Eine gefühlte Ewigkeit

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„…dann fehlt irgendwie der Anreiz, die Motivation“

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Was lange währt, wird endlich gut.

Eine gefühlte Ewigkeit musste Thomas Vollnhofer auf diesen Moment warten.

Am Samstag, dem 9. März 2013, war es soweit.

Der Burgenländer feierte mit 28 Jahren im Tor des SC Wiener Neustadt sein Bundesliga-Debüt, da Stammtorhüter Jörg Siebenhandl mit einer Muskelverletzung der Hüftbeugemuskulatur verletzt ausfiel.

„Es war ein Traum von mir, in der Bundesliga zu spielen. Ich habe lange darauf warten müssen, deswegen bin ich sehr froh, dass es jetzt geklappt hat. Es hat sich sehr gut angefühlt“, strahlt der Schlussmann im Gespräch mit LAOLA1.

Und seine erste Bewährungsprobe hatte es gleich in sich. Mit Austria Wien war nicht nur der überlegene Tabellenführer, sondern auch die Torfabrik der Liga zu Gast.

„Man kann zufrieden sein“

Doch anstelle in Ehrfurcht zu erstarren, zeigten die Niederösterreicher eine couragierte Leistung und knüpften den Wienern eine Nullnummer ab.

„Man kann zufrieden sein. Wir haben gegen den besten Sturm der Liga ein 0:0 herausgeholt. Das ist okay. Wir haben sehr wenig zugelassen. Die Mannschaft hat sehr gut gekämpft. Deshalb war es ein verdientes Ergebnis.“

Elf Torschüsse gaben die Veilchen ab, vier davon aufs Tor – diese stellten für Vollnhofer jedoch keine Probleme dar. Zudem überzeugte der ehemalige St.-Pölten-Tormann mit seiner ruhigen Art und einem guten Spielverständnis.

„Thomas hat eine positive Ausstrahlung gezeigt, hat ruhig und souverän agiert. Er war ein echter Rückhalt“, war Heimo Pfeifenberger mit der Vorstellung seiner Nummer zwei zufrieden.

Vollnhofer kennt seine Rolle

Der 28-Jährige hat in seinen ersten 90 Minuten in Österreichs obersten Spielklasse zweifelsohne bewiesen, dass er womöglich mehr als ein Ersatzmann ist.

„Ich habe versucht, die Erfahrungen, die ich in der Regionalliga und Ersten Liga sammeln konnte, umzusetzen. Das ist mir gut gelungen“, freut sich der Hobbyschlagzeuger.

Dass er trotz seiner guten Leistung ins zweite Glied zurückrücken muss, sobald Siebenhandl wieder fit ist, ist ihm bewusst.

„Ich habe gewusst, was mich erwartet, als ich im Sommer hier unterschrieben habe. Jörg ist die Nummer eins, ich bin die Nummer zwei. Ich möchte mein Bestes geben. Das ist ganz normal. Sonst wäre ich fehl am Platz.“

Dankbar für die Chance

Ansprüche zu stellen, ist nicht sein Ding. Er genießt vielmehr die aktuelle Situation – mit dem Hintergedanken, dass es im Fußball schnell gehen kann. Sowohl positiv, als auch negativ. Und Negativ-Erfahrungen kennt der Sportwissenschaft-Student zu Genüge.

Denn der Verletzungsteufel suchte den Ex-ÖFB-Nachwuchs-Keeper in der Vergangenheit öfters heim. Eine Wirbelverletzung setzte ihn 2008 rund drei Monate außer Gefecht, Anfang 2012 musste er aufgrund eines Mittelfußbruchs sogar ein halbes Jahr pausieren.

Dementsprechend dankbar ist Vollnhofer den Neustädtern für die erhaltene Chance. „Ich bin froh, dass ich trotz meiner Verletzungen die Möglichkeit erhalten habe, bei einem Bundesliga-Klub unterzukommen.“

Langfristiges Ziel heißt: Spielen

Auf Dauer sei sein Ziel natürlich zu spielen. „Das ist doch normal. Zufriedengeben kann man sich mit der Rolle als Ersatzmann selbstverständlich nicht. Wenn man sich mit einem Platz auf der Bank zufrieden gibt, fehlt irgendwie der Anreiz, die Motivation. Man muss dranbleiben. Das versuche ich.“

Dranbleiben heißt es auch für den SC Wiener Neustadt. Mit dem Punktgewinn gegen die Austria und der gleichzeitigen Niederlage der Admira haben die Blau-Weißen mit den Südstädtern die Tabellenplätze getauscht und sind nun Neunter.

„Wir müssen jeden Punkt, den wir bekommen können, mitnehmen. Und wir haben bewiesen, dass wir es auch gegen große Gegner können. Die wichtigen Spiele gegen unsere direkten Konkurrenten kommen für uns noch. Da müssen wir voll punkten, dann bin ich überzeugt, dass wir die Klasse halten werden.“

Und dann würde es auch für die Niederösterreicher am Ende der Saison heißen: Was lange währt, wird endlich gut.

Martin Wechtl

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