Oliver Kragl ist der emotionale Rieder Leader

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Man muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein, heißt es.

Oliver Kragl war das vor über einem Jahr. Denn als Ried-Manager Stefan Reiter aufgrund eines anderen Spielers zur Beobachtung kam, fiel ihm der Deutsche auf.

"Wir spielten gegen Dortmund und danach rief Stefan meinen Berater an", erinnert sich der heute 24-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 in der Rieder Kaserne.

"Damals kannte ich den Namen Ried nicht einmal", gesteht Kragl. Mittlerweile kennt er jede Ecke der Bezirkshauptstadt und manövriert als Beifahrer das LAOLA1-Auto zum alten Stadion, wo Regeneration nach dem Training ansteht.

Schnell zum Schlüsselspieler

Ried nach Berlin ist zweifellos eine Umstellung, aber Kragl behagt auch das ruhigere Umfeld. "Ich fühle mich sehr wohl hier", sagt der Linksverteidiger.

Auch deswegen verlängerte Kragl, der im Sommer 2013 vom Drittligisten Babelsberg ins Innviertel kam, seinen Vertrag vorzeitig bis 2016.

"Er ist zu einem sehr wichtigen Baustein der Mannschaft geworden", kommentierte Reiter die frohe Botschaft für die "Wikinger". Tatsächlich wurde Kragl binnen einer Saison zu einem absoluten Schlüsselspieler der SV Ried.

"Ich muss aggressiv sein"

Der Wolfsburger stand als Feldspieler nicht nur die meisten Minuten am Platz, sondern war auch mit acht Treffern der torgefährlichste Defensivspieler der Liga. Hinzu kommt seine aggressive Spielweise, er ist der emotinale Rieder Leader.

„So bin ich der lockerste Typ, aber es ist klar, dass ich zu meinem Gegenspieler nicht der netteste Junge sein kann. Ich muss aggressiv sein, sonst kann ich im Zweikampf auch nicht meine Leistung bringen", erklärt Kragl.

In Erinnerung blieb vor allem das Duell mit Salzburg vergangene Saison, als der Wikinger mit Alan, Kampl und Trainer Roger Schmidt zu tun hatte.

"Deutsche sind ehrgeiziger"

"Auf dem Platz ist es einfach so. Da wird das Maul aufgemacht und provoziert, das macht der Gegner aber genau so. Man schaukelt sich hoch und es kann wie bei mir gut für die Leistung sein. Ich muss aggressiv sein, um voll da zu sein. Andere müssen sich auf ihr Spiel konzentrieren und reden gar nichts", schildert Kragl.

"Das ist einfach meine Mentalität, die ich von zu Hause habe. Das ist auch ein Unterschied zwischen deutschem und österreichischem Fußball. Ich denke, dass die Deutschen im Sport allgemein ehrgeiziger als die Österreicher sind. Wenn ich am Trainingsplatz stehe und 0:2 verliere, dann rege ich mich genau so auf.“

Kragl versucht die Aggressivität aus dem Land des neuen Weltmeisters und U19-Europameisters ins Rieder Spiel zu importieren.

"Anderen würde es nicht schaden, wenn sie mal mehr aus sich herauskommen würden und mehr Power im Körper haben. Ich habe das hier ein wenig hereingebracht und sehe, dass auch andere Spieler nun aggressiver sind. Das finde ich gut."

Eine Prise Aggressivität ist dem Rieder Spiel nun auch von Haus an angereichert worden, schließlich verlangt die Pressing-Philosophie von Neo-Trainer Oliver Glasner auch entsprechendes Attackieren bei Ballverlust.

Beim Saison-Auftakt gegen Wiener Neustadt hat das gleich nach vier Minuten funktioniert, als Kragl den Ball eroberte und schließlich über Marcel Ziegl und Dieter Elsneg Clemens Walch die Führung beim 3:1-Sieg erzielen konnte.

"Wir haben viele neue Dinge gelernt und es macht Spaß, man bekommt die Bälle weiter vorne, kommt schneller zum Torabschluss und kann so mehr Tore erzwingen. Sonst braucht man ja 20 Minuten, um von hinten herauszuspielen, um vorne einmal gefährlich zu werden", freut sich Kragl über die neue Spielweise.

"Alter ist scheißegal"

Freilich bedarf es noch Zeit und wird auch seine Spiele brauchen, um es so gut es geht umzusetzen. Schließlich verlangt es auch viel von einem Spieler.

„Es ist sehr laufintensiv, man muss im Kopf voll da sein und man darf nicht lange über einen verlorenen Ball nachdenken, sondern muss sich gleich stellen. Wenn der Ball vorne rechts verloren geht, dann betrifft mich das auch. Dort fängt Pressing an, bei mir hört es auf. Jeder muss mitmachen, ansonsten funktioniert es nicht."

Dass die Innviertler einmal mehr junge Spieler in die Verantwortung nehmen, kommt Kragl gerade Recht.

"Viele sagen man braucht erfahrene Spieler. Ich finde, das ist einfach eine Frage der Einstellung. Die Superstars der WM waren auch allesamt eher Anfang 20. Es geht um die Leistung, und es ist scheißegal, wie alt einer ist. Man kann auch mit jungen Mannschaft Erfolg haben."

Darum hat Kragl diesen "Bums"

Das will Kragl freilich auch in der neuen, noch jungen Saison. Wieder will er die meisten Einsatzminuten haben, wieder will er acht Tore erzielen.

"Wenn es fünf werden und wir gewinnen mehr Spiele, ist es auch okay", grinst der Abwehrspieler, der vergangene Saison drei Positionen gespielt hat, nun aber auf der Linksverteidiger-Position seine Offensivlust ebenso ausleben kann.

Und zum Freistoß-Schießen kommt Kragl ohnehin immer nach vorne mit. Sein Hammer ist in der Bundesliga zu einem Markenzeichen geworden. Wie kam's?

Geschwindigkeitsmessen mit Ronaldo?

"Früher war ich immer am Bolzplatz und habe die Bälle von sonst wo auf das Tor gejagt. Ich glaube davon kommt das auch, warum ich jetzt so einen Bums habe. Da wurde mir gesagt, ich schieße wie ein Pferd", lächelt der Linksfuß.

Für sein Freistoß-Tor beim 3:3 gegen die Austria vergangene Saison wurde Kragl von der LAOLA1-Redaktion als "Künstler der Saison" nominiert.

"Technik ist natürlich auch entscheidend, damit der Ball so fliegt. Das lernt man mit der Zeit", erklärt Kragl, der kein Vorbild dafür hat, aber gerne einmal mit Cristiano Ronaldo ein Geschwindigkeitsmessen veranstalten würde.

Vielleicht ist Kragl ja auch dann einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

 

Bernhard Kastler

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