Woche der Entscheidung

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„Für uns ist jede Woche spannend, diese aber besonders“, sagt Günter Kreissl.

Der Manager des SC Wiener Neustadt spricht über einen Brief, den rund 36.000 Wiener Neustädter in ihren Postkästen gefunden haben.

Darin ruft die Stadt vom 27. bis 31. Oktober zu einem BürgerInnenvotum auf.

Die konkrete Frage: „Soll die Stadt Wiener Neustadt – im Interesse der allgemeinen Sportförderung, der Gesundheit sowie der Kinder und Jugendlichen – gemeinsam mit dem Land NÖ an der Bundesstraße 54 eine mehrfunktionale, modular ausbaubare Sportanlage errichten?“

Ein gewaltiger Sprung nach vorne

Wie der ansässige Bundesliga-Klub zu dieser Frage steht, liegt auf der Hand. „Natürlich sind wir dafür. Wir als Verein wünschen uns eine neue Anlage“, sagt Kreissl.

Wer die Gegebenheiten im aktuellen Stadion kennt, dem ist bewusst, dass ein neues Stadion einen gewaltigen Sprung nach vorne bedeuten würde.

Die Pläne der neuen Anlage sind sehr konkret. „Aber es gibt sie in verschiedenen Ausführungen. Das hängt dann vom Budget ab“, erklärt Kreissl.

Konkrete Pläne

Eine Gesamtkapazität zwischen 5.000 und 8.000 Plätzen sei angedacht. Eine überdachte Haupttribüne würde 3.000 Menschen Platz bieten, zudem sollen in dieser Tribüne ein VIP-Klub, eine Vereins-Geschäftsstelle und die Kabinen untergebracht sein.

Doch damit nicht genug. Eine Leichtathletikanlage, mehrere Trainingsplätze, darunter zumindest ein Kunstrasenplatz, Kegelbahnen, eine Walking- und Bewegungsstrecke sowie mehrere Plätze für Beachvolleyball, Streetsoccer, etc. sind ebenfalls geplant. Sportstadtrat Horst Karas spricht in „WNTV“ von einem „Freiraum für den Breitensport“.

Vor allem die Trainingsplätze würden die Lage zahlreicher Sportvereine der Stadt wesentlich verbessern. Nicht zuletzt jene des SCWN. Aktuell trainieren die Kicker nämlich im burgenländischen Steinbrunn. „Für mich ist das ein unhaltbarer Zustand“, sagt Karas.

Nachwuchs-Länderspiele angedacht

Kreissl ergänzt: „Es geht nicht nur um die Kampfmannschaft, sondern um den gesamten Verein – wir haben sehr viele Kinder in den Nachwuchsteams. Wenn man Profis, Amateure, Damen und Nachwuchs zusammenzählt, besteht unser Verein aus fast 300 Aktiven. Das sind 300 junge Menschen, für die es gesellschaftspolitisch absolut erfreulich wäre, wenn sie bessere Bedingungen hätten.“

Bürgermeister Bernhard Müller (l.) und Sportstadtrat Horst Karas

Der ÖFB hat bereits seine Bereitschaft erklärt, künftig Nachwuchs-Länderspiele in Wiener Neustadt auszutragen, sollte das Projekt realisiert werden.

Sollten die Pläne an der B54 umgesetzt werden, „würden noch 70.000 Quadratmeter übrig bleiben“, so Karas. Es werde angedacht, diese Fläche entweder zu einem Bauland umzuwidmen, um Betriebe anzusiedeln oder ein Festival-Gelände daraus zu machen.

Die Frage der Finanzierung

Die wichtigste Frage ist aber noch ungeklärt: Wie soll die neue Anlage finanziert werden? Laut Karas würde das Projekt „nach ersten Schätzungen ca. neun bis zehn Millionen Euro“ kosten.

„Nachdem uns das Sportministerium finanziell nicht unterstützen wird und eine Drittelfinanzierung abgelehnt hat, planen wir, das richtungsweisende Projekt nun – im Interesse des Sports, der Gesundheit sowie unserer Jugendlichen und Kinder – gemeinsam mit dem Land NÖ umzusetzen“, so Bürgermeister Bernhard Müller.

„Das der Bund die Relevanz dieser Anlage nicht anerkennt, ist für mich nicht ganz verständlich“, ärgert sich Karas.

Die Stadt selbst will einen Teil des Geldes durch den Verkauf des aktuellen Stadions aufstellen. „Das ist ein wertvolles Bauland mitten in der Stadt. Dort würde man heute nie mehr ein Stadion hinbauen. Mit diesem Erlös könnten wir einen beträchtlichen finanziellen Anteil einer neuen, mehrfunktionalen Sportanlage bereitstellen“, ist sich Müller sicher.

„Ein neues Stadion entfacht immer Euphorie“

Kreissl selbst ist ein wenig skeptisch: „Gewisse Zeichen machen nicht wahnsinnig viel Mut. Der Bund sagt, er ist nicht dabei. Das Land sagt, die Finanzierung wird nicht über ein Drittel der Kosten hinausgehen. Es ist denkbar, dass das Projekt realisiert wird, aber es steht ein großes Fragezeichen hinter dem Projekt.“

Was eine neue Heimstätte für den Bundesliga-Klub bedeuten würde, ist ihm klar: „Ein neues Stadion entfacht immer eine neue Euphorie. Es macht schon ein anderes Bild, wenn du einen Sponsor in einen neuen VIP-Klub, der in eine Tribüne integriert ist, einladen kannst. Jetzt gehen wir mit ihm in ein Partyzelt, das zwar schön hergerichtet, aber natürlich damit nicht vergleichbar ist.“

Die Bundesliga-Richtlinien

Sollte sich die Wiener Neustädter Bevölkerung gegen die Sportanlage entscheiden, müsste ins aktuelle Stadion investiert werden, um auch künftig den Bundesliga-Richtlinien zu entsprechen.

Da wäre etwa der Einbau einer Rasenheizung, die im neuen Stadion freilich vorgesehen wäre. Laut Kreissl würde es zwischen 500.000 und einer Million Euro kosten, eine solche im alten Stadion, das 2015 seinen 60. Geburtstag feiert, zu installieren. Außerdem fehlen 200-300 überdachte Sitzplätze, die ebenfalls geschaffen werden müssten.

SCWN-Manager Günter Kreissl: "Wir haben uns mit Plan B beschäftigt"

„Wir rechnen derzeit mit einem Investitionsvolumen von um die 3 Millionen Euro, um dieses alte Stadion weiterhin bundesligatauglich zu machen“, sagt Karas.

Kreissl sieht das ein wenig anders: „Die Mindestkosten, um die Bundesliga-Kriterien zu erfüllen, sind sicher geringer. Wenn man daraus aber halbwegs etwas machen will, um gut da zu stehen und nicht nur unbedingt notwendige Dinge zu flicken, kostet das dann ein wenig mehr. Die drei Millionen Euro sind keine Untergrenze.“

„…dann könnten wir 2016 dort spielen“

Der SCWN ist jedenfalls vorbereitet, sollte das neue Stadion nicht gebaut werden: „Wir haben uns mit Plan B beschäftigt, haben Ideen. Wenn die Entscheidung gegen einen Neubau fällt, müssen wir sofort investieren und all unsere Energie in die Umsetzung von Plan B stecken.“

In dieser Woche müssen die Bürgerinnen und Bürger der Stadt entscheiden, wohin die Reise gehen soll. „Nur wenn es erstens ein klares JA der Bevölkerung gibt und wir zweitens das Land NÖ als wesentlichen Partner gewinnen können, ist eine Realisierung möglich“, verdeutlicht Bürgermeister Müller noch einmal.

Kreissl: „Die Politik erwartet sich definitiv ein positives Ergebnis. Sie ortet in der Gemeinschaft den Wunsch, dass das passiert. Wir als SC Wiener Neustadt würden uns freuen, wenn möglichst viele Bürger diese demokratische Möglichkeit nutzen.“

Sportstadtrat Karas blickt schon in die Zukunft: „Wenn das so, wie es sich darstellt, funktioniert, könnten wird 2016 die Bundesliga-Spiele schon in einem neuen Stadion abhalten.“

Der Weg dorthin ist aber noch weit.

Harald Prantl

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