"Diese zwei Spiele sind nicht unser Level"

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„Ich finde das nicht richtig, dass man sich so auf ihn einschießt!“

AG-Vorstand Thomas Parits kann im LAOLA1-Interview nicht verstehen, warum die Austria-Fans den Kopf von Trainer Ivica Vastic fordern.

Dass sie unzufrieden sind, ist für ihn hingegen nachvollziehbar. Das ist der Burgenländer nämlich auch.

„Ja, wir haben den Fußball, der von uns phasenweise im Herbst zu sehen war, im Frühjahr noch nicht gezeigt“, sagt der 65-Jährige. Dennoch ist er von seiner Entscheidung, Karl Daxbacher vor die Tür zu setzen, überzeugt.

LAOLA1: Wie haben Sie in der Nacht nach dem 0:2 in Mattersburg geschlafen?

Thomas Parits: Nicht gut. Ich war wirklich enttäuscht – über die Niederlage und unser Auftreten. Wir hatten einen rabenschwarzen Tag.

LAOLA1: Die Spieler haben nach dem Spiel das Hauptproblem in der Offensive gesehen. Trainer Ivica Vastic wiederum hat gemeint, dass das Spiel in der Defensive verloren gegangen ist. Was meinen Sie?

Parits: Wir haben bei beiden Toren mitgeholfen, uns nicht sehr geschickt angestellt. Das waren Geschenke. Schließlich hatten wir aber in 90 Minuten keine einzige Torchance. Man kann das nicht trennen. Wir sind in den letzten Spielen hinten sehr kompakt gestanden, haben keine Fehler gemacht. Mit dem Toreschießen hatten wir davor auch schon Probleme. Ich habe geglaubt, dass wir in Mattersburg befreiter aufspielen. Wir haben aber wenig gebracht. So kannst du nicht gewinnen.

LAOLA1: Auch wenn die Enttäuschung nach der Niederlage im Burgenland groß ist: Bis dahin war die Austria die beste Frühjahrs-Mannschaft. Wie sind Sie mit dem Frühjahr allgemein zufrieden?

Parits: Ich bin nicht zufrieden. Wir haben einige Punkte liegen gelassen – etwa gegen Kapfenberg und in Wiener Neustadt. Wir haben davon profitiert, dass die anderen auch nicht besser waren.

Parits steht zu seinem Trainer

LAOLA1: In letzter Zeit hat man von Neuzugängen immer wieder gehört, dass sie sich für die Austria entschieden haben, weil dort wirklich schöner Fußball gespielt wird. Dieses Argument können Sie aktuell nicht bringen. Stellt Sie das vor Probleme?

Parits: Nein, überhaupt nicht. Diese zwei Spiele sind nicht unser Level. Ja, wir haben den Fußball, der von uns phasenweise im Herbst zu sehen war, im Frühjahr noch nicht gezeigt. Aber wir haben gegen die Admira nicht schlecht gespielt, hatten in Innsbruck einige Torchancen.

LAOLA1: Warum sind Sie nach wie vor davon überzeugt, dass der Trainerwechsel richtig war?

Parits: Wir sind mit vier Punkten Rückstand ins Frühjahr gestartet und haben gepunktet. Ich bin davon überzeugt, dass das die richtige Entscheidung war. Ich hoffe, dass wir jetzt in die richtige Spur kommen und gegen unsere unmittelbaren Konkurrenten punkten. Ich wiederhole: Wir sind trotz dieser Schwäche immer noch im Rennen.

LAOLA1: Ein Thema, das bei der Austria seit Frühjahrsbeginn mitspielt, ist Roland Linz. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2013. Wie wird seine Zukunft aussehen?

Parits: Er hat eine Woche nicht mit der Mannschaft trainiert, weil er verletzt ist. Wenn er wieder fit ist, liegt es in der Hand des Trainers, ob er ihn aufstellt. Das ist seine Sache. Wenn er der Meinung ist, dass er noch nicht soweit ist und ihn deswegen nicht aufstellt, muss man das akzeptieren.

LAOLA1: Gibt es schon Klubs, die bei Ihnen angeklopft haben, um zu fragen, ob Linz im Sommer zu haben ist?

Parits: Nein, es gibt noch keine Anfragen. Es geht im Fußball sehr schnell. Wenn er im Training einen guten Lauf hat und ein paar Tore macht, ist alles möglich. Ich sehe das Thema noch nicht für beendet.


Das Gespräch führte Harald Prantl

LAOLA1: Es gab im Herbst schon schlimmere Schwächephasen als die aktuelle. Damals hat man von den Fans nie „Daxbacher raus!“-Rufe gehört. Jetzt wird nach zwei schlechten Ergebnissen Vastic‘ Kopf gefordert. Können Sie sich das erklären?

Parits: Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich verstehe, dass die Fans nach solchen Leistungen sauer sind. Ich war das ja auch. Aber ich kann es nicht befürworten, dass „Vastic raus!“ gerufen wird. Ich weiß nicht, wo sich das aufgestaut hat, aus welchem Eck das kommt, dass ihm Prügel vor die Beine geworfen werden. Ich finde das nicht richtig, dass man sich so auf ihn einschießt. Ich betone: Wir haben einen Vertrag mit Ivo. Und wenn wir uns für einen europäischen Bewerb qualifizieren, dann verlängert sich der. Wir haben einem jungen Trainer diese Chance gegeben. Andererseits müssen die Erfolge natürlich kommen.

LAOLA1: Glauben Sie, dass es vielleicht ein Mitgrund ist, dass bei der Austria seit jeher schöner Fußball gefordert wird? Es scheint fast so, als wäre es den Fans lieber, in Schönheit zu sterben, als effektiv, aber unattraktiv zu spielen…

Parits: Ich verstehe Ihren Gedankengang schon. Aber im Profigeschäft sind die Erfolge halt auch wichtig. Wir haben uns als Ziel gesetzt, unter die ersten Drei zu kommen. Und wir sind noch oben dabei, spielen auch noch im Cup mit. Uns ist aber bewusst: Wenn wir so spielen wie in Mattersburg, werden wir unsere Ziele nicht erreichen. Ich bin tausendprozentig überzeugt, dass die Mannschaft mehr Qualität hat, als sie aktuell zeigt.

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