Wr. Neustadt wartet auf den Minister

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Die Bürger in Wiener Neustadt haben Ja gesagt.

Ja zu einer neuen, mehrfunktionalen, modular ausbaubaren Sportanlage an der Bundesstraße 54.

Von den 36.075 stimmberechtigten BürgerInnen der niederösterreichischen Stadt haben 8.900 an dem Votum teilgenommen. 59,76 Prozent von ihnen haben sich für den Bau der Sportanlage ausgesprochen.

„Man denkt sich vielleicht, 25 Prozent Beteiligung sind nicht viel. Aber das ist ein herausragendes Votum. Es gibt kein Thema, das die Menschen mehr bewegt“, findet Bürgermeister Bernhard Müller.

Ein Ja auch vom Land NÖ

Doch das Okay der Bevölkerung ist erst ein kleiner Schritt. „Die Arbeit beginnt jetzt erst wirklich“, ist Sportstadtrat Horst Karas bewusst. Und es wir in erster Linie erneut Überzeugungsarbeit sein, die geleistet werden muss.

Denn die Finanzierung des Projekts (hier detaillierte Infos) ist bei weitem noch nicht in trockenen Tüchern. Zwar hat das Land Niederösterreich bereits zugesagt, finanzielle Unterstützung zu leisten – aktuell geht es um ein Drittel der Kosten des Stadions und 20 Prozent der Kosten für die weitere geplante sportliche Infrastruktur –, vom Bund gibt es aber noch keine positive Rückmeldung.

Warten auf einen Termin beim Minister

Genau an diesem Punkt setzen die Verantwortlichen an. „Wir versuchen seit ewigen Zeiten, einen Termin bei Sportminister Gerald Klug zu kriegen, prallen aber irgendwie wie an einer Gummimauer ab“, beschwert sich Finanzstadtrat Martin Weber.

Weber weiter: „Es kann nicht sein, dass Wiener Neustadt derartig mit Ignoranz bestraft wird. Der Sportminister ist am Zug, es liegt an ihm, sich zu bewegen. Er soll es zur Chefsache erklären.“

Gesamt Prozent
JA 5.319 59,76%
NEIN 3.538 39,75%
SONSTIGES 43 0,48%

Bürgermeister Müller (links) und Sportstadtrat Karas

Dass man in Wiener Neustadt aktuell grundsätzlich nicht allzu gut auf Klug zu sprechen ist, hat nicht zuletzt mit den auch die Stadt betreffenden Einsparungen, die im militärischen Bereich geplant sind, zu tun.

Bürgermeister Müller rechnet aber fest damit, beim Sportminister vorsprechen zu dürfen: „Ich kann garantieren, dass wir dort vorstellig werden.“

Das Stadion als Motor

Dass der zunächst notwendige Grundsatzbeschluss im Gemeinderat – er wird am 5. Dezember eingebracht – durchgeht, ist zu rechnen. Im Anschluss an das sehnlichst gewünschte Gespräch mit dem Sportministerium will man erneut mit dem Land Niederösterreich Kontakt aufnehmen.

„Wenn das Ministerium seinen Teil dazu beiträgt, ist die Sportanlage zu realisieren“, ist sich Weber jedenfalls sicher. Er spricht auch davon, dass Gespräche mit privaten Partnern „schon sehr weit“ seien.

Es wird damit gerechnet, dass die Kosten des Neubaus rund zehn Millionen Euro betragen – die konkrete Summe hängt von der letztlich umgesetzten Größe der Anlage ab. Hinzu kommen rund 3,7 Millionen Euro an infrastrukturellen Maßnahmen – Zufahrtsstraßen, etc.

Mit der Sportanlage soll das Gebiet an der B54 auch für die Industrie attraktiv werden. „Wir sehen dieses Projekt als Anker. Ein Stadion ist ein Motor, der mitzieht. Es ist die Chance auf einen großen Wurf“, ist sich der Bürgermeister sicher.

Fünf Millionen durch Verkauf des alten Stadions

Das bestehende Stadion, das 2015 seinen 60. Geburtstag feiert, soll verkauft werden, auf der Fläche würden neue Wohnungen entstehen.

„Wir erwarten uns von der Veräußerung fünf Millionen Euro“, so Müller, der von potenziellen Käufern, die ante portas stehen würden, berichtet. Mit den Einnahmen will die Stadt dann ihren Teil zur Finanzierung der neuen Sportanlage beitragen.

„Realisierung bis 2016 ist das Wunschziel“

„Da Wunschziel ist, die Anlage bis 2016 zu realisieren“, sagt Pressesprecher Rainer Spenger. Wenn es doch ein bisschen länger dauern würde, wäre die Bundesliga bereit, dem SC Wiener Neustadt, der in seiner aktuellen Heimstätte die künftigen Infrastruktur-Kriterien der Liga nicht erfüllt, entgegen zu kommen.

Zudem gibt es vom ÖFB eine schriftliche Zusage, in der geplanten Sportanlage die Heimspiele zumindest eines der Nachwuchs-Nationalteams auszutragen.

Dass die Sportanlage ohne bundesligataugliches Stadion umgesetzt wird, ist laut Müller „nicht denkbar“. „Dann müsste der SC Wiener Neustadt ja zusperren. Wir brauchen Vorbilder! Die Kinder reflektieren auf ein Bundesliga-Team“, so der Bürgermeister.

Doch bevor auch nur irgendetwas geschieht, muss sich zunächst das Sportministerium zu diesem Projekt bekennen. Müller selbst ist „vorsichtig optimistisch“.

Harald Prantl

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