"Weitere Jahre zu stehen, kann ich mir nicht leisten"

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Es ist ein Neubeginn – in jeder Hinsicht.

Sechs Jahre stand Christian Thonhofer bei Rapid unter Vertrag. Mit Ausnahme der Saison 2010/11, die der Defensiv-Akteur in Wr. Neustadt verbrachte, war sein Lebensmittelpunkt Wien.

Nun bricht der Blondschopf seine Zelte ab.

Um bei seinem neuen Klub WAC richtig Fuß fassen zu können, übersiedelt der ehemalige U21-Teamspieler nach Kärnten.

Zu pendeln, kommt nicht in Frage. „Zwei Stunden für eine Strecke im Auto zu sitzen, ist für einen Profi nicht mehr vereinbar. Ich bereite auch gerade alles für den Umzug vor. Das gehört so schnell wie möglich erledigt, damit ich mich aufs Fußballspielen konzentrieren kann“, erklärt Thonhofer im Telefonat mit LAOLA1.

Abschied aus Wien fällt nicht schwer

Die kommenden zwei Jahre heißt seine neue Heimat Wolfsberg. Der Abschied von der Weltmetropole Wien fällt ihm nicht schwer.

„Dass ich Wien verlasse, macht mir nichts aus. Nach jedem geschlossenen Kapitel öffnet sich eben ein neues. Ich freue mich auf die neue Aufgabe. Beim WAC sind lässige Leute. Es ist sicher kein Rückschritt.“

Sein Eindruck von der Mannschaft stimmt ihn nach der ersten Trainingswoche positiv: „Das Team ist absolut bundesligatauglich. Das Training und die Qualität passen. Der erste Eindruck ist wirklich sehr gut. Die Kollegen sind in Ordnung, auch wenn nicht alle Deutsch sprechen.“

Bjelica macht den Unterschied

Ein Hauptgrund für seinen Wechsel ins Lavanttal ist Nenad Bjelica. Zwei Jahre spielte er gemeinsam mit dem WAC-Trainer bei der Admira, und auch als sich ihre Weg trennten, blieb der Kontakt bestehen.

„Wir haben immer wieder telefoniert. Das war so, wie ich bei Rapid war und in meiner Neustadt-Zeit genauso.“ 

Trotz anderer Angebote machten daher die Kärntner das Rennen. „Niemand hat sich so um mich bemüht, wie der WAC. Es hat wirklich alles gepasst – da habe ich zuschlagen müssen. Ich bin froh, dass es funktioniert hat.“

Abgang von Rapid länger geplant

Nicht (mehr) funktioniert, hat es bei Rapid. „Ich habe mir bereits vor einem halben Jahr Gedanken gemacht und gewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Meine Chancen auf mehr Einsatzzeit haben sich bei Rapid nicht verbessert.“

Deswegen musste der nächste Karriere-Schritt ordentlich überlegt werden. Denn mit 27 Jahren konnte es sich Thonhofer nicht leisten, weiterhin auf der Bank zu schmoren.

„Mir war klar, dass jetzt der Zeitpunkt ist, wo ich viel spielen muss, damit es nicht nach hinten losgeht. Zwei  weitere Jahre zu stehen, kann ich mir nicht leisten. Wenn du einmal ein Jahr keinen Verein hast, wird es schwierig.“

„Kann von vergangenen Erfolgen nicht leben“

Insgesamt brachte es der Verteidiger bei den Grün-Weißen in der abgelaufenen Saison lediglich auf 857 Einsatz-Minuten. Viel zu wenig, denn nachdem er gemeinsam mit Trainer Peter Schöttel  im letzten Sommer von Neustadt nach Hütteldorf zurückkehrte, rechnete er schon mit mehr. Besonders deswegen, weil er unter dem Wiener in Neustadt eine ausgezeichnete Saison mit 35 Einsätzen absolvierte.

„Es bestätigt sich, dass man von vergangenen Erfolgen nicht leben kann. In Neustadt hat alles gepasst, auch wenn man sagen muss, dass dort nicht so ein Druck herrscht. Warum es bei Rapid nicht funktioniert hat? Vielleicht hatte der Trainer dort einfach andere Visionen. Das muss man akzeptieren. Ich trauere jetzt auch nicht der Tatsache, dass ich nicht mehr bei Rapid bin, nach.“

Art und Weise enttäuschend

Enttäuscht ist Thonhofer dennoch ein wenig. „Natürlich ist man im ersten Moment enttäuscht. Ich habe zwei Spiele absolviert und dabei zwei Assists geliefert. Klar überlegt man dann, ob man dadurch vielleicht noch einmal ein Zeichen gesetzt hat.“

Das Zeichen wurde von Rapid nicht erkannt. Im Gegenteil. Vor allem die Art und Weise wie der Abschied schlussendlich zustande kam, hätte er sich anders vorgestellt. „Niemand ist auf mich zugekommen und hat mir gesagt, was für Ideen sie haben. Ein Offert ist auch ausgeblieben. Man gibt zwar die Hoffnung nicht auf, aber insgeheim war mir klar, dass  etwas Neues passieren muss.“

Der ehemalige Admiraner gesteht aber auch Fehler ein. „Ich habe mir Kritik zu sehr zu Herzen genommen. Ich habe aber gelernt, damit umzugehen. Ich würde vieles anders machen. Vielleicht habe ich mich in dem einen oder anderen Training hängen lassen. Aus Fehlern lernt man.“

Vorbild Admira

Unter dem Kapitel Rapid ist jetzt aber endgültig ein Schlussstrich gezogen. Mit Aufsteiger WAC hat er dafür ehrgeizige Ziele. Als Vorbild gilt die Admira.

„Sie haben gezeigt, was gehen kann. Der Klub hat es weit gebracht.  Auch, weil man sich auf seine Stärken besionnen hat. Wir wollen im Mittelfeld mitspielen. Ich denke, wir werden einige überraschen.“

Davon kann man ausgehen, schließlich ist es auch für den WAC ein Neubeginn – in jeder Hinsicht…

Martin Wechtl

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