Als Leichtgewicht zur Nummer eins

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Vor eineinhalb Jahren war Alexander Kofler am Boden.

„Es war eine harte Zeit, ich war im Kopf einfach nur noch leer“, erzählt der Kärntner.

In einem Katastrophen-Frühjahr hatte die Lustenauer Austria den fast schon sicher geglaubten Aufstieg in die Bundesliga verspielt. Mit einem Kofler, der meilenweit von seiner Topform entfernt war, im Tor.

„Ich habe am Schluss in Lustenau nicht mehr die Leistung, die ich selbst von mir erwartet habe, bringen können. Ich war sehr enttäuscht“, blickt der mittlerweile 28-Jährige zurück.

Die Reunion mit dem Ausbildner

In die Bundesliga hat er es in diesem Sommer trotzdem geschafft. Wenngleich nicht als Stammgoalie des Aufsteigers, sondern als klare Nummer zwei beim Wolfsberger AC. In der damaligen Situation dennoch die richtige Entscheidung: „Ich war einfach nur froh, dass mich der WAC aufgenommen hat. Es war wichtig, den Kopf wieder frei zu bekommen.“

Der Wechsel zurück nach Kärnten war gleichzeitig auch eine Reunion mit Adi Preschern. Der Tormanntrainer der „Wölfe“ hatte den Blondschopf schon in seiner Tormann-Akademie in Klagenfurt ausgebildet.

Das Wiedersehen war in vielerlei Hinsicht ein Erfolg. „Er hat mich wieder aufgebaut“, spricht Kofler die mentale Komponente an.

Mit acht Kilo weniger zur Nummer eins

Doch auch körperlich nahm Preschern seinen neuen, alten Schützling richtig hart ran. „Das Training war sehr intensiv. Ich habe acht Kilo verloren. Es war ein richtig hartes Jahr“, erzählt der Keeper.

Der Vergleich: Kofler in Lustenau und Kofler beim WAC

Das geringere Gewicht spüre er in der täglichen Arbeit: „Wenn man jedes Mal mit acht Kilo mehr aufschlägt, geht das mit der Zeit an die Substanz. Ich habe im Training nach 45 bis 60 Minuten einen Leistungsabfall bemerkt. Jetzt kann ich jedes Training und jedes Spiel bis zum Ende ohne körperliche Probleme durchziehen.“

In der Sommer-Vorbereitung setzte er sich dann gegen Christian Dobnik, der in der Aufstiegssaison noch unumstritten war und in der Vorsaison weiterhin ziemlich unantastbar schien, durch. „Es war eine 50:50-Chance, wir sind im Sommer beide bei Null gestartet. Die etwas bessere Vorbereitung hat letztendlich für mich gesprochen. Ich war überglücklich.“

Eine bessere Quote als Gulacsi, Lindner und Novota

Das Verhältnis zu seinem Konkurrenten habe das habe nicht getrübt. Dobnik und Kofler fahren tagtäglich gemeinsam von Klagenfurt nach Wolfsberg zum Training. „Wir haben ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Es gibt keinen Ned, keine Missgunst, es ist ein positives Anstacheln. Der Bessere spielt, der andere akzeptiert es“, sagt die aktuelle Nummer eins.

Der 28-Jährige hat seine Chance im Herbst zweifellos genutzt. Mit 21 Gegentreffern hat der WAC die wenigsten der Liga kassiert. Zudem weist Kofler eine Quote von 74,7 Prozent abgewehrter Bälle auf – mehr als etwa Peter Gulacsi, Jan Novota und Heinz Lindner. „Das ist ein toller Wert. Vielleicht kann ich ihn im Frühjahr ja sogar noch ein bisschen verbessern“, freut sich der Schlussmann des Tabellenzweiten.

Ein Weg durch alle Klassen

Dass es Kofler überhaupt in die Bundesliga geschafft hat, ist ob seines Werdegangs doch ungewöhnlich. ATUS Velden, SC Landskron, ASKÖ Fürnitz und der SAK Klagenfurt waren die Klubs, für die er vor seinem Wechsel zur Austria Lustenau im Tor gestanden ist.

„Mein Weg war halt ein bisschen anders als Akademie, Jugend-Nationalteam, und so weiter. Trotzdem war mein Ziel schon als kleiner Bub, irgendwann in der Bundesliga zu spielen. Ich habe davor eben von der 1. Klasse an jede Liga durchgespielt“, schmunzelt der Klagenfurter.

Nachteil sieht er keinen: „Wenn man relativ früh ins kalte Wasser geworfen wird und sich durchsetzen muss, ist das sicher ein Vorteil. Man ist schon früh in dieser Maschinerie drinnen. Und jede Liga hat ihr eigenes Flair.“

Am schönsten sei es aber eben doch in der Bundesliga. Deshalb hat Kofler seinen Vertrag auch schon im Dezember bis Sommer 2017 verlängert. „Es war kein Thema, das nicht zu tun. Ich musste keine zweimal überlegen“, grinst er.

Nicht schlecht für einen, der vor eineinhalb Jahren noch am Boden war.

Harald Prantl

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