"Man muss alles halten, um gut auszusehen"

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Der Tormann-Job kann ein denkbar undankbarer sein.

Macht man seine Sache gut, wird es als selbstverständlich angesehen. Im Rampenlicht stehen meistens dennoch andere Mannschaftskollegen.

Doch wehe es passiert einmal ein grober Fehler. Erst dann sind einem Schlagzeilen sicher – wenn auch im negativen Sinn.

Patrick Tischler ist im Herbst zwar kein fataler Schnitzer unterlaufen, wirklich überzeugen konnte der Admira-Goalie aber nicht.

Mit nur 53,2 Prozent gehaltener Torschüsse ist der 24-Jährige statistisch gesehen der schlechteste Torwart der Liga. Praktisch jeder zweiter Torschuss landet im Netz.

„Meine Leistung war sicher nicht überragend. Die eine oder andere Situation hätte ich besser lösen können – keine Frage“, ist der Niederösterreicher auch selbstkritisch.

Im LAOLA-Interview blickt Tischler auf sein Bundesliga-Debüt zurück, spricht über den Abgang von Hans-Peter Berger und erklärt, warum er keinen Wert auf die Statistik legt.

LAOLA1: Nach dem Abgang von Hans-Peter Berger hast du das Duell um die Einserposition praktisch kampflos zu deinen Gunsten entschieden. Glücklich darüber?

Patrick Tischler: Ich möchte mich nicht als klare Nummer eins sehen. Im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Ich muss weiterhin Gas geben und hoffe, dass ich mit guten Leistungen überzeugen kann. Ich möchte dem Hansi auf diesem Weg  auch alles Gute für seine Zukunft wünschen.

LAOLA1: Wie sehr hat dich der Abgang von Berger überrascht?

Tischler: Es ist schon sehr überraschend gekommen. Es hat eigentlich davor keine Anzeichen gegeben, dass er den Klub verlassen will. Von heute auf morgen ist dann die Info über seinen Wechsel gekommen. Wir haben danach lange miteinander telefoniert. In dem Gespräch hat er mir mitgeteilt, dass er diesen Schritt einfach machen muss.

LAOLA1: Wie würdest du euer Verhältnis beschreiben. Gab es Probleme, nachdem du ihn verdrängt hast?

Tischler: Wir hatten immer ein gutes, fast schon freundschaftliches Verhältnis. Das war so, als er gespielt hat, und als ich zum Zug gekommen bin, genauso. Natürlich war er zunächst enttäuscht, aber er hat sich nie hängen lassen und super trainiert. Dass es hin und wieder kleinere „Reibereien“ gegeben hat, gehört dazu und zeigt, wie ehrgeizig wir beide sind.

LAOLA1: Fehlt dir jetzt etwas der Konkurrenz-Kampf, schließlich wurde auch kein neuer Tormann verpflichtet?

Tischler: Nein, denn auch unsere Jungen leisten tolle Arbeit und drängen sich im Training auf. Man bekommt ihre Leistungssteigerung auch mit. Ich muss jedenfalls auf mich schauen und meine Performance bringen. Man darf sich als Fußballer nie sicher sein. Ich finde es auch super, dass der Verein auf die junge Linie setzt.

LAOLA1: Du hast in dieser Saison dein Debüt in der Bundesliga gegeben. Bist du mit deinen Leistungen im Herbst zufrieden?

Tischler: Es war okay. Man darf nicht vergessen, dass ich lange keine Pflichtspiele absolviert habe. Mir ist kein grober Schnitzer unterlaufen, aber es war sicher nicht überragend. Die eine oder andere Situation hätte ich besser lösen können – keine Frage.

LAOLA1: Wirfst du ab und zu einen Blick auf die Statistik?

Tischler: Eigentlich nicht. Sie wird aber wahrscheinlich nicht gut aussehen, da es am Anfang für mich nicht viele Bälle zu halten gegeben hat. Wenn dann einmal ein Schuss gekommen ist, war es meistens auch ein Tor. Oft macht man alles richtig und der Gegner schießt daneben. Das sieht man halt auch nicht. Als Tormann muss man einfach seinen Kasten sauber halten, um gut auszusehen.

LAOLA1: Die Statistik führt dich als „schlechtesten“ Tormann der Liga. Fast jeder zweite Schuss landet im Netz. Ärgert dich diese Wertung?

Tischler: Nein. Unsere Abwehr lässt eben nicht viele Chancen zu. Bei dem einen oder anderen Gegentor habe ich – wie schon erwähnt – nicht gut ausgesehen. Vielleicht läuft es im Frühjahr jetzt besser.

LAOLA1: Schlussendlich gewinnt und verliert man als Mannschaft. Sogesehen ist es auch ein Lob für die Verteidigung, die wenig zulässt…

Tischler: Selbstverständlich. Wir wollen alle am liebsten immer zu null spielen. Im Endeffekt zählt nur der Sieg.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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