlich verlängern wollte, nicht verlängern werde. Deshalb gehe ich zum heutigen Zeitpunkt davon aus, dass am 31. Mai 2012 mein Vertrag endet und die Zeit von Franco Foda vorbei ist.

LAOLA1: Bis dahin ist noch ein halbes Jahr Zeit. Besteht überhaupt keine Chance, sich zu einigen? Sind die Differenzen bezüglich der Vertragsinhalte so groß?

Foda: Eigentlich war schon seit zwei Monaten alles geklärt. Es geht auch nicht um finanzielle Dinge. Darüber haben wir nie gesprochen, weil das für mich nie ein Thema war. Sondern da geht es um grundlegende Dinge. Das hat auch nichts mit Differenzen zu tun, sondern es ging um die Art und Weise. Da ich jemand bin, der sehr geradlinig ist, habe ich mich jetzt entschlossen, dass es für alle Beteiligten das Beste ist, wenn ich den Vertrag nicht verlängere.

LAOLA1: Wenn schon länger Einigkeit bestand, was war das Problem?

Foda: Über Details werde ich keine Auskunft geben. Das habe ich noch nie gemacht. Fakt ist einfach, dass es Gründe gibt, ich daraus für mich die Konsequenz gezogen habe und ich jetzt den Vertrag nicht verlängere. Im Fußball soll man nie nie sagen, aber ich gehe am heutigen Tag davon aus, dass nach Beendigung meines Vertrags die Zeit in Graz leider vorbei sein wird.

LAOLA1: Sie werden dann 15 Jahre in Graz gewesen sein. Wie groß ist die Enttäuschung, dass dieser Lebensabschnitt auf diese Art und Weise zu Ende geht?

Foda: Ich werde über Sturm Graz nie ein schlechtes Wort verlieren. Ich habe hier meine schönste Zeit erlebt, sowohl als Spieler als auch als Trainer. Diese Zeit werde ich nie vergessen. Das Fußball-Business ist so, da gibt es keine Dankbarkeit. Deshalb ist es für mich keine Enttäuschung. Es ist nur etwas komisch, wenn man bedenkt, dass Sturm Graz in den letzten drei, vier Jahren die erfolgreichste Mannschaft in Österreich war. Aber es ist so, wie es ist. Deshalb ist es für mich keine große Enttäuschung.

LAOLA1: Wehmut klingt aber doch durch…

Foda: Naja gut, wenn man so lange in einem Verein ist und alles mitgemacht hat – als Spieler alle Höhen, als Trainer komplett die Akademie durchgemacht hat und dann mit dem Konkurs und dem Abzug von 13 Punkten in die Trainerkarriere gestartet ist: Das vergisst man natürlich nicht. Dass einem da so eine Entscheidung natürlich nicht leicht fällt, ist normal. Aber sie war gut überlegt. Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker, habe eine straighte Linie. Deswegen habe ich jetzt aus den letzten zwei Gesprächen die Konsequenz gezogen.

LAOLA1: Wobei man wohl nicht unterschätzen sollte, was Sie abseits des Trainingsplatzes weggearbeitet haben…

Foda: Ich denke, dass es jetzt nicht das Wichtigste ist, ob ein Trainer seinen Vertrag verlängert oder nicht. Ich habe mich nur um die sportlichen Dinge gekümmert. Wichtig ist einfach, dass der Verein gut dasteht. Und das haben wir ja gemacht in den letzten Jahren. Wir haben die Akademie und die Amateure gut aufgestellt. Auch die Profimannschaft ist eigentlich so gut strukturiert, dass der Verein im nächsten Jahr alle Möglichkeiten hat, Optionen zu ziehen. Es wird da keinen großen Aderlass geben. Insofern wird das kein Problem sein. Deshalb sollte man es jetzt nicht so wichtig machen, ob der Trainer seinen Vertrag verlängert hat oder nicht. Wichtig ist die Mannschaft. Die hat gegen die Austria ein tolles Spiel gemacht. Das war für mich einfach wichtig, das war toll anzuschauen. Alles andere ist im Prinzip zweitrangig.

LAOLA1: Wie wird es bei Ihnen weitergehen?

Foda: Dazu kann ich noch nichts sagen, da ich vor drei Tagen eigentlich einen Vertrag unterschreiben wollte. Mit anderen Dingen habe ich mich nicht beschäftigt. Daher kann ich nicht beurteilen, was im nächsten Jahr auf mich zukommt. Das weiß ich nicht.

LAOLA1: Liegt man komplett falsch, wenn man gewisse Parallelen zum Abgang von Oliver Kreuzer ortet? Dessen bereits verkündete Vertragsverlängerung geriet zu einem längeren Hin und Her, ehe er daraus die Konsequenzen gezogen hat…

Foda: Das kann ich nicht beurteilen. Es gibt aber einen Unterschied: Ich habe ja keine Anfragen, werde Sturm jetzt auch nicht verlassen, sondern ganz normal weiterarbeiten, bis mein Vertrag ausläuft. Insofern war das eine etwas andere Situation.

Das Gespräch führte Peter Altmann

LAOLA1: Sie sind sportlich der Gesamtverantwortliche. Einerseits ist gerade eine wichtige Phase, was Spielerverträge betrifft. Andererseits ist erst die Hälfte der Saison gespielt. Glauben Sie, dass die nächsten Monate schwierig werden könnten?

Foda: Nein. Ich werde natürlich bis zum Ende versuchen, noch einmal einen Titel zu holen – eventuell im Cup oder vielleicht den Meistertitel zu verteidigen. Wenn alle Spieler an Bord sind, wir eine gute Vorbereitung machen und alle Spieler topfit sind, dann bin ich der Überzeugung, dass wir ganz vorne mitspielen können und werden. Was die Spielerverträge angeht ist es so, dass Andi Hölzl verlängert hat. Roman Kienast will noch warten. Ansonsten hat der Verein alle Möglichkeiten, denn es gibt sieben, acht Spieler, auf die wir eine Option haben. Der Verein kann also jederzeit entscheiden, welche Spieler er haben will und welche nicht. Insofern ist absolut eine Basis gelegt, da wird es keine Probleme geben.

LAOLA1: Das heißt, sie glauben, dass Sturm auch nach Ihrem Abgang gut dastehen wird?

Foda (schmunzelt): Das ist doch ganz normal! Es ist ja nicht so, dass ich den Verein geführt hätte. Ich habe ja nur die sportlichen Belange gemacht, und da waren wir sehr erfolgreich. Aber die Erde dreht sich weiter, es ging auch nach Osim weiter und es geht auch nach Foda weiter. Da mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Sturm ist ein Verein, der gut aufgestellt ist. Natürlich gibt es einige Dinge, die man verbessern kann oder muss. Aber ansonsten ist es ein toller Verein. Auch bei der Trainersuche wird es keine Probleme geben, weil Sturm Graz ein geiler Verein ist. Die Trainer werden sich darum reißen, hier einen Job zu kriegen.

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