"Schön, dass ich solche noch halten kann"

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Mittwoch, 13. März 2013, kurz nach 19 Uhr.

Während in Rom weißer Rauch die auf den Papst wartenden Katholiken in Entzückung versetzte, tat dies zum selben Zeitpunkt Jürgen Macho im Nachtragsspiel seiner Admira gegen Red Bull Salzburg.

Der Torwart mutierte zum „Heiland“ der Niederösterreicher, als er nach dem Ausgleich seiner Mannschaft erst gegen Sadio Mane und vor allem dann gegen Valon Berisha in höchster Not rettete.

Tolle Paraden gegen Salzburg

Seine Paraden erlöste die Admira vom Heimfluch, nach sechs Niederlagen en suite durfte mit dem 1:1 gegen den glasklaren Favoriten aus der Mozartstadt endlich wieder ein Punkt bejubelt werden.

Die Wahl Machos als neuen Admira-Tormann zahlt sich sukzessive aus.

„Für solche Aktionen haben wir ihn geholt. Eigentlich hatte er nicht viel zu halten. Aber dann, wenn man ihn braucht, ist er da“, freute sich auch sein Coach Didi Kühbauer über die Performance.

Im LAOLA1-Interview spricht Jürgen Macho über die ersten Spiele nach seinem Comeback nach über einem Jahr Pause, seine Zukunft und das Duell mit seinem Herzensklub Rapid.

LAOLA1: Was war am Mittwoch überraschender, dass ein Lateinamerikaner zum Papst gewählt wurde oder dass ihr einen Punkt gegen Salzburg geholt habt?

Jürgen Macho: Das eine konnte ich nicht beeinflussen, das andere teilweise. Am Mittwoch ist sicherlich weißer Rauch in den 90 Minuten aufgestiegen. Dieser Punktgewinn war wichtig und auf den wollen wir aufbauen. Man hat gesehen, was mit Einsatz, Wille und Moral möglich ist. Nämlich gegen eine Salzburger Mannschaft, wo im Vorfeld nur darüber gesprochen wurde, dass sie herkommt und gewinnt .Wir haben gut dagegengehalten, dieser Zähler kann für uns im Kampf gegen den Abstieg noch sehr wichtig sein.

LAOLA1: Mit der Defensivleistung konnte man wohl sehr zufrieden sein, oder?

Macho: Selbstverständlich. Salzburg hatte nur zwei, drei gute Möglichkeiten, wir sind sehr kompakt gestanden. Wir hatten einige Ausfälle zu verkraften, die für uns wichtige Spieler in dieser Situation darstellen. Jene, die in die Mannschaft gekommen sind, haben ihren Job gemacht und so soll es im Endeffekt sein. Wir haben einen großen Kader und da müssen andere in die Bresche springen. Das hat gegen Salzburg gut funktioniert.

LAOLA1: Du selbst hast eine sehr gute Leistung abgeliefert und kurz vor der Pause etwa eine hundertprozentige Chance von Berisha noch zunichte gemacht. Das muss gut tun.

Macho: Natürlich, das sind die Momente, worauf du täglich hintrainierst, wo du die Mannschaft vor einem Rückstand bewahrst. Es war wichtig, dass wir mit einem Unentschieden in die Pause gegangen sind. Ein 2:1 hätte Salzburg sehr in die Karten gespielt. Und persönlich ist es schön, zu sehen, dass man solche Bälle noch halten kann.

LAOLA1: Über die Sinnhaftigkeit des Comebacks braucht man wohl nun nicht mehr diskutieren.

Macho: Es war klar, dass es nicht von Anfang an reibungslos funktionieren würde, weil ich eben lange Zeit nicht gespielt habe. Ich habe Zeit gebraucht, um reinzukommen, fühle mich jetzt aber ganz gut. Das Wichtigste ist, dass ich spiele, auf der Wiese zu stehen und wieder das auszuüben, was Spaß macht. Wir wussten, es ist keine Zeit da, der Kampf gegen den Abstieg ist beinhart, es muss gleich funktionieren und ich versuche mein Bestes, so der Mannschaft zu helfen.

LAOLA1: Merkst du, dass deine Vorderleute einen Routinier wie dich brauchen?

Macho: Ich denke, das war auch der Hauptgedanke hinsichtlich meiner Verpflichtung. Nämlich, dass ich in gewissen Situationen der Mannschaft einen Halt gebe. Wir haben zum Teil sehr junge Spieler, die noch wenig Erfahrung in der Bundesliga gesammelt haben. Es ist ganz einfach mein Job, der sichere Rückhalt zu sein, sodass sie den Rücken frei haben und nach vorne spielen können. Das versuche ich zu tun, aber ich muss natürlich auf mich schauen, denn nur wenn meine Leistung passt, kann ich etwas weitergeben.

LAOLA1: Muss man mit dieser Mannschaft einfach oben bleiben?

Macho: Das war und ist in jedem Fall mein Ziel. Ich wusste vor Antritt, dass die Situation schwierig ist, aber schwierige Situationen hatte ich genügend in meinem Leben und diese auch gemeistert. Deswegen habe ich mich mit dem Thema Abstieg auch nicht so richtig befasst. Du kannst ohnehin nur durch harte Arbeit und Leistung hier herauskommen. Man hört immer „Abstieg“ und „unten drinnen“, aber es hilft dir ohnehin nichts, wenn du mit der Situation haderst. Du musst so wie gegen Salzburg vorgehen, auch wenn du im Vorfeld als Zweiter gesehen wirst. Man sieht was mit Kampfgeist möglich ist, so muss es auch die restlichen Spiele sein.

LAOLA1: Wie wird deine Zukunft aussehen?

Macho: Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich gegen Ende der Meisterschaft oder erst danach eine Entscheidung treffen werde, in welche Richtung es gehen wird. Das kommt auf mein Befinden an, wie mein Körper auf die Belastungen reagiert, wie der Allgemeinzustand ist. Es stehen noch elf Runden aus, bis dahin zählt nur das, was am Platz passiert. Danach werden wir alles besprechen.

LAOLA1: Nun wartet das Duell im Hanappi-Stadion gegen Rapid. Wie sehr freust du dich darauf?

Macho: Es ist auf jeden Fall schön, wieder dorthin zurückzukommen. Wenngleich wir punkten müssen, egal gegen wen, wo und wie. Es ist sozusagen ein Spiel wie jedes andere, für mich vielleicht etwas spezieller. Nichtsdestoweniger möchte ich etwas mitnehmen, das ist ganz klar.

LAOLA1: Rapid ist das schlechteste Frühjahrsteam. Wie siehst du die aktuelle Situation?

Macho: Natürlich habe ich eine Meinung dazu, aber die habe ich exklusiv für mich. Bei einem Verein wie Rapid gibt es viele Leute, die viel erzählen, viel sagen und viel machen. Ich will einfach nicht so sein. Jeder kann über die Situation nachdenken, aber ich habe hier bei der Admira genug zu tun, als dass ich mich noch um andere Vereine kümmern müsste. Ich hoffe, dass es besser wird, aber natürlich erst nach unserem Spiel.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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