Gludovatz ist zurück: "Ich stehe über allem"

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An der Aufbruchstimmung wird es gewiss nicht scheitern.

Am Dienstag hat Paul Gludovatz 1248 Tage nach dem Ende der ersten Ära seine zweite bei der SV Ried eingeläutet. Am und abseits des Feldes zu spüren: Es ist eine ganz besondere Rückkehr.

Die erste Aufstellung, die sich der 69-Jährige im Innviertel ansah, war dabei jene seiner alten und neuen Spieler zur Begrüßung. Und der Schmäh beim Aufeinandertreffen im alten Stadion lief.

„Back hoam hoast des“, sagte der alte, neue Trainer zu Kapitän und Tormann Thomas Gebauer, einer von vier Spielern, die Gludovatz schon in dessen ersten Ära (2008-2012) trainierte.

Luft brauch ma“

Thomas Reifeltshammer, Marcel Ziegl und Julian Baumgartner sind die anderen drei, die sich wie viele Betreuer, Bekannte und Fans über das Wiedersehen mit dem 69-Jährigen freuen.

Die anderen Spieler kennt Gludovatz freilich auch. „Von dir habe ich einmal ein Video als 13-Jähriger gesehen, da woarst guat“, scherzte der Burgenländer mit Patrick Möschl. Mit den Spaniern Alberto Prada und Manuel Gavilan flachste Gludovatz nicht weniger. Klassisch „Pauli“.

Um 9:32 Uhr stellte Manager Stefan Reiter im Kreis der Spieler und Betreuer das Duo mit Gerhard Schweitzer vor, danach hatte der Sir das Wort. „Luft brauch ma“ lässt erahnen, auf was Gludovatz aus ist. Um 9:45 Uhr hören die Medienvertreter und vielen Kiebitze nur ein lautes Wort: „Gemma!“ 

Er ist ganz der Alte“

Und dann machte Gludovatz das, was er auch in seiner ersten Ära vorwiegend gemacht hat: beobachten. Mit dem einen oder anderen führte er auch ein Einzelgespräch. Nach dem Zirkel sind die beiden „Neuen“ beim Abschluss-Training aktiv und laut. Um 11:15 Uhr ist schließlich das erste Training beendet.

„Schon bei der ersten Ansprache war er ganz der Alte“, sagte danach Reifeltshammer, der 2011 unter Gludovatz nach dem Karriereende von Oliver Glasner zum Abwehrchef avancierte.

Was war der Inhalt? „Wir sitzen alle in einem Boot und wenn wir alle 100 Prozent geben, sind wir erfolgreich. Es geht auch darum, dass man das absolute Maximum von jedem herauskitzelt.“

Übergeordnetes Ziel heißt Stabilität“

Nach dem Heimspiel gegen Sturm gastiert Ried vor der Länderspielpause in Grödig. Gludovatz:„Das übergeordnete Ziel heißt: Stabilität. Es hat defensiv wie offensiv Probleme gegeben.“

Dem Burgenländer ist die Erwartungshaltung ob seiner Ankunft nicht entgangen. „Nehmen Sie Abstand von 'Veni, vidi, vici!' Es geht nicht mit Fingerschnippen. Ich scheine ein Hoffnungsträger zu sein. Aber es wird nicht so sein: Jetzt ist er da und es funktioniert alles.“

Einen Appell an die Spieler gab es auch bei der Pressekonferenz: „Es geht um Tatsachen. Wir müssen zeigen, dass wir besser als andere Teams sind. Wir haben einen Punkt, sind Zehnter. Wenn wir Neunter sind, können wir weiterreden. Vorher werden wir keine Ruhe geben.“

Und wie lange bleibt "Pauli" eigentlich? „Es gibt kein Ablaufdatum“, so der Burgenländer, der laut Reiter „zumindest bis Ende der Saison" hier arbeitet. „Wenn ich's dalebe“ - und wieder eine Wuchtel des Trainers, der übrigens eine Rückkehr zum berühmten 3-3-3-1-System nicht ausschließt.

Keine neuen Spieler

Klar ist indes, dass keine neuen Spieler mehr bis zum 31. August, also dem Ende des Transfermarktes, kommen werden. Das war vor der Ära Gludovatz II so, das ist auch nach Beginn ebendieser.

Reiter: „Die Qualität reicht aus, nur muss sie auch gezeigt werden.“

Oliver Kragl hätte per Klausel den Verein zu einer festgesetzten Ablösesumme verlassen können. Doch am 15. August war die Deadline. Für Rapid war er kein Thema, sagte der grün-weiße Sportchef Müller unlängst.

Grillabend beim Captain

Nachdem der Vertrag mit Ex-Trainer Helgi Kolvidsson am Montag ohne Probleme aufgelöst wurde (Reiter: "Kaum eine Entscheidung ist mir in den letzten 20 Jahren schwerer gefallen") und Gludovatz/Schweitzer Ried finanziell „nicht ins Dilemma stürzen“, kann sich der Verein gänzlich dem Kampf der tristen Situation widmen.

Nach dem Mannschaftstraining am Nachmittag geht es zum Kapitän zum Grillen.

Eine neue, alte Ära ist eingeläutet.

  

Bernhard Kastler

Bin ich bei Barca oder Real?“

Gludovatz steht für Erfolg. „So viele Medienvertreter sowie Zuschauer waren schon lange nicht mehr beim Training, man sieht den Stellenwert, den er in Ried hat.“

Bei der Pressekonferenz ist es nicht anders.

„Normalerweise müsste ich sagen: Wow, bin ich hier bei Real Madrid oder beim FC Barcelona gelandet?“, läuft der Schmäh auch zu Mittags weiter. „Ist in Ried der Reichtum ausgebrochen? So viele Autos gab es hier früher nicht!“, schob Gludovatz gleich eine weitere Wuchtel hinterher.

Und eine ging noch: „Warum ich mir das (gesundheitlich) zumute? Mein Enkelbub fragte mich: Soll ich gratulieren oder kondolieren? Ich habe mich für Ersteres entschieden. Denn es ist für mich auch eine sensible Geschichte.“

Alles wie immer bei der Aufteilung

Trotz hohen Alters wirkt Gludovatz agil wie eh und je. Keine Spur von den 69 Lenzen. Es ist hör- und spürbar eine Herzensangelegenheit für ihn und seinen guten Freund Schweitzer.

„Ich atme gerne Innviertler Luft und deswegen ist die Entscheidung auch schnell gefallen. Mit Gerhard verbindet mich eine persönliche Beziehung, die uns qualitativ auch eint. Nun beginnt die Stunde 0.“

Neben Gludovatz und Schweitzer gehören auch und wie bislang Thomas Sageder (Co) und Hubert Auer (Tormann) dem Trainer-Team an. Die Arbeitsaufteilung erfolgt wie in der ersten Ära.

„Es gibt eine Kompetenzabgrenzung. Ich halte in der Öffentlichkeit den Kopf hin, bin bei jedem Training dabei, plane mit und wo Fachleute arbeiten, koordiniere ich. Ich stehe über allem, bin bei allem dabei. Das hat schon einmal so geklappt.“

Spieler sind gefordert

Gludovatz („Habe dem Fußball nie ade gesagt“) wurde in der Konstellation mit Schweitzer Cupsieger 2011, war Herbstmeister und Winterkönig. Nun geht es um Essenzielles: „Der Fokus liegt auf Punkten und Ranking. Wir haben klare Vorgaben, sind dabei direkt und konkret.“

Wie sehen die aus? „Jeder Spieler muss seine persönliche Identitätskarte vorweisen, egal ob im Spiel oder im Training. Jeder soll sich zeigen. Die Spieler müssen wollen, was den physischen Teil betrifft. Jeder weiß, unsere Teams sind immer um 20 Prozent mehr gelaufen als die anderen.“

Schweitzer, der die Mannschaft als interner Scout bestens kennt und auch mit zusammengestellt hat, wird wieder genauestens auf die Passgenauigkeit achten – und mehr.

„Wir werden das Team mit unseren Ideen vertraut machen. Die Mannschaft weiß auch, dass es zu wenig war. Auch schon in der Vorbereitung. Wir müssen der Öffentlichkeit zeigen, dass wir wieder ein Team sind. Man kann auch gegen Sturm 0:3 verlieren, aber wie? Im Innviertel sind die Leute schon aufgestanden, wenn man sich einfach den Arsch aufgerissen hat. Ansätze sind dabei zu wenig.“

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