Entgegen erster Selbstzweifel

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Neustadts Newcomer: "Muss sich schwer hinterfragen"

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Zwei Niederlagen in den ersten zwei Partien.

Die Überraschung hält sich in Grenzen, nachdem der SC Wiener Neustadt erst auswärts bei der SV Ried (1:3) und dann zu Hause gegen Double-Sieger Red Bull Salzburg (0:5) antreten musste.

Vor allem im Duell mit den "Bullen“ sehen die Niederösterreicher seit Jahren kein Land, feierten den letzten von zwei Siegen in der Saison 2010/11 oder vor 1248 Tagen.

„Es ist mir ein Rätsel“

In jener Spielzeit war es auch das letzte Mal, dass man zwei Tore gegen Salzburg erzielte. Dafür kassierte der SC in den letzten sechs Duellen unglaubliche 34 Treffer gegen den aktuellen Meister.

Am Samstag waren es deren fünf, und das obwohl man zwischen Minute 30 und 74 einen Mann mehr am Feld hatte. Doch nach der Pause kassierten die Gastgeber binnen acht Minuten drei Treffer.

Neustadts Newcomer und Abwehrchef Christian Deutschmann konnte sich das nach dem Spiel nicht wirklich erklären.

„Es ist mir ein Rätsel, denn wir haben uns in der Pause vorgenommen, dagegen zu halten und frecher nach vorne zu spielen, um die eine oder andere Chance herauszuspielen und vielleicht auszugleichen. Wir wollten das Spiel offen halten, kriegen aber schnell das 0:2, das 0:3 und 0:4. Dann geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Das haben wir – auch wenn es sich bei 0:5 blöd anhört – betrieben.“

Die neuen Welten für den neuen Abwehrchef

Der 26-Jährige ist der neue Abwehrchef der Wiener Neustädter. Deutschmann kam vom SC Kalsdorf aus der Regionalliga Mitte und lernte gleich einmal die harte Realität in Niederösterreich kennen.

„So eine Niederlage tut immer weh, egal gegen wen. Wir haben zwar ein paar Chancen gehabt, aber wir hätten auch höher verlieren können. Das ist noch bitterer, das sie uns da teilweise verschont haben“, musste sich der zerknirschte Verteidiger am Ende sogar „freuen“.

Deutschmann ist in der von Wr. Neustadt praktizierten Dreier- bzw. Fünferkette der Mann in der Mitte. Der Steirer spielte bislang nur Regionalliga und lernt nun ganz andere Welten kennen.

Vergangene Saison waren Spiele gegen den späteren Meister LASK das höchste der Gefühle bzw. ein 1:4 im Cup gegen Wacker Innsbruck, als Deutschmann noch im Herbst in Allerheiligen spielte.

Pfeifenberger setzte im WM-Finale auf Argentinien, die Haare wurden kürzer

„Ich bin zwar nach einer Niederlage wie dieser sauer, aber nicht down und resigniere nicht. Das machen auch die Spieler nicht. Wir haben auswärts gegen Ried und zu Hause gegen Red Bull gespielt, das sind schon Spiele, die man auch einmal verlieren kann. In Ried war es schon über weite Strecken sehr positiv und gegen Salzburg weht eben ein anderer Wind“, betont Pfeifenberger.

„Trotz allem SC“

Sportmanager Günter Kreissl, das „Mädchen für alles“ in Wiener Neustadt, bekräftigte als Moderator der Pressekonferenz nach dem Salzburg-Spiel: „Die Bundesliga selbst hat zuletzt ausgeschickt, dass binnen eines Jahres alle Vereine gegen Salzburg zumindest einmal mit vier Gegentoren Unterschied verloren haben. Es gibt nur eine Ausnahme, Sturm hat „nur“ 1:4 verloren.“

Die Niederösterreicher werden mit ihrer neuen Mannschaft ähnlich Zeit brauchen wie vergangene Saison, die schlussendlich mit dem ganz sicheren Klassenerhalt endete.

Darauf baut auch Deutschmann. „Ich hoffe, wir können in den nächsten Spielen beweisen, dass wir die Qualität für die Bundesliga haben.“

Der Slogan der Niederösterreicher, die als ewiger Abstiegskandidat gelten, heißt neuerdings passenderweise „Trotz allem SC“.  Also allen Unkenrufen zum Trotz.

 

Bernhard Kastler

„Es war schon gegen Ried eine andere Welt und gegen Salzburg war es noch einmal ganz etwas anderes. Wir haben gegen zwei aggressive Mannschaften gespielt, die sehr hoch verteidigen. Gegen solche Teams müssen wir einen Schlüssel finden, um zu Torchancen zu kommen und im Konter aber nicht anfällig zu sein, wenn wir mehrere Spieler in der Offensive haben“, plant Deutschmann.

Erste Selbstzweifel kommen auf

Der frühere GAK- und Leoben-Verteidiger hat sich mit der Bundesliga einen Traum erfüllt, geht dabei auch mit sich selbst hart ins Gericht und bejubelt nicht einfach den Fakt, Oberhaus-Spieler zu sein.

„Es ist sicher eine schöne Sache, aber wenn wir in zwei Spielen acht Gegentore bekommen und man Abwehrchef ist, dann muss man sich schwer hinterfragen, ob man die Qualität für die Bundesliga hat“, hegt der Neuzugang nach zwei absolvierten Partien erste Selbstzweifel.

Sein Trainer Heimo Pfeifenberger peppelt ihn indes wieder auf. „Ich habe überhaupt keine Bedenken, beim Deutschmann schon gar nicht. Das ist ein Leader. Es war erst seine zweite Partie in der Bundesliga und ich bin überzeugt, dass er das schafft und der Defensive Stabilität geben kann.“

Pfeifenberger resigniert nicht

Der 47-Jährige lobte nach der Salzburg-Partie seine eingesetzten neuen Spieler aus der Regionalliga.

„Alle drei haben für mich die beste Figur gemacht, Deutschmann, Ebenhofer und Tieber. Das muss man auch sehen und ihnen gratulieren. Von den anderen erwarte ich schon mehr, denn die haben schon Bundesliga gespielt“, so Pfeifenberger.

Grundsätzlich beruhigt der Coach die Situation. Auch vergangene Saison starteten die Blau-Weißen mit zwei Niederlagen, auch gegen Salzburg (1:5) und bei Rapid (0:4). Danach folgte ein 2:1 gegen den WAC.

Dieses Mal muss man im füheren Keller-Duell zu Sturm, wo man drei Mal in Folge auswärts gewinnen konnte.

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