Der historische Liga-Gipfel

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Es ist ein überraschender Liga-Gipfel, obwohl sich Fußball-Österreich schon länger an den Gedanken gewöhnen konnte.

Doch vor der Saison hatte wohl keiner auf der Rechnung, dass es am achten Spieltag beim Duell Wolfsberger AC und Red Bull Salzburg zum absoluten Liga-Schlager kommt.

Der Zweite aus Kärnten fordert den Ersten aus der Mozartstadt. Beide hatten vor dem Spieltag doppelt so viele Punkte wie der Dritte Rapid und jeweils die meisten Tore geschossen und die wenigsten erhalten.

Beide halten nach sieben Runden bei 18 Punkten, mussten aber nach einem furiosen Start mit sechs Erfolgen en suite vor der Länderspiel-Pause jeweils eine Niederlage einstecken.

Für das Spiel der Spiele aus Sicht der Wolfsberger ziehen die Kärntner erstmals in dieser Saison ins Wörthersee-Stadion um.

Kühbauer will den WAC erstmals an die Spitze führen

HISTORISCHE WAC-CHANCE

Sechs Siege in sieben Spielen zum Saison-Auftakt, doch Wolfsberg durfte nach einer kompletten Runde nie von der Tabellenspitze lachen. Zum einen, weil der FC Red Bull Salzburg bei selbiger Ausbeute mehr Tore erzielt hat, zum anderen, weil der WAC vor der Länderspiel-Pause die Gunst der Stunde nicht nutzte. Das Malmö-Drama zeigte beim Meister Wirkung, drei Tage später unterlag er Sturm zu Hause 2:3. Doch die Kärntner mussten sich ebenfalls zu Hause Wiener Neustadt 0:1 geschlagen geben. Nun bekommt man eine zweite Chance. Sollte der WAC sein Heimspiel gegen den Leader gewinnen, wären die "Wölfe" die erste Kärntner Mannschaft überhaupt, die sich Bundesliga-Leader nennen dürfte. "Es geht um die Tabellenführung, und wir werden alles daran setzen, um das zu schaffen", schickt Trainer Didi Kühbauer voraus. Salzburgs Stefan Ilsanker fühlt sich gewarnt: "Wir haben gewusst, dass der WAC heuer stark sein wird. Aber es ist dann doch überraschend, dass er so weit vorne ist und mit uns gemeinsam an der Tabellenspitze steht. Das wird also ein sehr schweres Spiel für uns." Salzburg ist übrigens seit Spieltag 1 der vergangenen Saison Leader, also nunmehr schon seit 43 Runden. Eine stolze Serie würde zu Ende gehen. Auswärts haben die "Bullen" diese Saison noch kein Tor erhalten.

WOLFSBERG WILL'S WISSEN

Für Kühbauer, der am 2. September sein Einjähriges als WAC-Trainer (Punkteschnitt: 1,65) feierte, ist glasklar: "Wir sind krasser Außenseiter. Wenn nur ein Spieler psychisch und physisch nicht auf der Höhe ist, wird es schwierig." Hütter streut seinem Gegenüber indes Rosen: "Sie haben nach sieben Runden 18 Punkte, das zeigt, dass sie eine hohe Qualität und einen guten Lauf haben. Sie haben eine gute Moral und eine gute Mischung zwischen kompakter Defensive und Umschalten in die Offensive. Aber wenn wir unsere Top-Leistung bringen, werden wir als Sieger vom Platz gehen." Nichtsdestoweniger konnte sich der WAC mangels Nationalteam-Spieler voll und ganz auf dieses absolute Top-Spiel vorbereiten. Der Game-Plan soll eine Mischung aus Malmö und Sturm werden, wie Manuel Kerhe gegenüber LAOLA1 verrät: "Natürlich müssen wir in die Zweikämpfe gehen und versuchen, ihnen die Schneid abzukaufen, aber ein Schlüssel ist auch, unsere Offensivaktionen gut fertigzuspielen."

Hütter will mit Salzburg zurück in die Erfolgsspur

QUO VADIS, SALZBURG?

Am Sonntag wird sich zeigen, ob die "Bullen" das Verpassen des großen Ziels Champions-League-Gruppenphase wirklich verkraftet und neue Motivation geschöpft haben. Die Mannschaft war nach dem klaren Aus in Malmö schwer gezeichnet, unterlag vor allem auch deswegen Sturm. Der Großteil der Spieler hatte mit der Länderspielpause eine absolut notwendige Abwechslung. Mit einem vollen Erfolg kamen allerdings nur der Däne Peter Ankersen (2:1 gegen Armenien) und der belgische U21-Teamspieler Massimo Bruno (6:0 auf Zypern) zurück, Peter Gulacsi unterlag mit Ungarn 1:2 zu Hause gegen Nordirland, Kevin Kampl mit Slowenien in Estland 0:1. Nun war Trainer Adi Hütter in den letzten Tagen gefragt, seine Mannschaft wieder in die richtige Richtung zu lenken. Zumal es die nächsten Spiele zumindest von den Namen her in sich haben: Sonntag der Liga-Gipfel, dann am Donnerstag Celtic in der Europa League sowie Austria (h) und Rapid (a) warten auf den Double-Sieger. Dazwischen muss auch noch Cup beim Wr. Sportklub gespielt werden. "Jetzt möchten wir so schnell wie möglich wieder in die Erfolgsspur zurück", weiß Hütter, wie wichtig ein Sieg in Klagenfurt wäre. Die Tabellenführung zu verlieren, würde die aktuell angespannte Situation vor dem Celtic-Spiel noch einmal drastisch verschärfen. Die Sturm-Partie ausgenommen waren die Salzburger bislang eine Klasse für sich in der Liga. Sonntag wird sich zeigen, ob es wieder so weitergeht.

DIE AUFSTELLUNG

Beide Trainer können auf das Gros ihrer Stammkräfte bauen, bei Salzburg fehlt weiterhin Andreas Ulmer nach seinem Bänderrriss im Schultergelenk. Peter Ankersen (Adduktoren) und Christian Schwegler (muskuläre Probleme) konnten zuletzt zwei Tage nicht trainieren, werden aber wohl aller Voraussicht nach auflaufen können. Ebenso wie Andre Ramalho, der in der Länderspielpause erkrankt war. Damit rechnet zumindest Kühbauer: "Wir gehen davon aus, auf die spielerisch und körperlich stärkste Salzburger Mannschaft zu treffen." Das könnte auch sein Gegenüber Adi Hütter behaupten. Kühbauer kann sich dabei leisten, seinen Top-Torschützen Christopher Wernitznig (4) auf die Bank zu setzen. Dessen Gegenpart Jonatan Soriano (11) fehlen noch drei Treffer, dann würde der Kapitän den 100er im Dress von Salzburg feiern. Sadio Mane traf in zwei Jahren für Salzburg 45 Mal, wechselte nach seinem Eklat vor dem Spiel des Jahres in Malmö für die Bundesliga-Rekord-Ablöse von 15 Millionen Euro nach Southampton, wo er am Samstag gegen Newcastle aufgrund von Problemen mit der Arbeitsbewilligung nicht im Kader stand. Für seine Fußstapfen, die fußballerisch groß sind, kommen Marcel Sabitzer, Massimo Bruno und Tino Lazaro in Frage. Für nationale Aufgaben mehr als ausreichend und auch für die Europa-League-Gruppenphase ist man damit gut aufgestellt.

Bei WAC-Chelsea kamen im Sommer 28.000, gegen RBS könnten es 20.000 werden

WÜRDIGER RAHMEN

Die Bundesliga schickt ihre aktuelle Nummer eins als Schiedsrichter nach Kärnten, Harald Lechner. Als Salzburg die letzten beiden Male den Wiener als Unparteiischen hatte, flog sowohl in Wolfsberg als auch in Wiener Neustadt Sadio Mane vom Platz. Das kann dieses Mal nicht passieren. Nachdem WAC-Boss Dietmar Riegler zögerte und abwartete, wanderten die "Wölfe" schließlich für das Top-Spiel doch noch nach Klagenfurt in die Wörthersee-Arena. "Das sind schon um ein paar tausend mehr, als wir überhaupt in der Lavanttal-Arena untergebracht hätten", freut sich der Klubchef über das Interesse, denn mehr als 15.000 Tickets sind weg, 20.000 Zuschauer wären der Wunsch. "Wir brennen darauf, in diesem Stadion vor so einer Kulisse zu spielen", sagt Kühbauer, der allerdings weiß: "Vom Wirtschaftlichen her ist es sicher ein Vorteil, außerdem können dadurch mehr Fans dieses Spitzenspiel sehen. Aber wir kennen unser Heimstadion genau, in Klagenfurt haben wir gerade einmal am Samstag ein Training." Salzburg hatte im schönsten Stadion Österreichs zuletzt im Mai das Vergnügen. Ilsanker: "Ich habe dort an meinem Geburtstag meinen ersten Cup- und den ersten Doublesieg gefeiert. Daher freue ich mich, wieder nach Klagenfurt zu kommen. Ich finde, dieses schöne Stadion hat solche Spitzenspiele verdient und wir wollen die Zuschauer mit einem guten Spiel begeistern." Der WAC hat in der Bundesliga drei Mal dort gespielt und nicht verloren. Nach einem 1:1 gegen Sturm (2012) folgten 2014 ein 0:0 gegen die Austria und ein 3:2 gegen Wacker. Dieses Mal wäre ein Sieg ein Meilenstein. Kühbauer: „Ein Sieg wäre schön für den Klub, ganz Kärnten, die Spieler und auch für mich, aber eine Momentaufnahme. Das Leben würde sich nicht großartig verändern. Wir müssten auch danach so hart arbeiten wie jetzt." Dennoch ist es eine historische Chance.

 

Bernhard Kastler

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