Dibon: "Es ist wichtig, dass man am Boden bleibt"

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Sehnsüchtig beobachtet Christopher Dibon seine Kollegen, die gegen den Ball treten, während er nach seinem Wadenbeinbruch in der Kraftkammer schwitzt.

Zu gerne würde er die Leidenszeit hinter sich lassen und noch einmal für seinen Stammverein Admira auflaufen. Doch die Zeit läuft ihm davon, schließlich entschied sich der 21-Jährige ab Sommer das Trikot von RB Salzburg zu tragen.

Eine Entscheidung, die dem ÖFB-Teamspieler nicht leicht fiel, jedoch gut überlegt ist. „Wenn ich nicht von mir überzeugt wäre, hätte ich den Schritt nicht machen dürfen. Ich habe ein gutes Selbstbewusstsein und stelle mich der Herausforderung“, so Dibon im Gespräch mit LAOLA1.

Trotz seines raketenhaften Aufstiegs verleiht ihm Red Bull vorerst keine Flügel.

LAOLA1: Die wichtigste Frage zu Beginn: Wie geht es dir gesundheitlich?

Christopher Dibon: Ich bin mit dem Heilungsprozess bis jetzt sehr zufrieden. Alle zwei Wochen werden Kontrollröntgen gemacht. Es schaut sehr gut aus, ich bin voll im Plan und guter Dinge, dass ich bald mit dem Lauftraining anfangen und hart an meinem Comeback arbeiten kann.

LAOLA1: Was hast du schon hinter dir, was steht noch bevor?

Dibon: Ich bin momentan sehr viel in der Kraftkammer, mache sehr viel Physiotherapie und gebe dort gescheit Gas. Der nächste Schritt ist dann das Lauftraining und das Training mit dem Ball. Ich freue mich dann schon wieder auf die Kugel.

LAOLA1: Wie anstrengend ist der Weg zurück in den Alltag?

Dibon: Es ist natürlich sehr mühsam, überhaupt, wenn man öfters von der Tribüne zuschauen muss. Das ist dann schon bitter. Dementsprechend freue ich mich schon, wenn ich wieder auf dem Platz stehen kann.

LAOLA1: Wadenbeinbruch mit 20 Jahren. Wie schwer war das zu verdauen, nachdem es zuletzt mit Admira, U21 und A-Team nur bergauf gegangen ist?

Dibon: Verletzungen gehören leider zum Fußball dazu. Es war aber „nur“ ein Wadenbeinbruch, also ein Knochenbruch der normal verheilen sollte und nicht die Bänder. Deshalb werde ich das ganz gut drüberbringen. Ich schaue eigentlich schon wieder nach vorne und denke nur an das Positive.

LAOLA1: War es trotzdem auch eine mentale Herausforderung?

Dibon: Ich war von Anfang an der Meinung, dass ich das Bestmögliche daraus mache. So was kann auch was Positives mit sich bringen, auch wenn es blöd ist, nicht auf dem Platz stehen zu können. Ich habe die Zeit aber anderweitig genützt. Ich denke, das war auch ein bisschen hilfreich. Ich habe versucht weiterzutrainieren und am Comeback zu arbeiten. Jetzt ist die heiße Phase, wo ich weiterhin Gas geben will und mich schon langsam auf das nächste Spiel vorbereite. Die Herausforderung ist, so schnell wie möglich wieder mit dem Ball trainieren zu können. Darauf freue ich mich sehr.

LAOLA1: Kann man ausschließen, dass du noch einmal für die Admira aufläufst?

Dibon: In erster Linie zählt natürlich, dass ich Anfang der nächsten Saison wieder voll angreifen kann. Alles, was früher ist, wäre ein Zuckerl. Es schaut nicht gut aus, dass ich diese Saison noch einmal spielen kann. Es hätte mich natürlich gefreut, noch einmal für die Admira auflaufen zu können. Aber zum jetzigen Zeitpunkt schaut es nicht danach aus.

LAOLA1: Du hattest dadurch viel Zeit, über deine Zukunft nachzudenken. Wie froh bist du, dass das erledigt ist?

Dibon: Sicher bin ich froh, dass meine Entscheidung gefallen ist. Ich glaube auch, dass es die richtige ist. Ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht. Es war wichtig, dass einmal eine Entscheidung da ist, dass alle Bescheid wissen und man sich darauf vorbereiten kann.

LAOLA1: Wie groß war der Druck, sich zwischen Großklubs zu entscheiden?

Dibon: Es ist natürlich auch eine Ehre, wenn ein paar Klubs hinter dir her sind. Es war sicher keine ganz leichte Entscheidung, aber ich habe alles miteinander abgewogen und mich schlussendlich für Salzburg entschieden.

LAOLA1: Durch deinen Aufstieg ist viel auf dich eingeprasselt. Wie hast du das aufgenommen?

Dibon: Ich bin eigentlich ganz locker damit umgegangen. Ich habe versucht, am Platz meine Leistung abzurufen und immer alles zu geben. Es ist natürlich schön, wenn das dann auch andere Klubs respektieren und Interesse zeigen.

LAOLA1: Ist es eine Charakterfrage, trotz allem nicht abzuheben?

Dibon: Ich glaube, dass es wichtig ist als junger Spieler, dass man trotzdem am Boden bleibt und immer weiter Gas gibt und sich etwas erarbeitet. Es gibt immer etwas zu verbessern und das versuche ich jeden Tag.

LAOLA1: Was waren die Gründe, warum du dich für Salzburg entschieden hast?

Dibon: Das Umfeld in Salzburg ist einfach einzigartig in Österreich. Die Herausforderung ist es, in einer sehr guten Mannschaft zu spielen und nach Titeln zu greifen. Das ist eine Riesensache, deshalb auch der Schritt nach Salzburg. Es war einfach super, wie sie sich während meiner Verletzungszeit um mich gekümmert haben, mich unbedingt haben wollten und mir mitgeteilt haben, wie man sich das mit mir vorstellt. Da habe ich gemerkt, dass es das Richtige für mich ist.

LAOLA1: War es am Ende nur eine Entscheidung zwischen Salzburg und Rapid?

Dibon: Die Austria war auch ein Thema, aber Rapid und Salzburg waren in der Endabrechnung. Schlussendlich habe ich mich für Salzburg entschieden.

LAOLA1: Viele junge Spieler haben es in Salzburg nicht geschafft. Hat das in deinen Überlegungen eine Rolle gespielt?

Dibon: Wenn ich nicht von mir überzeugt wäre, hätte ich den Schritt nicht machen dürfen. Ich habe ein gutes Selbstbewusstsein und stelle mich der Herausforderung. Ich weiß auch, dass es dort genug Konkurrenz um den Platz als Innenverteidiger gibt. Aber ich glaube, dass es dich als junger Spieler weiterbringt, wenn du in jedem Training gefordert bist und immer Gas geben musst. Auf das freue ich mich riesig.

LAOLA1: Du hast dich bei der Admira von der Jugend hochgearbeitet. Welchen Stellenwert hat der Klub für dich?

Dibon: Ich habe der Admira sehr viel zu verdanken. Ich bin auch in den schlechten Zeiten bei der Admira geblieben, das war auch der richtige Schritt damals. Ich bin jede Leistungsstufe durchlaufen, habe mich kontinuierlich weiterentwickeln können und habe mit dem ein oder anderen Trainer Glück gehabt, dass er mich forciert hat. Es ist einfach mein Jugendverein, mein Herz wird immer da mitkicken. Ich bin froh, dass ich hier den Aufstieg zu den Profis geschafft habe. Trotzdem war es für mich der richtige Zeitpunkt, den nächsten Schritt zu setzen.

LAOLA1: Welchen Anteil hat Trainer Didi Kühbauer an deinem Aufstieg?

Dibon: Er hat sicher auch einen riesigen Anteil. Ich habe unter ihm die Position Innenverteidiger ganz anders interpretieren können. Ich bin ein sehr offensiver Verteidiger, will immer mitten im Spielgeschehen dabei sein. Das habe ich unter dem Trainer forcieren können und es hat mir irrsinnigen Spaß gemacht.

LAOLA1: Wird es für dich eine große Umstellung, erstmals weit weg von daheim zu sein?

Dibon: Es ist sicher eine Herausforderung und eine Umstellung, aber auf die freue ich mich. Es ist einmal was anderes. Und Salzburg ist ja nicht allzuweit weg von daheim. Die Freundin wird mitkommen, das heißt, ich bin eh nicht ganz alleine. Und man kennt ja doch sehr viele Spieler von Salzburg, wie Jantscher, Hierländer oder Hinteregger aus den Nachwuchsnationalteams. Die eine oder andere Information hat man sich schon geholt. Auch Schwab, Ouedraogo oder Jezek haben mir einige Tipps gegeben. Die haben mir sehr gut zugesprochen. Somit werde ich das schon meistern.

LAOLA1: Inwieweit siehst du RBS als Sprungbrett für eine internationale Karriere?

Dibon: Salzburg ist eines der Aushängeschilder in Österreich. Es ist eine sehr große Bühne, auf der man sich präsentieren kann. Man muss die Chance nützen, aber das kann man nur mit guten Leistungen. Es geht einfach nur über gute Trainings- und Matchleistungen, wie bei jedem Verein. Man muss sich immer voll ins Zeug werfen, das werde ich vom ersten Tag an machen.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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