Parits: "Ich trage die volle Verantwortung“

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Ivica Vastic schien auch noch am Tag danach überrascht zu sein.

Das mag daran liegen, dass der neue Trainer der Wiener Austria als einziger durch die Hintertür den violetten Presseraum betreten und nicht mit so vielen Journalisten und Kameras gerechnet hatte.

Seiner kurzfristigen Bestellung als Chefcoach kann es aber durchaus auch noch geschuldet sein. Schließlich war diese erst 28 Stunden her.

"Eigentlich habe ich vorgehabt, in Kroatien in Ruhe Weihnachten zu verbringen. Aber dann kam der Anruf“, hielt der 42-Jährige seine Überraschung wie im LAOLA1-Interview vom Mittwoch fest.

Gemeinsam mit den Vorständen Markus Kraetschmer (Wirtschaft) und Thomas Parits (Sport), die sich ebenfalls erstmals offen zum Trainerwechsel stellten, betrat Vastic die Bühne im Presseraum und verhielt sich beim ersten offiziellen Termin nach der Beförderung souverän.

LAOLA1 hat die wichtigsten Punkte des offiziellen Antritts zusammengefasst:

Über die Entscheidung

„Ich habe das entschieden, ich trage die volle Verantwortung“, betonte Parits und verwies darauf, dass nicht die Chefetage darauf drängte, Karl Daxbacher zu beurlauben. „Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass der Trainerwechsel notwendig war. Das habe ich auch dem Aufsichtsrat gesagt.“ Parits anerkannte die Europa-League-Leistungen unter Daxbacher, die Ergebnisse in der Meisterschaft hätten ihn allerdings zum Handeln gezwungen. „Der einzige Grund waren die Ergebnisse, nichts anderes. Was rundherum war, interessierte mich nicht“, spielte der 65-Jährige auf den Vorfall um Roland Linz an (Der Kapitän soll mit Daxbacher aneinandergeraten sein, Anm.). Dass die Veilchen in den vergangenen vier Heimspielen keinen Sieg davongetragen haben und bei Schlusslicht Kapfenberg ebenfalls nur remisierten, war dem Burgenländer eindeutig zu wenig. „Wir haben in diesem Jahr auch schon im April einen Einbruch gehabt, der uns die Meisterschaft gekostet hat“, so Parits, der im Herbst die Chance des Davonziehens an der Spitze vorbeirauschen sah. Schlussendlich „habe ich nicht das Gefühl nicht, dass wir das Ruder herumreißen und war der Meinung, dass etwas Neues passieren muss.“ So beriet sich Parits erst mit Kraetschmer („Trage die Entscheidung voll mit“), ehe der Aufsichtsrat vom Vorschlag in Kenntnis gesetzt wurde. Dienstagabend wurde Vastic von Parits angerufen und mit Bedenkzeit bis Mittwoch zehn Uhr ausgestattet. Bereits um neun Uhr selbigen Tages wurden Daxbacher und sein Co-Trainer Josef Michorl davon in Kenntnis gesetzt, dass sie beurlaubt wurden. Parits: „Sie waren beide überrascht, ich kann sie natürlich verstehen.“

 

Über den neuen Trainer

„Ich hatte nie einen Plan B“, gestand Parits, der von Beginn weg felsenfest von seinem neuen Chef-Trainer überzeugt war und ist. "Ich habe so gut wie alle Partien der Amateure gesehen. Wie Ivo mit den Spielern umgegangen ist, hat mir imponiert", so der Sport-Vorstand, der seinem neuen Trainer Talent und akribische Arbeit attestiert sowie überhaupt keine Anzeichen von Angst hinsichtlich der Unerfahrenheit Vastic‘ in sich trägt: „Er braucht keine Vorbereitungszeit und kennt im Verein alle und alles. Es gibt auch nichts Schöneres, als junger Trainer so eine Chance zu bekommen. Ich selber durfte diese Erfahrung machen“, verwies Parits auf das Jahr 1984, als er mit 38 Jahren Cheftrainer der Austria wurde. Vastic selbst sieht sich für die „Herausforderung bereit. Ich weiß, dass sie mit Erfolg verbunden ist. Aber ich war auch als Spieler erfolgshungrig und konnte mit Erfolg zudem umgehen." Während Parits an die Umsetzung dieser positiven „Übermotivierung“ glaubt, ist auch Vastic mehr als guter Dinge: „Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft Qualität hat. Wir wollen uns für die Europa League qualifizieren. Wenn es mehr wird, werden wir aber nichts dagegen haben.“ Vastic will effizienten, schönen Fußball – der Teamgeist („Ich habe früher lieber Tore aufgelegt. Denn dann jubelt man zu zweit, bei einem Tor nur alleine“) sei zusätzlich ein ganz wichtiger Faktor, um in Ruhe arbeiten zu können. Alle Spieler hätten sich die Chance zu beweisen, auch der von Daxbacher zwischenzeitlich auf die Bank verbannte Linz (Vastic: „Wir brauchen einen Goalgetter wie ihn“). Über die Arbeit von Daxbacher wollte der neue Trainer nicht allzu viele Wort verlieren: „Nach dem Krieg ist immer leichter, General zu sein.“ Vastic kennt viele seiner neuen Schützlinge, „ich habe aber gelernt, Privates von Professionellem zu trennen.“ Ob er sich duzen oder siezen lassen würde? „Das werden wir sehen“, antwortete der bisherige Amateure-Trainer mit seinem bekannten verschmitzten Lächeln. Das „Du-Wort“ liegt ob der der vielen persönlichen Beziehungen zu den Spielern wohl nahe...

 

Über das neue Trainerteam

„Wir sind glücklich, dass wir noch vor Weihnachten das Trainerteam komplett zusammenstellen konnten“, war Kraetschmer mit dem reibungslosen Ablauf zufrieden. Wie erwartet werden durfte, kehrt Manfred Schmid nun doch nicht als Individual-Trainer im Nachwuchsbereich zur Austria zurück, sondern als 1. Assistenztrainer von Vastic. 2. Assistenztrainer wird Damir Ozegovic, der unter anderem fünf Saisonen bei der Admira engagiert war und zuletzt als Co-Trainer bei Regionalligist Horn fungierte. Warum zwei Assistenten? „Der Trainer-Job ist komplexer geworden“, schilderte Vastic. „Außerdem will ich auch mit kleineren Gruppen arbeiten“, ließ Vastic wissen. Ozegovic werde unter anderem auch für die Spielbeobachtung und Spielanalyse zuständig sein. Für Vastic ist die Analyse generell ein wichtiger Bestandteil der Trainerarbeit: „Ich werde die Spiele im Herbst genau analysieren. Auch die individuelle Analyse der Spieler ist mir wichtig.“ Mit Tormanntrainer Franz Gruber und Fitnesscoach Martin Mayer bleiben zwei Betreuer aus der Ära Daxbacher erhalten. Die Nachfolge für Vastic ist auch geklärt: Neuer Amateure-Trainer wird Herbert Gager, der zuvor das U18-Team betreute („Gute Pferde im eigenen Stall soll man eine Chance geben“), Co-Trainer bleibt Robert Sara.

 

Über mögliche Transfers

Obwohl Vastic dahingehend (noch) keine Forderungen stellte („Dazu bin ich nicht in der Lage“), wird der neue Trainer wohl zwei ganz neue Veilchen am 9. Jänner beim Trainingsstart begrüßen dürfen. „Es handelt sich um zwei junge, ausländische Spieler“, offenbart Parits. Gegenüber LAOLA1 hielt der Burgenländer fest, dass man mit einem der beiden jungen Spieler schon sehr weit sei, der andere noch andere Angebote abwäge. „Ich habe gerade erst heute sehr gute Gespräche geführt“, ließ Parits wissen. Der Sport-Vorstand denkt dabei „auch schon über den Sommer hinaus“. Man könne schließlich etwa davon ausgehen, dass Zlatko Junuzovic den Verein spätestens im Sommer verlasse. „Es ist auch möglich, dass Nacer Barazite ein gutes Angebot erhält“, betont Parits, der hofft mit einem der beiden angesprochenen möglichen Neuzugänge wieder einen Coup wie mit Barazite zu landen. Namen werden nicht genannt. Ob einer davon Dare Vrsic – an dem Olimpija-Offensivspieler soll die Austria schon einmal interessiert gewesen sein – ist, wurde seitens Kraetschmer weder bejaht noch verneint. Zwei Spieler werden hingegen den Verein im Winter ziemlich sicher verlassen. Bei Patrick Salomon und Manuel Wallner, der erst durch das Verletzungspech zuletzt zum Zug kam, habe man schon länger Gespräche in diese Richtung geführt, zumal sie kaum zu Einsatzminuten kamen. Das finanzielle „Go“ für alle Kaderaktivitäten – sieben Verträge laufen nach Saisonende aus, acht Optionen wären zu ziehen – des Winters, aber auch des Sommers habe man laut Kraetschmer. Wie der Kader für das Frühjahr genau ausschauen wird, wisse man wohl erst am 1. Februar. Das neue Trainerteam steht dafür schon komplett. Dahingehend herrscht auch Aufbruchsstimmung in Wien-Favoriten. Jetzt steht aber erst einmal Weihnachten vor der Tür. Nun auch bei der Austria.

 

Bernhard Kastler

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