"Wollen Pascal nicht zerstören"

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"Ein Austria-Torhüter steht in einem anderen Fokus"

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Austria-Torhüter Pascal Grünwald erlebt in diesen Tagen die Schattenseiten des Geschäfts.

Nach einem schweren Schnitzer in Kapfenberg, der zum 2:2-Ausgleich führte und den Veilchen schlussendlich den Sieg kostete, hagelt es Kritik.

Kritik, die immer lauter wird, denn es war nicht das erste Mal in dieser Saison, dass der 28-Jährige patzte. Zuletzt häuften sich die Unsicherheiten.

Probleme bei hohen Bällen, schlechtes Stellungsspiel und Konzentrationsschwächen zogen sich wie ein roter Faden durch sein Spiel.

Chefcoach Karl Daxbacher macht kein Hehl daraus, dass er mit dem Gedanken spielt, einen Tormannwechsel durchzuführen um Heinz Lindner eine Chance zu geben.

"Ich bin nicht einer, der einen nach einem Fehler sofort verdammt. Aber letztendlich zählt auch bei Tormännern das Leistungsprinzip - und wenn die Leistung nicht stimmt, muss man handeln“, wird der Niederösterreicher zitiert.

Für Grünwald könnten also schwere Zeiten anbrechen – und das nur knapp einen Monat nach seinem Debüt im ÖFB-Team.

Im LAOLA1-Interview spricht FAK-Tormanntrainer Franz Gruber über die jüngste Pannen-Show im Tor und versucht sich an einer Ursachenforschung.

LAOLA1: Herr Gruber, wie beurteilen sie als Tormanntrainer den Auftritt von Pascal Grünwald in Kapfenberg?

Franz Gruber: Pascal hat natürlich keine glückliche Figur abgeben. Die Umstände waren aber auch nicht optimal. Angefangen hat alles mit der unglücklichen Rückgabe von Manuel Ortlechner. Es kam zum Missverständnis zwischen Georg Margreitter und unserem Torwart. Das war bitter für alle drei Beteiligten. Als Torhüter schaut man in so einer Situation nicht gut aus. Beim zweiten Gegentreffer bringt er sich in eine missliche Lage, weil er im Tor bleiben hätte müssen.

LAOLA1: Was sagt Pascal zu den Ereignissen?

Gruber: Er war selbstverständlich alles andere als erfreut über seine Leistung. Durch die Gegentore wurden seine davor erbrachten Taten geschmälert: Der Freistoß von Spirk, der Kopfball von Ordos. Es ist aber klar, dass Pascal als Torhüter der Austria und des ÖFB-Teams in einem anderen Fokus steht. Jeder kleinste Fehler erhält eine andere Bewertung.

LAOLA1: Wird es Konsequenzen geben?

Gruber: Wir müssen das Spiel genau analysieren. Ich denke, dass er trotz der Patzer kein schlechterer Tormann ist, als er es davor war. Man darf nicht vergessen, dass er in vielen Spielen ein starker Rückhalt war. Wir sind auch dank seiner Leistungen in die Gruppenphase der Europa League gekommen. Über die Saison gesehen, haben ganz klar die positiven Taten überwogen. Dass er in einigen Situationen nicht gut ausgesehen hat, wissen wir auch. Wir wollen diese Fehler abstellen. Es liegt schlussendlich aber an ihm, ob er aus dem Tor kommt, ob er Risiko nimmt, oder nicht. Wenn man dann in einer Phase steckt, wo einem das Glück nicht hold ist, gehen solche Dinge halt schief.

LAOLA1: Zuletzt häuften sich seine Unsicherheiten. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Gruber: Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass Pascal ein sehr guter Torhüter ist. Ich kann nicht genau sagen, warum sich seit ein paar Wochen immer wieder Fehler einschleichen. Ich kann nicht in den Menschen hineinsehen. Seine Trainingsleistungen waren immer sehr gut, sonst hätte er auch nicht das Einser-Leiberl. Sportlich und menschlich wird ihm ein gutes Umfeld geboten. Wir werden jedenfalls schauen, dass wir ihn auch mental wieder auf die Höhe bringen.

LAOLA1: Nach der Kapfenberg-Partie werden die Stimmen lauter, die Heinz Lindner im Kasten fordern…

Gruber: So etwas ist nichts Neues. Das gab es auch schon in der Vergangenheit. Das komplette Trainerteam wird die Sachlage analysieren, schlussendlich entscheidet Chefcoach Karl Daxbacher. Man muss schauen, was das Beste für den Verein ist. Auf der anderen Seite muss man aber auch auf den Spieler eingehen, schließlich wollen wir ihn nicht „zerstören“.  Wir haben zwei sehr gute Torhüter. Pascal spielt im A-Team, Heinz im U21-Team.

LAOLA1: Wäre es für den Spieler Grünwald fatal, ihn nach so einem Match zu „eliminieren“, anstatt ihm die Möglichkeit zu geben, seine Fehler wieder auszubessern?

Gruber: Natürlich muss man auch auf ihn schauen. Meine Meinung ist, dass man etwas Ruhe einkehren lassen und dann eine sachliche Entscheidung treffen sollte. Das ist aber nur ein Wunschgedanke, weil das heutzutage nicht mehr möglich ist, da die Medienlandschaft so ein Thema natürlich sofort aufgreift und ausschlägt. Heutzutage wird ein Match dank TV und Internet in ein Vielfaches zerlegt. Man kann sich eine Szene sofort ansehen, über Fehler öffentlich diskutieren.

LAOLA1: Der Kampf ums Einserleiberl war schon vor den Unsicherheiten von Pascal Grünwald sehr ausgeglichen. Wie nah ist Heinz Lindner dran?

Gruber: Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das war es immer. Jeder einzelne  hat seine Stärken und seine Schwächen. Man darf aber nicht vergessen, dass Pascal in Wien schon jetzt fast so viele Spiele bestritten hat, wie in einer kompletten Saison in Innsbruck. Das darf man nicht außer Acht lassen. Es sollte aber keine Ausrede sein, weil sich Pascal bewusst dieser Herausforderung gestellt hat.

LAOLA1: Das heißt, es ist bei Pascal auch eine Kopfsache…

Gruber: Natürlich. Es ist quasi im Drei-Tages-Rhythmus ein Match. Und er muss jedes Mal voll da sein. Das geht an die Substanz. Noch dazu bekommt er bei der Austria nur drei Schüsse zu halten und die sollte er auch halten. In Tirol hatte er ein Match in sieben Tagen und bekam zehn Bälle zu halten. Da war einfach die Wahrscheinlichkeit größer, um gut auszusehen.

LAOLA1: Böse Zungen könnten also behaupten, Pascal kann mit dem Druck nicht umgehen…

Gruber: Klar ist der Druck in Wien viel größer. Das zeigen ja auch diverse Wechsel von Spielern zu Austria, Rapid oder auch Salzburg. Sobald man sich auf ein höheres Niveau begibt, ist es eine gewaltige Umstellung. Das heißt nicht, dass der Spieler kein Niveau hat, sondern dass sich die Anzahl und Intensität der Spiele einfach ändert. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass es zu einer leichten geistigen Abnützung kommt. Das ist aber rein spekulativ. Und Fehler passieren überall. Man braucht nur nach Deutschland schauen. Manuel Neuer hat sich in den ersten Spielen für die Bayern nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Da hat jeder gesagt: Was will der in München? Mittlerweile ist er enorm stabil, hat nur vier Gegentore bekommen. 

LAOLA1: Und man darf nicht vergessen, dass ein Tormann-Fehler einfach viel gravierender auffällt, als ein grober Schnitzer eines Mittelfelfspielers…

Gruber: So ist es, keine Frage. Wir hatten in Kapfenberg  ja auch genug Möglichkeiten, um das Match vorzeitig zu entscheiden. Dann passiert so ein Fehler, wie beim 2:2. Ich denke aber, Pascal ist so intelligent, dass er den Fehler verarbeiten kann. Wir werden ihn dabei unterstützen.

LAOLA1: Was sagt Ihr persönliches Bauchgefühl: Für welchen Torhüter wird sich Karl Daxbacher am Donnerstag gegen Alkmaar entscheiden?

Gruber:  Wir haben heute kurz darüber diskutiert. Wir werden jetzt zwei Nächte darüber schlafen und am Vortag des Spiels eine Entscheidung treffen.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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