Er will doch nur spielen

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Wolf:
Ich habe eigentlich gleich alles mobilisiert, damit ich irgendwo unterkomme. Ganz am Anfang hatte ich auch zwei Angebote aus der Ersten Liga. Aber die waren unmoralisch und nicht das, was ich unbedingt machen wollte.  Da habe ich noch geglaubt, dass etwas Besseres kommt, aber dem war leider nicht so.

LAOLA1: Woran hat es ihrer Meinung nach gelegen, dass es nicht geklappt hat?

Wolf: Mein Hauptproblem in Österreich ist, dass mich die Leute nur als Zehner kennen. Dabei habe ich in Italien auch Sechser oder Achter gespielt, aber das wurde damals nicht so verfolgt. Der Legionärs-Check von LAOLA1 ist damals gerade rausgekommen, aber da hat man nur gesehen ob ich gespielt habe oder nicht, aber nicht auf welcher Position. Und für einen Zehner, der offensiv und kreativ wirken soll, habe ich in den zwei Jahren zu wenig Tore geschossen.

LAOLA1: Viele Vereine müssen sparen und sagen sich: Für das Geld, das mich ein gestandener Profi kostet, kriege ich drei Junge aus der Akademie. Wie haben Sie das erlebt?

Wolf: Klar, die Vereine haben nicht mehr so viel Geld. Ein gestandener Spieler kostet natürlich mehr, wie in jedem anderen Beruf auch. Also hoffen sie, dass sich ein Junger entwickelt, ein paar Spiele macht und dann vielleicht verkauft werden kann. Früher hat es ein junger Spieler viel schwerer gehabt. Damals waren 80 Prozent erfahrene und 20 Prozent junge Spieler. Heute ist es umgekehrt.

LAOLA1: Um als arbeits- oder vertragsloser Spieler auch nach dem Ende der Transferzeit wechseln zu können, muss man beim AMS gemeldet sein. Wie fühlt man sich, wenn man dort das erste Mal aufs Arbeitsamt geht?

Wolf: Es war mir peinlich dort in der Schlange zu stehen und hat mich extrem viel Überwindung gekostet. Aber ich wusste schon damals, dass es nur eine Phase ist und nicht für immer. Und ich bin froh, dass es für Menschen ohne Einkommen diese Absicherung gibt. Aber angenehm ist es nicht.

LAOLA1: Wie haben die Ex-Kollegen reagiert, wenn man sich getroffen hat?

Wolf: Ich habe viele Spieler getroffen und die Reaktion war eigentlich immer dieselbe: Keiner hat meine Situation verstanden, warum ich keinen Verein gefunden habe. Ob das ernstgemeint war oder nicht, sei dahin gestellt. Fakt ist: Jeder hofft, dass er nicht in diese Situation kommt.

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