Manuel Seidls Weg durch die Hölle

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Manuel Seidl ist in den vergangenen zwei Jahren durch die Hölle gegangen.

Vier Operationen am linken Knie musste der Niederösterreicher seit März 2013 über sich ergehen lassen.

"Ich will das nie wieder erleben. Es war keine schöne Zeit", sagt der 26-Jährige, der seit Sommer beim Wolfsberger AC unter Vertrag steht.

"Ich habe es sofort gewusst"

Begonnen hat die Leidenszeit des damaligen Mattersburg-Profis am 9. März 2013 gegen Rapid. "Dabei war dieAuswärtspartie im Hanappi-Stadion immer mein Lieblingsspiel", sagt er.

Dieser bestimmte Abend in Hütteldorf wird ihm aber ewig in negativer Erinnerung bleiben: "Es waren noch keine zehn Minuten gespielt, als ich in ein Kopfballduell gegangen bin. Beim Landen habe ich sofort gewusst, dass das Kreuzband gerissen ist."

Nicht das erste und auch nicht das letzte Mal in seiner Karriere. "Als ich noch in der Akademie in St. Pölten gespielt habe, habe ich mir einmal das Kreuzband im rechten Knie gerissen. Damals ist der Heilungsprozess aber super verlaufen", berichtet er.

Abstieg statt Top-Klub

Auch die erste Verletzung im linken Knie ist kein großes Problem. Die obligatorischen sechs Monate Pause sind aber speziell deswegen nicht besonders schön, weil Seidl von der Tribüne aus mitverfolgen muss, wie die Mattersburger aus der Bundesliga absteigen.

Doppelt bitter: Ohne die Verletzung hätte er aller Voraussicht nach nicht mit in die Erste Liga gehen müssen. Seidl war für den Sommer 2013 bei einigen Bundesliga-Klubs ein Thema. "Ich habe gehört, dass ich bei Rapid im Gespräch war. Ob das stimmt, weiß ich aber nicht", meint der Mittelfeldspieler.

Ende August 2013 gibt er im Heimspiel gegen Hartberg sein Comeback. Es folgt eine Partie bei Austria Lustenau und Anfang Oktober der verhängnisvolle Freitag-Abend auf der Hohen Warte.

Mit Kreuzbandriss durchgespielt

In seinem dritten Spiel nach der Genesung reißt sich Seidl gegen die Vienna bereits nach wenigen Minuten erneut das Kreuzband im linken Knie. Dennoch steht er bis zum Schlusspfiff auf dem Platz.

Der Moment nach dem Kreuzbandriss im Hanappi-Stadion

"Didi Kühbauer hat sich schon Sorgen gemacht. Er hat mich wöchentlich angerufen und sich erkundigt, wie es mir wirklich geht. Ich habe ihm die Wahrheit gesagt. Es war eine große Ehre, dass ich geholt wurde, obwohl ich zwei Kreuzbandrisse hinter mir hatte. Ich bin dem Verein für dieses Vertrauen sehr dankbar", so Seidl.

Doch das linke Knie gibt auch nach der Unterschrift in Wolfsberg keine Ruhe: "Kurz bevor ich zum WAC gekommen bin, wurde mir der Meniskus entfernt. Beim WAC habe ich dann die Reha gemacht. Anschließend habe ich zwar mit der Mannschaft trainiert, aber die Schmerzen sind wieder gekommen. Irgendwann wurden sie unerträglich."

Eine weitere Untersuchung, ein weiterer Rückschlag: "Es hat sich herausgestellt, dass von einer früheren OP noch Nähte im Knie waren. Die Nähte haben das Knie gereizt, alles war entzündet." Ein vierter Eingriff ist unumgänglich.

"Ich werde immer Schmerzen haben"

"Mittlerweile könnte ich mit einem Kreuzband-Patienten eine Therapie machen, so oft wie ich das schon mitgemacht habe", lacht Seidl. Dass er Scherze darüber machen kann, liegt nicht zuletzt daran, dass er wieder fit ist.

Wobei fit in seinem Fall nicht gleichzeitig schmerzfrei bedeutet: "Ich werde mein Leben lang etwas spüren. Beim Stiegensteigen habe ich jedes Mal einen Schmerz, aber damit habe ich mich abgefunden."

"Ich hatte in den Zweikämpfen Angst"

"Irgendwann kommt dieser eine Pressball"

Während so mancher seiner Kollegen die harte Arbeit in der Wintervorbereitung verfluchte, war sie für den 26-Jährigen der Himmel auf Erden: "Es hat wohl keiner mehr Spaß am Kicken als ich. Jeden Tag die Fußballschuhe anzuziehen und zu trainieren – es ist einfach ein Traum."

"Ich hatte lange Zeit Angst in den Zweikämpfen. Irgendwann kommt dann aber dieser eine Pressball, bei dem du merkst, dass das Knie hält. Jetzt ist die Angst weg", erzählt er.

"Ich erwarte einiges von ihm"

Das freut auch Coach Kühbauer: "Eigentlich heißt es: Solange du verletzt bist, solange brauchst du dann noch einmal extra, um wieder bei alter Stärke zu sein. In seinem Fall wird das nicht so sein. Er wird diese Knieverletzung aber auch nie wieder zu 100 Prozent wegbringen. Fußballerisch ist er wirklich ein Topmann. Er hat sehr viel Ruhe am Ball und einen unglaublichen rechten Fuß. Er wird uns definitiv helfen, obwohl ihm noch ein bisschen die Spritzigkeit fehlt. Ich erwarte mir einiges von ihm."

Der Kicker selbst gibt die WAC-Startelf als Ziel aus. Und obwohl er zwei Jahre seiner Karriere verpasst hat, hat er seinen Traum nicht aus den Augen verloren: "Ich bin mit meinen 26 Jahren nicht mehr der Jüngste. Aber meinen Traum, bei einem größeren Verein zu spielen, habe trotzdem noch nicht aufgegeben."

Wer die Hölle hinter sich hat, weiß eben zu kämpfen.

Harald Prantl

Er berichtet: "Ich wollte einfach nicht wahrhaben, dass schon wieder etwas passiert ist. Mir war zwar klar, dass etwas ist, es war aber nicht so ein Schmerz wie beim ersten Mal, deshalb habe ich mir eingeredet, dass schon nichts sein wird."

Doch, es ist etwas. Und die Reha-Prozedur beginnt von vorne. "Es ist die Hölle. Du siehst in der Kabine jeden Tag deine Kollegen, die sich die Fußballschuhe anziehen und musst selbst mit den Laufschuhen in die Kraftkammer", sagt der ehemalige U21-Internationale.

"Ich habe oft gezweifelt"

Nicht nur physisch, sondern auch psychisch ist Seidl während der zweiten Reha am Boden: "Irgendwann war der Moment da, an dem ich mir gedacht habe: Warum erwischt es mich und nicht einen schlechteren Menschen? - Ich glaube ja, dass ich ein ganz guter Mensch bin."

"Ich habe oft daran gezweifelt, dass das wieder wird. Ich hatte so arge Schmerzen, das Knie war nach der zweiten OP extrem geschwollen – es hat wie eine Baustelle ausgeschaut. Die Gedanken ans Karriereende waren definitiv da."

Zwei weitere Rückschläge

Doch Seidl kämpft sich wieder zurück. "Ich hatte zwar Schmerzen, habe in Mattersburg aber wieder mit der Mannschaft trainiert." Obwohl er noch nicht ganz fit ist, nimmt ihn der WAC im Sommer 2014 unter Vertrag.

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