Der gefühlte Neuzugang

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"Ich habe mir viele Gedanken gemacht!"

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Ende August wird Red Bull Salzburg einen weiteren Neuzugang bekommen.

Einen gefühlten Neuzugang zumindest.

Denn Douglas da Silva kehrt nach seiner schweren Verletzung in rund drei Wochen ins Mannschaftstraining zurück.

Im Winter von Hapoel Tel Aviv für 2,6 Millionen Euro gekommen, zog sich der Brasilianer just im letzten Testspiel gegen Slovan Liberec einen Kreuzbandriss zu.

Mehr als sechs Monate später will der 27-Jährige nun endlich zeigen, wieso er den "Bullen" so viel Geld wert war.

Beim Interview-Termin mit LAOLA1 hat da Silva über seine schwere Zeit, die Veränderungen unter Moniz, die bösen Anschuldigungen eines Ex-Teamkollegens und die Fantasie WM gesprochen.

LAOLA1: Douglas, du bist seit Monaten in der Reha. Wie geht es dir nach deinem Kreuzbandriss?

Douglas da Silva: Es wird langsam wieder. Ich bin jeden Tag in Thalgau und trainiere hart. Vor drei Tagen konnte ich zum ersten Mal am Platz trainieren.

LAOLA1: Wie hart waren die letzten Wochen für dich?

Da Silva: Es war die härteste Zeit in meiner Karriere. Ich habe lange Zeit alleine trainieren müssen, konnte das Team nicht richtig kennen lernen. Es war sehr hart für mich. Aber in den letzten zwei Monaten habe ich viele Fortschritte gemacht, das gibt mir viel Kraft. Ende August will ich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

LAOLA1: War das deine erste große Verletzung?

Da Silva: Nicht nur meine erste große, sondern meine erste Verletzung überhaupt. Ich hatte nicht einmal kleinere Blessuren. Aber es kommt so wie es kommen muss. Ich glaube an Gott und daran, dass alles einen Sinn hat. Ich musste eben noch härter trainieren, um wieder zurückzukommen.

LAOLA1:
Du hast dich ausgerechnet im letzten Testspiel des Winters verletzt.

Da Silva: Das war enorm bitter. Salzburg hat viel Geld für mich bezahlt und auch dringend einen Verteidiger gebraucht. Und dann verletze ich mich ausgerechnet vor meinem ersten Pflichtspiel. Ich habe mir nach der Verletzung viele Gedanken gemacht – es war nicht einfach. Aber jeder im Klub hat mir Mut zugesprochen: „Wir warten auf dich, wir brauchen dich.“ Diese Worte haben mir sehr geholfen.

LAOLA1: Wer hat dir in dieser schwierigen Zeit speziell geholfen? Wer aus der Mannschaft war für dich da?

Da Silva: Alan ist einer meiner besten Freunde, aber auch der Rest der Mannschaft ist wirklich toll. Leider habe ich durch meine Reha nicht so viel Zeit mit dem Team verbracht. Trotzdem muss ich sagen, dass die Atmosphäre im Klub wirklich hervorragend ist. Bei uns gibt es keine Miesmacher oder Eigenbrötler. Das muss auch unser Erfolgsrezept sein – wir müssen wie eine Familie sein.

LAOLA1: Mittlerweile sind einige Brasilianer in Salzburg. Dürfen sich die Fans Zauber-Fußball erhoffen?

Da Silva: Wir haben enorm viel Potenzial in der Mannschaft, jedoch darf man nicht vergessen, dass wir erst am Anfang stehen. Derzeit haben wir noch zu viele Schwankungen. Aber keine Sorge: Moniz wird das hinbekommen, er ist ein guter Trainer. Er gibt einen guten Weg vor. Und er wird die Qual der Wahl haben, wenn alle Spieler wieder fit sind.

LAOLA1:
Könnte dieses Luxusproblem zum echten Problem werden?

Da Silva:
Das denke ich nicht. Wir kämpfen ganz fair und sauber um unsere Plätze. Das ist als Sportler auch unsere Aufgabe. Jeder will spielen, es gibt aber nur elf Plätze am Feld. Trotzdem respektieren wir einander. Es ist ein gesunder Konkurrenzkampf, bei dem jeder profitiert.

LAOLA1: Du hast zwar noch kein Spiel in der Bundesliga gespielt, aber schon viele gesehen. Wie ist deine Meinung zum österreichischen Fußball?

Da Silva: Er unterscheidet sich klar vom israelischen Fußball – so viel kann ich schon mal sagen. In Israel wollen auch die kleineren Teams Fußball spielen. Wenn ein Außenseiter gegen Hapoel antreten musste, hat er trotzdem offensiv gespielt. Die Klubs in Israel wollen immer gewinnen und den Zuschauern beweisen, dass sie mithalten können.

LAOLA1: Und in Österreich?

Da Silva: Ganz ehrlich? Das habe ich da noch nicht gesehen. Klubs wie Mattersburg stellen sich mit zehn Mann hinten rein und warten auf einen entscheidenden Konter. Sie kommen nach Salzburg, wollen aber keinen Fußball spielen. Das ist nicht schön anzuschauen. Fußball ist ein Spiel, wo elf gegen elf spielen. Du musst einfach versuchen mitzuhalten. Das CL-Spiel Barcelona gegen Inter damals war auch fürchterlich anzuschauen.

LAOLA1: Warum aber hast du den Schritt nach Österreich gewagt? Mangelte es an anderen Angeboten?

Da Silva: Für mich ist Red Bull ein großer Klub. Du spielst jedes Jahr um Titel und hast auch die Chance, dich international präsentieren zu können. Shechter und Vermouth sind beispielsweise zu Kaiserslautern gegangen. Das mag ein guter Schritt sein, aber sie spielen weder in der Champions League, noch in der Europa League und werden das wahrscheinlich auch nächstes Jahr nicht machen. Ich will Titel sammeln und in der Champions League spielen. In Salzburg habe ich jedes Jahr die Chance, das zu realisieren.

LAOLA1: Du bist schon früh nach Israel gewechselt. Nicht unbedingt der übliche Weg für einen Brasilianer.

Da Silva: Ja, ich bin mit 19 nach Israel gekommen. Ich habe mich in Brasilien schnell etabliert, aber bei Ferroviaria hat der neue Coach nicht auf mich gebaut, also musste ich gehen. Anfangs war ich von Israel nicht begeistert, aber meine Familie hat mich ermutigt, den Schritt zu machen. Ich wollte – anders als andere Brasilianer – gar nicht nach Europa. Als ich dann dort war, war alles perfekt. Vor allem bei Hapoel hatte ich eine gute Zeit. Wir haben Titel gewonnen, in der Europa League und in der Champions League gespielt.

LAOLA1: Warum dann der Wechsel, wenn eigentlich alles perfekt war?

Da Silva: Ich habe einfach zu lange in dieser Liga gespielt. Es war Zeit für eine Veränderung. Als Red Bull angefragt hat, musste ich nicht lange überlegen. Salzburg war die beste Option.

LAOLA1: Du bist im Jänner noch unter Trainer Stevens und Sportdirektor Beiersdorfer gekommen. Was hat sich seitdem bei Salzburg verändert?

Da Silva: Stevens war auch ein guter Trainer, das darf man nicht vergessen. Aber das Team war in einer schlechten Phase und hat nicht überzeugt. Dann entsteht dieses Schneeball-Prinzip: Es wird immer größer und du kannst es nicht mehr aufhalten. Der Klub hat dann eine normale Entscheidung getroffen. Und Moniz macht seine Sache sehr gut.

LAOLA1: Was macht er anders?

Da Silva: Er lässt anders spielen. Mal ehrlich: Die Fans kommen doch wegen Spieler wie Alan oder Leonardo ins Stadion. Sie sorgen für die speziellen Momente. Die Zuschauer müssen das Spiel genießen können. Moniz arbeitet daran, dass wir das umsetzen können. Aber selbst Barcelona kann gegen eine 10-Mann-Abwehrmauer nicht richtig Fußball spielen. Und noch eine Sache hat Moniz verändert.

LAOLA1: Und zwar?

Da Silva: Er hat einen Mann ins Team zurückgebracht: Alan. Für mich ist er der beste Spieler in der österreichischen Liga. Jetzt hat er auch wieder Selbstvertrauen – das hat ihm Moniz gegeben. Unter Stevens hat er in 23 Spielen ein Tor erzielt, unter Moniz in neun Partien zehn geschossen. Er ist wieder glücklich. Das ist der entscheidende Punkt für mich. Es zeigt auch die Qualität eines Trainers, wenn er Spieler wieder nach oben bringt.

LAOLA1: Du gerätst bei Moniz ja fast ins Schwärmen.

Da Silva: Er kommt auch bei allen Spielern extrem gut an. Und das sage ich jetzt nicht nur, weil das ein Interview ist. Er redet mit dir wie ein Freund, nicht wie ein Chef. Er schreit nicht mit dir, sondern erkärt dir Sachen ganz normal. Die Spieler wollen auch für ihn gewinnen. Das kann nur passieren, wenn das Team den Trainer mag.

LAOLA1: Wenn du dir eine Liga aussuchen könntest, welche wäre das?

Da Silva: Die spanische Liga. Ich glaube, die Primera Division und auch die deutsche Bundesliga würden gut zu mir passen. In Deutschland ist auch die Zuschauer-Kulisse beeindruckend.

LAOLA1: Also ist Salzburg nur ein Zwischenschritt?

Da Silva: Das ist derzeit schwer zu sagen. Wie gesagt: Ich kann in Salzburg meine Ziele verwirklichen. Und jetzt denke ich sowieso nicht an einen anderen Klub. Ich will zuerst in Salzburg meine eigene Geschichte schreiben, eine gute Geschichte. In ein paar Jahren kann man immer noch andere Überlegungen anstellen.

LAOLA1: Du galtst in Israel als bester Verteidiger. Was zeichnet dich aus?

Da Silva: Ich glaube, meine größte Stärke ist meine Schnelligkeit. Außerdem bin ich in der Luft stark. Das hat sich auch auf meine Torstatistik ausgewirkt (lacht). Bei Hapoel habe ich in zweieinhalb Jahren 17 Tore erzielt – darunter auch Tore in der Champions League und Europa League. Jetzt will ich auch in Salzburg zeigen, dass ich ein Leader bin.

LAOLA1: In drei Jahren findet die WM in Brasilien statt. Hast du das Heimturnier im Hinterkopf?

Da Silva: Nein. Ich habe lange in Israel gespielt, dort stehst du nicht in der Auslage. Hätte ich in Deutschland gespielt, wäre die Situation vielleicht anders. Aber ich fantasiere nicht. Ich kann nur realistische Ziele erreichen. Vielleicht kaufe ich mir eine Box und schaue die Spiele im Fernsehen an (schmunzelt).

LAOLA1: Kehrst du nach deiner Karriere in die Heimat zurück oder kannst du dir ein normales Leben in Europa vorstellen?

Da Silva:
Das kann ich ganz klar beantworten: Nach meiner Karriere gehe ich definitiv nach Brasilien zurück. Ich habe ein schönes Haus in meiner Heimatstadt und meine ganze Familie in der Umgebung. Für kein Geld der Welt würde ich das aufgeben. Dort bin ich geboren, dort will ich auch sterben.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

LAOLA1: Apropos Geschichte: Negative Schlagzeilen gab es, als du nach Salzburg gewechselt bist. Man hat versucht, dich zu erpressen. Ist diese Sache endgültig abgeschlossen?

Da Silva: Ja, diese Geschichte ist abgeschlossen. Es gab einige blöde Gerüchte, die mein Ex-Teamkamerad über mich verbreitet hatte. Er war einer meiner besten Freunde, wir kannten uns schon aus Brasilien. Danach haben wir mit unseren Familien auch sehr viel gemacht, bis er einen anderen Weg gegangen ist.

LAOLA1: Welchen Weg?

Da Silva: Er wurde spielsüchtig, hat viel Geld verloren und auch Drogen genommen. Ich habe dann schon ein Jahr vor meinem Wechsel zu Salzburg den Kontakt abgebrochen. Als ich dann zu Red Bull gegangen bin, habe ich plötzlich Anrufe von ihm erhalten. Er sagte: „Ich brauche Geld, ich habe dir immer geholfen. Wenn du es mir nicht gibst, bekommst du Probleme.“

LAOLA1: Was hast du gemacht?

Da Silva: Das Richtige. Ich habe mich nicht einschüchtern lassen, sondern bin direkt zur Polizei gegangen. Die hat dann einen Weg gefunden. Er ist jetzt im Gefängnis und ich in Salzburg. Es gab dutzende Untersuchungen, alles wurde kontrolliert: Mein Telefon, mein Konto, alles. Sie haben nichts gefunden, weil es nichts gab. Er hat dann noch viele Unwahrheiten erzählt. Ich hätte Spiele verkauft – so ein Bullshit!

LAOLA1: Bei diesen Anschuldigungen bleibt aber leider immer ein fahler Beigeschmack zurück.

Da Silva: Ja, aber diese Anschuldigungen waren aus der Luft gegriffen. Die UEFA hat mich kontrolliert, die Polizei ebenfalls – ich war immer ganz entspannt, weil es nichts zu verstecken gab. Ich würde für meine Klubs sterben und solche Dinge nie machen. Fußball ist mein Job! Da kann ich nicht meine Fans und meine Familie verkaufen.

LAOLA1: Wie hart war diese Zeit trotzdem für dich?

Da Silva: Sie war irgendwie hart und irgendwie auch nicht. Weil ich wusste, dass mir nichts passieren konnte. Ich war relaxed. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich in jedem Spiel alles gegeben habe. Die Fans haben mich immer gemocht und mögen mich auch nach wie vor. Es wäre für mich unmöglich, Spiele zu verkaufen.

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