LAOLA1: Philosophie oder Spieler – was war vorher da?

Hütter: Wir haben eines gemacht und zwar eine erfolgreiche Mannschaft trotz allem wieder verändert. Weil ich gewusst habe, wie ich spielen will. Das hätte ich auch bei einem Verbleib in der Ersten Liga so gemacht. Ich betrachte den internationalen Fußball. Da sehe ich einfach, dass die Mannschaften nach vorne verteidigen, Pressing spielen, in Ballnähe Überzahl schaffen und mit hoher Laufbereitschaft viel bewegen. Das ist mein Ansatz und deswegen gibt es auch Anforderungsprofile für Spieler. Die haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten geholt und dann wurde die Spielanlage ihnen schon aufs Auge gedrückt und nicht umgekehrt.

LAOLA1: Die beiden Salzburger Mannschaften in der Bundesliga spielen ähnlich – und liegen vorne.

Hütter: Auf der einen Seite ist das bei Salzburg keine Überraschung. Sie haben die Möglichkeiten, aber auch tolle Spieler geholt. Sie wussten ganz genau, was sie wollten. Sie haben eine tolle Spielanlage, ich habe mir das öfters angeschaut und habe auch versucht, das eine oder andere bei unserer Mannschaft zu adaptieren. Dass wir Zweiter sind, ist aber sicherlich eine Überraschung.

LAOLA1: Oder ging einfach der Plan auf?

Hütter: Wichtig ist in erster Linie, dass man einen hat. Für mich ist das sowieso das Allerwichtigste. Wir müssen wissen, was wir tun. Das soll nicht auf Zufall aufgebaut sein und deswegen ist es auch kein Zufall, dass wir erfolgreich sind. Aber dass wir nach 19 Runden mit 31 Punkten Zweiter sind, das ist schon eine Überraschung. Der WAC hatte nach der vergangenen Saison als Aufsteiger 47 Punkte, Sturm hat es mit 48 in den Europacup geschafft. Von dem her sind wir ganz gut unterwegs. Es ist als Aufsteiger auch so, dass du die Sieger-Mentalität mitnimmst. Dazu kommen der Überraschungseffekt sowie die neue Herausforderung, in der Bundesliga mitspielen zu wollen. Das hat die Mannschaft beeindruckend gemacht und wir haben uns auch nie nach Niederlagen aus der Bahn werfen lassen. Das muss man als Trainer auch können, nämlich das Team sofort wieder in die Erfolgsspur zurückzubekommen. Da muss man auch hart und konsequent sein.

LAOLA1: Nach der Causa Taboga wurden in vier Spielen drei Siege eingefahren.

Hütter: Diese Reaktion ist absolut bewundernswert, denn eine sportliche Krise hatten wir ja nie. Das 3:0 gegen Ried mit einer Abwehr, die im Durchschnitt 19,4 Jahre alt war, war für mich eine Sensation. Zuvor war es so, dass etwas gekommen ist, was für uns alle ein Schock war. Die Enttäuschung und Verunsicherung war riesig. Wir haben uns mit Dingen auseinandersetzen müssen, die nicht üblich sind. Und die erste Woche war kritisch. Keiner hat gewusst, was da passiert ist. Es war eine menschliche Enttäuschung da, weil Dominique (Taboga) für viele ein Top-Profi war. Und das war für die Burschen einfach dann mehr als ein Schock, für die Trainer genauso. Die erste Woche war unangenehm, es haben ein paar Spieler wie Zulechner (A-Team) oder Tschernegg (U21) gefehlt. Und meine Aufgabe war dann, aus dem enormen Gegenwind einen Rückenwind zu machen. Wir haben einen Workshop gemacht, den ich gar nicht näher ausführen will, aber wir haben alles angesprochen: Was sind die Chancen, was sind die Risiken? Die Mannschaft hat eine „Jetzt-Erst-Recht-Mentalität“ entwickelt, weil viele in einen Topf geworfen wurden, in den sie gar nicht gehören. Wir haben das auch generell ganz gut getrennt. Christian Haas hat sich ausschließlich um die Causa Taboga gekümmert, ich ums Sportliche. Das war eine Riesenherausforderung, die es zu bewältigen gab. Das haben wir, glaube ich, sehr professionell gemacht – wie ein Großklub.

LAOLA1: Wie haben Sie die Tage, als die Geschichte aufkam, persönlich erlebt?

Hütter: Gleich wie alle anderen. Keiner denkt ja daran, dass so etwas passieren kann. Wenn man viele Spiele verliert und komische Fehler sieht, dann kann man einmal darüber nachdenken, dass etwas nicht passt. Aber wir sind mit zehn Punkten Vorsprung Meister geworden, sind toll in die Bundesliga gestartet und da habe ich nie damit gerechnet, dass da auch nur irgendetwas sein könnte. So waren der Schock und die Enttäuschung riesengroß. Man denkt nach und sieht Situationen plötzlich anders, man denkt weiter und weiter, aber irgendwann macht das einen verrückt. Man kann es nicht gleich abhaken, ist selbst total angeknackst und die persönliche Enttäuschung ist riesig. Auf der anderen Seite hast du aber genügend damit zu tun, die Mannschaft wieder aufzurichten und vorzubereiten. Wir haben aber viele richtige Worte gefunden. Die Angst war bei den Spielern auch da, keiner wollte einen Fehler machen, so dass wieder geredet worden wäre. Aber Angst ist hemmend und es war mir wichtig, diese wegzubekommen. Wir haben auch die Chance gesehen, die so etwas Negatives bietet.

LAOLA1: Offensichtlich hat Taboga Ihr Vertrauen missbraucht. Ist das für Sie das Schmerzlichste?

Hütter: In erster Linie: Es ist noch nichts bewiesen, dass muss grundsätzlich einmal gesagt werden. Aber man ist als Trainer enttäuscht, weil man einem Spieler Vertrauen entgegenbringt und das so ausgenützt wird. Man kann es aber auch nie wissen, dass man ein schwarzes Schaf hat. Wichtig war, dass wir uns gleich danach getrennt haben. Sportlich gesehen habe ich ihm noch zuvor gesagt, dass er unter mir keine Minute mehr spielt. Das war es für mich. Danach hatte nur noch Christian Haas hinsichtlich des Auflösung des Vertrags mit ihm zu tun, sonst hatte keiner mehr mit ihm Kontakt. Im Team haben wir ihn gedanklich eliminiert. Ich selbst wollte damit auch gar nichts mehr zu tun haben.

LAOLA1: Ist Thomas Zündel blöd in die Sache hineingeschlittert?

Hütter: Vom Gefühl her ja, aber ich kann es nicht genau sagen. Ich kann es auch bei Dominique nicht sagen. Die Wahrheit kennen nur die beiden. Für Thomas Zündel tut es mir leid, weil er vielleicht in etwas hineingeraten ist, das er gar nicht wollte und er womöglich ein Bauernopfer war. Fakt ist, wir haben auch hier die Reißleine gezogen. Es ist schade, weil er sich von einem durchschnittlichen Zweitliga-Kicker zu einem sehr guten Bundesliga-Spieler entwickelte. Mehr will ich dazu nicht sagen.

LAOLA1: Sprechen wir über etwas Positives: Philipp Zulechner.

Hütter: Ich habe ihn von den RB Juniors gekannt, wo er auf der Seite gespielt hat, mir auf dieser Position aber nicht so gefiel. In Horn hat er eine tolle Entwicklung genommen. Gegen uns hat er vergangene Saison auch getroffen, insgesamt in der Saison elf Mal. Das hat mir imponiert, zumal er auch ein Mann geworden ist. Er ist unangenehm zu spielen und passte auch in mein System. Wir haben im Sommer viel trainiert, da hatte er noch einen Hänger. Wir haben weitere Stürmer wie Tomi und Sigurdsson geholt und am Anfang der Saison war er auf der Bank. Dann kam das Spiel, als er als Joker zwei Tore zum 2:0 gegen Sturm erzielte. Die nächsten Spiele hat er wieder nicht von Beginn an gespielt, dennoch getroffen. Ab Runde 5 spielte er von Beginn weg, traf gegen den WAC und ab da ging es dahin. Er hat sich top entwickelt und ist für unser Spiel prädestiniert. Er hat einen guten Zug aufs Tor, arbeitet gut gegen den Ball, hat das Näschen und bewegt sich auch gut. Vom Typ her ist er bescheiden und introvertiert. Sein Torjubel ist auch anders als andere. Highlight ist sicher seine Einberufung ins ÖFB-Team. Das ist auch das Produkt des Teams, er und Tschernegg (U21) wurden zusätzlich belohnt.

LAOLA1: Was würden Sie Zulechner hinsichtlich seiner Zukunft raten?

Hütter: Der nächste Schritt ist immer entscheidend. Es geht für ihn irgendwann darum, einen Verein, eine Mannschaft, einen Trainer zu finden, die ihn unbedingt haben wollen. Die Spielanlage muss ähnlich sein wie unsere, denn Passivität ist nichts für ihn. Ich glaube auch, der Trainer muss für ihn passen. Philipp ist keiner, mit dem man immer sprechen muss. Er akzeptiert Entscheidungen, befindet sie als nachvollziehbar und geht nicht auf Konfrontation, weil er 15 Mal traf. Er ist ein gescheiter Bursch.

LAOLA1: Ist er für den nächsten Schritt bereit?

Hütter: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Das ist nicht immer einfach. Für uns ist es eine Medaille mit zwei Seiten: Er hat 15 Tore geschossen und könnte vielleicht noch auf 25 kommen. Auf der anderen Seite wäre es auch insofern okay, wenn wir ihn verlieren, weil es dem Verein auch Geld bringt (Vertrag bis 2014 plus Option, Anm.). Grödig war ja bislang immer nur der Verein, der geholt hat. Wir sind mittlerweile ein Ausbildungsverein geworden und es muss der Weg sein, dass wir Spieler auch verkaufen. Das wäre für alle Seiten auch etwas Positives. Und wenn das Gesamtpaket passt, dann sage ich ja, sofern der Spieler das natürlich auch will. Er muss jetzt nicht, er kann, wenn es passt.

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